So Bunt Berlin

CSD_Berlin_Wikimedia Commons Jörg Kanngiesser
CSD_Berlin_Wikimedia Commons Jörg Kanngiesser

SO BUNT BERLIN

CSD, Dyke March und das schwullesbische Stadtfest finden dieses Jahr im Juli statt: Für eine Sommerwoche wird Berlin zur bunten Hauptstadt Deutschlands, wo die Regenbogenflagge überall in der Innenstadt weht. Wir haben mit den AusserGewöhnlichen Berlinerinnen Manuela Kai und Gudrun Fertig gesprochen – den beiden Herausgerberinnen der Siegessäule, dem meist gelesenen Stadtmagazin Berlins.

 

1. Wie viele Menschen nehmen teil ?

Beim schwullesbischen Stadtfest ca. 400.000 Menschen an insgesamt 2 Tagen. Damit ist es eines der größten der Welt.
Beim Dyke* March nehmen ca. 2.000 Leute teil, überwiegend Lesben, die sich mit dem Wort „Dyke“ als souverän lesbisch bezeichnen und Lesbisch sein als politische Identität sehen. Dieses Jahr wird auch vermehrt schwule Unterstützung gegen die Unsichtbarkeit von Lesben eingefordert. Schon immer gehen auch Schwule (und wenige heterosexuelle Freund/innen) bei Dyke Marches mit, weshalb die Demo im Schwulenkiez am Nollendorfplatz startet.
Der große CSD im Juli sagt selber, bis zu einer Million Leute auf die Straße zu bringen, schätzungsweise wirklich mitlaufen werden so 300.000-500.000 Menschen. Der kleinere, sich selbst als politisch radikaler sehende Kreuzberg CSD hat ca. 10.000 Teilnehmende und wird im Juni am angestammten Termin, 25.6., stattfinden.

 

2. Was sind die politischen Ziele?

Die politischen Ziele geraten durch Party und Konsum-Übermaß in den letzten Jahren immer mehr in den Hintergrund, was allgemein in der Szene kritisiert wird. Allgemein geht es beim CSD immer um Sichtbarkeit, sich die Straße zu erobern und einmal die Mehrheit in der Öffentlichkeit zu sein. Konkret geht es um Menschenrecht für LGBTI, und viele Einzelforderungen, die auf der Webseite zu sehen sein werden – ich glaube, man hat sich noch nicht geeinigt. Diese Einzelforderungen sind aber oft nicht mal den Teilnehmenden bekannt… Das Motto dieses Jahr, „Danke für nix“, erschließt sich nur wenigen… und bezieht sich anscheinend auf die noch immer nicht erfolgte Angleichung der Ehe zwischen Paaren unterschiedlichen Geschlechts im Gegensatz zur etwas weniger privilegierten „Eingetragenen Lebenspartnerschaft“ für gleichgeschlechtliche Paare.

Mehr hier!

CSD Berlin Wikimedia Commons Paul David Doherty
CSD Berlin Wikimedia Commons Paul David Doherty

3. Welche Tradition hat der CSD?

Erstmals fanden Demos dieser Art 1970 in den USA statt, um an die Straßenschlacht in der CHRISTOPHER STREET in NYC, im Stadtteil Greenwich Village in Manhattan rund um die Kneipe Stonewall Inn, zu erinnern.
Weltweit heißt der CSD auch „Pride“ weil hier mit Stolz auf die Straße gegangen wird und daran erinnert wird, wie im Juni 1969 erstmals Schwule, Transen und Lesben sich einer Polizeirazzia im Stonewall Inn zur Wehr setzten und damit den Beginn der neuen, modernen Homosexuellen-Befreiungsgewegung markierten.
In Deutschland gibt es mittlerweile um die 40 CSD-Veranstaltungen in vielen Städten, die größten sind in Berlin, Köln, Hamburg, Stuttgart, Frankfurt und München.

 

4. Was hat sich verändert, was ist neu?

Anfangs, Ende der 70er Jahre, gingen nur 1-2.000 teils maskierte (wegen Angst vor Jobverlust etc.), mutige Menschen auf die Straße, um Lesben und Schwule sichtbar zu machen, gegen den mittlerweile abgeschafften Paragrafen 175 zu demonstrieren und überhaupt für Rechte von Schwulen und Lesben einzutreten.
Heute ist es eine Massenveranstaltung mit großen Sponsoren, die teils unpersönlich, teils Touristenspektakel, aber noch immer wichtig ist, um Flagge zu zeigen, um zu provozieren, um sich gut zu fühlen, indem man als Minderheit die Mehrheit auf der Straße ist. Und auch, um einfach die Sau rauszulassen…
In Zeiten von massivem Rechtsruck in Deutschland und um zu zeigen, dass man sich auch als weltweite Gemeinschaft versteht – in 70 Staaten der Welt ist Homoexualität verboten, teils mit schweren Strafen – hat der CSD auch heute noch eine große Bedeutung für die Community, auch wenn viele den rebellischen Aufbruchgeist der 70er und 80er Jahre vermissen.

 

Mehr Infos hier :

Erläuterund der Stonewall Riots

Bundeszentrale für politische Bildung

Die Siegessäule zum Thema

Die Dyke

Das lesbisch schwule Stadtfest

 

CSD_Berlin_Wikimedia Commons Jörg Kanngiesser
CSD_Berlin_Wikimedia Commons Jörg Kanngiesser

SO BUNT BERLIN

CSD, Dyke March und das schwullesbische Stadtfest finden dieses Jahr im Juli statt: Für eine Sommerwoche wird Berlin zur bunten Hauptstadt Deutschlands, wo die Regenbogenflagge überall in der Innenstadt weht. Wir haben mit den AusserGewöhnlichen Berlinerinnen Manuela Kai und Gudrun Fertig gesprochen – den beiden Herausgerberinnen der Siegessäule, dem meist gelesenen Stadtmagazin Berlins.

 

1. Wie viele Menschen nehmen teil ?

Beim schwullesbischen Stadtfest ca. 400.000 Menschen an insgesamt 2 Tagen. Damit ist es eines der größten der Welt.
Beim Dyke* March nehmen ca. 2.000 Leute teil, überwiegend Lesben, die sich mit dem Wort „Dyke“ als souverän lesbisch bezeichnen und Lesbisch sein als politische Identität sehen. Dieses Jahr wird auch vermehrt schwule Unterstützung gegen die Unsichtbarkeit von Lesben eingefordert. Schon immer gehen auch Schwule (und wenige heterosexuelle Freund/innen) bei Dyke Marches mit, weshalb die Demo im Schwulenkiez am Nollendorfplatz startet.
Der große CSD im Juli sagt selber, bis zu einer Million Leute auf die Straße zu bringen, schätzungsweise wirklich mitlaufen werden so 300.000-500.000 Menschen. Der kleinere, sich selbst als politisch radikaler sehende Kreuzberg CSD hat ca. 10.000 Teilnehmende und wird im Juni am angestammten Termin, 25.6., stattfinden.

 

2. Was sind die politischen Ziele?

Die politischen Ziele geraten durch Party und Konsum-Übermaß in den letzten Jahren immer mehr in den Hintergrund, was allgemein in der Szene kritisiert wird. Allgemein geht es beim CSD immer um Sichtbarkeit, sich die Straße zu erobern und einmal die Mehrheit in der Öffentlichkeit zu sein. Konkret geht es um Menschenrecht für LGBTI, und viele Einzelforderungen, die auf der Webseite zu sehen sein werden – ich glaube, man hat sich noch nicht geeinigt. Diese Einzelforderungen sind aber oft nicht mal den Teilnehmenden bekannt… Das Motto dieses Jahr, „Danke für nix“, erschließt sich nur wenigen… und bezieht sich anscheinend auf die noch immer nicht erfolgte Angleichung der Ehe zwischen Paaren unterschiedlichen Geschlechts im Gegensatz zur etwas weniger privilegierten „Eingetragenen Lebenspartnerschaft“ für gleichgeschlechtliche Paare.

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CSD Berlin Wikimedia Commons Paul David Doherty
CSD Berlin Wikimedia Commons Paul David Doherty

3. Welche Tradition hat der CSD?

Erstmals fanden Demos dieser Art 1970 in den USA statt, um an die Straßenschlacht in der CHRISTOPHER STREET in NYC, im Stadtteil Greenwich Village in Manhattan rund um die Kneipe Stonewall Inn, zu erinnern.
Weltweit heißt der CSD auch „Pride“ weil hier mit Stolz auf die Straße gegangen wird und daran erinnert wird, wie im Juni 1969 erstmals Schwule, Transen und Lesben sich einer Polizeirazzia im Stonewall Inn zur Wehr setzten und damit den Beginn der neuen, modernen Homosexuellen-Befreiungsgewegung markierten.
In Deutschland gibt es mittlerweile um die 40 CSD-Veranstaltungen in vielen Städten, die größten sind in Berlin, Köln, Hamburg, Stuttgart, Frankfurt und München.

 

4. Was hat sich verändert, was ist neu?

Anfangs, Ende der 70er Jahre, gingen nur 1-2.000 teils maskierte (wegen Angst vor Jobverlust etc.), mutige Menschen auf die Straße, um Lesben und Schwule sichtbar zu machen, gegen den mittlerweile abgeschafften Paragrafen 175 zu demonstrieren und überhaupt für Rechte von Schwulen und Lesben einzutreten.
Heute ist es eine Massenveranstaltung mit großen Sponsoren, die teils unpersönlich, teils Touristenspektakel, aber noch immer wichtig ist, um Flagge zu zeigen, um zu provozieren, um sich gut zu fühlen, indem man als Minderheit die Mehrheit auf der Straße ist. Und auch, um einfach die Sau rauszulassen…
In Zeiten von massivem Rechtsruck in Deutschland und um zu zeigen, dass man sich auch als weltweite Gemeinschaft versteht – in 70 Staaten der Welt ist Homoexualität verboten, teils mit schweren Strafen – hat der CSD auch heute noch eine große Bedeutung für die Community, auch wenn viele den rebellischen Aufbruchgeist der 70er und 80er Jahre vermissen.

 

Mehr Infos hier :

Erläuterund der Stonewall Riots

Bundeszentrale für politische Bildung

Die Siegessäule zum Thema

Die Dyke

Das lesbisch schwule Stadtfest

 

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