Matthias Winter ist Geschäftsführer von The Grand

Matthias Winter führt The Grand ©AusserGewöhnlich Berlin

Die Stimmung Berlins ist einzigartig in Europa – The Grand

Der Geschäftsführer und AusserGewöhnliche Berliner Matthias Winter spricht mit uns über runtergerockte Berliner Läden und das Feiern in einer ganz anderen Welt.

Feiern eigentlich alle Berliner?

Es gibt genügend Leute, die es ohne schaffen. Bestes Beispiel: Wir haben einen Nachbarn, der sich über den Lärm und die Bässe beschwert, wenn Clubbetrieb ist. Ich kannte ihn nicht und dachte immer, er wäre ein 60 oder 65- jähriger Mensch, der schon seit 20 Jahren hier lebt. Dann haben wir ihn eingeladen und gesagt: „Komm vorbei, wir laden dich zum Essen ein. Du kannst an der Bar bleiben und dir das Ganze mal ansehen.“. Das wollte er nicht und hat es komplett verweigert und dann hat sich herausgestellt, dass er ein 23-jähriger Student ist, der gerade nach Berlin gekommen ist. Er sagte wirklich:

„Nein ich bin nach Berlin gekommen, um zu studieren. Ich will nicht rausgehen.“


Für mich ist das ein Beispiel dafür, dass es Leute gibt, die nicht feiern in Berlin. Das ist zum Teil auch eine Altersfrage. Wobei Berlin kunterbunt ist. Das ist typisch Berlin. Es gibt genügend Leute mit Mitte 40, die sonntags auf ein Open-Air-Festival gehen.

Die Bar in The Grand

Die Bar von The Grand in Berlin Mitte ©AusserGewöhnlich Berlin

Wie hat sich das Berliner Nachtleben in den letzten Jahren verändert?

Ob sich das Nachtleben verändert hat, ist schwer zu sagen. Man selber wird älter und stellt im älter werden fest, was man mag und geht in diese Richtung. Man tut sich nicht mehr das ganze breite Spektrum an, das es in der Berliner Nachtwelt gibt.

Ich glaube aber, dass sich das Berliner Nachtleben durch den Tourismus bedingt verändert hat. Viele Läden waren vor 10 Jahren noch sehr hipp und in der Untergrundszene. Die waren im Vergleich zu heute rougher und runter gerockter, während viele mittlerweile komplett durchgestylt sind. Sie spielen zwar noch die gleiche Musikrichtung, aber man sieht, dass da nicht mehr die Berliner hingehen, sondern nur noch Touristen. Die Berliner suchen sich dann wirklich lieber andere Locations.

The Grand, Restaurant in Berlin Mitte

The Grand: Club, Bar und Restaurant ©AusserGewöhnlich Berlin

Und was wäre ein Geheimtipp für jemanden, der das echte, wahre Berlin sehen möchte?

Ich persönlich bin sehr viel in der elektronischen Szene unterwegs. Für mich ist das Kater Blau etwas, wo man in eine eigene Welt eintauchen kann. Die schaffen es immer noch, dass man den Alltag vergisst. Man kommt da rein, taucht ein und beschäftigt sich wirklich nicht mehr mit dem Rest. Ich glaube, das ist ein bisschen Berlin von früher, wie die Bar 25 und das Kater Holzig. Jetzt machen sie es eben im Kater Blau. Natürlich ist es kein Geheimtipp mehr, das Kater Blau ist auch schon über die Grenzen Berlins richtig bekannt, aber die lassen sich nicht von der Industrie und von anderen Sachen beeinflussen und fangen nicht an den Laden sauber durchzustylen. Im Kater ist es noch so, dass man den Berliner Einfluss merkt und das gefällt mir persönlich sehr gut.

Am Wochenende war ich im Ritter Butzke, was auch sehr toll ist. Das ist ein altes Gebäude mit Hinterhof, wo ein Club drin ist und auch hier spürt man, was typisch Berlin ist. Das sind keine Orte, die es so in einer anderen Stadt geben könnte, sondern Läden, die Berlin vermitteln.

Das The Grand in der Hirtenstraße

Das The Grand in Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Durch was vermitteln Läden wie The Grand Berlin?

Einmal durch die Musik und dadurch, dass die Leute auch morgens um 7 noch feiern in Berlin. Das ist auch immer ganz wichtig in Berlin. In vielen anderen Städten gibt es eine Sperrstunde, die wir in Berlin nicht haben.

Wir haben Clubs, die Donnerstagabend auf und Montagabend erst wieder zu machen und durchgängig geöffnet sind.


Das gibt es in wenigen anderen Städten. Und dann vermitteln sie es durch ein bestimmtes Flair. Wie im Ritter Butzke das alte Gebäude, was nicht groß saniert und einfach so genutzt wird, wie es ist. Die Leute in Berlin machen sich Gedanken, sind kreativ und bauen eine eigene Welt. Sie nutzen die vorhandenen Gegebenheiten und kombinieren das mit schönen Sachen. Die Garderobe im Ritter Butzke ist zum Beispiel super gelöst, da denkt man auch, man ist bei Alice im Wunderland.

Und was Berlin natürlich ausmacht, sind die Open Air Geschichten im Sommer. Man kann tagsüber feiern in Berlin, das kenne ich so auch von keiner anderen Stadt. Dort gibt es vereinzelt Festivals, wo das stattfindet, aber nicht so eine Kultur wie hier. Bei uns kann man tagsüber mal in die Ipse fahren, in den Club der Visionäre, in den Sage Beach oder in die Rummelsburger Bucht. Events, die tagsüber stattfinden, sind das Einzigartige an Berlin. Wenn man Bock hat, kann man von Donnerstagabend bis Montagabend durchfeiern in Berlin, oder erst Sonntagmittag um 12 auf eine Party gehen. Wenn man Lust hat, Musik zu hören und einen Drink zu nehmen, kann man das in Berlin zu jeder Zeit. Das macht die Stadt aus.

The Grand Berlin

The Grand, typisch Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Können Sie mir eine typische Berlin-Geschichte erzählen?

Letzten Samstag habe ich etwas erlebt, was für mich ganz klar typisch Berlin ist. Das war der erste Tag, wo richtig die Sonne geschienen hat. Ich gehe bei mir aus der Haustür raus und da standen 10 Leute, unabhängig voneinander, an der Bahnhaltestelle. Alle hatten Kopfhörer auf und waren am Tanzen. Ich weiß nicht, ob es die ersten Sonnenstrahlen waren, aber die Leute waren alle gut gelaunt und standen tanzend nebeneinander. Es kamen auf einmal immer mehr Leute dazu, das war fast wie ein Flashmob.

Hinterher standen um die 30 Leute dort und haben voreinander abgedanced. Das finde ich, ist das geile an Berlin.


Keiner wundert sich, was die Leute treiben und fragt, was mit denen los ist. Die Leute hatten einfach Spaß. Ich wollte das eigentlich mit dem Handy aufnehmen, aber ich wollte mich da nicht hinstellen wie der letzte Touri.

Warum sollte ich feiern in Berlin, macht das glücklich?

Für viele Leute ist es ein Ausgleich, um den Kopf mal frei zu bekommen und sich nicht mit dem Business rumzuschlagen. In gewissen Positionen im Job muss man ein Vorbild vorleben und darf nicht immer das sagen, was man denkt. Wenn man mit Freunden unterwegs ist, und das ist das Schöne, kann man immer das sagen, was man denkt. Ich glaube, wenn man unterwegs ist und Musik hört, ist das genau der Ausgleich, den viele brauchen und das macht natürlich glücklich. Wobei das nicht zwangsläufig feiern, sondern auch chillen sein kann. Auch im Mauerpark ist es ganz nett, wenn die Karaoke machen. Es geht um Ablenkung, und die einen machen es durch feiern in Berlin, die anderen durch einen Spaziergang im Wald und die nächsten fahren im Sommer mit ihrem Bötchen raus zum Müggelsee.

Was extrem zugenommen hat, ist ein reiner Feier-Tourismus. Dadurch, dass wir keine Sperrstunde haben, wissen die Leute, dass sie hier anreisen können, um das Wochenende komplett durchzufeiern. Die reisen teilweise an und buchen sich nicht mal ein Hotel.

Jägermeister Lounge in The Grand

Die Jägermeister Lounge in The Grand ©AusserGewöhnlich Berlin

Merkt man, wer Berliner ist und wer Tourist? Gibt es Unterschiede auf der Tanzfläche?

Ich glaube, man hat es früher intensiver gemerkt, weil Berlin da noch aus Berliner bestanden hat. Mittlerweile besteht Berlin aus sehr vielen Zugezogenen, auch durch die ganzen Startups. Alles ist international, alle sprechen Englisch, Spanisch, sonst irgendwas. Da ist es jetzt schwieriger, Unterschiede festzumachen. Es ist einfach so, dass die Leute im Club verschiedene Sprachen sprechen. Man weiß gar nicht, ob die ein Wochenende hier sind, oder, ob die nach Berlin gezogen sind und hier studieren. Ich stelle aber oft immer noch fest, wer Berliner ist. Das merkt man einfach an der Art und an der Berliner Schnauze. Ich mag das sehr. Aber, ob jemand zugezogen oder Tourist ist, kann man schwer auseinanderhalten.

Sie sagen, man erkennt die Berliner. Für wen ist Berlin der richtige Ort?

Als Freigeist ist man hier total richtig und man wird auch nicht blöd angeschaut, weil man sich nachts verkleidet oder anderes. Das geht auch in die sexuelle Richtung. Berlin ist da komplett offen.


Wir haben den Kitkat Club, der einer der sexuell freizügigsten Clubs ist, die es gibt. Berlin ist in allen Zügen sowas von frei. Die Leute sind ja auch tolerant, was das Thema Drogen angeht. Die Stimmung in Berlin ist einzigartig in Europa. Und das hat auch wieder Einfluss auf die Feierszene, um den Bogen nochmal zu bekommen. Deswegen sind wir alle hier.

In The Grand kann man Suiten mieten

The Grand hat Suiten zu vermieten ©AusserGewöhnlich Berlin

The Grand ist ein hochwertiges Restaurant, ein Club und eine Bar. Wo sollte ein Single-Berliner am besten hingehen, um jemanden kennenzulernen? Lieber auf die Tanzfläche oder hinter den Tresen?

Das kommt auf die Person an. Es gibt Leute, die sich beim Tanzen kennenlernen. Ich zum Beispiel, wäre da komplett raus, weil ich nicht so der Tänzer bin. Ich bin ein Mensch, der lieber an die Bar geht. Da ist nicht so laute Mukke, es gibt Hintergrundmusik und es kommt Stimmung auf, aber man kann sich immer noch unterhalten. Andere gehen auf die Tanzfläche und wissen, dass sie miteinander klarkommen, weil sie ihre Körper bewegen.

Ich glaube, in The Grand ist die Bar der kontaktfreudigste Anlaufpunkt.

Man sitzt nicht wie im Restaurant an einem Tisch und muss sich überlegen, wie man mit dem anderen Tisch ins Gespräch kommt. Man steht auf einmal nebeneinander, hat ein Bier dabei, fragt nach Feuer oder irgendwas und kommt ins Gespräch.

Wenn wir gerade beim Kennenlernen von Menschen sind, was für Leute kommen denn in The Grand?

Ich würde mal sagen, so ab 27 aufwärts. Es sind sehr wenige junge Leute hier, das heißt, Leute von 18 bis 23 kommen vereinzelt vor, aber das sind ganz wenige.

Zu uns ins The Grand  kommen Leute, die mit beiden Beinen im Leben stehen.

Das können Manager sein oder Leute aus der Kunstszene. Zu uns kommen unterschiedlichste Menschen, aus den unterschiedlichsten Berufsfeldern und den unterschiedlichsten sozialen Schichten, die alle miteinander gut klar kommen.

Ab einem gewissen Alter möchte man Leute treffen, die einem auf Augenhöhe sind.


In Berlin Mitte feiert man in The Grand

The Grand, der Club in Berlin Mitte ©AusserGewöhnlich Berlin

Ich zum Beispiel bin ab Ende 20 in die Clubs gegangen und dachte: „Oh mein Gott hier sind ja nur noch Kinder.“ Viele Jungs gehen ja auch raus, um Mädels kennenzulernen und wollen sich mit ihnen nicht mehr über die Hausaufgaben unterhalten. Man selbst ist einfach in ganz anderen Sphären unterwegs, hat Personalverantwortung oder irgendwas. Das ist schon das Besondere bei uns.

 Wie wird man Chef von einem Ort wie The Grand?

Ich hatte das Glück, dass ich mit dem Inhaber, Jesko Klatt, vorher ein anderes Projekt angefangen habe. Das war ein kleines Hotelprojekt am Monbijouplatz, weswegen ich von Düsseldorf nach Berlin gekommen bin. In diesem kleinen Hotel haben wir zusammen die Gastronomie gemacht, aber nach einem halben Jahr haben wir uns zurückgezogen, weil das alles nicht so einfach war und es ein paar Ungereimtheiten mit dem anderen Hotelbetreiber gegeben hat. Damals hatte Jesko das Spindler & Klatt und das The Grand und dann sagte er, dass er noch jemanden bräuchte, der den Laden leitet und so bin ich da reingerutscht.

Matthias Winter im The Grand

Matthias Winter, Geschäftsführer von The Grand ©AusserGewöhnlich Berlin

Was muss man denn für so einen Job mitbringen?

Natürlich sollte man für so eine Location ein gewisses Knowhow haben und in der Gastro groß geworden sein. Nach der Ausbildung als Hotelfachmann habe ich relativ schnell festgestellt, dass ich in die Gastro gehöre und dann bin ich sechs bis sieben Jahre lang in der 5-Sterne Hotellerie unterwegs gewesen, wie im Ritz Carlton oder im Breidenbacher Hof in Düsseldorf. Ich glaube, da sammelt man einfach ein gastronomisches Knowhow, was man in so einem Laden wie im The Grand braucht. Es ist ja nicht nur ein einfaches Restaurant. Wir haben neben dem Restaurant noch eine Bar, den Club und Events. Man braucht logistische Abläufe, man muss eine gewisse Affinität zu Bars haben und in Bars unterwegs gewesen sein. Und genauso sollte man auch gerne feiern können.

Braucht man auch bestimmte Werte, wenn man in der Gastronomie arbeiten möchte? Welche?

Ja definitiv. Man braucht ganz verschiedene Werte, vor allem auch, um Mitarbeiter in dieser Branche zu führen. Man braucht zum Beispiel Empathie und man muss als Vorbild vorangehen. Außerdem muss man einen gewissen Spirit in so einen Laden einhauchen und dafür sollte man ein Gefühl haben. Bei uns hat Herr Klatt das Innendesign gemacht. Er spielt mit Gegensätzen, hat die Wände so gelassen, wie sie waren und moderne Nuancen reingesetzt. So etwas muss man fühlen. Man muss auch ein Gespür dafür haben, wie man auf welchen Gast zugeht und welche Gäste man zusammensetzen kann, sodass ein Gespräch entsteht. Was aber besonders wichtig ist, ist das man jeden Menschen als einzelnen Charakter ansehen sollte.

The Grand in Berlin Mitte

The Grand ist in der Hirtenstraße 4, 10178 Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

HIER finden Sie weitere Informationen zu The Grand.

Dieses Interview erschien erstmals im eMagazin von AusserGewöhnlich Berlin in der Ausgabe 05/2017.

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