Die St.-Hedwigs-Kathedrale als das geheime Pantheon von Berlin

Die St.-Hedwigs-Kathedrale in Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Das geheime Pantheon von Berlin

Imageverbesserung durch Umbau: Die St.-Hedwigs-Kathedrale will unter die TOP 5 Touristenattraktionen Berlins kommen. Jetzt startet die Kirche eine Verschönerungsaktion.

Friedrich der Große: Die St.-Hedwigs-Kathedrale war seine Idee

Friedrich den Großen kennen alle. Was wenige wissen, ist, dass es zu seiner Zeit in Preußen nicht nur Protestanten gab, sondern auch eine Minorität von Katholiken. Friedrich tat etwas, was damals einmalig war: Er baute eine Kirche für eine Minderheit in der Gesellschaft: den ersten großen Tempel der Katholiken.

Der Bau dieser Kirche war eine Art Friedensangebot und Respektsbekundung an die katholischen Preußen. Friedrich ließ sie im Herzen seiner Hauptstadt errichten.
Aber er wollte, dass diese Kirche später einmal auch anderweitig verwendet werden könne. Deshalb ließ er eine kleine Version des Pantheon in Rom bauen, dem antiken Tempel für die Gesamtheit der Götter.

eine Kirche für eine Minderheit in der Gesellschaft

Friedrich der Große hatte die Idee zur St.-Hedwig-Kathedrale ©AusserGewöhnlich Berlin

St.-Hedwigs-Kathedrale – Rund, nicht normal.

Genau wie das Pantheon wurde diese katholische Kirche im Zentrum Berlins als Rundbau mit Kuppel erbaut. Und damit schuf Preussens König eine Legende:

Noch heute ist die St.-Hedwigs-Kathedrale deutschlandweit die einzige Kirche, mit solch einem Rundbau und solch einer Kuppel. Doch etwas maßgebliches hat sich verändert:

Anders als der ursprüngliche Bau (der im Krieg durch Bomben stark beschädigt wurde) hat die heutige St.Hedwig-Kathedrale eine Besonderheit im Innern: Das Rund setzt sich noch heute bis in den Keller fort.

runde Details in der St.-Hedwig-Kathedral

Das rund setzt sich in der St.-Hedwig-Kathedrale fort ©AusserGewöhnlich Berlin

Der St.-Hedwigs-Kathedrale fehlt der Fußboden.

Inmitten der Kirche ist ein Durchbruch in die Unterkirche mit ihren 8 kleinen Kapellen. Mit diesem direkten Eingang in die untere Etage ist die St-Hedwigs-Kathedrale ebenfalls einzigartig.

Die St.-Hedwig-Kathedrale im Inneren

Das Besondere an der St.-Hedwig-Kathedrale: Es fehlt der Fußboden ©AusserGewöhnlich Berlin

‘‘Operation‘‘ St.-Hedwigs-Kathedrale – Die Verschönerung kann starten

Dr. Heiner Koch ist der Erzbischof Berlins und möchte nun den Umbau der St.-Hedwigs-Kathedrale vorantreiben. Er plant, diese Bodenöffnung wieder zu schließen. Man soll sich auf beiden ‘‘Etagen‘‘ in Ruhe aufhalten können.

Nach dem geplanten Umbau wird der Hauptraum der Kirche unter der voluminösen runden Kuppel eine geschlossene große Fläche bieten, in deren Mitte der Altar thronen wird.

Umbau der St.-Hedwig-Kathedrale

Umbau der St.-Hedwig-Kathedrale: Die Sieger des Architektenwettbewerbs 2014 wollen die Öffnung schließen ©AusserGewöhnlich Berlin

Nicht nur dummes Kirchen-Gerede

Die St.-Hedwigs-Kathedrale soll so noch mehr eine Kirche für alle Menschen sein, nicht nur für Katholiken. Die neue Gestaltung soll Besucher anziehen und mehr in das Bewußtsein der Berliner treten.

Die St.-Hedwigs-Kathedrale verfolgt dabei ein ehrgeiziges Ziel: in einigen Jahren soll es das Haus in die Top 5 der attraktivsten Touristenziele geschafft haben: Wer mal nach Rom reist, besucht das Pantheon. Wer nach Berlin kommt, wird die St.-Hedwigs-Kathedrale besuchen.

So dumm ist die Idee übrigens nicht. Denn auf Postkarten vom Vorkriegs-Berlin fehlte ein Gebäude fast nie: Die St.-Hedwigs-Kathedrale

AusserGewöhnlich Berlin in der Unterkirche der St.-Hedwig-Kathedrale

AusserGewöhnlich Berlin trifft sich in der St.-Hedwig-Kathedrale ©Norbert Breuer

Aussergewöhnlich Berlin traf sich zum Salon in der St.-Hedwigs-Kathedrale.

Wir haben die Frage gestellt:

Wenn Du einen Tag Hausherr der St.-Hedwigs-Kathedrale wärst, was würdest Du mit der Kirche machen?

Hier sind die 10  besten Antworten der Aussergewöhnlichen Berliner:

Geschäftsführer im Bereich Elektroinstallation

  • Die ewig erhellte Hedwig: Wir lassen einen Lichtkegel von der St.-Hedwigs-Kathedrale aus nach oben strahlen lassen, damit jeder in dieser Stadt die Kirche sehen kann. Und dann würde ich im Herzen der Kirche, unter der Rotunde, ein großes Seilakrobatik-Event veranstalten.

Geschäftsführerin im Kreativbereich

  • Wir machen hier einen Tagesworkshop, wo unterschiedliche Berliner zusammenkommen und mal einen Tag lang ganz groß denken. Hier können wir Themen besprechen, die Berlin bewegen und Konzepte entwickeln, die Berlin verbessern.

Direktorin der Personalverwaltung im Baugewerbe

  • Die St.-Hedwigs-Kathedrale wird zum Coworking Space: Kreatives und innovatives Arbeiten, für alle, die raus aus dem Büro wollen. Es gibt verschiedene offene Bereiche, wie zum Beispiel Flipcharts neben den Sitzbänken. Was haltet ihr von dem Namen Pray-Coworking-St.-Hedwigs-Kathedrale?

Geschäftsführer einer IT-Firma

  • Bei mir wird die St.-Hedwigs-Kathedrale zur ersten VR-Kirche weltweit. Wir inszenieren historischen Kontext medial mit VR-Brillen: Du setzt die Brille auf und siehst was früher in der Kirche los war.

Geschäftsführer einer Kreativagentur

  • Jeder Mensch hat etwas, was ihm heilig ist. Man könnte direkt unter der Kuppel eine riesige Hologramm-Installation bauen, auf der  unterschiedliche Leute aus der ganzen Welt in Form von Hologrammen zeigen, was ihnen heilig ist.

„Musketier“ eines Energy-Drink-Unternehmens

  • Wie wäre ein Abendprogramm, wo man mit Videomapping Welten auf der Decke kreiert? Die Kuppel ist perfekt für sowas.

Geschäftsführer im Bereich Sicherheitsdienste

  • Hier sollte ein Gospel Flashmop stattfinden. Das würde auch den Tourismus und die Medienwirksamkeit vergrößern.

Geschäftsführer im Bereich Mode

  • Ich denke ganz romantisch an ein Fotoshooting von Frauen in Brautkleidern, denn die St.-Hedwigs-Kathedrale treibt Romantik bis in die Spitze.

Geschäftsführer einer Media-Agentur

  • Das Weltall direkt in der Kirche: Die Rotunde sollte zum Planetarium umfunktioniert werden, wo dann das Weltall rauf projektiert wird.

Privatier

  • Nachts allein in der Kirche: Der Grund, warum die Kirche gebaut wurde, ist ein tolles Beispiel für Religionsfreiheit:
    Eine katholische Kathedrale in einer protestantischen Hauptstadt. Also verbringen viele unterschiedliche Berliner eine Nacht unter der Kuppel und sprechen darüber, wie sie die Berliner einander näherbringen und Berlin verändern können.

 

Im Inneren der St.-Hedwig-Kathedrale

Die beleuchtete Rotunde der St.-Hedwig-Kathedrale ©Norbert Breuer

Welche Orte AusserGewöhnlich Berlin noch besucht hat, sehen Sie hier:

 Netzwerktreffen, Friedrichstadt-Palast, Secret Garden, Spionagemuseum, ICCHolzmarkt,

2 Kommentare zu “Das geheime Pantheon von Berlin

  1. Genehmigte der „Alte Fritz“ nicht den katholischen Kirchbau in der Zeit der schlesischen Kriege, um sich die Geneigtheit der Katholiken zu sichern? Da ging es um Machterhalt nicht um religiöse Toleranz, geschweige denn um Religionsfreiheit – genau wie die Bemerkung, jeder solle nach seiner Façon selig werden, eher wirtschaftlichen Interessen diente. Katholiken und Hugenotten sorgten später in Preußen für wirtschaftlichen Aufschwung und Wohlstand. „Gebildete Migranten machten Preußen zur Großmacht“, titelte einmal „Die Welt“ 2015.

    Genau so setzen die Befragten ausschließlich auf Zeichen eigener Interessen und Perspektiven: Der Elektriker träumt vom Lampenladen, der Kreative vom Workshop, der Modefritze vom „Fotoshooting von Frauen in Brautkleidern“. So kreiert jeder aus seinem persönlichen Blickwinkel. Nur, entspräche das der Interessenlage von Berlinern und Gästen? Wo sind die Menschen, die Ideen am Gemeinwohl ausrichteten oder dem, was dem Gebäude in seiner Gesamtheit angemessen wäre?

    1. Sie haben natürlich Recht. Allerdings ist das ein ziemlich schwieriges Thema: Am Versuch, dem Menschen das Handeln im Sinne des Allgemeinwohls einzuimpfen, sind ja schon Jesus, Gandhi, Mandela und Marx gescheitert. AM Ende ist wohl das Pragmatischste, wenn man Situationen erschafft, in denen das Verfolgen persönlicher Interessen gleichzeitig dem Allgemeinwohl dient. So etwas nannten wir mal „soziale Marktwirtschaft“ und funktionierte eine Weile ganz gut.
      Auf Berlin bezogen wären dies Lösungen, wo die dynamischen Berliner (seien es Künstler oder Unternehmer) bei ihren Projekten immer auch etwas für die anderen Berliner mitdenken müssten….Leider ist die Strategie des aktuellen Senats, uns gegeneinander aufzuhetzen und nicht, das Handeln nach Gemeinwohl zu propagieren.

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