Unterschrieben von Weltstars.

Keine normalen Schuhe: Weltstars wie Mando Diao haben hier unterschrieben. ©AusserGewöhnlich Berlin

Der Club, in dem 500 Nackte nicht auffallen – Das SchwuZ

Schwul, lesbisch, trans*: Für die queere Szene gibt es in Berlin seit 40 Jahren eine Adresse: das SchwuZ, seit einiger Zeit in Berlin-Neukölln. Florian Winkler-Ohm erzählt uns von Nacktparties und offenen Berlinern.

Wer ist hier willkommen? Ist das SchwuZ ein Schwulenclub oder ein Lesbenclub?

Das SchwuZ ist ein queerer Club.

Willkommen sind bei uns Männer und Frauen oder nichts von beidem, vollkommen gleichgültig ob sie dabei schwul, lesbisch, bi- und a- oder vielleicht sogar auch heterosexuell sind.

Queer ist alles, was nicht heteronormativ ist.

Viele zeigen sich bei euch so, wie sie im Innersten sind. Und sie legen ihre Wünsche und Vorstellungen offen. Ist es wichtig zu wissen, was die Leute ganz privat tun?

Wir glauben, dass dies überhaupt nicht wichtig ist.

Aber wenn man aus einer heteronormativen Perspektive denkt, scheint das wohl in vielen Fällen total wichtig.

Da wird oft in Schubladen gedacht und Etiketten verteilt: schwul, lesbisch, trans*: Furchtbar!


Wir sind dafür dass Menschen ihre Identität frei wählen dürfen – jenseits aller Geschlechterzuordnungen.

Nicht viele sehen das SchwuZ von innen.

Wirklich queere Clubs gibt es nicht viele. Das SchwuZ macht es vor. ©AusserGewöhnlich Berlin

Wie ist das SchwuZ entstanden?

Das SchwuZ ist 41 Jahre alt. Es wurde 1977 gegründet, in einer Zeit, in der es die Schwulen satt hatten, sich auf öffentlichen Toiletten treffen zu müssen und aufgrund der gesetzlichen Regelungen verfolgt zu werden:

Die Gründung des SchwuZ, mit seinen vielen mutigen Menschen, lag der Wunsch zugrunde, die Gesellschaft nachhaltig zu verändern. Ein Vorhaben das gelang.

Was wir heute hier geschaffen haben, ist ein Ort, an dem diese Menschen zusammenkommen und friedlich miteinander feiern. Heute sind wir selbstverständlicher Teil der Gesellschaft, wissen jedoch -auch aufgrund der sich verändernden politischen Situation – dass wir weiterhin darum kämpfen müssen, dass unsere Rechte und Freiheiten auch zukünftig gewahrt bleiben.

Und wo kann ich ähnliches außerhalb von Berlin erleben?

Ganz ehrlich: das SchwuZ als Ort ist einzigartig.

Es gibt in anderen Städten zwar durchaus Clubs, die an bestimmten Tagen Schwulen- oder Lesbenpartys machen. Ein Club wie wir, der an rund 260 Veranstaltungstagen im Jahr ein Programm – von Parys über Konzerten bis hin zu Diskussionen und Messen für queere Menschenbietet – ist einzigartig. Und wenn man dann noch nach einem Club sucht, der es über 40 Jahre auf dem Markt geschafft hat, wird das Mitbewerber_innenfeld extrem klein.

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Wann habt Ihr denn geöffnet?

Bei uns kann man immer freitags und samstags ab 23 Uhr tanzen.

Und zum restlichen Programm lohnt am besten ein Blick auf die Website.

Insgesamt haben wir ein Vermietungsgeschäft mit bis zu 60 Veranstaltungen im Jahr. Beispielsweise produziert der FernsehsenderArte hier im SchwuZ die „Berlin Live“-Reihe mit internationalen Stars und auch die Berlinale-Arte-Party ist regelmäßig unser Gast.

Wir sind darauf angewiesen neben den eigenen Veranstaltungen auch ein zweites Standbein zu haben. Deshalb bauen wir das SchwuZ derzeit als Eventlocation weiter aus.

Auf den Tanzflächen des SchwuZ ist für jeden was dabei.

Spannende Persönlichkeiten treffen sich auf der Tanzfläche. Und auf der Bühne ©AusserGewöhnlich Berlin

Und zu was für einer Musik?

Das Programm ist sehr durchmischt. Oft haben wir aber einen musikalischen Schwerpunkt.
Zum Beispiel ist das Thema am ersten Samstag im Monat immer Retro. Da wird alles von den 60er Jahren bis 2005 gespielt. Und das auf allen drei Floors. Außerdem gibt es die Schwerpunkte Elektro, Alternative, Indie, Trap, Hip-Hop und natürlich Mainstream-Pop. Sehr durchmischt.

Und wer es ganz speziell mag, findet sicher auf der „Madonnamania“ oder der neuen Ikonen-Reihe „DIVAS“ seine Lieblingsmusik.

Und wo sind wir jetzt hier?

In einem der historisch bekanntesten Gebäuden von Neukölln: der ehemaligen Kindl Brauerei. Zwei Stockwerke unter der Erde und hinter über einem Meter dicken Mauern stören wir hier wirklich gar keinen – egal wie laut es wird.

An den Stellen an denen heute getanzt wird, standen ursprünglich die großen Biertanks. Nachdem Kindl Geschichte war nutzen zuerst Sprayer die Wände für ihre Kunst – Teile dieser Arbeiten sind heute noch erkennbar.

Das SchwuZ gibt es bereits seit 41 Jahren.

Das SchwuZ liegt im ehemaligen Brauereigebäude in der Rollbergstraße. ©AusserGewöhnlich Berlin

Wann war das denn mit dem Bierbrauen vorbei?

2005 nach 133 Jahren, dann wurde dieser Standort geschlossen. Genauso wie die Schultheiss-Brauerei in Kreuzberg. Die Produktionen wurden komplett nach Hohenschönhausen verlagert. Alle Biere mit Berlin im Namen, wie Berliner Kindl und Berliner Pilsner, werden jetzt dort gebraut.

Ihr habt mehrere Räume – aber einen absoluten Mainfloor.

Ja, wir nennen ihn die Kathedrale, weil er aussieht wie ein Kirchenschiff. Es ist ein beeindruckender Raum mit einer Bühne.

Hier gibt an jedem Wochenende im SchwuZ nachts um zwei Uhr eine kurze Show.

Von Drags, Comedy, Gesang bis hin zu musikalischen Einlagen kann das alles sein – wir versuchen jede Woche neu unsere Gäste mit dieser Show zu begeistern.

Im übrigen ist dies auch die Bühne, auf der die großen Weltstars auftreten.

Letztes Jahr zur Berlinale waren hier im SchwuZ Mando Diao und Maximo Park.

Wie viele Personen passen eigentlich in eueren Club?

Gleichzeitig können insgesamt 1100 Personen hier drin sein, mehr erlaubt der Brandschutz nicht. An guten Wochenenden erreichen wir diese Anzahl auch. Dann ist aber alles gut gefüllt. Alles bewegt sich und alle sind happy.

Hoher Wahrhetsgehalt: im SchwuZ wird keiner aufgrund seiner Persönlichkeit, Herkunft oder Sexualität verurteilt

"Komm, wie du bist!" - das SchwuZ zelebriert Diversität. ©AusserGewöhnlich Berlin

Kommt bei euch jeder rein?

Nein. Leute, die betrunken und augenscheinlich aggressiv sind kommen nicht rein. Und Leute, die in großen Gruppen kommen, haben bei uns eher schlechte Chancen. So eine große Gruppe kann sonst auch schon mal schnell den Raum dominieren.

Und Junggesellinnen- oder Junggesellenabschiede haben wir nicht so gern, weil es eben nicht in unser Konzept passt.

Wollten einen Ort der Toleranz kreiren: Florian Winkler-Ohm und Marcel Weber

Die Geschäftsführer des SchwuZ Florian Winkler-Ohm (l.) und Marcel Weber. ©AusserGewöhnlich Berlin

Aber ansonsten: Jeder, der sich an die Spielregeln hält, kommt rein. Die Leute kommen gerne her, weil sie sich nicht an einen bestimmten Dresscode halten müssen.

Einzige Ausnahme:

Einmal alle zwei Monate findet im SchwuZ die Schlagernacktparty statt. Und da muss man dann nackt sein.

Es kommen 400-500 Leute, die nackt zu Schlagermusik tanzen.

Diese Party hat mal ganz klein in Berlin angefangen. Jetzt gibt es sie schon über 15 Jahre. Sie ist durch einen Umzug im SchwuZ gelandet undwir freuen uns bis heute sehr darüber.

Und was ist in dieser Glasvitrine neben der Bar?

Das sind Stöckelschuhe.

Alle Stars, die im SchwuZ waren und alle Arte Konzerte, die bei uns waren, hinterlassen einen Stöckelschuh mit Unterschrift.

Es ist die SchwuZ-Art, sich ein Autogramm zu holen.

Vielen Dank für das Interview!

Alternativ

Es gibt kein festes Genre im SchwuZ, dafür ist der Ort zu vielfältig. ©AusserGewöhnlich

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