Berliner Baustellen: Die Initiative Wem gehört Berlin deckt die Eigentumsverhältnisse in Berlin auf

Simon Kretschmer von CORRECTIV über die Initiative Wem gehört Berlin? ©AusserGewöhnlich Berlin

Wem gehört Berlin? Simon Kretschmer von CORRECTIV

Wem gehören die Berliner Immobilien? Wem gehört die Stadt? Wie erkennt man Deep-Fakes? Der AusserGewöhnliche Berliner und CORRECTIV-Chef Simon Kretschmer.

Das gemeinnützige Recherchezentrum CORRECTIV berichtet über die wichtigsten Themen unserer Zeit. Beispielsweise hat CORRECTIV die CumEx-Files aufgedeckt und engagiert sich, um Populismus und Fake-News einzudämmen.

Im Interview beantwortet Simon Kretschmer einige wichtige Fragen unserer Zeit. Von Berliner Immobilien, über Deep-Fakes bis hin zu Vertrauen in die Medien.

Berlin: Wie sehen wie Wohnungsverhältnisse in Berlin aus?

Wem gehören die Berliner Immobilien? ©AusserGewöhnlich Berlin

Simon Kretschmer über die Initiative „Wem gehört Berlin?“ und warum wir wissen müssen, wem unsere Stadt gehört.

Was ist die Initiative „Wem Gehört Berlin“?

„Wem gehört Berlin?“ ist eine Bürgerrecherche, mit der wir den Wohnungsmarkt transparenter machen wollen. Wohnen ist für viele, zumal in den großen Städten, zur Existenzfrage geworden.


Es ist längst eines der dominierenden Themen, aber es ist kaum etwas über den Markt bekannt. Nicht, welche Investoren in Städten wie Berlin investieren oder welche Eigentümer ihre Mieter systematisch abzocken. Mit dem Projekt „Wem gehört Berlin?“ wollen wir das ändern.

Die Grundbücher sind anders als in vielen EU-Staaten geschlossen, daher haben wir eine Plattform programmiert, auf der uns Bürger mitteilen können, wem ihre Wohnung gehört. Auf Basis dieser Daten können wir dann systematisch recherchieren, wer am Markt ist und mithilfe von direkten Hinweisen auch Missstände aufzeigen.

Wir wollen mit der Schwarmrecherche aber auch eine Stadtdebatte anstoßen, was die Politik besser machen kann oder anhand von positiven Beispielen zeigen, wie verantwortungsvolle Vermieter oder innovative Eigentümermodelle agieren. Für das Projekt haben wir in Berlin den Tagesspiegel als starken Medienpartner gewonnen. Im letzten Jahr haben wir zusammen mit dem Hamburger Abendblatt schon „Wem gehört Hamburg?“ erfolgreich durchgeführt.

Wie wohnen die Berlin? Wem gehören die Häuser? CORRECTIV und der Tagesspiegel recherchieren.

Wem gehört Berlin: Großrecherche zu Berliner Wohneigentum ©AusserGewöhnlich Berlin

Können Sie uns einen Zwischenbericht geben? 

Für Berlin sammeln wir derzeit noch die Informationen. „Wem gehört Berlin?“ ist für uns dabei die Leitfrage. Wir werden am Ende nicht Hausnummer für Hausnummer veröffentlichen, wem die Häuser gehören, sondern Schlaglichter auf Phänomene werfen, die wir aus den Daten und Hinweisen herausfiltern.

Der Tagesspiegel hat während der letzten beiden Monate, in der wir die Kampagne gestartet haben, schon mehrere Recherchen aus Hinweisen veröffentlicht, unter anderem über eine Firma, die am Checkpoint Charlie bauen will und in der dubiose Investoren involviert sein sollen. Der Senat hat die Bauplanungen daraufhin auf Eis gelegt.


Unser Ziel muss es sein, diese Deals aufzudecken und durch mehr Transparenz eine Aufmerksamkeit zu schaffen, wer derzeit mit Geld aus fragwürdigen Quellen in Berliner Immobilien investiert.

Darüber hinaus haben wir in den ersten Monaten in mehreren Bezirken lokale Debattenrunden organisiert, in denen wir Stadtpolitiker und Investoren mit den Bürgern ins Gespräch bringen. Die Debatte soll kontrovers, sollte am Ende aber auch produktiv sein. Dafür wollen wir mit unserer journalistischen Arbeit einen Beitrag leisten.

Der Berliner Wohnungsmarkt: Hohe Mietpreise und undurchsichtige Eigentumsverhältnisse

Was haben die Eigentumsverhältnisse mit den Mietpreisen zu tun? ©AusserGewöhnlich Berlin

Simon Kretschmer über Deep-Fakes und wie man diese erkennen kann.

Von Fake News über Fake-Apps, die Menschen in Videos zeigen, in denen sie eigentlich nicht drin sind. Was erwartet uns noch in der Zukunft? Und wie können wir solche Fakes erkennen?

Seit längerem warnen Wissenschaftler vor sogenannten Deep Fakes – Videos, in denen Menschen, zum Beispiel Politiker, Dinge sagen, die sie nie gesagt haben. Im Moment ist es noch relativ leicht, mit einem kritischen Blick zu erkennen, dass solche Videos nicht authentisch sind (zum Beispiel blinzeln die Redner oft nicht). Die Technik kann sich aber schnell verbessern – das heißt, Leute müssen noch vorsichtiger sein, bevor sie solche Inhalte teilen. Gründliches recherchieren wird immer wichtiger.

Quellenüberprüfung ist wichtig, besonders in der heutigen Zeit, so Simon Kretschmer.

Simon Kretschmer über Deep-Fakes in den Medien ©AusserGewöhnlich Berlin

Simon Kretschmer über die Wichtigkeit von Medienkompetenz, die Stärke der Gesellschaft und warum es wichtig ist, die Dinge zu hinterfragen.

Wem wird man in Zukunft überhaupt noch trauen können?

Das Dilemma zwischen kritisch hinterfragen und nichts und niemandem mehr zu vertrauen sollte nicht überbewertet werden. Studien kommen immer wieder zu dem Ergebnis, dass traditionelle Medien ordentlich recherchieren und berichten – also vertrauenswürdig sind. Auch wenn mal Fehler passieren, die ja in der Regel transparent gemacht und korrigiert werden. Zur Tätigkeit der Journalisten gehört es Behörden und die Politik zu überprüfen, die Aussagen und Sachen zu hinterfragen. Das soll aber nicht dazu führen, dass ihnen generell und in allem misstraut wird.

Es geht um Balance, um das Verständnis von Fakten und um Medienkompetenz. Medienkompetenz wird dabei immer mehr zum entscheidenden Faktor. Je breiter Medienkompetenz in der Bevölkerung vorhanden ist, desto stärker ist die Gesellschaft.


Die Bürger dürfen nicht allein gelassen werden bei den gravierenden Entwicklungen in der Zukunft, sie müssen befähigt werden, damit umzugehen.

Welchen Medien kann man vertrauen? Simon Kretschmer sagt, es geht um Fakten und Medienkompetenz.

Simon Kretschmer über das Vertrauen in die Medien ©AusserGewöhnlich Berlin

Simon Kretschmer erzählt, warum wir Transparenz brauchen, um nicht polemisch zu werden.

Was können wir tun, um nicht in einer polemischen Gesellschaft zu landen?

Reden, Zuhören, Debattieren – sich mit den Themen auseinandersetzen, die Bürger müssen in die Entwicklung und Diskussion einbezogen werden. Zivilgesellschaftliche Organisationen, Medien wie auch alle anderen Teilnehmer sollten offen und transparent agieren.

Vielen Dank für das Interview, Simon Kretschmer!

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