Silvio Beiler und die L´Osteria Berlin

Silvio Beiler, Franchisenehmer bei L´Osteria und Geschäftsführer mehrerer Restaurants in Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Silvio Beiler, die Nudeln und das Glück

Der AusserGewöhnliche Berliner Silvio Beiler erzählt im Interview, wie man durch Rausch und Pasta zum Millionär wird

Silvio, du hast erst VAPIANO in Berlin aufgebaut und expandierst hier nun mit der L´Osteria: Mit der L´Osteria hast du bald 4 Restaurants in und um Berlin. Würdest du dich als erfolgreich bezeichnen?
(lacht) Oh man, das ist eine schwere Frage. Ich würde mich erst einmal als recht erfolgreich bezeichnen. Mit ein paar Einschränkungen vielleicht, aber ja.

Was ist Erfolg? Dass dein Konto voll ist?
Nein. Für mich bedeutet Erfolg, dass ich rundum zufrieden bin. Wenn ich das zu 100 % sagen könnte, dann würde ich behaupten, dass ich erfolgreich bin. Da fehlt mir allerdings noch ein kleines Stück zum Glück.

Und was ist das kleine stück zum Glück, das fehlt?
Das ist eher etwas im Privatbereich (schmunzelt), ist aber auch gar kein Geheimnis. Es ist die Wertigkeit um die Zeit mit meiner Familie. Auch wenn das abgedroschen klingt. Mir fehlt, dass ich die Familienzeit genauso wichtig oder wert schätze, wie meine Arbeitszeit.

Liebst du deine Arbeit so sehr?
Ja!

Was gibt dir die Arbeit?
Ach, da kann ich nur mutmaßen. Wie das eben so ist mit der Liebe! Als Geschäftsführer der  L´Osteria habe ich  ganz vielfältige Aufgaben.

Zum einen liebe ich es, mit so vielen Leuten zu arbeiten. Jeden Tag werde ich vor neue Situationen gestellt. Auch wenn wir jeden Tag dieselbe Speisekarte kochen, treffen wir immer andere Leute. Dann die Menschen, die ich in meinen Terminen treffe! Verträge verhandeln, neue Manager für die Restaurants einstellen. Ich treffe also immer neue Menschen und daraus entstehen Situationen, die ich nicht vorhersehen kann.

Ich weiß nie, wie es ausgeht und das macht es so spannend.


Wieviele Stunden am Tag arbeitest du?
Also, ich kann Arbeit und Nicht-Arbeit nicht trennen. Ich bin immer irgendwie mit den Gedanken bei der Firma. Es ist für mich sehr schwer, einmal nicht daran zu denken. Weil ich den Job wirklich so gerne mag.

Und am Wochenende schaltest du ab?
Nein! Aber ich nehme mir am Wochenende bewusst einen Tag für meine Familie.

Ich bin mir aber sicher, wenn ich keine Familie hätte, wäre ich auch am Wochenende in meinen Restaurants. Oder im Büro. Eins von beiden. Ganz klar L´Osteria. (lacht)

Wie schön, und du strahlst dabei, wenn du so etwas sagst.
(lacht)Tja, so ist das. Verstehe mich nicht falsch: ich liebe meine Familie über alles. Das ist eben das kleine Stück zum Glück, das mir noch fehlt. Meine Familie hat es verdient, dass ich ihr mindestens die gleiche Aufmerksamkeit wie der Firma schenke.

Wieviele Mitarbeiter hast du?
Im Moment haben wir 170 Mitarbeiter. Mit der L´Osteria am Alex kommen wir auf 190.

Wie viele Läden willst du denn noch eröffnen?
Noch 4 oder 5! Ja, das glaube ich schon, dass ich das in den nächsten 5 Jahren machen werde.

Silvio Beiler in der L´Osteria

Silvio Beiler und sein Team in der L´Osteria, Budapester Str. 38-50, 10787 Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Kennst du alle deine Mitarbeiter?
Ja! Natürlich. Und wenn ich jemanden noch nicht kenne, was ja doch oft passiert, dann stelle ich mich vor und versuche mir immer, den Namen zu merken.

Für viele Unternehmen ist das Thema der Mitarbeiterführung und – pflege ein wichtiges Thema…
…oh ja, auf jeden Fall. Es ist unser wichtigstes Thema in der L´Osteria. Unsere Mitarbeiter sind unser Schlüssel zum Erfolg. Ich würde sogar sagen, dass bei mir zuerst der Mitarbeiter und dann der Gast kommt.

Früher hat man uneingeschränkt behauptet, dass der Kunde König ist. Das unterschreibe ich so nicht mehr.


Warum ist der Mitarbeiter wichtiger als der Gast?
Gastronomie lebt nur von den Menschen. Zuerst einmal muss natürlich das Essen stimmen. Es muss einfach schmecken. Aber man kann das beste Essen servieren – wenn der Koch oder die Servicekraft unzufrieden ist, wird man es niemals schaffen, eine gastfreundliche Atmosphäre im Restaurant zu zaubern. Und der Gast spürt das, wenn die Mitarbeiter alle zufrieden sind. Und das ist er, wenn eine Atmosphäre des gegenseitigen Interesses aneinander besteht.

In der L´Osteria merkt man, dass wir uns wirklich einander wichtig sind. Nun, zumindest hoffe ich, dass es auf Gegenseitigkeit beruht (lacht).

Das will ich natürlich auch: dass ich für den Mitarbeiter wichtig bin. Womit ich meine, dass man sich auf Augenhöhe begegnet. Keiner muss Angst vor mir haben oder jemals ein ungutes Gefühl in meiner Gegenwart haben. Ich bin mir sicher, dass das etwas ist, was sich auf den Gast überträgt und er eine positive Energie spürt. Das zaubert eine Atmosphäre, die man nicht befehlen kann.

Du bildest auch Mitarbeiter aus?
Ja, na klar. Ich habe im Laufe meiner Zeit als Geschäftsführer der L´Osteria schon sehr viel junge Leute ausgebildet. Aber es geht ja nicht nur um die Ausbildung, sondern wie ich auch im erweiterten Kontext viele Menschen positiv beeinflussen konnte. Grundvoraussetzung ist, dass man ein bisschen Gehirn und Verständnis dafür mitbringt, was ich hier so mache. Dann kann ich meinen Erfahrungsschatz teilen. Man muss schon den Weitblick haben, um zu verstehen, dass das, was ich mache, jedem, aber wirklich jedem zugänglich ist.

Silvio Beiler und seine Mitarbeiter in der L´Osteria Berlin

Die L´Osteria bildet Mitarbeiter aus ©AusserGewöhnlich Berlin

Das bedeutet, jeder kann so erfolgreich werden, wie du?
Ja! Jeder kann das. Es ist natürlich von der Leidenschaft und vom Talent abhängig. Und natürlich muss man zur rechten Zeit am rechten Ort sein, dazu braucht man einfach auch etwas Glück.

Was ist denn Talent?
Talent ist schwierig zu beschreiben. Das sind bestimmte Fähigkeiten, die man besitzt, welche einem leicht von der Hand gehen.

Was geht dir denn leicht von der Hand?
Haha, das frage ich mich auch immer. Du wirst lachen, ich habe sogar einen Coach dafür, genau das rauszufinden. Ich bin natürlich wahnsinnig interessiert daran, zu wissen, was mich so weit gebracht hat, dass ich da bin, wo ich jetzt bin. Was ist das genau? Viele Dinge passieren einfach, weil man durch bestimmte Handlungen bestimmte Leute trifft – man könnte es Zufall nennen. Aber es müssen ja auch bestimmte Fähigkeiten mit im Spiel sein, die einen so weit bringen.

Das Eine ist, dass ich es liebe, neue Projekte anzugehen. Ich neugierig auf die Dinge, die da kommen mögen. Ich kann mich sehr gut auf neue Dinge einlassen.

Des Weiteren kann ich gut Menschen führen. Man ist bereit, mir und meinen Ideen zu folgen. Ich habe das Talent, vertrauenswürdig zu sein. Es sieht wohl so aus, als ob ich eine Ahnung hätte. Und damit kann ich gut Leute einfangen – wie der Rattenfänger von Hameln. Es ist mein Talent, ein ganz passabler Anführer zu sein.

Das ist ja mal eine Aussage!
Ja, verstehst du, was ich meine? Ich würde mich wirklich niemals als guten Manager bezeichnen. Daran arbeite ich nämlich immer noch hart. Da muss ich mich immer wieder extrem weiter entwickeln. Denn eigentlich bin ich eher der Handwerker-Typ. Ich will alles selber machen.

Bei der Größe, die das Unternehmen jedoch inzwischen erreicht hat, muss ich managen. Ich muss delegieren. Prinzipiell ist das auch schön, denn dadurch können sich wiederum andere Leute weiterentwickeln und an ihrer Verantwortung, die ich abgegeben habe, wachsen. Das ist natürlich auch toll zu sehen.

Du sagst, du bist kein Manager. Hast du nicht BWL studiert?

Nein! Ich habe noch nicht mal Abitur. Und weißt du was? Es ist mir völlig egal. Es interessiert mich überhaupt nicht.


Ich habe mir alles selbst beigebracht. Erst einmal habe ich in meiner Heimat Leipzig Koch gelernt. Das war dort in einem recht großen Restaurant – und eine ganz harte Schule. Als Azubi habe ich gut gerne auch mal 16 Stunden Tage gehabt. Jugendarbeitsschutzgesetz – das interessierte damals in der DDR doch keinen. Die Achtziger halt (lacht).

Nach der Ausbildung habe ich dort noch 3 Jahre als Koch gearbeitet. Dann kam die Wende und wir gingen pleite. Alles ging pleite. Die DDR war pleite. Und dann kam ein McDonalds Lizenznehmer, der mich einstellen wollte. So habe ich McDonalds kennengelernt. Am Anfang fand ich die Vorstellung, dass nun McDonalds bei mir als Koch nun im Lebenslauf stehen würde, eine Katastrophe.

Als Koch bekommst du beigebracht, dass du kreativ und innovativ sein musst. Andererseits zeigte sich schon da meine Neugier auf neue Dinge. Einfach mal laufen lassen, dachte ich mir. Das passiert mir übrigens oft im Leben. Ich habe das alle nie so geplant.

Und wie war das für McDonalds, dem Sinnbild von allem, was böse ist, zu arbeiten?
Ich habe 10 Jahre bei McDonalds gearbeitet. Und ich habe nie verstanden, warum McDonalds als Arbeitgeber ein so schlechtes Image hat. Zwar arbeitet man bei McDonalds auf Billiglohnniveau. Aber die machen wahnsinnig viel für die Ausbildung ihrer Mitarbeiter. Es gibt so etwas wie eigene Universitäten, an denen du ausgebildet wirst.

Ich muss sagen, dass ich dort eine sehr gute Zeit hatte. Dort habe ich unter anderem das Führen eines Teams gelernt. Als Koch war ich mir selbst der nächste gewesen. Jetzt aber habe ich im Team gearbeitet. Bis ich dann auch Teams geführt habe. Das war für mich der Einstieg in die Führungsrolle. Wenn mir damals mein Chef diese Chance nicht gegeben hätte, dann wäre mein Weg ein anderer gewesen.

Das bedeutet, dass du dir als ausgebildeter Koch nicht zu gut warst, erst einmal Abstriche zu machen?
Genau, ich habe da nie irgendeine Befindlichkeit gehabt oder mich dafür geschämt. 10 Jahre McDonalds haben mir einen Teil des BWL Studiums ersetzt. Klingt vermessen? Ist aber so! Natürlich bin ich nun ein Fachidiot, da sich immer alles nur auf die Systemgastronomie bezog. Aber da bin ich nun Experte.

Es ist egal, ob du Abi hast oder studierst. Was zählt, ist am Ende, was du damit anstellst.


Das wirklich Wichtige ist zudem, das Handwerk zu erlernen, das du benötigst. Wenn du ein Produkt verkaufen möchtest, dann musst du es doch auch selber herstellen können! Das klingt nach Binsenweisheit, scheint aber gar nicht so selbstverständlich zu sein.

Die Erfahrungen, die man so sammelt, sind auch wegweisend?
Sicher! Die Talente, von denen wir vorhin sprachen, wirst du nicht finden, wenn du immer nur in der Theorie bleibst. Man muss einfach auch mal anpacken. Auch um herauszufinden, was man nicht mag. Ich habe aber auch wirklich großes Glück. Viele Menschen werden alt und hassen ihren Job ihr ganzes Leben lang! Die haben nie verstanden, dass sie selber diese Entscheidung getroffen haben.

Für viele ist Veränderung ja eine Bedrohung.
Nun ja, das stimmt, das ist definitiv so. Gut, dann ist das bei mir die Offenheit. Ich sage mir, was soll schon passieren?! Das heißt nicht, dass ich immer alles auf eine Karte setze und kopflos bin. Um Gottes Willen nein! Aber ich bin eben auch kein Sicherheits-Heinz (lacht).

Im Rückblick weiß ich heute natürlich, dass die McDonalds-Karriere mein Glücksfall war. Da habe ich einige grundlegende Wahrheiten über das Business gelernt. Viele kleine Beträge ergeben eine ganz schöne Menge. Und so kann man Geschäfte machen. Das fand ich faszinierend. Mit einem Burger, der 2 Mark damals kostete, kann man also Milliarden verdienen.

Und was kam nach 10 Jahren McDonalds?
Ich wollte auswandern und ging für 1,5, Jahre in die Staaten. Das ist übrigens mal wieder nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern ist die Idee meines Chefs gewesen. Das klang fantastisch. Also bin ich 2001 nach Washington D.C. Alles, was ich dabei hatte, waren zwei Koffer. Ich wollte nicht wieder nach Deutschland zurückkehren. Das erste halbe Jahr war ich illegal dort, dann bekam ich endlich ein Visum. Ursprünglich war die Idee, mit meinem Chef eine Systemgastronomie in den USA aufzubauen. Das hat nicht ganz so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir haben also wieder verkauft. Und ich bin wieder nach Deutschland zurückgekommen.

Und dann? Was hast du dann gemacht?
Ich bin ganz kurz wieder zu McDonalds zurückgekehrt, habe aber dann schnell gemerkt, dass meine Zeit dort vorbei war. Ich bemerkte, dass ich mich während meines Aufenthalts in Amerika sehr weiterentwickelt hatte. Allein der Umstand, dass ich dort alleine gewesen bin, mir die Sprache selbst beibringen musste, in dieser fremden Sprache Meetings mit Managern abhalten musste, und und und.

All das waren alles Herausforderungen, an denen ich extrem gewachsen bin. Denn es gehörte jede Menge Mut dazu – der Mut, die eigenen Scham zu überwinden. Es gibt nach wie vor Dinge, die mir unangenehm sind. Zum Beispiel Reden halten. Aber ich mache sie trotzdem, weil diese Dinge zu meinem Job gehören. Das habe ich unter anderem in Situationen, wie ich sie in den Staaten zu Hauf hatte, gelernt.

Drückst du dich nicht manchmal vor Verantwortung?
Nein, nein, ich geh da ganz rein! Das ist ebenfalls eine wichtige Eigenschaftt, die ich meinen Leuten zu vermitteln versuche.

Du musst das jetzt durchziehen! Auch wenn das noch so unangenehm ist. Danach ist das Gefühl umso geiler, wenn du es gemeistert hast.


Und oftmals ist es ja auch gar nicht so schlimm, wie man es sich vorher ausmalt. Es ist sinnlos, sich darüber Gedanken zu machen, wie ein Gespräch oder eine Verhandlung laufen wird, denn man ist kein Hellseher.

Sowas erklärt einem aber keiner, oder? Hast du ein Vorbild gehabt?
Ich habe viel gelesen. Ganze Nächte hindurch. Ich habe viele Biografien gelesen. Ich liebe Geschichten von erfolgreichen Leuten – Karl Lagerfeld, Richard Branson. Aus diesen Erfolgsgeschichten picke ich mir Sachen heraus und versuche diese dann umzusetzen. Daher habe ich meine Weisheiten. Wenn man dann die Dinge auch noch ausprobiert, werden aus Weisheiten Erfahrungsschätze. An manche Dinge bin ich einfach etwas blauäugig rangegangen aber siehe da: sie funktionierten!

Außerdem sehe ich um mich herum so viele Dinge, die andere Menschen realisiert haben und ich dann denke ich mir, warum sollte ich das nicht auch schaffen? Das sind doch alle keine Magier. Und im Zweifelsfall frage ich, wie er das macht. Warum ist er so erfolgreich? Der Austausch mit anderen erfolgreichen Menschen ist wichtig. Und dann muss man eben aufmerksam zuhören können. Manchmal lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten und man braucht die Eier, andere Leute um Rat zu fragen. Viele Leute interpretieren das als ein Zeichen von Schwäche. Aber das ist mir doch egal. Ich will an das Wissen kommen. Woher kommt dieser Gedanke, dass etwas Schlechtes über mich gedacht wird, wenn ich jemanden um Hilfe bitte?! In der Realität ist das Gegenteil der Fall. Die meisten fühlen sich geschmeichelt, wenn man sie um Hilfe bittet und nach ihren Erfahrungen fragt. Die Menschen mögen es, wenn man sich für sie und ihren Job interessiert und jeder erzählt gerne von sich! Das wirkt wie eine Art Anerkennung.

Oft werde ich gefragt, man warum machst du denn das als Lizenznehmer, warum zahlst du 6% Franchise Gebühr? Warum machst du nicht selber etwas? Und ich frage mich: warum? Warum soll ich mir ein völlig neues Konzept überlegen? Oder warum soll ich die Kopie von einer Kopie von einer Kopie umsetzen?

Silvio Beiler, Franchisenehmer L´Osteria in Berlin

Silvio Beiler betribt drei Restaurants mit einem Franchisevertrag bei L´Osteria ©AusserGewöhnlich Berlin

Auch bei diesem Konzept, der L´Osteria, wurden bestimmt zu Beginn Fehler gemacht, die die Gründer mit viel Geld bezahlt haben.

Aber mittlerweile sind sie ausgebügelt, der Laden läuft. Warum sollte ich die Fehler denn nochmal machen? Das ist doch total behämmert!

Aber ist es nicht langweilig, ein Konzept, das ein anderer sich ausgedacht hat, einfach nur umzusetzen?
Nein, überhaupt gar nicht. Ich pflichte dir in einer Sache bei: wenn ich nur ein Restaurant hätte und das als Lizenznehmer leiten würde, würde mir das irgendwann zu wenig sein. Das habe ich schon auch 20 Jahre lang gemacht. Ich war 20 Jahre lang Restaurantleiter. Mittlerweile habe ich über den Tellerrand hinausgeschaut und gesehen, was noch alles möglich ist. Aus genau diesem Grund habe ich jetzt viele Restaurants. Mir macht das Bauen, Planen und Eröffnen Spaß. Es erfüllt mich, die Mitarbeiter mit auszubilden und auszuwählen. Wenn das alles gemacht ist, kann ich das ganze Paket guten Gewissens an den zukünftigen Restaurantleiter übergeben. Ab dann stehe ich ihm nur noch als Coach oder Mentor zur Seite. Ich achte darauf, dass die Werte, die uns wichtig sind, auch vom Restaurantleiter umgesetzt werden.

Was sind die Werte der L´Osteria?
(Lacht) Also erst einmal haben wir die Werte, die sich natürlich die L´Osteria kulinarisch groß auf die Fahnen schreibt: Transparenz und Frische. Aber natürlich ist es viel mehr als das. Nämlich, dass wir uns hier alle auf Augenhöhe begegnen.

Der Tellerwäscher in der L´Osteria ist genauso wichtig oder unwichtig wie der Restaurantleiter. Macht alle nicht so ein Riesenbuhei, weder der eine noch der andere. Fertig!

Eigentlich waren wir ja bei deinem Lebenslauf stehengeblieben. Wollen wir dahin noch einmal zurück?
Ja klar!
Du warst also noch einmal kurz bei McDonalds.
Genau, aber da war meine Zeit abgelaufen. Ich hatte, wie gesagt, andere Erfahrungen gesammelt. Und so bin ich also zu meinem Chef gegangen um auszuloten, ob sich hier unsere Wege nach mehr als 10 Jahren trennen oder wir ein neues Projekt für mich finden würden. Aber McDonalds war vorbei! Und prompt hat sich mein Urvertrauen darin, dass schon alles immer gut werden wird, bewiesen. Er sagte: „Gut, dass du gerade kommst.“ In Hamburg gebe es einen neuen Laden, der wie ein schickes Selbstbedienungsrestaurant aussähe und nur Nudeln mache. Spannend! Wollen wir unbedingt kennenlernen! Eine Woche später sind wir zusammen dorthin gefahren, haben uns das angeguckt, und noch eine Woche darauf bin ich nach Hamburg gezogen. Zack – so schnell geht das! Mein Chef hatte Anteile an dem Laden gekauft und ich habe dort als Restaurantleiter angefangen. Meine Aufgabe dort war es, Geld zu verdienen. Der Laden lief ok, war aber keinen Gewinn ab. Ich habe dann nur das gemacht, was wir bei McDonalds jahrelang gemacht haben: alles systematisiert, aufgeräumt, standarisiert. Ich war von morgens bis abends da. Sieben Tage die Woche. Über Monate! Ich war wie im Rausch! Und so haben wir das erste Vapiano aufgebaut.

Das klingt gut! Erzähl vom Rausch! Was ist dieser Rausch, viele Leute kennen das nicht.
Ja, das ist mir ein Rätsel! Stell dir vor: du planst ein Projekt. Und dann funktionieren die Dinge auf einmal. Alles greift ineinander! Die einzelnen Mitarbeiter werden zu einem Team. Das feiert man ab. Und du bist ein Chef, der einen Plan hat und so seinen Mitarbeitern Sicherheit vermittelt. Für alle wird es viel leichter, wenn es eine Struktur im Tagesablauf gibt. Jeder weiß, was er zu tun hat.

Diese Rahmenbedingungen zu schaffen ist ein Traum. Am Ende des Tages möchte jeder nach Hause gehen und sagen: es war ein geiler Tag. Und den Rahmen dafür zu schaffen, dass andere mit Ihrem Job zufrieden sind, ist geil. Ich liebe es, etwas zu schaffen, das von allen Seiten Anerkennung bekommt. Man gewinnt die Gunst der Gäste, wenn das Produkt stimmt. Man bekommt die fleißigsten und besten Mitarbeiter, wenn man gute Strukturen für sie schafft. Die faulen fliegen nämlich durch das strukturierte Raster raus. Man hat die Anerkennung seiner Mitarbeiter, die der Aktionäre, weil man sogar allmählich Gewinn macht. Dann kommt man in so einen Rausch und denkt: Wow, geil. Und wenn man dich dann noch machen und Entscheidungen treffen lässt, dann ist alles gut. Dann fliegst du.

Hast du dich als Führungspersönlichkeit geändert?
Ja, sicher. Früher war ich eine riesen Arschgeige. Ich war ungerecht, ich war cholerisch. Inzwischen habe jedoch viel dazu gelernt. Ich bin viel gelassener geworden. Das hat was mit meiner Entwicklung zu tun. Wenn du älter wirst, wirst du einfach etwas weiser. Ich lese viel über Persönlichkeitsentwicklung und ich meditiere seit ein paar Jahren. Das bringt mich komplett runter, das ist echt geil. Für alles, was du in deinem Leben machst, für jede Handlung, bist zu selbst verantwortlich. Wenn du das einmal verstanden hast, ändert sich der Fokus.

Nicht der „blöde Busfahrer“ hat Schuld, dass du zu spät zur Arbeit kommst, sondern du selber. Du musst eben Verspätungen mit einkalkulieren. Du selbst bist verantwortlich dafür, dass du zu spät gekommen bist. Das muss man einfach mal verstehen. Wenn du verstanden hast, dass du alles selber steuerst, dann brauchst du auch nicht mehr auf irgendjemanden sauer zu sein. Du hörst automatisch auf zu meckern, weil du denkst: Ok, vielleicht habe ich es ihm auch nicht richtig beigebracht. Das ist der erste Schritt. Was gibt es denn für einen Grund zu urteilen, wenn jemand schon wieder nicht zum Dienst kommt:

Der Penner, heute scheint die Sonne, der liegt bestimmt am Strand.


Das wäre vor 10 Jahren meine erste Reaktion gewesen.

Heute sehe ich, dass der Fokus auf den guten Dingen liegen muss. Keine Ahnung, was da sein könnte, vielleicht ist ihm auch etwas zugestoßen. Im besten Fall hat er den Dienstplan einfach falsch angeguckt. Es ist ihm einfach mal ein Fehler passiert. Früher wäre ich da ausgerastet. Aber die Situation ändert sich dadurch ja nicht. Ganz im Gegenteil. Die Mitarbeiter werden nervös, machen noch mehr Fehler. Das Ausrasten ändert nichts, es macht es nur noch schlimmer. Aber ja, ich war als Chef echt eine richtige Arschgeige.

Heute bin ich das nicht mehr. Heute weiß ich, auf mich zu hören. Wenn man eine Sache liebt, will man dort immer sein. Wenn ich meine Firma liebe, will ich mich ständig damit beschäftigen.

Aber wenn du älter wirst, brauchst du einfach Ruhephasen. Du muss ausreichend Schlaf bekommen. Wenn du das nicht hast, wirst du gereizt. Man wird dann einfach unausstehlich. Das ist nicht gut. Das ist der Vorteil an meinem Alter, dass man viel mehr auf sich selbst und seinen Körper hört. Und das Schöne am Chef sein ist, dass ich das dann auch einfach mal machen kann. Ich nehme mir dann einfach mal einen freien Tag. Man muss mich nicht bemitleiden, dass ich bis in die Nacht oder am Wochenende arbeiten muss.

Erstens kann ich mir unter der Woche frei nehmen. Und, noch wichtiger: ich selber habe es so bestimmt, dass ich so arbeite. Ich muss es ja nicht machen, es ist meine Entscheidung gewesen. Das Wichtige ist, dass man selber seine Sprache dahingehend ändert. Morgens sage ich zu meinen Kindern: Ich möchte jetzt gern los zur Arbeit. Nicht: ich muss jetzt los. Ich muss gar nichts! Ich bestimme das selber und das versuche ich auch meinen Mitarbeitern zu erklären. Die müssen auch nicht. Die müssen heute nicht um 10 Uhr zum Dienst hier erscheinen. Jeder hat die Wahl zu sagen, nee, eigentlich möchte ich das nicht mehr.

Dann geh bitte zu deinem Chef und sage ihm das bitte. Genauso wie man die Wahl hat, wie man die auf die Welt schaut – positiv oder negativ. Wenn ich eine positive Grundeinstellung habe, dann komme ich leichter durch den Arbeitsalltag, weil ich dann auch meine Umwelt und Mitmenschen positiv bewerte. Es geht um meine Erwartungen an sie und somit ist es mein Problem. Wenn ich den Fokus jedoch auf das schlechte lege, wird dieses Thema auch viel größer, als es eigentlich ist.

Es ist eine Frage, wie ich meinen Fokus setze.


Hast du eine glückliche Kindheit gehabt?
Ich kann es dir nicht genau sagen, ich habe kaum Erinnerung daran. Ich bin jetzt nicht traumatisiert. Aber viele schaffen es ja gerade aus desaströsen Familienverhältnissen, sich etwas aufzubauen. Gerade deswegen. Als mein Vater die Familie verließ, habe ich als ältester Sohn schon früh eine Vaterrolle übernommen. Ich war sozusagen der Mann im Haus. Ich vermute, dass ich so relativ schnell gelernt habe, Verantwortung zu übernehmen. Ich bin dann auch bald darauf ausgezogen und habe mein eigenes Ding gemacht.

Wenn du der Bürgermeister beispielsweise von Neukölln wärst, was würdest du tun, um für die Jugendlichen etwas zu ändern? Damit sie andere Vorbilder als Drogendealer, Machos und Clans haben? Könntest du Ihnen etwas anderes vermitteln?
Ich würde Ihnen gerne irgendwie einen Weg zeigen, wie sie sich etwas im Leben aufbauen, womit sie glücklich sind. Das ist, aus meiner Sicht, erfolgreich zu sein. Erfolg ist ja für jeden etwas anderes. Wahrscheinloch würde ich den Jugendlichen Coaches an die Seite stellen. Die sollen meditieren lernen. Meditation ist für „unruhige Geister“ wirklich etwas Tolles. Wenn viel mehr Menschen meditieren würden, würde die Welt viel entspannter sein. Das glaube ich wirklich.

Klingt gut, aber ist das nicht etwas unrealistisch? Hast du noch ein paar praktische Ratschläge?
Das ist nicht unrealistisch. Was ich damit meine ist, dass die jungen Leute sich einen Mentor suchen sollen. Ich bin zum Beispiel gerne Mentor. Ich gebe mein Wissen weiter und setze mich für einen jungen Menschen ein. Wichtig ist mir dabei die Ernsthaftigkeit, die diejenige Person an den Tag legt. Dazu gehört zu allererst Pünktlichkeit. Mehr muss man mir anfangs gar nicht beweisen. Das klingt vielleicht spießig, aber Pünktlichkeit ist für mich das A und O. Pünktlichkeit ist Zuverlässigkeit. Wenn jemand permanent unpünktlich ist, kann ich mich nicht auf ihn verlassen. Eine weitere Eigenschaft, die man erlenen sollte, ist Disziplin. Um ein Unternehmen zu führen muss man sehr diszipliniert sein.

Pünktlichkeit = Zuverlässigkeit = Disziplin. Und da will ich natürlich Vorbild, also Mentor sein.

Ein weiterer Ratschlag, den ich jedem jungen Menschen mit auf dem Weg geben würde:

Probiert euch aus! Mit Anfang 20 muss man seine Leidenschaft noch nicht gefunden haben, deswegen: macht viele Jobs.


Ihr werdet irgendetwas finden, dass euch leicht von der Hand geht. Eine andere Technik, um seine Leidenschaft herauszufinden ist es, sich daran zu erinnern, womit man sich als Kind stundenlang beschäftigen konnte. Das könnte etwas sein, was einem auch als Erwachsener Spaß machen könnte. In meinem Fall klappte diese Technik nicht. Ich habe einfach nicht viele Erinnerungen an meine Kindheit.

Zurück zu deiner Station bei Vapiano in Hamburg. Hast du die fürs Vapiano bekannten Abläufe erfunden?
Nein, die gab es schon. Der Laden war seit einem dreiviertel Jahr eröffnet und die Idee von Vapiano war schon erprobt. Ich habe dort nur die Standards festgelegt, d.h. ich habe die Küche standardisiert, den Service und eben alle Bereiche. Das habe ich alles in ein Handbuch niedergeschrieben. Natürlich mit dem Gedanken dahinter, dass man nur dieses Handbuch befolgen muss, um ein weiteres Restaurant zu eröffnen: Das System stand ja schon, ich musste es nur niederschreiben.

Relativ schnell kam dann auch schon der erste Franchisenehmer. Das war in Düsseldorf. Den habe ich natürlich dann ausgebildet. So ging es dann weiter und weiter. Irgendwann hatte ich 6 Vapiano Restaurants miteröffnet. Dann waren 2,5 Jahre vorbei und mein Vertrag als Vorstand bei Vapiano lief plötzlich aus. (lacht) Ja, der Ossi ohne Abi war auf einmal Vorstand.
Wie auch immer, es war aber auf einmal so, dass ich diverse Angebote von anderen Unternehmen auf den Tisch bekam. Das hat natürlich meine Verhandlungsposition gegenüber Vapiano gestärkt. Ich habe gemerkt, dass ich eigentlich jetzt auch mal Franchisenehmer werden wollte.

Ich wollte MEIN Restaurant, mit dem ich in MEINE Tasche arbeite. Etwas, das nur für mich ist.

Unabhängig und frei sein.


So kam Berlin dann zustande. Nur 4 Monate später hatte Berlin sein erstes Vapiano am Kudamm. Viele waren sehr skeptisch, ob ein Konzept wie Vapiano hier in Berlin funktionieren würde. Da habe ich mich aber wieder einmal von meinem Bauchgefühl leiten lassen und Recht behalten. Wie so oft in meinem Leben.

Du vertraust deinem Instinkt?
Ja, ich habe manchmal einfach die Gewissheit, dass schon alles gut wird. Das habe ich in der Selbstständigkeit gelernt. Jetzt, wo ich die alleinige Verantwortung trage, habe ich verstanden, dass es keinen mehr gibt, der die Entscheidungen für mich trifft. Sondern ich muss das selbst machen. Und da hilft mir eben nur manchmal mein Instinkt.

Da hilft es auch wieder, was ich vorhin sagte: Den Fokus auf die guten Dinge im Leben zu legen und nicht immer zu zweifeln und ängstlich zu sein.


Das Ergebnis war, dass ich in 5 Jahren 3 Vapiano-Restaurants hier in Berlin eröffnet habe: Kudamm, Potsdamer Platz und Friedrichstraße. Dann habe ich meinen Anteil der 3 Läden an die Mutterfirma von Vapiano zurückverkauft.

Und dann warst du von heute auf morgen Millionär?
(lacht), ja, sozusagen war ich das.

Und was hast du dann gemacht? Dich in die Hängematte gelegt?
Nee, dann kam eine ganz komische Phase. Das war ein Gefühl, das ich so noch nicht kannte. Von 300 Stunden im Monat bin ich ja von heute auf morgen runter auf null. Ich wusste nicht, wie es weitergeht, es gab keinen Plan, keine Vision. Ich hatte immer nur gearbeitet und nie mal in mich hineingehört. Eigentlich wollte ich mit meiner Frau dann nach Hawaii und dort den Winter verbringen. Aber irgendwie haben wir das nie gemacht. Total bescheuert, ich weiß. Aber wir haben immer Gründe gefunden, warum wir das nicht machen konnten. Ich habe also erst einmal nicht gearbeitet. In dieser Zeit bin ich Vater geworden. Das war dann natürlich auch eine große Herausforderung für mich. Ich war immer nur für mich selbst verantwortlich gewesen. Und nun ein Baby! Damit hatte ich echt zu tun! Das hat mich echt fertig gemacht.

Nun denn, wie auch immer. Irgendwann überlegte ich, eine eigene Restaurantkette zu entwickeln. Aber da muss ich ganz ehrlich zugeben, habe ich dann doch auf einmal Schiss bekommen. Das mag merkwürdig erscheinen. Kohle war ja da. Erfahrung eh. Aber da bin ich dann doch auf Nummer Sicher gegangen. Auf Nummer sicher insofern, als dass man ein bereits erprobtes Konzept umsetzt. Das Verrückte war dann, dass sich dann die L´Osteria bei uns, meiner Frau und mir, meldete und fragte, ob wir nicht Franchisenehmer werden wollten. Das kam genau zur richtigen Zeit. Und dafür bin ich sehr dankbar. Ich kannte die Leute von der L´Osteria schon seit über 10 Jahren und ich hätte von meiner Seite nicht den Schritt auf sie zu gemacht. Ich war aber zum richtigen Moment am richtigen Ort und musste die Gelegenheit nur noch am Schopfe packen.

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