Ausschnitte aus dem Buch von Alexander S. Wolf: Die Wahrheit über Netzwerken

Die Wahrheit über Netzwerken von Alexander S. Wolf

Wir kennen uns, wir helfen uns – Bosbach

Hier folgen Ausschnitte aus „Die Wahrheit über Networking“. Mit Wolfgang Bosbach, Rainer Brüderle, Vera Gäde-Butzlaff, Michael Glos, Prof. Dr. Jo Gröbel und Louis Ferrante.

Alexander S. Wolf führte Interviews mit prominenten Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Branchen und hat daraus ein Buch gemacht, damit wir von den Profis lernen können.

Hier ein paar Ausschnitte aus „Die Wahrheit über Networking“. Mit Wolfgang Bosbach, Rainer Brüderle, Vera Gäde-Butzlaff, Michael Glos, Prof. Dr. Jo Gröbel und Louis Ferrante.

Herr Bosbach, Was ist „Networking“ überhaupt?

Die englische Übersetzung für das kölsche Wort „Klüngel“. Entgegen landläufiger Meinung ist Klüngel nichts Unanständiges oder gar Verbotenes, das bedeutet nur

„Wir kennen uns, wir helfen uns!“

Und was sagen Sie, Herr Gröbel, was ist „Networking“?

Networking ist wie Straßenverkehr – der Aufbau von Kontakten wie ein Straßennetz (wo es stark befahrene und wenig befahrene Straßen gibt.) Oft bleiben Kontakte lange ungenutzt, aber es ist gut, einen gewissen Kreis zu kennen und später, wenn man Kontakte braucht, darauf zurückgreifen zu können. Und nicht nur über Primärkontakte, sondern auch über sekundäre: Ich kenne jemanden, der jemanden kennt, der wiederum jemanden kennt. Das ist modernes Networking.

Gibt es ein gemeinsames Element, das alle erfolgreichen „Netzwerker“ miteinander verbindet, Herr Bosbach ?

Das Wissen, dass man gemeinschaftlich erfolgreicher agieren kann und dass niemand so gut, so klug und so erfolgreich ist, dass er nicht einmal Rat oder Hilfe braucht. Weil auch ein Weltrekordler über die 100m Strecke zwar alleine gelaufen ist, aber jede Menge Hilfe hatte. Trainer, Betreuer, Physiotherapeuten usw. usw..

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Eigenschaften?

Verlässlichkeit, Ehrlichkeit, keine Geschäfte nur auf Gegenseitigkeit.“

Der Deutsche Bundestag
Deutscher Bundestag in Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Herr Brüderle, welche Eigenschaften brauchen gute Netzwerker?

Gut zuhören können, kommunikativ sein, die Verhaltensregeln und die Kultur der Gruppe kennen, gesundes Selbstvertrauen und Humor.

Und welche Werte sind für Sie wichtig, Herr Glos?

Vertrauen, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit. Ohne diese Dinge geht es nicht.

Und wie baut man Vertrauen in einer Beziehung auf?

Zunächst einmal muss immer auch „die Chemie“ zwischen zwei Menschen stimmen. Wirkliches Vertrauen entsteht eigentlich erst dann, wenn man über eine längere Zeit hinweg erfolgreich zusammengearbeitet oder sich ausgetauscht hat.

Man muss merken, dass man sich auf jemanden wirklich verlassen kann.

Wolfgang Bosbach, für Vertrauensaufbau ist eine altruistische Grundeinstellung wichtig. Warum?

Weil Hilfe ja echt Hilfe sein soll und kein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Wenn ich für den Wiederaufbau von Haiti spende, frage ich mich vorher ja auch nicht „und was hat Haiti bislang für mich getan?“

Herr Brüderle, welche Werte sind für Sie in Netzwerken wichtig?

Die wichtigsten Werte sind Vertrauen, Integrität und Verantwortung. Ein Netzwerker sollte auch helfen wollen, ohne nur seine eigenen Vorteile zu berechnen.

Also auch wieder das Thema Vertrauen. Und wie schafft man Vertrauen?

Vertrauen schafft man durch ein stetiges Einhalten der gemeinsamen Werte.

Die einfachsten Regeln dazu sind Kontinuität und Konsistenz im eigenen Verhalten sowie Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit. Wer anderen vertraut, wird aber auch leichter ausgenutzt. Jeder, der auf Vertrauensbasis agiert, riskiert es, ausgenutzt werden. Es ist eine gute Eigenschaft, auch bei schlechten Erfahrungen nicht das allgemeine Vertrauen in Menschen zu verlieren.

Berlin: Bundesministerium des Innern
Bundesministerium des Innern in Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Wie sorgt man denn für ein ausgeglichenes Verhältnis beim Geben und Nehmen?

Die Wissenschaft hat gezeigt, dass derjenige, der mehr gibt, auch mehr zurückbekommt. Man sollte aber durch Reflexion von Zeit zu Zeit das Verhältnis überprüfen und sich selbst befragen.

Frau Gäde-Buzlaff, was bekommt man denn zurück? Oder anders: wofür sind Beziehungen denn eigentlich gut?

Beziehungen sind gut, um sich schneller, unkomplizierter, unbürokratischer zu erreichen. Da braucht es nicht all das, was sonst immer lange dauert, weil es formell angegangen werden muss. Eine Beziehung ist es, wenn ich weiß, ich kann jemanden einfach anrufen. Wenn man zum Beispiel etwas Neues machen will, dann hat man ein Gesicht dahinter, weiß, wie der andere tickt und muss nicht viel drum herum reden. Beziehungen sind wichtig um das Geschäft voran zu bringen und es einfacher zu machen.

Kommunikation ist einfach alles in diesem Bereich.

Herr Glos, stimmen Sie zu? Was meinen Sie, wofür sind Beziehungen gut?

Getreu dem Sprichwort, wonach „Verbindungen nur dem schaden, der sie nicht hat“, helfen gute Kontakte, Freundschaften und Verbindungen in allen Lebenslagen. Das lässt sich nicht beschränken. Weder auf bestimmte Lebensphasen noch auf bestimmte Lebensbereiche. Alle Kommunikation zwischen Menschen – ob im Privaten oder Beruflichen – beruht auch darauf, dass man einander vertraut. Beziehungen sind der Ausdruck gegenseitigen Vertrauens.

Schon wieder das Wort „Vertrauen“. Herr Bosbach, ist das Element Vertrauen denn der Unterschied zwischen lockerem „Kontakt“ und belastbarer „Beziehung“?

Ja. Kontakt bedeutet für mich „in Verbindung stehen“ oder nur ein „sich kennen“. Beziehung geht darüber hinaus und basiert auf Vertrauen und Verlässlichkeit.“

Berlin: Bundeskanzleramt
Bundeskanzleramt in Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Louis Ferrante, Du als Amerikaner propagierst etwas Ähnliches. Ganz unamerikanisch sagst Du, es ginge beim Networking nicht um Jagd, sondern um Landwirtschaft.

Ja, exakt. Das ist wie mit einer Beziehung zu einem Mädchen.

Du erzählst ihr nicht am ersten Tag:„Hey, zieh´ in meine Wohnung! Hier ist meine Kreditkarte, willst du ein Auto?“ Nein, es werden immer kleine Schritte sein, bis zu dem Punkt, wo du bereit bist, ihr alles zu geben. Und genau so ist es im Business.

Du warst jahrelang Mitglied der Mafia. Wie schafft es die italienische Mafia, sich immer noch so erfolgreich gegen andere konkurrierende Netzwerke zu behaupten? Was haben die Italiener, das die anderen nicht haben?

Ich glaube, da ist erst einmal unser Erfindungsgeist. Die italienische Geschichte von den Römern über die Renaissance bis heute zeigt, dass Italiener immer sehr erfindungsreich waren.
Und speziell zur italienischen Mafia: ich kann eigentlich nur für die Italo-Amerikanische Mafia sprechen. Was wir haben, das niemand anderes hatte und bis zum heutigen Tag auch nie so gut wie die Italiener perfektioniert hat, sind:
A. Die Struktur, der Aufbau einer echten kriminellen Familie.
B. Kodex und Regeln.

Das ist es, was die italienische Mafia immer noch den russischen oder asiatischen Mafiastrukturen voraus hat.

Die sind viel zersplitterter. Die Italiener sind ein Block. Ich konnte nicht einfach tun, was ich wollte. Es gab keine Anarchie. In keinem Bereich. Ich musste immer meinem Boss detailliert berichten. Er wusste immer genau, was ich wann tat.“

Zum Schluss noch ein Wort von der Dame im Kreis: Frau Gäde-Butzlaff, welche Erwartungen haben Sie an ein Netzwerk?

Zu hören, was andere Menschen aus anderen Branchen machen. Diese Menschen kennenzulernen und so die Gelegenheit haben, etwas gemeinsam zu entwickeln. Auch mit Menschen, bei denen man am Anfang nicht denkt, dass es etwas Gemeinsames gibt. Bei uns waren viele Ideen, aus denen Kooperationen entstanden sind, das Resultat solcher Gespräche.“

 

Alexander S. Wolf: Die Wahrheit über Netzwerken
Die Wahrheit über Netzwerken

Die Wahrheit über Netzwerken

Interviewbuch mit 226 Seiten

Alexander S. Wolf. fragt

Dr. Thomas Borer-Fielding, Wolfgang Bosbach, Rainer Brüderle, Louis Ferrante, Andreas Fritzenkötter, Vera Gäde-Butzlaff, , Michael Glos, Prof. Dr. Jo Groebel, Hubertus Heil, Prof. Dr. Marina Hennig,  Dr. Martina Kauffeld-Monz, Dieter Klostermann, Dieter Kronzucker, Bernhard Lauster, Dr. Hugo Müller-Vogg, Hans Rudolf Wöhrl, Vladimir Malakhow, Sebastian Nerz

Hier gelangen Sie zum Buch.

 

Dieses Interview wurde erstmals im eMagazin von AusserGewöhnlich Berlin in der Ausgabe 11/2016 veröffentlicht.

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