Katharina Wolff Strive

Katharina Wolff Strive

Nicht noch ein Frauenmagazin: STRIVE jetzt am Kiosk

STRIVE Herausgeberin Katharina Wolff im Gespräch mit Alexander S. Wolf

Wie bemerkt man den Beginn einer neuen Ära? Im nachhinein, viel später, weiß man immer, wann eine Epoche endete und eine neue begann.

Sehr selten begreifen Zeitgenossen die historischen Dimensionen ihrer Gegenwart.
Deshalb ist es eine Ehre, den Start von STRIVE selbst mitzuerleben. Denn nachfolgende Generationen werden sagen: Mit STRIVE begann eine neue Ära. Davor war die Wirtschaft von dem Mann beherrscht, alles rund um Business war männlichen Rollenbildern dominiert. Wirtschafts-Medien zeigten fast immer Männer in Anzügen auf den Covern. Dann kam STRIVE. Seitdem haben wir eine neue, bessere Perspektive gewonnen. Unser Horizont ist weiter, unser Wissen ganzheitlicher.
Es war Januar 2021 und mit STRIVE begann die Zukunft unserer Wirtschaft.
Alexander S. Wolf hatte die Chance, kurz vor STRIVE-Start mit der aussergewöhnlichen Herausgeberin Katharina Wolff zu sprechen.

DIE STRIVE IDEE

´Nicht noch ein Frauen-Magazin!´, dachte ich, als ich das erste Mal von STRIVE hörte. Aber dann habe ich gelernt, dass Ihr einen völlig neuen Ansatz habt.

Wir sind kein Frauenmagazin. Wir sind in erster Linie ein Business-Magazin. Und in zweiter Linie aus Frauenperspektive geschrieben. Und auch jedem Mann tut ja mal ein Perspektivwechsel gut. Wir wollen auf keinen Fall die besseren Männer aus den Frauen machen. Was wir wollen: Frauen zeigen, die es geschafft haben – und wie sie es geschafft haben. Stichwort: Sichtbarkeit. Ich glaube, es kommt immer darauf an, welche Vorbilder du hast. Meine Mutter, zum Beispiel, hat immer gearbeitet. Sie ist Ärztin. Sie hat ihre Praxis in genau dem Jahr eröffnet, als ich geboren wurde und hat immer fulltime gearbeitet. Aber meine Mutter hat das sehr clever gemacht: Wir hatten ein Doppelhaus – die eine Hälfte war Praxis, die andere unser Wohnhaus.

Das heißt, STRIVE ist das Vorbild einer erfolgreichen Mutter? Sowas wie die Mutter, die viele nicht haben?

Das ist es tatsächlich ein bisschen. Wir werden nie ein Jammer-Magazin sein, STRIVE ist Mutmacher. Natürlich gibt es den Gender-Pay-Gap, aber was bringt es uns, noch einhundert Mal darüber zu reden, das macht es auch nicht besser. Wir fragen: was können wir tun? Wir können als Magazin die Geschichten von denjenigen Frauen sichtbar machen, die es geschafft haben. Frauen, die ein Role Model sein können – für Frauen und Männer. Die bei uns erzählen, wie sie es geschafft haben. Die Mut machen und z.B. sagen: Ja, man kann auch nur drei Monate aussetzen, wenn man ein Kind bekommt. Es gibt diese Frauen, die das machen und sagen: ´Traut euch euren eigenen Weg zu gehen! Traut euch eure Wahl zu treffen!´

Gibt es nicht schon eben jene Storys in vielen Wirtschaftsmagazinen?

Ja, aber dort werden Frauen zu oft als Frau interviewt, nicht als Expertin. STRIVE hat in Ausgabe eins beispielsweise mit Ökonom:innen zum Thema Corona gesprochen. Und es ist selbstverständlich, dass wir hier auch eine Ökonomin zu Wort kommen lassen. Wir interviewen sie nicht unter dem Aspekt: Wie ist es eigentlich als Frau Ökonomin in einer Männerdomäne zu sein, sondern wir geben ihr einfach Raum für ihr Fachwissen. Das ist das, was unheimlich wichtig ist: Frauen als Expertinnen Raum geben.

STRIVE UND DIE MÄNNER

Was versprichst du denn den Männern? Warum soll ich mir denn jetzt so ein Magazin antun? Was hilft mir das denn?

Na, Männer finden genauso viele Role Models in STRIVE. Ich glaube, STRIVE wird ein bestimmter Typus Mann lesen. Der testosteron-getriebene Gorilla-Mann, der sich den ganzen Tag mit den Händen auf die Brust klopft, wird keinen Spaß an STRIVE haben. Allein schon, weil ca. 60 % der abgebildeten Protagonist:innen Frauen sind. Männer, die Lust auf einen anderen Blickwinkel haben aber schon.

STRIVE spricht Männer an, die sich dafür interessieren, wie das mit der Augenhöhe zwischen Männern und Frauen wirklich funktionieren kann. STRIVE bietet einen Perspektivwechsel.


Aber nicht nur in die Perspektive der Frau, sondern auch in die Perspektive von berufliche Beziehungen auf gleicher Ebene. Wir geben uns bei allen Artikeln Mühe, jeweils weibliche und männliche Protagonisten zu finden. In unserem Januar Cover-Thema ‘Was verdienen Gründer eigentlich beim Exit´, berichten z.B. paritätisch zwei Männer und zwei Frauen.

ROLLENBILDER UND VISIONÄRE GESETZE

Stellen wir uns vor: Du bist auf einmal omnipotente Special-Bundeskanzler-Sonderbeauftragte. Und du sagst, wir schaffen die Frauenquote ab, weil wir stattdessen andere, bessere Regelungen einführen. Welches Maßnahmenpaket führst du ein?

Das erste wäre: Betriebs-Kitas müssen massiv gefördert werden, auch für kleine Unternehmen. Dort würden dann Fulltime-Tagesbetreuende eingestellt werden, sodass die Eltern ihre Kinder zwischendurch sehen könnten, ohne ihre Arbeitszeit stark reduzieren zu müssen. Es sollte so zum Interesse der Unternehmen werden, dass das Kind am gleichen Platz wie die Mutter oder der Vater ist. Dann wäre es natürlich auch sinnvoll, Arbeitszeitmodelle so zu ändern, dass die Kernarbeitszeiten zwischen 9 und 12 Uhr und danach vielleicht wieder von 15 bis 20 Uhr oder ähnlich gelegt werden. Vielleicht machen berufstätige Mütter es dann in der Tat so, holen ihre Kinder um 12 aus der Kita und bringen sie um 15 Uhr wieder hin. Und haben drei Stunden Quality Time als Familie. Aber das ist nur ein Beispiel. Es gibt noch so viel, wo wir als Gesellschaft aufholen könnten. Die Frauenquote ist da einfach zu kurz geschossen.

Das zweite ist: Führungspositionen in Teilzeit besser unterstützen. Wir müssen ansetzen in dem Alter zwischen ca. dreißig und vierzig, wo ja meistens der weibliche Karriereknick passiert. Da, wo Frauen teilweise zwei Jahre wegen der Kinder aussetzen. Ich meine hier Frauen in Führungspositionen, die irgendwann ein Vorstandsmandat antreten könnten. Die haben die Wahl, ihre Karriere durchzuziehen, wegen Kindern runterzuschalten oder sich einem dauernden Shitstorm auszusetzen. Eine meiner Bekannten, zum Beispiel, hat bei ihren beiden Kindern nur jeweils drei Monate ausgesetzt. Sie meint: ´Ich hab mich dafür entschieden, dass meine Karriere fast nahtlos weitergeht, auch wenn ich Kinder bekomme.’ Dafür muss sie sich dann immer Dinge anhören wie: ‘Warum bist du überhaupt Mama geworden? Du willst deine Kinder ja gar nicht aufwachsen sehen.’ Da müssen wir als Gesellschaft etwas verbessern. Stichwort Subventions-Modell: Bisher sprechen wir nur über eine Herdprämie, aber nicht über eine Art Büroprämie. Wenn man, zum Beispiel, Kinderbetreuung steuerlich besser geltend machen könnte, würde das schon vieles verbessern. Denn so etwas würde den richtigen Anreiz bieten, dass Frauen mit Kindern tatsächlich Lust haben, schneller und für mehr als z.B. 30 Stunden zurück in den Job zu gehen.

Die Gesellschaft sollte es belohnen, wenn eine Frau diesen Spagat zwischen Karriere und Kindern tatsächlich eingeht. Da muss es einen Wandel geben. Genauso, wie es einen gesellschaftlichen Wandel geben muss bei dem Thema Männer und Elternzeit. Männer müssen ein besseres Gefühl haben, wenn sie aus dem Job rausgehen und nicht dieses Gefühl bekommen, unmännlich zu sein. Da weiß ich allerdings ehrlicherweise noch nicht, wie der Staat dabei unterstützen könnte.

Strive Magazin

Strive Magazin

…das weiß ich auch nicht. Das kannst du mit Erwachsenen wahrscheinlich schwer ändern. Du musst da in den Schulen anfangen. Eine Art Lebens-Unterricht zum Thema Rollenverständnis. Es ist enorm schwierig für Männer heutzutage, eine passende Rolle zu finden. Ich treffe so viele Männer total zerrissen sind zwischen einerseits dem starken, männlichen Held mit diesem Rollenbild in Sport, Gesellschaft, Medien, Wirtschaft. Auf der anderen Seite möchtest du aber vielleicht mit den Kindern spielen, möchtest eine starke Frau an Deiner Seite, willst dich vielleicht auch mal verletzlich zeigen… Das ist das große Thema der meisten Männer, die ich kenne. Sie sind verloren in der modernen Gesellschaft. Wir müssen neue Rollenverständnisse in die Schule bringen und den Jungs sagen: Du bist kein Weichei, wenn du gerne mit Kindern spielst, wenn du zuhause bleibst und keine Karriere anstrebst…

Wahrscheinlich gehört dazu dann auch, in Kitas vermehrt darauf zu achten, dass mehr Männer diesen Beruf ergreifen. So, dass Kinder auch mehr männliche Vorbilder haben. Die das moderne Rollenbild auch vorleben. Ich glaube, es ist nochmal etwas anderes, wenn du als Junge von einem Mann hörst: ‘Es ist okay, mal der Weiche zu sein’, als wenn es von einer Frau kommt.

MACHEN FRAUEN AN DER MACHT MACHT BESSER?

Und wohin gehen wir dann, mit unseren neuen Rollen? Wie sieht denn eine Gesellschaft aus, in der mehr Frauen (wirtschaftlich) mächtig sind, wo Führungsposition viel mehr durch Frauen besetzt werden? Was versprichst du uns denn da in der Zukunft? Wozu soll das denn gut sein?

Ich glaube, dass in der Politik besonnener und wahrscheinlich friedvoller agiert würde. Stärke- und Macht-Demonstrationen als politische Routine würde es seltener geben. Es gibt eine Studie, dass die Länder, die von Frauen geführt werden, besser durch die Corona-Krise kommen. Ich glaube, dass viele (in Anführungszeichen) klassisch weibliche Eigenschaften, wie Besonnenheit, Reflexion, Empathie zu deutlich weniger impulsiven oder übereilten Entscheidungen führen würden. Eine Angela Merkel schießt nicht sofort. Die hat die Bazooka mit Sicherheit im Waffenarsenal ihrer Möglichkeiten. Und ich glaube, wir alle wollen sie nicht in Verhandlungen gegen uns erleben – ich glaube, dass Merkel eisenhart ist. Aber sie denkt wahrscheinlich eine Sekunde länger drüber nach, was sie tut und sagt, als vielleicht ein Trump, der testosteron-getrieben sofort los schießt.
Ich glaube also, in Unternehmen würde es ein bisschen besonnener zugehen. Es würden weniger übereilte Entscheidungen getroffen werden. Ich glaube, dieser Wahnsinn, wie es bei Wirecard oder so passiert ist, der würde mit Frauen nicht passieren.
Und es würde weniger Wirtschafts- oder Korruptionsskandale geben. Ich glaube, es würden diversere Unternehmen entstehen: Die Frauen, die ich kenne, gucken nicht drauf, obs Männlein oder Weiblein ist, die gucken nur, ob es die oder der Beste für die Position ist.

STRIVE UND DER HARTE MARKT

Du läufst Gefahr, dich selber obsolet zu machen. Du wirfst jetzt ein Thema auf die Tagesordnung, bei dem andere Wirtschaftsmagazine möglicherweise sofort nachziehen werden. Dann gibt es zwar mehr weibliche Perspektive in den etablierten Business-Magazinen (gesellschaftlich hast du gewonnen), aber weniger Alleinstellungsmerkmal für STRIVE (wirtschaftlich hast du verloren). Erhoffst du dir, dass die anderen die Botschaft aufnehmen und adaptieren? Oder möchtest du lieber die Einzige bleiben, die das Thema besetzt?

Ich hoffe stark, dass die anderen unsere Botschaft aufnehmen! Und ich glaube stark, dass uns das nicht töten wird. Wenn wir einen gesellschaftlichen Trend auf die Tagesordnung bringen und das andere Magazine nachahmen, kann uns das nur stärken.

Nach allem, was Du erzählst, ist STRIVE kein Frauen-Wirtschaftsmagazin, das ist ein Zukunfts-Wirtschaftsmagazin. Es fehlte tatsächlich ein Medium, das die Zukunft einer modernen Gesellschaft präsentiert. Denn diese Zukunft wird auf jeden Fall weiblicher sein.

Hab ich so noch nicht betrachtet. Aber ja, es ist so. Es ist ein Zukunftsthema. Tatsächlich gibt es in der breiten Mitte die WiWo, das Manager Magazin, das Handelsblatt, die Süddeutsche und so weiter. Aber die sind halt nicht auf weibliche Sichtweisen ausgerichtet. Bei denen passiert das eher durch Zufall. Es würde mir ja schon reichen, wenn sie nicht im Kern auf Männer ausgerichtet wären. Deswegen müsste der Slogan von STRIVE sein: Das erste Magazin, das sich nicht nur an Männer richtet. So baut man nur keine Brand auf (lacht).
Ich glaube tatsächlich, dass wir in ein, zwei Jahren eine Art Rebranding vornehmen werden. Dass wir nicht mehr sagen: wir sind das erste Wirtschafts-Magazin aus Frauen-Perspektive, sondern dass wir dann wirklich eher sagen: wir sind das erste Wirtschafts-Magazin aus Zukunfts-Perspektive… oder so…(lacht)

Leider hast Du es als Nischenprodukt schwer. Wenn Burda ein neues Strick-Magazin herausgibt, ist das einfacher als das.

Nischen-Magazin…das haben viele gesagt. Ich finde das sehr schade. Ich wehre mich dagegen, denn 1,3 Millionen Frauen in Deutschland sind Führungskräfte. Das ist doch keine Nische! Ein paar weitere Millionen Frauen werden demnächst Führungskräfte, machen gerade Abschlüsse und und und. Ich finde, das ist keine Nische, sondern eine wichtige, große Zielgruppe, die ein eigenes Magazin verdient hat.

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