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Willkommen in der Re-Humanisierung: Alexander S. Wolf im Zoom-Call mit dem AußerGewöhnlichen Berliner und Zukunftsforscher Tristan Horx. 

 

 

Digital-human ist heute, Industriezeitalter ist gestern: Alexander S. Wolf im Zoom-Call mit dem AußerGewöhnlichen Berliner und Zukunftsforscher Tristan Horx.

Alexander S. Wolf: Jemand der sich um die Zukunft kümmert, möchte man schon gerne kennen. Tristan Horx ist Sohn des Zukunftsforschers Matthias Horx und  weigerte sich lange, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Inzwischen ist er nicht nur in die Fußstapfen seines Vaters getreten, sondern darüber hinaus. Heute ist er nicht nur international bekannter  Zukunftsforscher, sondern der jüngste Prophet, den ich je kennengelernt habe. Und das aus Österreich.

Tristan Horx: Hi! Servus

Alexander S. Wolf: Wir wollen von dir jetzt unbedingt wissen, was die Zukunft bringt und vor allem, was Corona  eventuell für Veränderungen unserer Gesellschaft zu Folge haben wird. Wenn es einer weiß, dann du.

Tristan Horx: Wenn man einmal zum 1. Lockdown zurückdenkt, dann hat es schon fast ein nostalgisches Gefühl. Die Solidarität, die kurzzeitig da war, …, sogar die Impfgegner haben die Klappe gehalten, das war schon eine wilde Zeit. Dass das danach so ein bisschen zerbröselt ist, das sei mal so dahingestellt, weil von so einer Spitze an Solidarität  konnte es nur bergab gehen. Aber grundsätzlich hat man relativ schnell gesehen:  wenn alle an einem Strang ziehen, alle dasselbe Ziel verfolgen und sich gegenseitig helfen, dann ist auch verdammt viel möglich. Denn mit sozialer Intelligenz und vielleicht auch mit ein bisschen Empathie, kann so eine Pandemie im Griff gehalten werden. Das ist eigentlich eine verdammt gute gesellschaftliche Erfahrung. Im Moment fühlt sich das nicht so an, aber als Zukunftsforscher, der natürlich mit 5 Jahres Prognosen arbeitet, kann ich sagen, im Jahre 2025 werden viele auf die Corona-Zeit zurückschauen und sagen: ´Boah, da sind mir die Augen aufgegangen, also da hat sich was getan, da hat sich etwas verändert´.

Alexander S. Wolf: Was du mir letztens erzählt hast, hat mir wirklich zu denken gegeben. Du hattest so nebenbei gesagt, dass wir in eine Ära der neuen De-Humanisierung eintreten. Du meinst damit, dass die Digitalisierung uns die Möglichkeit bietet, wieder mit Menschen zusammen zu kommen.

Tristan Horx: Ja, gut, wir sind jetzt in einem digitalen Zoom-Call, ich will das jetzt nicht unbedingt schlecht reden…

Alexander S. Wolf: Mach mal, rede es schlecht!

Tristan Horx: (lacht)Okay, ein großartiges Trendwortspiel: Wir  werden alle langsam ZOOMBIES. Alle starren gebannt, halbtot, in die Kamera. Das menschliche Wesen ist ein soziales Wesen und braucht sozialen Kontakt. Jetzt haben wir alle einmal die digitale Überdosis erfahren beim ersten Lockdown. Da haben sogar die Omas gelernt, wie man Facetime und WhatsApp Video Calls macht. Das ist auch super, da haben wir jetzt ein wenig Aufholjagd gemacht – Das war ja auch bitter notwendig.

Die Automatisierung läuft immer weiter und die Roboter werden immer bessere Roboter werden! Dann werden Menschen eben bessere Menschen werden müssen. Aber: Bis der Mensch völlig digital ersetzbar ist, das dauert noch sehr, sehr lange. Bis dahin fallen lediglich einfache, wiederholende Tätigkeiten weg. Durch die Digitalisierung bleibt uns also mehr Zeit bleibt für Empathie und Zwischenmenschliches. Wenn man sich das Pflegesystem anschaut oder mal in die Gesellschaft reinfühlt, wird man sehen, dass es einen ziemlichen Bedarf nach mehr Menschlichkeit gibt und nicht nach mehr Social Media Plattformen und noch mehr Zoom-Calls.

Alexander S. Wolf: Das heißt, dass es ganz viel schöne laue Sommerabende geben wird, wo wir alle wieder gemeinsam am Lagerfeuer sitzen. Es würde sich jetzt lohnen, Gitarre zu lernen. Und es bietet auch die neue Möglichkeit, ganz andere Geschäftsmodelle anzugehen. Dinge funktionieren, die vor der Krise nicht funktioniert hätten.

Tristan Horx: (lacht) Ich gehe mal davon aus, dass der nächste Sommer für Berlin wird, wie die 70er…

Alexander S. Wolf: Es wird krachen…Berlin wird so explodieren!

Tristan Horx: Und man braucht ja auch irgendwie den Lichtblick am Ende des Tunnels. Was im Wandel der Wirtschaft passieren wird: Das Massenkonsum-Phänomen wird auf Eis gelegt werden. Es war ein lustiges Experiment, es ist jetzt aber endgültig vorbei. Man hat es auch gesehen bei dem ersten Lockdown – was bei den wenigen Umfragen, die es gab, herausgekommen ist. Viele sagten: Ich war überrascht, mit wie wenig ich auskomme! Da wird man, glaube ich, einen starken Wandel von Quantität hin zur Qualität sehen, das ist eine Sache, die wunderbar ist. Und ich glaube auch, dass eine Menge Unternehmen, die Digitalisierung als Selbstzweck sehen, überhaupt nicht zukunftsfit sind. Dass nach der Insolvenzwelle, die dann ausbricht, sich dieser  Markt langsam auflöst. Und dann die Unternehmen erfolgreich sein werden, die das Digitale und Humane verbinden.

Alexander S. Wolf: Was ich jetzt mitnehme, ist: wenn ich jetzt ein Projekt und Geschäftsmodell angehe, ist die Vermischung zwischen Digital und Human das Zeichen der Zeit. Die Verbindung aus beiden Welten.

Tristan Horx: Ja! Die Zukunft entsteht immer dann, wenn so vermeintliche Widersprüche, die doch unvereinbar sind, sich irgendwann zu einer Synthese verbinden. Das sehen wir immer. Es ist sehr schwer für uns Menschen, die sehr gerne binär denken und linear schauen. Aber so entsteht halt Zukunft. Und wer jetzt noch auf den völligen Digital-Hype einsteigt und sich noch von der Silicon Valley-Kultur wegreißen lässt, der ist dann nicht auf dem richtigen Weg.

Alexander S. Wolf: Ich würde dich gerne entlassen mit einer Bitte. Ich vermisse in der Politik so ein bisschen Motivation. Wenn du jetzt – wider Erwarten- gegen deinen Widerstand, Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland werden würdest und Du eine Ansprache ans Volk halten müsstest: Was würdest du sagen?

Tristan Horx im Gespräch mit Alexander S. Wolf

Tristan Horx im Gespräch mit Alexander S. Wolf

Tristan Horx: Derjenige oder diejenige, der nach der brillanten Angela Merkel kommt, sollte sagen: Hey, wir in Deutschland haben im Industriezeitalter verdammt viel Fortschritt und verdammt viel Wachstum gehabt.Das, was man da jetzt gebaut hat, muss man sichern, um in das nächste, digital-humane, Zeitalter zu kommen. Und nicht krampfhaft (wie es die Autoindustrie zum Beispiel versucht) das alte Industriezeitalter am Leben zu erhalten. Das wird nichts. Deutschland ist auch geopolitisch und historisch einfach im Industriellen verdammt gut aufgestellt. Und davon muss man sich jetzt lösen. Von dieser Identität. Das tut sicherlich weh, aber die Berliner haben sowieso kaum Industrie, da kann man ja mal anfangen.

Alexander S. Wolf:  Damit hast du dich bei uns jetzt sehr beliebt gemacht. Tristan, danke Dir!

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