Tristan Horx im Gespräch mit Alexander S. Wolf

Tristan Horx im Gespräch mit Alexander S. Wolf

Die Welt nach Corona

Was erwartet uns nach Corona? Alexander S. Wolf hat mit dem Zukunftsforscher Tristan Horx gesprochen.

 

 

Zukunft: Die Stärke Berlins.

Wie ist eigentlich Berlin so groß und so erfolgreich geworden? Das liegt daran, weil in dieser Stadt immer die Leute angespült wurden, die woanders zu viel, zu visionär, zu irre waren. Leute, die Ideen hatten, bei denen alle sagten: ‚Das wird nie klappen!‘ Und dann klappte es doch.

Zukunft war immer die Stärke Berlins. Und deshalb ist jetzt auch die Krise die große Chance für Berlin. Wir als Netzwerk wissen, dass diese Kraft, das Morgen schon heute zu sehen, immer noch da ist.
Doch dafür müssen wir uns jetzt fragen: Was passiert in der Zukunft? Man muss sich mit der Zukunft beschäftigen und nicht damit, wie schön es in der Vergangenheit war. Und das machen wir als Netzwerk. Deswegen Alexander S. Wolf mit dem Zukunftsforscher Tristan Horx während unseres Salons im Hotel Adlon gesprochen.

Alexander S. Wolf: Berlin ist anders als Wien. Egal ob du Titel hast oder irgendwas. Die Leute finden Dich erst dann gut, wenn du zeigst, was du kannst.

Tristan Horx: Ich habe auch keinen Titel…

Alexander S. Wolf: …aber du hast doch garantiert etwas studiert?

Tristan Horx: Klar, wenn man Bachelor als Titel sieht: Kultur und Sozialanthropologie, also nicht Zukunftsforscher.

Alexander S. Wolf: Okay und das reicht in Wien auch nicht einmal für….

Tristan Horx: Nein, also bitte! Da darfst du noch niemanden siezen.

Alexander S. Wolf: Okay. Ja, Du passt ja aber nach Berlin. Vom Herzen bist du Berliner. Aber erstmal: Wie kommst du dazu, über Zukunft zu forschen?

Tristan Horx: Naja, das würde mir natürlich ein bisschen familiär reingedrückt, muss man ehrlich sagen. Ich habe da natürlich eine Zeit lang dagegen rebelliert. Das muss man ja auch mal machen und hab mich dann am Ende doch wieder in diesem Feld gefunden. Mittlerweile habe ich meinen eigenen Spin draufgemacht und finde es eigentlich ganz toll.

Alexander S. Wolf: Ich habe mir mal deine Seite angeguckt, auch den ganzen Podcast. Ich glaube es gibt kaum einen, der so ein breites Spektrum an Leuten, die echt Ahnung haben, interviewt hat. Darüber, was die Zukunft bringt. Mit wem hast du schon gesprochen?

Tristan Horx: Letzte Woche habe ich ein Podcast mit der bekanntesten Astrologin Österreichs gemacht. Wir suchen beide Zukunft mit verschiedenen Methoden. Ansonsten habe ich zum Beispiel mit Richard David Precht oder dem ehemaligen Kanzler von Österreich gesprochen,… es sind schon paar coole Leute dabei.

Alexander S. Wolf: Mit wie vielen Leuten hast du insgesamt gesprochen?

Tristan Horx: Mit 45 oder so…

Alexander S. Wolf: Das heißt, du kannst jetzt sagen, was die Zukunft bringen wird? Was sind denn so die Trends?

Tristan Horx: Ich hab die Glaskugel leider nicht mit in den Flieger mitnehmen dürfen, aber grundsätzlich sind wir als Institut ein Think Tank. Also es ist nicht nur ich, der diese Meinungen hier hat, sondern wir haben 50 Leute, die da sitzen und das erforschen.
Unser Thema ist, irgendwie herauszufinden, wie wir jetzt eigentlich mit dieser Entschleunigung, die jetzt passiert ist, umgehen. Die These lautet zumindest, dass es in fünf Jahren nimmer so sein wird wie vor Corona. Aber es wird nur darüber diskutiert, wie kriegen wir die Welt von vor Corona wieder her?
Die Aufgabe unseres Instituts ist es, zu sagen: Es wird nicht mehr so, wie davor. Ich bin fest davon überzeugt, dass jetzt dieses Mega-Konsumieren, diese oberkapitalistische Gesellschaft, vorbei ist. Alle sind kollektiv eine Zeitlang aus dem Hamsterrad herausgegangen und das hat schon einen Effekt auf die Psyche oder die Gesellschaft. Also insofern kann man sich glaub ich darauf freuen, dass wir die negativen Konsequenzen der Hyperglobalisierung und vielleicht auch des Hyperkapitalismus so ein bisschen eingebremst haben.

Alexander S. Wolf: Also Kreuzfahrten sind jetzt nicht mehr ganz so angesagt. Das heißt, das Thema mit der Verschmutzung der Meere durch Kreuzfahrtschiffe ist gerade durch. Gar nicht schlecht. Aber laufen wir nicht Gefahr, dass wir in ein neues Biedermeier reinrutschen, weil wenn wir jetzt Heimat, dieses Wort haben wir gerade gehört, und Rückzug und Zuhause und so weiter wieder in den Vordergrund rücken… beeinflusst das auch den Geist? Werden wir wieder alle spießige Protestanten?

Tristan Horx: Wir denken da immer ein bisschen zu schwarz und weiß, ein bisschen zu binär. Man kann sich problemlos irgendwo mit einer Region identifizieren und trotzdem Kosmopolit sein. Das ist einfach kein Widerspruch mehr. Und wir behandeln dieses Thema gefühlt immer so ein bisschen, als wären wir noch in den feudalen Zeiten, wo man entweder mobiler Aristokrat war oder man als Bauer in der Pampa fest hing. So ist die Welt einfach nicht mehr.
Wir sagen, die Zukunft wird, was das angeht, ‚glokal‘. Also die Mischung aus global und lokal.

Alexander S. Wolf: Glokal? Ist euch da nichts Besseres eingefallen? (lacht)

Tristan Horx: (lacht) Da muss ich noch einmal mit der Redaktion reden. Ne, grundsätzlich ist die These – die eigentlich bei uns immer rauskommt, wenn man sich die tiefen Strömungen, die Wandlungen anschaut – dass Zukunft eigentlich immer daraus entsteht, dass sich vermeintliche Widersprüche in eine Synthese vermischen. Und das ist eben beim Globalen oder Lokalen ganz stark so.

 

„Also insofern entsteht Zukunft aus unserer Perspektive immer daraus, wenn sich vermeintliche Widersprüche auflösen.“


Alexander S. Wolf: Schön gesagt. Und dankeschön an dich. Da hab ich gerade was gelernt. Du meinst es ist möglich, dass wir quasi der global denkende Aristokrat sind, der trotzdem in der Pampa fest hängt.

Tristan Horx: Also wir machen ja auch, wie man das so machen muss in einem Think Tank, Szenario-Analysen für die Zeit nach Corona: Und egal, ob man das Untergangsszenario nimmt oder die Utopie, die große Erlösung, egal in welchem: Re-Regionalisierung ist dort Key. Das heißt: Die Produktion wird wieder regionalisiert. Der Kunde will einfach mehr regionale Produkte und mehr Bezug. Also Made in China ist nach der Krise nicht mehr ganz so gefragt, wie davor.

Alexander S. Wolf: Also ihr habt auch eine sehr schöne Vision: Endlich sagt mal einer, welches Mindset brauche ich denn, um das ganze positiv zu verstehen und die richtigen Ergebnisse daraus zu ziehen? Ich hab keine andere so brillante Vision gesehen wie von euch. In eurer Studie beschreibt ihr sie kurz mit C.E.O.W. Das steht für Connectedness, Enoughness, , Openness, Wholeness. Hab ich mir sogar merken können (lacht). Was heißt das?

Tristan Horx: …Wir haben so ein sehr kleines, billiges Buch gemacht. Also nur preislich billig. Das Buch haben wir „Nur Mut“ genannt. Und dann nochmal abgeklärt: Was braucht man jetzt eigentlich, um eben nicht die ganze Zeit so in ‚Wiener Manier‘ alles die ganze Zeit schlecht zu reden und zu sagen: ´die Welt geht unter!´ Das ist ja in Österreich irgendwie so Landessport.
Und dafür haben wir diese 4 Mindset-Begriffe formuliert.
Fangen wir mal mit Wholeness an. Das bedeutet holistisches Denken. Das, was wir ein bisschen verlernt haben. Also zu sehen, wie alle Systeme miteinander zusammenhängen. Sieht man ja jetzt auch während Corona. Wenn man an einem Strang zieht, wie auf einmal ganz viel mitgezogen und ausgelöst wird.
Enoughness ist eigentlich mein Lieblingsding. Das ist diese Entschleunigung vom Kapitalismus. Dass man also sagt: Es ist genug. Und das ist auch diese ganze Bewegung, die wir jetzt gerade verspüren. Das hat man auch in den Umfragen gesehen, während des Lockdown. Die Leute haben gesagt: ‚Ich war überrascht, mit wie wenig ich eigentlich auskommen kann.‘ Und das hat natürlich soziokulturelle Konsequenzen.
Dann haben wir  Connectedness. Everyone ist connected now. Ich glaube, da muss man auch noch ein bisschen was lernen, weil Kommunikation im Digitalen funktioniert nicht wie analoge Kommunikation. Das hat man jetzt gesehen, gerade auch in der Eventbranche. Man hat versucht das eins zu eins zu übersetzen. Scheitert total. Es geht überhaupt nicht.
Und das letzte Openness: Das ist, genauso glaube ich auch bei dem Berliner-Prinzip zu einem gewissen Grad. Wenn man sich so starre Grenzen zieht und die ganze Zeit irgendwie versucht sich abzuwähren von außen, kostet das jeden Tag verdammt viel Energie.
Deswegen gilt: Offen sein für Neues. Wenn die Welt so fucked ist, dann kann man ja eigentlich offen für Neues sein. Also spätestens jetzt!

Und hier noch:

DER PODCAST VON TRISTAN HORX beim Zukkunftsinstitut

DIE SEITE VON TRISTAN HORX, dem Zukunftsforscher

Tristan Horx im Gespräch mit Alexander S. Wolf

Tristan Horx im Gespräch mit Alexander S. Wolf

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