„Sexistische Kackscheisse“ – Die Berliner Offenheit

Warum in Berlin schon immer der Moralkrieg tobte und dabei trotzdem Frieden herrschte.

Das Grundprinzip Berlins ist Offenheit. Auch, wenn das manchmal etwas absurd ist:

Der Bezirk Kreuzberg beschloss Anfang 2014, dass im Bezirk keine sexistische Aussenwerbung mehr erlaubt werden würde. Das Verbot umfasst nicht nur Werbung mit eindeutig sexuellen Komponenten (Frauen mit nackten Brüsten), sondern auch Plakate, die die archaische Rolle der Frau als Hausfrau und Mutter propagieren.

Gestern erzählt mir eine Freundin, dass sie am Sonntag an der Hundekehle spazieren war und ihr ein Mann entgegen kam, der seine Frau an der Leine Gassi führte. Sie krabbelte auf allen Vieren neben ihm und gehorchte aufs Wort.

Wenn es einen Krieg der unterschiedlichen Sitten- und Wertvorstellungen gibt, dann ist Berlin das Frontgebiet. Hier gibt es alles im Extrem: vor einer Woche sah ich eine Muslima mit schwarzer Burka in der Kurfürstenstraße an den halbnackten Prostituierten vorbeilaufen.

Es gibt auch andere Städte, in der so unterschiedliche Moralvorstellungen so eng beieinander leben. Das AusserGewöhnliche in Berlin ist, dass es kaum Schüsse an den Fronten gibt. Alle leben relativ friedlich nebeneinander: An der Joachimsthaler Straße ist der Scientology-Stand immer direkt neben dem Salafisten-Tresen – das klappt, ohne, dass es Schlägereien gibt.

Warum bleiben ausgerechnet in Berlin die unterschiedlichen Weltanschauungen so entspannt?

Es gibt dafür zwei Gründe:

1. Das Erfolgsgeheimnis Berlins

2. Die Weimarer Republik und das Dritte Reich

Beide Gründe haben direkt dazu geführt, dass heute in Berlin strenggläubige Zeugen Jehovas neben BDSM-Fans leben, dass niemand über die privaten Eskapaden des ersten schwulen Bürgermeisters der Republik spricht und dass Berlin sowohl Zentrum des neuen Islamismus und gleichzeitig Mekka der Sexparties ist.

1. Das Erfolgsgeheimnis Berlins

Berlin war eine arme Stadt. Am Ende des dreissigjährigen Krieges hatten gerade mal 6.000 Berliner überlebt. Die Gegend war agrarisch uninteressant, es gab keine Rohstoffe. Der Kurfürst Brandenburgs wurde von anderen belächelt und wenig respektiert. Doch er schaffte es, innerhalb 50 Jahren aus Berlin eine prosperierende, expandierende Stadt zu machen: 1709 hat Berlin bereits 55.000 Einwohner, stark wachsend.

Seinen durchschlagenden Erfolg verdankte Kurfürst Friedrich Wilhelm einem Standortvorteil, der nichts mit Rohstoffen oder landwirtschaftlicher Produktion zu tun hat. Er tat etwas für die damalige Zeit sehr Ungewöhnliches. Er führte ein Gesellschaftsprinzip ein, das auf Offenheit basierte:

[su_quote]Egal, was Du denkst, wer Du bist, wie Du leben willst –  solange Du an dieser Stadt konstruktiv mitwirken willst, sei willkommen!“[/su_quote]

[su_pullquote align=“right“]Berliner war nicht, wer hier geboren war. Berliner konnte werden, wer Lust auf Berlin hatte.[/su_pullquote]

Dieses neue Prinzip, das die amerikanische Gesellschaftsidee vorausnahm, saugte damals engagierte, talentierte, kreative Menschen aus ganz Europa an und legte so den Grundstein für die Erfolgsgeschichte der Weltmetropole Berlin. Nicht, dass sich immer alle vertrugen. In unserer Stadt tobten schon viele Kultur-, Moral- und Wertekämpfe.

Doch über die Grundidee herrschte immer Einigkeit: Berlin war nie eine Stadt, sondern immer eine Lebenseinstellung.

Dieses Prinzip der Offenheit ist tief in der DNS Berlins verankert, konnte durch 2 Weltkriege, ein Kaiserreich und zwei Diktaturen nicht ausgerottet werden und ist immer noch jeden Tag auf den Strassen Berlins deutlich fühlbar.

2. Die Weimarer Republik und das Dritte Reich

Ab 1918 experimentierte Berlin mit dem gewaltsamen Kampf der Weltanschauungen. Seit den 20er Jahren gab es Straßenschlachten zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Die Kämpfe um den richtigen Lebensstil hatten die Nazis spätestens 1933 für sich entschieden, bis 1945 war Berlin eine Stadt, die ihre eigene Seele verloren hatte.

Man kann also sagen, wir haben es ausprobiert, weniger tolerant zu sein und haben damit schlechte Erfahrungen gemacht. Deshalb ist es kein Zufall, dass in Berlin Offenheit gegenüber anderen Lebenskonzepten ein Grundprinzip ist, ja sogar die eigentliche Essenz der Berliner Identität. 

Wir sind generell offen und sehen die Grenzen der Freiheit des anderen erst dort, wo unsere Freiheit eingeschränkt wird. Wir sind sogar so offen, dass wir einerseits Werbung mit sexy Frauen verbieten, andererseits kein Problem mit Frauen an der Leine haben.

Berlin muss nicht logisch sein. Hauptsache, es ist offen im Geiste.   

Warum in Berlin schon immer der Moralkrieg tobte und dabei trotzdem Frieden herrschte.

Das Grundprinzip Berlins ist Offenheit. Auch, wenn das manchmal etwas absurd ist:

Der Bezirk Kreuzberg beschloss Anfang 2014, dass im Bezirk keine sexistische Aussenwerbung mehr erlaubt werden würde. Das Verbot umfasst nicht nur Werbung mit eindeutig sexuellen Komponenten (Frauen mit nackten Brüsten), sondern auch Plakate, die die archaische Rolle der Frau als Hausfrau und Mutter propagieren.

Gestern erzählt mir eine Freundin, dass sie am Sonntag an der Hundekehle spazieren war und ihr ein Mann entgegen kam, der seine Frau an der Leine Gassi führte. Sie krabbelte auf allen Vieren neben ihm und gehorchte aufs Wort.

Wenn es einen Krieg der unterschiedlichen Sitten- und Wertvorstellungen gibt, dann ist Berlin das Frontgebiet. Hier gibt es alles im Extrem: vor einer Woche sah ich eine Muslima mit schwarzer Burka in der Kurfürstenstraße an den halbnackten Prostituierten vorbeilaufen.

Es gibt auch andere Städte, in der so unterschiedliche Moralvorstellungen so eng beieinander leben. Das AusserGewöhnliche in Berlin ist, dass es kaum Schüsse an den Fronten gibt. Alle leben relativ friedlich nebeneinander: An der Joachimsthaler Straße ist der Scientology-Stand immer direkt neben dem Salafisten-Tresen – das klappt, ohne, dass es Schlägereien gibt.

Warum bleiben ausgerechnet in Berlin die unterschiedlichen Weltanschauungen so entspannt?

Es gibt dafür zwei Gründe:

1. Das Erfolgsgeheimnis Berlins

2. Die Weimarer Republik und das Dritte Reich

Beide Gründe haben direkt dazu geführt, dass heute in Berlin strenggläubige Zeugen Jehovas neben BDSM-Fans leben, dass niemand über die privaten Eskapaden des ersten schwulen Bürgermeisters der Republik spricht und dass Berlin sowohl Zentrum des neuen Islamismus und gleichzeitig Mekka der Sexparties ist.

1. Das Erfolgsgeheimnis Berlins

Berlin war eine arme Stadt. Am Ende des dreissigjährigen Krieges hatten gerade mal 6.000 Berliner überlebt. Die Gegend war agrarisch uninteressant, es gab keine Rohstoffe. Der Kurfürst Brandenburgs wurde von anderen belächelt und wenig respektiert. Doch er schaffte es, innerhalb 50 Jahren aus Berlin eine prosperierende, expandierende Stadt zu machen: 1709 hat Berlin bereits 55.000 Einwohner, stark wachsend.

Seinen durchschlagenden Erfolg verdankte Kurfürst Friedrich Wilhelm einem Standortvorteil, der nichts mit Rohstoffen oder landwirtschaftlicher Produktion zu tun hat. Er tat etwas für die damalige Zeit sehr Ungewöhnliches. Er führte ein Gesellschaftsprinzip ein, das auf Offenheit basierte:

[su_quote]Egal, was Du denkst, wer Du bist, wie Du leben willst –  solange Du an dieser Stadt konstruktiv mitwirken willst, sei willkommen!“[/su_quote]

[su_pullquote align=“right“]Berliner war nicht, wer hier geboren war. Berliner konnte werden, wer Lust auf Berlin hatte.[/su_pullquote]

Dieses neue Prinzip, das die amerikanische Gesellschaftsidee vorausnahm, saugte damals engagierte, talentierte, kreative Menschen aus ganz Europa an und legte so den Grundstein für die Erfolgsgeschichte der Weltmetropole Berlin. Nicht, dass sich immer alle vertrugen. In unserer Stadt tobten schon viele Kultur-, Moral- und Wertekämpfe.

Doch über die Grundidee herrschte immer Einigkeit: Berlin war nie eine Stadt, sondern immer eine Lebenseinstellung.

Dieses Prinzip der Offenheit ist tief in der DNS Berlins verankert, konnte durch 2 Weltkriege, ein Kaiserreich und zwei Diktaturen nicht ausgerottet werden und ist immer noch jeden Tag auf den Strassen Berlins deutlich fühlbar.

2. Die Weimarer Republik und das Dritte Reich

Ab 1918 experimentierte Berlin mit dem gewaltsamen Kampf der Weltanschauungen. Seit den 20er Jahren gab es Straßenschlachten zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Die Kämpfe um den richtigen Lebensstil hatten die Nazis spätestens 1933 für sich entschieden, bis 1945 war Berlin eine Stadt, die ihre eigene Seele verloren hatte.

Man kann also sagen, wir haben es ausprobiert, weniger tolerant zu sein und haben damit schlechte Erfahrungen gemacht. Deshalb ist es kein Zufall, dass in Berlin Offenheit gegenüber anderen Lebenskonzepten ein Grundprinzip ist, ja sogar die eigentliche Essenz der Berliner Identität. 

Wir sind generell offen und sehen die Grenzen der Freiheit des anderen erst dort, wo unsere Freiheit eingeschränkt wird. Wir sind sogar so offen, dass wir einerseits Werbung mit sexy Frauen verbieten, andererseits kein Problem mit Frauen an der Leine haben.

Berlin muss nicht logisch sein. Hauptsache, es ist offen im Geiste.   

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