Stephan Hartramph im Interview

Stephan Hartramph (links) und Alexander S. Wolf (rechts). ©AusserGewöhnlich Berlin

Strom aus Papier und Glas – Stephan Hartramph

Der AusserGewöhnliche Berliner Stephan Hartramph von Berlin Recycling spricht mit uns darüber, warum 300.000 Berliner durch Müll fernsehen können.

Vom Mauerpark bis zum Tempelhofer Feld: Berlin gilt als grüne Metropole. Dennoch ist Verschmutzung und Müllverwertung in der Hauptstadt ein häufig diskutiertes Thema.
Der AusserGewöhnliche Berliner Stephan Hartramph von Berlin Recycling spricht mit uns darüber, warum 300.000 Berliner durch Müll fernsehen können.

Sind die Berliner eher trenn-affin oder trenn-faul?
Berliner sind gute Trenner. Sie haben auch auf den Haus-Höfen eine große Auswahl an Tonnen: Papier, Glas, Wertstoffe, Bio- und Hausmüll. Doch das eigentliche Trennen beginnt schon in der Wohnung bzw. in der Küche. Und da gibt es manchmal ein Platzproblem, sodass es hier sicher noch Trennpotenzial gibt.

Ist es wirklich so wichtig, Müll zu trennen? Warum?
Recycling ist wichtig, da wir in einem rohstoffarmen Land leben und dadurch die verbrauchten Stoffe wiederverwerten sollten und müssen. Aus altem Papier wird neues Papier gemacht, ohne dass dafür ein zusätzlicher Baum gefällt werden muss. Die Neuglasherstellung ist energetisch deutlich effizienter, wenn dafür altes Glas benutzt wird und aus alten Verpackungen können wieder neue Verpackungen entstehen. Wenn wir uns ansehen, wie viele Dinge auch zukünftig verpackt werden, ist auch hier eine gute Kreislaufwirtschaft dringend erforderlich. Aus dem Biomüll wird übrigens Biogas erzeugt, welches z.B. wieder zum Antrieb unserer Gasfahrzeuge genutzt wird.

Was ist schlimmer – alles in den allgemeinen Müll zu schmeißen oder etwas Falsches in die getrennten Tonnen zu werfen?
Berliner Hausmüll wird in der Hauptsache energetisch verwertet. Daraus entsteht Strom, mit dem das Kraftwerk in Ruhleben ca. 300.000 Haushalte ein ganzes Jahr versorgen kann. Das schmälert aber nicht die Bedeutung des Trennens. Mülltrennung ist wichtig, aber wenn in die getrennten Tonnen mal etwas falsch reingeworfen wird, holen das die modernen Sortieranlagen wieder heraus.

Man munkelt, dass am Schluss sowieso alles wieder in der gleichen Tonne landet. Stimmt das? Woher kommt diese Annahme?
Die These, dass am Ende wieder alles zusammengeführt wird, ist falsch. Die Entsorgungswirtschaft verfügt über spezialisierte Sortieranlagen, die am Ende je Sortieranlage einen reinen Stoffstrom produzieren. Anfallende Sortierreste werden dann als sogenannte Ersatzbrennstoffe z. B. an die Zementindustrie geliefert. Vielleicht kommt daher dieses Gerücht.

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Dieser Artikel wurde erstmals im eMagazin AusserGewöhnlich Berlin in der Ausgabe 10/2016 veröffentlicht.

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