Nicolas Zimmer spricht über die Technologiestiftung Berlin

Nicolas Zimmer, Vorsitzender der Technologiestiftung Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

LoRaWAN – LoRaWAS? Willkommen in der Technologiestiftung Berlin!

Warum Deutschland eine Vollkasko-Mentalitäts-Gesellschaft ist erklärt Nicolas Zimmer, Vorsitzender der Technologiestiftung Berlin, im Interview mit AusserGewöhnlich Berlin.

 Seit 2013 sind Sie Vorsitzender der Technologiestiftung. Aus welcher beruflichen Ecke kommen Sie ursprünglich?

Ich habe so einiges in meinem Leben gemacht. Lange Zeit war ich Abgeordneter hier im Berliner Abgeordnetenhaus, wo ich für das Thema Wissenschaft verantwortlich war. Zuvor habe ich zehn Jahre als Rechtsanwalt gearbeitet und außerdem zweimal gegründet, das erste Mal im juristischen Bereich eine Plattform für Markenanmeldung. Damals waren wir die Ersten, die so etwas gemacht haben. Das war wirklich disruptiv für die Branche. Nur hat man das damals nicht so genannt. Jedenfalls führte es dazu, dass sich viele Anwaltskollegen dazu bemüßigt fühlten, dagegen vorzugehen.

Eigentlich hatte ich dann vor, den Anwaltsberuf komplett an den Nagel zu hängen.


In meinem Leben habe ich immer zwei Dinge besonders gern gemacht.

Zum einem war das das Debattieren und Argumentieren, was ja dem Anwaltsberuf eigen ist. Zum anderen habe ich schon immer sehr gerne programmiert, schon seit Schulzeiten. Ich studierte also Rechtswissenschaften und Computer Science – eine ziemlich ungewöhnliche Kombination. Irgendwann ließ ich den Anwalt sein und wollte nur noch programmieren. Ich hatte ja auch spannende Aufträge. Dann kam aber dazwischen, dass ich Forschungsstaatssekretär wurde und den Technologiebereich verantwortete. Daher musste mein begonnenes Gründungsprojekt ruhen.

Erst als ich aus der Wirtschaftsverwaltung ausgestiegen bin, habe ich das Gründungsthema wieder aufgegriffen und eine E-Book-Plattform aufgebaut. Gleichzeitig bin ich in die Technologiestiftung eingestiegen. Zu Beginn habe ich das 50:50 gemacht, jeweils mit einer halben Stelle.

Den Job hier in der Technologiestiftung Berlin fand ich natürlich super spannend, jedoch wollte ich auch meine eigene Gründung vorantreiben.

Zum Glück konnte ich beides zugleich machen, denn wenn man die Technologiestiftung führt und gleichzeitig Gründungserfahrung hat, hat man quasi eine Win-win Situation. Ein Jahr liefen die beiden Projekte dann parallel. Das geht natürlich nur, wenn man nicht schläft zwischendurch! (lacht). Und es ist schon eine ziemlich harte Nummer: ein Start-up zu führen und zeitgleich eine Einrichtung wie die Technologiestiftung Berlin zu leiten und umzubauen.

Technologiestiftung in der IHK

Die Technologiestiftung Berlin befindet sich in der 5. Etage der IHK am Zoologischen Garten ©AusserGewöhnlich Berlin

Als ich die TSB übernahm, war es eine sehr theoretisch arbeitende Institution, die sich vor allen Dingen mit eher randständigen Themen beschäftigt hat, die eigentlich keinen wirklich interessiert haben. Man hat dort sehr dicke Studien geschrieben für sehr wenige Leute. Zum Beispiel zu Themen wie intelligente Oberflächen oder Turbomaschinen …

Turbomaschinen? Was ist das?…

(lacht) Tja, sehr gute Frage … im Grunde genommen geht es hier um die Frage zur Energiegewinnung durch Turbinen und die Umsetzung … ach, kurz gesagt, eine Turbomaschine ist zum Beispiel ein Triebwerk.

Können Sie zusammenfassen, was Sie in der Technologiestiftung Berlin umgebaut haben?

Wir machen nur noch Digitalisierung. Alles, was das Thema Technologie im Ingenieurssinn betraf, habe ich herausgenommen.

Weil?

Weil mir schon vor drei Jahren klar war, dass sich der technologische Wandel im Bereich der Digitalisierung abspielen wird.


Und weil erkennbar war, dass es in Berlin keine Einrichtung gibt, die sich dem Thema auf eine Art und Weise widmet, die sowohl die gesamtgesellschaftliche wie auch die wirtschaftliche und wissenschaftliche Entwicklung im Blick hat.

Wir versuchen hier, die unterschiedlichsten Perspektiven zusammenzuführen. Das sah ich als Möglichkeit, sich mit der Technologiestiftung Berlin zu positionieren. Da war ich natürlich auch von meinem eher unternehmerischen Denken geprägt. Vor 2013 hatten wir in der TSB circa 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Innovationsagentur, die zum Thema Clustermanagement gearbeitet haben. 2013 wurde dieser Teil der Technologiestiftung mit Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie fusioniert. Die ganze Technologieförderung wird jetzt von Berlin Partner gemacht, an denen wir 30 % Anteile halten. Durch den Wegfall dieses großen operativen Bereichs stellte sich ja nun ohnehin die Frage der Umstrukturierung. Inhaltlich und räumlich. (lacht)

Im Moment sitzen wir ja hier noch zusammen mit Berlin Partner im Ludwig-Erhard-Haus. Aber in zwei Monaten ziehen wir mit der TSB an den Bayrischen Platz. Das ist natürlich nicht ganz so fancy wie hier am Ku´damm, aber wir werden immerhin eine Dachterrasse haben. Und am Ende hat uns Berlin Partner keine andere Wahl gelassen, da sie hier im Erhard-Haus eine komplette Etage aufgegeben haben. Insofern war das ein willkommener Anlass, mal wieder darüber nachzudenken, ob das für uns hier überhaupt der richtige Ort ist. Das Ludwig-Erhard-Haus hat den Vorteil, dass man hier mit vielen wirtschaftlichen Akteuren zu tun hat, der IHK, dem VBKI und eben Berlin Partner, aber wir sind ja dennoch eher eine kreative Einrichtung.

TSB, Sitz in der Fasanenstraße

Sitz der Technologiestiftung Berlin: IHK in der Fasanenstraße 85 ©AusserGewöhnlich Berlin

Inwiefern sehen Sie die Technologiestiftung Berlin als kreative Einrichtung?

Die TSB ist absolut kreativ! Wir finden und erfinden unsere Themen ständig neu. Und ich will von meinen Kollegen keine theoretischen Abhandlungen haben, sondern praktische Beispiele. „Hands-on“ will ich sehen!

Geben Sie doch ein paar Beispiele!

Na, aber sehr gerne! Thema: 3-D-Druck! Vor zwei Jahren sagten alle, dass das die große Zukunft sei und alles damit gedruckt werden könne. Ich glaubte aber, dass das schwierig wird. Also habe ich mir zuerst einmal einen 3-D-Drucker gekauft und meinen Leuten gesagt: „So, nun druckt mal!“ Nicht um der Besserwisser zu sein, sondern um zu merken, wo die Schwierigkeiten liegen. Um selbst zu verstehen, warum das so lange dauert, bis man etwas gedruckt hat. Um zu verstehen, dass die Technik noch gar nicht so ausgereift ist, dass man sich so etwas nach Hause stellen kann, ohne ständig irgendetwas nachkalibrieren zu müssen. Wir fingen an zu überlegen, was man damit tatsächlich machen kann. Das sind die Dinge, die mir wirklich wichtig sind.

3D Drucker

3D Drucker bei der TSB ©AusserGewöhnlich Berlin

Ein anderes Beispiel, das mir ebenfalls sehr am Herzen liegt, ist das Projekt Calliope. Sagt Ihnen das was?

Nein, leider nicht.

Das ist ein Minicomputer, der an den Schulen an die Drittklässler ausgegeben wird. Bundesweit. Das wurde letztes Jahr auf dem nationalen IT-Gipfel beschlossen. Es ist eigentlich nur eine Platine, auf der Sie zwar einen Chip haben, aber alles, was Sie an Eingabe oder Ausgabe brauchen, bauen Sie selber an. Eine Tastatur also zum Beispiel oder einen Monitor. Man kann Calliope aber auch über das Handy programmieren und den Programmcode über Bluetooth auf ein Gerät übertragen. Und das Gerät hat dann beispielsweise Sensoren, mit denen etwa die Temperatur gemessen wird oder Höhenunterschiede. Es ist somit um einiges vielfältiger als ein Computer.

Aber was machen denn die Kinder mit Calliope?

(lacht) Das ist die große Herausforderung, der wir uns gerade widmen! Die Kinder sollen Calliope im Unterricht einsetzen und praktisch lernen, wofür man eigentlich einen Computer braucht. Nur die Tatsache, dass alle Kinder ein Handy haben und damit umgehen oder Candy Crush spielen können, heißt noch lange nicht, dass sie verstehen, wofür es gut ist und was man damit alles machen kann.

Denn mit Calliope kann man nicht nur telefonieren, Spiele spielen, Facebook, Snapchat etc. usen, sondern man kann tatsächlich Prozesse steuern. Das heißt, ich lerne, wie ich auf Veränderungen in meiner Umwelt reagieren kann. Zum Beispiel kann ich mir Gedanken darüber machen, wie ich einen Regenwassersensor baue, mit dem ich zukünftig dafür sorge, dass meine Pflanzen automatisch gegossen werden, falls es nicht genug geregnet hat.

Das hört sich alles sehr nach Lehrbuchbeispiel an. Aber worum es mir geht, ist:

Unsere Welt wird immer digitaler, und die meisten Menschen verstehen nicht, was das im Kern bedeutet. Sie sehen nur die Ergebnisse.


Das ist für viele auch gut genug. Das Problem besteht darin, dass sie, wenn sie später in einem digitalisierten Umfeld arbeiten sollen, ein tieferes Verständnis dafür brauchen, was unter der Glasplatte ihres Handys passiert.

Lassen Sie uns bei Beispielen bleiben. Sagen wir, mir gehört ein mittelständisches Unternehmen, eine Druckerei hier in Berlin, 30–80 Mitarbeiter, es läuft gut. Was interessiert mich dann dieses Thema? Was interessiert mich Digitalisierung? Muss ich etwas verändern in meiner Firma? Ich will doch nur Visitenkarten drucken.

Richtig. Und irgendwann drucken Sie eben keine einzige Visitenkarte mehr. Und das ist genau der Punkt.

Warum?

Weil Sie mit einer Konkurrenz konfrontiert werden, die Sie vorher nicht für möglich gehalten hätten. Und dann auch noch in der falschen Branche gesucht haben. Das ist ein typisches Disruptionsthema.

Übertrieben dargestellt, wird es beim Visitenkartendruck immer jemanden geben, der seine Visitenkarten im Prägedruckverfahren hergestellt wissen möchte. Am besten hat jemand die Bleilettern noch selbst zusammengeklöppelt. Damit kann man Visitenkarten drucken. Aber kein Unternehmen mit 30 Leuten durchbringen.

Man muss erkennbar und sichtbar sein. Gerade bei der Digitalisierung von Handwerksunternehmen und KMU (kleinere und mittlere Unternehmen) haben wir zwei Ebenen.

Zum einen geht es um das Thema „Discoverability“. Das bedeutet: Wie werde ich gefunden? Habe ich die Möglichkeit, über Wege des E-Commerce mein Produkt unmittelbar an den Mann zu bringen? Da hapert es ja noch im Jahr 2017 bei ganz, ganz vielen. Man muss verstehen, dass das ein wesentlicher Vertriebskanal ist. Wer stolpert denn heute noch in eine Druckerei rein, weil er weiß, dass sie gerade um die Ecke ist? Wer guckt noch in einem Telefonbuch nach? Wer hat überhaupt noch ein Telefonbuch? Die erste Ebene betrifft also Vertrieb und Distribution und die zweite die Produktion. Der Aufwand, den ich betreiben muss, um mit meinen alten Maschinen zu drucken, treibt natürlich die Stückzahlkosten in die Höhe. Dazu kommen die Lohnkosten und der Wareneinsatz, und das alles zusammen macht meine Produkte teurer als die desjenigen, der das mit dem Laserdrucker macht.

TSB und Digitalisierung

TSB treibt die Digitalisierung Berlins voran ©AusserGewöhnlich Berlin

Lassen Sie uns beim Beispiel Visitenkarten bleiben. Da gibt es ja seit einigen Jahren diese ausgesprochen unerfreulichen Selbstdruckvisitenkarten, die man aus dem Automaten ziehen kann. Das ist furchtbar, und wer Design- und Stilempfinden hat, macht das sicher nicht. Aber es ist für viele Leute gut genug. Und genau hier findet Disruption statt, nämlich in einem Bereich, wo Menschen sagen: „Das ist gut genug für mich.“ Die hätten sich sonst vielleicht nie eine Visitenkarte gemacht. Aber wenn man sich für 2 Euro bei zum Beispiel Lidl einen Stapel Visitenkarten ausdrucken kann, dann nimmt man die mit.

Es taucht also plötzlich Konkurrenz an einer Stelle auf, an der ich sie nicht vermutet hätte. Und diese Konkurrenz erschließt für sich in diesem Bereich Marktanteile. Sie akquiriert erst mal Kapital. Und dann, was ganz wichtig ist, Wissen und ist damit in der Lage, eine Marke aufzubauen. Dann wissen die Leute, bei PrintXYZ gibt es gute Visitenkarten, und das auch noch schnell, warum soll ich dann losgehen und überlegen, ob Druckerei Müller in der Lage ist, meine Visitenkarten gut zu drucken? So funktioniert Disruption. Deswegen gibt es niemanden, vor dem das haltmachen wird. Nicht mal den Brötchenbäcker.

Welcher Bäcker backt denn heute noch die Brötchen selber? Irgendwann kommt der Nächste, der dir die Brötchen morgens vor die Tür bringt. Wer hat denn dann noch Lust, zum Bäcker zu gehen? Es gibt überall ein digitalisierbares Geschäftsmodell.

Dass die Digitalisierung Ihr Thema ist, merkt man. Sie haben den Mitte-Start-up-Sprech gut drauf! Seit 2013 sind Sie nun hier in der Technologiestiftung Berlin, die ganz anders aufgestellt war und diese Strukturen nicht kannte. Wie haben Sie es geschafft, die Mitarbeiter mitzunehmen? Wie haben Sie es geschafft, dass Berlin Partner Sie akzeptiert? Wie hat der Mensch Nicolas Zimmer es geschafft, die anderen mitzunehmen, obwohl er alle die Knöpfe drückt, die irgendwann wehtun?

(lacht) Das war nicht einfach. Das funktioniert nur, wenn man authentisch und überzeugend ist.

Man darf sich nicht zu fein sein, sich auch selber mal die Finger schmutzig zu machen. Man darf nicht immer nur reden, sondern muss auch mal was tun.


Mir hilft dabei, dass ich das Programmieren beherrsche und nicht nur davon rede. Ich bin in der Lage, eine Lösung zu zeigen, die ich selber programmiert habe. Unser Dokumentenmanagementsystem hier in der Technologiestiftung habe ich selber geschrieben. Nicht nur, um das Geld zu sparen, sondern auch weil ich es cooler fand und es mir mehr Spaß gemacht hat, als mir eins zu kaufen. Wenn man so etwas als Geschäftsführer macht, wird es für den Mitarbeiter natürlich etwas schwer zu sagen, dass sein Chef nur Luftblasen produziert. Das gibt es bei mir tatsächlich nicht.

Dann muss man auch akzeptieren, wo die Menschen herkommen. Ich habe einige Kollegen, die haben hier viele Jahre lang vieles getan, wo sie wertvolle Erfahrungen gesammelt haben. Da geht es natürlich nicht darum, alles neu zu machen und nun zu sagen, dass diese Erfahrungen nichts wert sind. Es gilt herauszukitzeln, was sich an diesen Erfahrungen in die ganze Diskussion um Digitalisierung einbringen lässt. Diese Kollegen spiegeln ja den Wissensstand der Bevölkerung wider. Deswegen haben wir hier viele Prozesse, wo wir uns mit allen Mitarbeiten zusammensetzen, auch aus der Buchhaltung, und uns über inhaltliche Ausrichtungen austauschen.

Dann haben wir den „Free Beer Friday“ eingeführt. (lacht) Ja, die Start-up-Szene hat auch ihren Vorteil. Und in der Lobby haben wir diverse Getränke, die unseren Mitarbeitern zur freien Verfügung stehen. Das führt dazu, dass man bleibt, verweilt. Man bleibt in der Pause da und tauscht sich auch bereichsübergreifend aus. So haben wir eine neue Form von Kommunikationskultur. Ich greife auch gerne inhaltlich in die Arbeiten ein. Ich manage nicht nur, sondern sehe die Technologiestiftung Berlin als ganz zentrale Aufgabe in meinem Leben an. An keinem anderen Ort würde ich arbeiten wollen. Ich sage das jetzt nicht, weil es sich so schön anhört: „Ich habe den schönsten Beruf der Welt.“ Aber wo sonst hat man die Möglichkeit, einerseits inhaltlich so frei zu arbeiten und andererseits auch Zugang zu so vielen anderen Akteuren zu haben –  politisch wie auch zur Stadt-Szene?

Wenn wir eine Studie der Technologiestiftung Berlin präsentieren, dann stellt die Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe sie gerne mit uns zusammen vor. Wir sind glaubwürdig.

Man weiß, dass alles, was wir vertreten, auf einer ordentlichen wissenschaftlichen Grundlage basiert.

Auf der anderen Seite trifft sich bei der Technologiestiftung die Community zu Workshops. Wenn wir einladen, kommen die Profis der Szene und basteln mit uns zum Thema LoRaWAN. Da kommen die Leute in Scharen.

Was bedeutet LoRaWAN? Muss man das kennen?

Nein, das ist wieder so ein Fachbegriff. Kann aber nicht schaden, den zu kennen.

Es bedeutet „Long Range Wide Area Network“. LoRaWAN ist sozusagen das WLAN für das Internet der Dinge. Es hat eine enorme Reichweite und kann Daten über kilometerweite Distanzen einsammeln. Beliebtes Beispiel ist der Müllfüllstand-Sensor. Wenn der Sensor Alarm gibt, kommt die Berliner Stadtreinigung und holt die Tonne ab. Ressourcen werden also effizienter eingesetzt.

Wir haben hier in der Technologiestiftung so einen Prototypen gebastelt. Anstatt irgendwem einen teuren Auftrag zu erteilen, bemühen wir uns erst mal selber mit den Möglichkeiten, die wir haben. Wir basteln viel hier, haben immer kleine Projekte am Laufen.

2015 hat die TSB von „Deutschland – Land der Ideen“ eine Auszeichnung für ihre „Hacking Box“ bekommen. Denn das ist genau der Ansatz, den wir verfolgen: viele kleine Projekte machen. Es wäre doch komisch, wenn wir in die Schulen gehen und den Schülern einen Satz an Sensoren, Motoren und Microcomputern hinstellen würden, es aber selber nicht machen, sondern lieber eine Fremdfirma beauftragen. So wichtige Themen sollte man selber beherrschen. Nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis.

Deswegen hat die Technologiestiftung solche Sets an Microcomputern, die sie verleiht. Auch gerade vermehrt an Unternehmen. Das fördert das Verständnis davon, was genau unter der Oberfläche der Geräte passiert. Ich würde zum Beispiel der Druckerei, von der wir gesprochen haben, empfehlen: Kommt vorbei, leiht euch so einen Satz an Geräten aus und lotet die Potenziale damit aus.

Um wieder den Bogen zu schlagen: Einerseits genießen wir Glaubwürdigkeit in der Politik, andererseits kommt die Community zu unseren Meet-ups und Workshops. Dann arbeitet man gemeinsam an Themen und Ideen. Beispiel LoRaWAN: Wie könnte man das anwenden?

 

 

Nicolas Zimmer im Interview über Digitalisierung, Wandel und Technologien

Nicolas Zimmer ist seit 2013 Vorsitzender der Technologiestiftung Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Die TSB bietet also Workshops an, wo man die neuen Technologien erfahren und ausprobieren kann. Arbeitet sie auch beratend für Firmen, die sich umstrukturieren wollen und müssen?

Wir dürfen keine Einzelbetriebe beraten und auch keine Wirtschaftsförderung machen. Wir sind eine gemeinnützige Einrichtung. Wir dürfen alles machen, was branchenbezogen ist. Das heißt, wir können alle Unternehmer aus etwa dem Bereich Elektromobilität einladen und gemeinsam überlegen, was die Projekte der Zukunft sein könnten.

Das zweite Problem, das wir haben, ist ein beihilferechtliches.

Wir sind als Technologiestiftung Berlin zum guten Teil von öffentlichen Geldern finanziert, und wenn wir nun ein privates Unternehmen beraten, bekommen wir sofort Ärger mit der EU-Kommission. Ergo: Wir lassen das! (lacht)

Wenn sich ein Unternehmen für unsere Themen interessiert, findet es auf unserer Website viele aktuelle Informationen. Zum Thema Blockchain, Internet of Things …

Blockchain? 

Die Blockchain ist eine Community-basierte Möglichkeit, Daten und Transaktionen zu verifizieren. Klingt jetzt auch wieder sehr technisch, nicht wahr? (lacht)

Ein Anwendungsbeispiel, das die meisten kennen werden, ist die Bitcoin. Diese ganzen Kryptowährungen basieren auf der Blockchain. Wenn ich Ihnen jetzt eine Bitcoin übertragen möchte, wird diese direkt in Ihre Wallet übertragen. Damit sichergestellt ist, dass diese Transaktion bei mir zu einem Abzug meines Guthabens führt und bei Ihnen zu einem Mehr, brauchen Sie eine Instanz, die diese Transaktion verifiziert. Es ist also so eine Art Notariat und im Grunde genommen nichts anderes als das, was die Banken untereinander bei einer Überweisung machen.

Die Blockchain unterscheidet sich davon im Wesentlichen dadurch, dass sie keine staatlichen oder sonstigen Institutionen braucht, die diese Transaktionen überwachen. Es ist vielmehr ein Protokoll, an dem sich unglaublich viele Menschen und Unternehmen aus den verschiedensten Gründen beteiligen. Auf ihren Servern werden Kopien der Transaktionen gespiegelt.

Das heißt, dass jede Transaktion auf 10.000 Servern weltweit hinterlegt ist. Würde ich nun etwas an einer Transaktion manipulieren wollen, müsste ich auf 10.000 Servern die Kopien dieser Transaktion verändern.


Das ist natürlich viel zu aufwendig in Relation dazu, was ich dadurch vielleicht gewinnen könnte, wenn ich mir eine Bitcoin wieder klaue.

Das klingt komplex.

Ja, das ist komplex und schwierig, ich verschone auch die Leser damit, die technische Umsetzung der Blockchain zu erläutern. Was man sich merken muss: Zwei Menschen können an egal welchem Ort der Welt miteinander ins Geschäft kommen, ohne dass wir eine staatliche Stelle oder irgendein Gericht brauchen, um sicherzustellen, dass beide ihre Leistung erfüllen. Das ist der große Vorteil an dem ganzen Blockchain-Thema.

Es gibt mittlerweile Länder, die ihre Grundbücher auf Blockchain umstellen. Das klappt immer dann gut, wenn ein Staat nicht wirklich gut funktioniert. Durch solche Ansätze können Sie Dinge wie Korruption, Staatsversagen oder Bürokratie umgehen. Dann gibt es Menschen, die sich ganz viele Gedanken darüber machen, was man mit der Blockchain noch alles machen könnte. Dazu finden Sie auf unserer Website die entsprechenden Reports. Das ist dann nicht so anstrengend, wie mir zuzuhören. (lacht) Ein Unternehmen kann da reinschauen, die relevanten Themen filtern und Anwendungsbeispiele und technische Umsetzungen der Blockchain finden.

Ist das eine Art Datenbank?

Das ist eine sehr gute Analogie. Im Grunde genommen ist es eine Datenbank, da es hinterlegt, was zwischen A und B passiert. Aber es ist eben auch eine sehr sichere Datenbank.

Obwohl das überall auf der Welt abrufbar ist und alle meine Bewegungen auf 10.000 Servern gespeichert sind? Klingt das nicht nach Überwachung?

Ja, na ja. Ich habe ja einige Details der Blockchain bisher verschwiegen. Es gibt natürlich vor allen Dingen auch eine Verschlüsselung der Transaktionen.

Technologiestiftung Berlin – Sie haben mich nun wirklich überzeugt, dass Sie innovativ sind und sich für Ihre Innovationen einsetzen. Die TSB ist eine Sache, aber ist Berlin wirklich innovativ? Ist Berlin wirklich ein Hotspot in der Start-up-Szene der Welt?

Nun ja. Berlin ist kein Silicon Valley und wird auch nie eins werden. Wer das behauptet, war noch nie im Silicon Valley.

Aber Berlin – und das ist ein großes Plus – ist ein Ort, an dem viele kreative Menschen in der Lage sind, vieles auszuprobieren. Das ist etwas, was diese Stadt so reizvoll macht. Deswegen kommen so viele hierher: weil sie etwas ausprobieren wollen. Berlin hat ein Umfeld, in dem eine Start-up-Community gut gedeiht. Für ein funktionierendes Start-up-Ökosystem braucht es mehrere Zutaten.

Eines davon ist die Größe. Berlin ist nun einmal die größte deutsche Stadt. Was man des Weiteren braucht, ist ein kreativ-kulturell spannendes Umfeld. Auch das finden Sie hier.

Sie haben in Berlin Hochkultur und Subkultur und Alltagskultur dicht beieinander. Zudem ist Berlin nach wie vor bezahlbar und günstig. Und es ist eine internationale Stadt, in der Sie, ohne ein Wort Deutsch zu können, doch relativ weit kommen.


Das alles zusammen macht Berlin als Gründungsort sehr attraktiv. Deswegen haben wir so viele Start-ups hier.

Wenn ich mir dann aber anschaue, was diese Start-ups eigentlich machen, dann stellt sich mir schon die Frage, ob die so wahnsinnig innovativ sind. Wir haben relativ viele, die sich in einem Bereich befinden, der konsumenten- und webbasiert ist. Sprich: Wir machen lustige To-do-Listen. Mit Soundcloud haben wir natürlich ein tolles Start-up, das sich mit Musik beschäftigt. Oder wir haben EyeEm, das mit Fotos arbeitet. Aber das sind am Ende des Tages nicht die Produkte, die unique sind. Die sind alle nur begrenzt skalierbar. Ich gehe nicht davon aus, dass wir bald das nächste Facebook oder Google in der Stadt haben werden.

Was wir hier in Berlin haben, ist ein gutes Umfeld für kreative Lösungen. Aber ob es ein Umfeld ist, in dem hochinnovative Lösungen entstehen, die noch dazu in einem internationalen Maßstab skalieren – gerade mit Blick auf die Frage des verfügbaren Kapitals –, da kann man höchst unterschiedlicher Meinung sein. Ich habe wenig große Exits in der Stadt gesehen. Der letzte große, den ich in Erinnerung habe, ist der von 6Wunderkinder, die durch Microsoft gekauft wurden. Ich kenne Christian Reber (Anm. d. Red.: Geschäftsführer von 6Wunderkinder) sehr gut und schätze ihn auch sehr. Er hat es geschafft, mit der Wunderlist ein Produkt zu kreieren, das die Menschen lieben.

Erklären Sie uns, was das ist?

Die Wunderlist ist nichts anderes als eine To-do-Liste. Sie können mit dieser App Ihren Alltag planen –  eine schöne App, eine, die Spaß macht und intuitiv zu bedienen ist. Die Liste kann gemeinsam mit der Familie verwaltet werden. Es ist nicht die einzige App zu dem Thema. Der Markt zu To-do-Apps ist grenzenlos. 6Wunderkinder ist deswegen so erfolgreich gewesen, weil sie ein Produkt gebaut haben, das Menschen wirklich gerne benutzen. Man gruselt sich nicht, die nächsten Termine für den Tag zu sehen, sondern hat das Gefühl, zu Hause vor dem Kühlschrank zu stehen und sich dort seine Liste anzugucken. Die App hat eine sehr „menschliche“ Komponente.

Das ist das, was ich meine. In Berlin werden Sachen gebaut, die im Consumer Markt deswegen gut funktionieren, weil sie dieses ganze Thema Usability gut abbilden. Was die Berliner Start-ups nicht so gut abbilden, ist das ganze Thema Hochtechnologie. Ich sehe hier wenige, die sich aufschwingen, den Bereich Künstliche Intelligenz zu revolutionieren. Eine Ausnahme ist da German Autolabs, die machen viel zu dem Thema Digitale Fahrassistenz. Der Geschäftsführer Holger Weiss ist eben auch ein sehr erfahrener Gründer, der das nicht zum ersten Mal macht.

Zusammenfassend möchte ich festhalten, dass die Berliner Start-ups nicht ingenieurgetrieben sind, sondern von Marktbeobachtungen. Es passiert nicht, dass jemand sagt: „Hier gibt es ein Problem, das hat noch keiner gelöst, und ich will das jetzt lösen.“ Es ist eher andersrum. Es gibt die Lösungen schon, und hier sind die Leute, die sagen: „Wir können es aber besser machen.“ Das ist legitim. Aber das führt natürlich nicht zu den großen disruptiven Veränderungen.

Was waren die wichtigsten Erfahrungen, die Sie in Ihrem Werdegang geprägt haben?

 

Nicolas Zimmer, TSB über das Scheitern

Nicolas Zimmer, unkonventioneller Vorstand der TSB ©AusserGewöhnlich Berlin

Im persönlichen Bereich war das die Geburt meiner Tochter. Das war sicher eine der prägendsten Erfahrungen, die ich je gemacht habe.

Im geschäftlichen ist die Erfahrung des Scheiterns eine wichtige. Zum Beispiel mit meiner E-Book- Plattform. Ich war so absolut überzeugt davon, dass der Ansatz der richtige ist. Ich bin es übrigens auch heute noch. Wir haben es innerhalb eines halben Jahres geschafft, eine Community von 25.000 Nutzern aufzubauen. Das ist eine enorm gute Performance. Aber als dann klar war, dass der Hauptinvestor abspringt, und man den Stecker ziehen musste, war das schon eine Grenzerfahrung.

Aber wenn man von einer Idee so sehr überzeugt ist, dann muss man auch bereit sein, vieles dafür aufs Spiel zu setzen. Einschließlich des Privatlebens. Natürlich auch mit den entsprechenden Folgen. Das ist etwas, das dazugehört, wenn man Unternehmer sein möchte.


Ich sage nicht, dass man unbedingt scheitern muss, damit man weiß, wie das Leben funktioniert. Scheitern macht keinen Spaß. Aber am Ende des Tages kann man gestärkt daraus hervorgehen.

Was sicherlich auch prägend für mich war, war dieses radikale Aussteigen aus der Politik. Staatssekretär ist jetzt auch nicht gerade ein uninteressantes und niedriges Amt. Das ist ja für viele die Krönung ihrer politischen Karriere. Aber ich bin dann gegangen. Weil ich es in dieser Konstellation nicht mehr wollte. Obwohl nicht klar war, wie das ausgehen würde, habe ich mich dem Risiko ausgesetzt, zu gründen und hier in der Technologiestiftung anzufangen. Ich habe das nie bereut. Aber für viele war das bestimmt ein harter Move von mir.

Warum haben so viele Unternehmen Angst vor Veränderung?

Ich glaube, dass es in der menschlichen Natur liegt, vor Dingen, die wir nicht kennen und deswegen nicht einordnen können, Angst zu haben. Am Ende des Tages sind wir alle Nutzen-Optimierer. Wir versuchen, bei möglichst niedrigem Aufwand einen möglichst hohen Nutzen zu erzielen. Veränderung bedeutet, dass ich Energie investieren muss. Und diese Investition bedeutet Aufwand. Ich glaube, dass das eines der Probleme ist.

Ich verstehe oft eine Sache nicht: Wir machen ja Innovationsstudien mit Unternehmen. Da fragen wir oft, was die Unternehmer eigentlich daran hindert, innovativ zu sein. Wenn ich dann zu hören bekomme, dass das Risiko zu groß sei und es keine öffentliche Förderung dafür gebe, muss ich demjenigen leider sagen, dass er sein Unternehmen verfehlt hat. Ein Unternehmer, der sagt, dass ihm das Risiko zu groß sei? Honestly?

Wenn ich nicht risikofreudig bin, bin ich Verwalter, aber kein Unternehmer!


Natürlich sind wir da in Deutschland anders strukturiert als zum Beispiel in den USA. Sicher hat es auch Vorteile, dass es so „beständige“ Unternehmer gibt, die teilweise 100, 150 Jahre alt sind und immer noch Millionenumsätze generieren. Aber trotz allem habe ich den Eindruck, dass viele verlernt haben, was es heißt, etwas zu „unternehmen“. Nämlich etwas Neues zu wagen! Auch mit der Gefahr zu scheitern. Und dann wieder etwas Neues zu wagen. Ich würde die Deutschen eine Vollkasko-Mentalitäts-Gesellschaft nennen. Weil wir immer versuchen, die Risiken zu minimieren. Aber das liegt eben in der Natur des Menschen.

Ich behaupte nicht, dass sich für jeden, der sich auf Veränderung einlässt, das Paradies öffnet. Es kann auch sein, dass Veränderung nach hinten losgeht. Dann steht man auf einmal mit nichts mehr da und fragt sich, wovon man die Miete zahlen soll. Das passiert auch. Aber andersherum muss man sich fragen: Was verliere ich eigentlich? Diese Perspektive entspricht natürlich nicht derjenigen eines Familienvaters, sondern eher der eines 20- oder 30-jährigen Singles. Heute, als Vater, würde ich diese Frage sicher auch anders beantworten.

Nicolas Zimmer, TSB, spricht über Veränderung

Nicolas Zimmer über Angst vor Veränderung ©AusserGewöhnlich Berlin

Es klingt nach einem Paradox: Oft wird davor gewarnt, dass wir durch die Digitalisierung unsere Identität verlieren. Aber ist es nicht vielleicht auch andersherum? Dass viele Sparten unserer Identität verloren gehen, wenn wir in Deutschland nicht mithalten bei der Digitalisierung? Beispiel Amazon, das eine absolute Monopolstellung hat. Wer sich dort nicht positioniert, als Dichter, als Avantgarde-Romancier, der findet schlicht und ergreifend nicht statt. Müssen wir nicht mit voranschreiten bei der Digitalisierung, um die Vielfältigkeit zu erhalten?

Ich sehe es so: Wenn wir uns nicht angemessen mit Digitalisierung auseinandersetzen, werden wir früher oder später überholt und sind nicht mehr diejenigen, die die Regeln bestimmen.

Lassen Sie mich das am Thema Regeln festmachen und an dem Verständnis davon, was wir für richtig und falsch halten. Nehmen Sie große Unternehmen wie Airbnb: Die sind wahnsinnig erfolgreich. Und gleichzeitig zerstören sie in weiten Teilen die Strukturen, die wir erarbeitet haben und die beispielsweise auf sozialen Ausgleich ausgerichtet sind.

Das ist im Grunde genommen das große Problem: Wenn man nicht versteht, worum es geht. Viele haben lange nicht verstanden, woher die Kraft der Plattformlösungen kommt. Dann haben sie viel zu spät angefangen, auch mediokre Versuche zu starten und etwas Alternatives dafür aufzustellen. Das führt schließlich dazu, dass sie nicht mehr Herr oder Herrin ihres Umfeldes sind, sondern von Dritten bestimmt werden. Darin sehe ich die größte Gefahr.

Natürlich gibt es auch ein Identitätsproblem. Viele Menschen fühlen sich durch die Digitalisierung entwurzelt und wissen nicht mehr, wo sie hingehören. Das sieht man ja auch an der politischen Entwicklung in Deutschland. Es gibt diese Gegenbewegung von Menschen, die sich alleingelassen fühlen in einer Welt, die sie nicht mehr hundertprozentig verstehen. Sie konzentrieren sich lieber auf Lösungen, die einfach sind, die ihnen von irgendwelchen Leuten angeboten werden. Das führt dazu, dass wir ein demokratietheoretisches Problem bekommen:

Wenn viele Entscheidungen so komplex sind, dass viele Menschen schon allein die Problemstellung nicht verstanden haben, dann kommen Sie irgendwann in eine Situation, wo auch politische Entscheidungsträger nicht mehr verstehen, was sie da machen.


Fragen Sie zum Beispiel einfach mal politisch Verantwortliche danach, was die Blockchain ist. Oder wie Amazon wirklich funktioniert. Oder fragen Sie, was Open Data ist. Sie können diese Fragerunde beliebig fortführen. Das ist ein Problem, in dem sich die deutsche Abneigung zu Veränderung widerspiegelt. Die deutsche Gesellschaft ist eine, die großen Wert auf Beständigkeit legt. Das hat, wie gesagt, auch große Vorteile, weil sie uns soziale Verwerfung erspart, die wir in anderen Ländern schon sehen. Ich möchte das auch nicht wirklich eintauschen. Ich sehe aber schon die Gefahr, dass wir tatsächlich nicht mehr im „Driver Seat“ sind, also nicht mehr Herr oder Herrin unseres Verfahrens.

Schließen wir das Interview mit etwas, das Mut macht. Wie sehen die ersten drei einfachen Schritte zu Digitalisierung aus, die Unternehmen machen können?

  1. Was machen die anderen? Es ist immer einfacher, von Unternehmen zu lernen, die in der gleichen Branche unterwegs sind. Hier muss ich mich fragen: Was sind die erfolgreichsten, und warum sind sie das?
  2. Es ist wichtig, sich selbst infrage zu stellen. Ich weiß, dass das Angst macht. Aber andererseits ist es schon gut, sich mal zu überlegen, was jemand machen könnte, um mich aus dem Feld zu schlagen. Wo lauert die größte Gefahr? Disruption ist ja schon ein abstraktes Thema. Aber man muss schauen, wo die unerwartete Konkurrenz liegt.
  3. Wenn Punkt 1 und 2 analysiert sind, würde ich mich an beratende Institutionen wenden, von denen es ja eine ganze Reihe gibt, wie zum Beispiel Berlin Partner oder die Technologiestiftung Berlin, auch der Bund macht viele Programme. Und in Berlin wird gerade eine Digitalagentur geschaffen.

 

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Weitere Artikel zu den Themen Digitalisierung und Stadtentwicklung, lesen Sie hier: Tegel Projekt, Gabriele Thöne über die Urania, Dr Jürgen Allerkamp über die IBB, Dr. Henning Heppner über Elektromobilität

Dieses Interview ist erstmals im eMagazin von AusserGewöhnlich Berlin in der Ausgabe 07/2017 erschienen.

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