Anglika Bethe, Sparkasse Berlin, Testament

Angelika Bethe von der Sparkasse Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Warum du ein Testament brauchst, um deine Wohnung zu behalten

Angelika Bethe aus dem Private Banking der Berliner Sparkasse erzählt uns, warum ein Testament wirklich wichtig ist.

Was machst du bei der Sparkasse?

Ich arbeite im Nachlass- und Stiftungsmanagement der Berliner Sparkasse. Heißt konkret: Wenn unsere vermögenden Kunden sich Gedanken in Sachen Testament machen, vermitteln meine Kollegen diese an mich. Ich bin eine von drei ausgebildeten Juristen in diesem Bereich. Wir drei haben zusätzlich einen Fachanwaltskurs für Erbrecht absolviert und sind damit auf der Nachlassseite sehr spezialisiert.

Du sprichst von Menschen mit Vermögen. Was heißt das? Ab wann sollte man ein Testament machen? Wenn man eine Eigentumswohnung besitzt oder eine Million Euro?

Grundsätzlich ist der Gedanke ans Testament für jeden, der etwas vererben möchte, sehr wichtig.

Wenn du beispielsweise eine Eigentumswohnung besitzt, bist du relativ schnell bei der Wertgrenze, die wir uns für Anfragen zur Testamentsvollstreckung gesetzt haben.

Testament und Berliner Sparkasse

Blick aus dem Sparkassengebäude der Berliner Sparkasse ©AusserGewöhnlich Berlin

Was passiert, wenn man kein Testament macht?

Dann greifen die gesetzliche Erbfolge und das Bürgerliche Gesetzbuch. Der Laie weiß aber oft gar nicht, was dort drinsteht.

Viele glauben beispielsweise, dass der Ehepartner alles bekommt, wenn man verstirbt. Das stimmt aber nicht immer.


Wenn man verheiratet ist und Kinder hat, geht die eine Hälfte des Vermögens an den Ehepartner und die andere an die Kinder. Außer im Ehevertrag ist etwas anderes geregelt.
Wenn man verheiratet ist und keine Kinder hat, erhält der Ehepartner meist nur drei viertel des Vermögens. Die Eltern, die Geschwister und sogar die Großeltern des Verstorbenen können nämlich auch einen Anteil bekommen.

Können sie auch einen Anteil an meiner Firma oder meiner Wohnung bekommen?

Es geht um alles, was dem Verstorbenen gehört hat.

Nehmen wir an, dass du mit deinem Ehepartner eine Eigentumswohnung hast und ihr beide zur Hälfte im Grundbuch eingetragen seid. Der Anteil des Verstorbenen wird vererbt, das heißt die Hälfte der Eigentumswohnung.

Die Berliner Sparkasse am Alexanderplatz

Die Berliner Sparkasse sitzt am Alexanderplatz ©AusserGewöhnlich Berlin

Hast du kein Testament gemacht und du verstirbst, könnten etwa deine Geschwister oder Eltern mit ins Grundbuch kommen.

Dann wäre plötzlich die Tante des Verstorbenen Miteigentümerin der Eigentumswohnung?

Ja!
Und deswegen sage ich immer: Besser einmal darüber nachdenken und vielleicht mit jemandem sprechen, der sich auf dem Gebiet auskennt. Selbst wenn man mit der gesetzlichen Erbfolge einverstanden ist, sollte man sie doch zumindest einmal geprüft haben. Und wer etwas daran ändern möchte, muss einfach nur einen Stift in die Hand nehmen und ein Testament verfassen. Das kann man sogar handschriftlich machen ohne zum Notar zu gehen. Wir empfehlen unseren Kunden jedoch immer, ein notariell beurkundetes Testament zu verfassen, da Laien sehr leicht Fehler passieren können.

Was könnte noch passieren, wenn man kein Testament macht? Kennst du Beispiele aus der Praxis?

Ich erinnere mich an ein Ehepaar, das sich gegenseitig als Alleinerben eingesetzt hat. Der einzige Verwandte war der Neffe des Mannes. Für beide war klar, dass er alles bekommen würde. Leider haben sie das nicht im Testament festgehalten. Dann starb zuerst der Ehemann und seine Frau hat, dem Testament nach, alles bekommen. Als später die Frau verstarb, ging der Neffe leer aus, weil er nicht mit ihr blutsmäßig verwandt war, sondern mit dem Mann.

In Deutschland haben wir ein sogenanntes reines Verwandtenerbrecht. Das heißt, der Nachlass geht nach dem Tod an Blutsverwandte über, wenn es nicht anders festgehalten ist. Die einzige Ausnahme ist der Ehepartner.

Angeheiratete Verwandte gehören nicht zur Familie, mit ihnen ist man nur verschwägert.


Der Marmorsessel im Sparkassengebäude

Marmorsessel in der 7. Etage des Sparkassengebäudes ©AusserGewöhnlich Berlin

Ihr führt Gespräche mit den Kunden und kümmert euch bei der Berliner Sparkasse um die Testamentsvollstreckung. Was ist das? Und aus welchen Gründen setzt man einen Testamentsvollstrecker ein?

Manchmal wollen Kunden jemanden einsetzen, der dafür sorgt, dass die Wünsche im Testament korrekt umgesetzt werden. Das macht der Testamentsvollstrecker. Er übernimmt die gesamte Abwicklung, von der Sicherung über Verteilung des Nachlasses bis zur Erbschaftsteuererklärung. Bestenfalls ist der Testamentsvollstrecker neutral und nicht in mögliche Familienstreitigkeiten verwickelt.

Es gibt viele gute Gründe, einen Testamentsvollstrecker einzusetzen.

In Patchworkfamilien zum Beispiel werden Kinder aus unterschiedlichen Ehen mal bedacht, mal aber auch nicht.

Auch in anderen Familien gilt: Mal soll ein Kind mehr bekommen als das andere.


Oder man weiß schon, dass sich die Erben nicht so gut verstehen. Oder die Abwicklung an sich ist kompliziert, weil Erben alt sind oder im Ausland leben. In solchen Fällen macht es Sinn, wenn es den Testamentsvollstrecker gibt, der sagt: „Ich verteile alles so, wie es im Testament steht – und kein anderer muss bzw. soll sich kümmern.“

Manchmal können die Erben den Streit schon kommen sehen. Wie sagt man zum Beispiel den eigenen Eltern, dass sie sich um ein Testament kümmern sollten?

Ein Testament ist der persönliche letzte Wille, ein zukünftiger Erbe hat darauf keinen Einfluss.

Über die Bedenken kann man natürlich offen miteinander sprechen. Erbstreitigkeiten kosten Nerven und Geld, sind oft mit anwaltlicher Hilfe verbunden.

In der Regel sind Menschen gerade dann offen für ein Testament und den Einsatz eines Vollstreckers, wenn sie damit einen Streit verhindern können.

Testament im Fahrstuhl der Berliner Sparkasse

Im Fahrstuhl des Sparkassengebäudes ©AusserGewöhnlich Berlin

Erlebst du Erbstreitigkeiten in deiner Position?

Eher weniger, da gerade ich dafür sorge, dass die Parteien nicht direkt miteinander zu tun haben. Ich hatte mal einen Fall, in dem der einzige Sohn nur die Hälfte des Erbes bekommen sollte. Darüber hat er sich sehr aufgeregt, konnte aber mit den anderen Parteien nicht streiten, denn zwischen ihnen gab es keinen direkten Kontakt. Ich stand als Vertreterin der Testamentsvollstreckerin in der Mitte.

Du sagtest, dass du im Nachlass- und Stiftungsmanagement arbeitest. Was ist das Stiftungsmanagement?

Die Berliner Sparkasse bietet eine Stiftungsverwaltung als Dienstleistung an. Das ist zum Beispiel für Menschen interessant, die keine Erben haben, wohl aber einen konkreten Wunsch, was mit ihrem Geld später einmal passieren soll. Der Kunde muss uns dann genau sagen, wie die Stiftung heißen, wo sie ihren Sitz und welchen guten Zweck sie haben soll. Dann errichten wir diese Stiftung – entweder zu Lebzeiten des Kunden oder wenn sein Testament in Kraft tritt. Anschließend erstellen wir regelmäßig die Jahresberichte und Steuererklärungen für die Stiftung oder stellen Zuwendungsbestätigungen aus. Gegebenenfalls schreiben wir als Testamentsvollstrecker auch die Satzung und übernehmen Vorstandsmandate.

Du strahlst, wenn du über das trockene Thema Erbrecht sprichst. Wie ist das möglich?

Es ist für mich zur Leidenschaft geworden. Denn ich habe dadurch mit vielen Menschen zu tun, die mir ihre Lebensgeschichte erzählen.


Das ist manchmal traurig, aber immer spannend. Ich habe das Gefühl, Menschen glücklich zu machen, indem ich ihnen helfe, ihre Nachlassangelegenheit gut zu regeln und ihnen das Gefühl gebe, ihren Nachlass professionell abzuwickeln.

Häufig sprechen wir dabei auch andere Themen an. Jeder sollte sich zum Beispiel Gedanken über eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung machen.
Vorsorgevollmacht?

Wer eine Vorsorgevollmacht hat, darf im Notfall alle oder bestimmte Aufgaben für einen Dritten erledigen. Zum Beispiel in Gesundheitsfragen. Oder wenn es darum geht, ein Päckchen abzuholen und einen Vertrag zu kündigen. Das kann man beim Notar ausstellen, aber es gibt auch Formulare im Internet.

Und eine Patientenverfügung?

Lege ich jedem ans Herz. Darin trifft man im Vorfeld medizinische Entscheidungen für den Fall, dass man den eigenen Willen einmal nicht mehr wirksam äußern kann. Wie steht man beispielsweise zu Medikamenten oder lebensverlängernden Maßnahmen, wenn man im Koma liegt?

Wer das in einer Patientenverfügung festgehalten hat, nimmt Ärzten und Angehörigen schwierige Entscheidungen ab.
Hier empfehle ich immer, zum Notar zu gehen, damit er die Verfügung notariell beurkundet.

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