Pandion übernimmt das Gelände von Robben und Wientjes und entwickelt ein neues Quartier

Matthias Groß von Pandion vor dem ehemaligen Gebäude von Robben & Wientjes in Kreuzberg ©AusserGewöhnlich Berlin

Was kommt, wenn die Robben sterben?

Pandion-Berlin-Chef Matthias Groß spricht mit uns über Gewerbehöfe 2.0 auf dem ehemaligen Gelände von Robben & Wientjes und das Berliner Projekt, das auf den Kiez schaut und nicht nur auf den finanziellen Erfolg.

Berliner kennen die Fläche hier nur als den Ort, wo man sich beim Umzug eine „Robbe“ mietet. Was ist das hier für ein Gebäude?

Wir sind hier in der Prinzenstraße 32-34 auf dem ehemaligen Gelände von Robben & Wientjes.

Das Gebäude wurde in den 1960er Jahren für Jakobs-Kaffee gebaut.

Die haben den Rohkaffee aus Hamburg hierher gefahren, geröstet, die Berlin-Zulage kassiert und den Kaffee dann wieder nach Hamburg zurückgefahren. Später wurden in dem Gebäude Windkraftwerke gebaut. Und natürlich „Robben“ repariert.

Die Hauptwerkstatt von Robben & Wientjes ist jetzt am 31. März ausgezogen.

Bis zum Sommer kann man aber noch eine „Robbe“ mieten.

Das Robben & Wientjes Gebäude in Kreuzberg

Ein Teil der ehemaligen Hauptwerkstatt von Robben & Wientjes in der Prinzenstraße 32-34 ©AusserGewöhnlich Berlin

Bisher hat Pandion in Berlin nur Wohnungen gebaut. Nun plant Ihr auf dem ehemaligen Robben & Wientjes Gelände einen ganzen Kiez mit Gewerbe, Büro und Gastronomie. Was erwartet die Berliner in der Prinzenstraße?

Dazu sind drei Schlagworte ausschlaggebend:

Wir wollen hier im Kiez das soziale Engagement stärken, etwas für die Nachbarn und mit den Nachbarn machen, die Kulturlandschaft Berlins beleben und etwas für unser Image tun.

Wo früher Robben & Wientjes war, baut heute Pandion ein neues Quartier in Kreuzberg

Der Immobilienentwickler Pandion übernimmt das Gelände von Robben & Wientjes ©AusserGewöhnlich Berlin

1. Zum Thema Kulturlandschaft sind wir mit den Kunst-Werken Berlin und dem Berlin Art Prize 2018 im Gespräch. Wir wollen Fotoausstellungen und Lesungen machen. Zum Beispiel stellen wir die Abschlussveranstaltung der Fotoschule Ostkreuz vor. Das ist die renommierteste Fotoschule, die es gibt. Die Absolventen gestalten jedes Jahr eine sehr schöne Fotoausstellung und die zeigen wir.

2. Zum Thema Soziales bin ich mit Personen aus der Nachbarschaft im Gespräch, die im Bereich Quartiermanagement arbeiten. Wir sprechen mit dem Mehrgenerationenhaus und den Gewerbetreibenden ringsum. Wir versuchen mit und für die Nachbarn etwas zu verwirklichen. Zum Beispiel wollen wir den Kinderkarneval zum Karneval der Kulturen unterstützen. Das macht ein Jugendhaus am Landwehrkanal. Hier in den Hallen haben sie Platz, um die Karnevalswagen zu bauen, Kostüme und ähnliches zu fabrizieren.

3. Zum Thema Pandion Image: Wir wollen Leute aus der Kultur- und Sportszene auf das ehemalige Gelände von Robben & Wientjes holen. Am liebsten würden wir etwas mit Sport machen. Südlich von uns ist eines der sozial schwächsten Quartiere von Berlin mit einem Anteil von 80 – 85 % Bewohner mit Migrationshintergrund. Für die ist Sport und Hip Hop total wichtig und beide Themen wollen wir umsetzen. Zum Beispiel einen Hip Hop Flohmarkt mit jemandem, der hier aus dem Kiez kommt. Außerdem suchen wir jemanden, der temporär zur Fußball WM z.B. einen Soccer Platz auf einem der Grundstücke aufbaut, auf dem die Jugendlichen aus dem Kiez Sport machen können.

Wir haben auf dem Gelände von Robben & Wientjes insgesamt knapp 4000 m² Fläche zur Verfügung (innen), die zum Teil beheizt ist.

Und wir haben mindestens noch einmal genauso viel Grundstücksfläche außen. Und von jetzt bis Herbst haben wir Zeit, Kultur, Sport und Innovation auf den Grundstücken stattfinden zu lassen.

Die Werkstatt von Robben & Wientjes wird ein Ort für Foto- und Kunstausstellungen in Berlin

In der ehemaligen Werkstatt von Robben & Wientjes werden auch Ausstellungen stattfinden ©AusserGewöhnlich Berlin

Du selbst kommst aus PrenzlBerg, kennst die Gegend, als die Balkons noch runterfielen. Wie kann ein Kind, das noch Aussenklos erlebt hat, Luxusimmobilien bauen? Ist das kein Interessenkonflikt?

Auf gar keinen Fall. Erstens bauen wir keine Luxusimmobilien und zweitens haben die Menschen, die heute in Berlin leben, etwas Besseres verdient als einen unsanierten Altbau mit Aussenklo.

Ich bin zwar in einem solchen Altbau aufgewachsen aber das ist definitiv nicht mehr zeitgemäß. Ich bin auch froh, dass der Prenzlauer Berg deutlich schöner und attraktiver aussieht als in den 80er Jahren.

Wir dürfen hier keine Wohnungen bauen. Dieser Block von Lobeckstraße über die Prinzenstraße bis hinten zum Legiendamm ist ein Gewerbegebiet.

Der Stadtbezirk möchte nicht, dass dieses Gewerbegebiet angeknabbert wird und am Rand Wohngebäude entstehen. Deshalb wird es Büros mit Einzelhandel und Gastronomie im Erdgeschoss geben.

Das ehemalige Gelände von Robben & Wientjes wird besichtigt

Besichtigung der neuen Grundstücke von Pandion in der Prinzenstraße mit der Agentur GLUT Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Kann man sich noch beteiligen? Und wenn ja wie?

Hier gibt es unheimlich viele Unternehmen, die schon da sind und vielleicht expandieren wollen. Es gibt viele Kleingewerbebetriebe, Manufakturen, die sich langfristig eine Fläche sichern wollen. Auch das können wir anbieten. Wir sind im Gespräch mit dem Bezirk und tauschen uns eng aus.

Am Ende des Tages suchen wir Konzepte, die aus dem Quartier auf dem Gelände von Robben & Wientjes, was wir hier entwickeln, ein lebendiges Quartier werden lassen.

Wir geben uns Mühe, dass wir über die Zwischennutzung einerseits und über die langfristige Nutzung andererseits, Leute auf die Grundstücke ziehen, die schon in Kreuzberg sind und etwas Sinnstiftendes tun. Menschen, die etwas tun, was dem Bezirk guttut.

Du machst sehr viel für Berlin, den Bezirk und den Kiez. Was ist für Dich typisch Berlin? Und wie kann ein Gebäude oder ein Stadtquartier diese Berliner Werte transportieren?

Berlin ist für mich eine Stadt, die sehr lebendig, bunt und international ist. Eine Stadt der Brüche und der Kontraste. Die Architektur unserer Immobilien und unser Nutzungskonzept bieten dafür den Raum.


Eine Stadt, die viel Fläche hat, viel Grün und eine hohe Lebensqualität bietet. Berlin übt eine hohe Anziehungskraft auf Menschen aus der ganzen Welt aus.

Als Projektentwickler müssen wir uns immer bewusst machen an welcher Stelle wir gerade ein Projekt entwickeln. Es macht einen Unterschied, ob man am Kudamm, in Prenzlauer Berg oder in Kreuzberg entwickelt.

In Kreuzberg haben wir traditionelle Gewerbetreibende, Produktionen, die Kreativwirtschaft und die Kultur. Hier müssen wir deshalb etwas entwickeln, wo sich Gewerbe ansiedeln kann. Das, was schon da ist, sollte weiterentwickelt werden. Am besten indem man die Belange der Nachbarn berücksichtigt.

Wir wollen keinen Büropark, sondern die Gewerbehöfe 2.0 entwickeln.


Bunte, interessante Gebäude, wo Leben drin ist und etwas passiert. Und wo nicht nur die fleißigen Bienchen arbeiten.

Bei ehemals Robben & Wientjes entsteht ein buntes Stadtquartier, unterschiedliche Räumlichkeiten ermöglichen verschiedene Nutzungen

Pandion wird Gewerbe auf dem neuen Quartier in Kreuzberg integrieren: Noch kann man Räume anmieten ©AusserGewöhnlich Berlin

Wenn Du Stadtentwicklungssenator von Berlin mit unbeschränkter Macht wärst. Welche Maßnahmen würdest Du angehen?

Das ist eine schwere Frage. Ich würde versuchen Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sich die Stadt aus sich heraus entwickeln kann und möglichst wenige Grenzen und Restriktionen setzen. Eher den Raum bieten, dass das, was da ist und neu dazu kommt, sich entwickeln kann.

Was hast Du aus unserem gemeinsamen Projekt The Haus gelernt?

Ich habe da ganz viel gelernt. Es war eine sehr lehrreiche, anstrengende und erfolgreiche Zusammenarbeit. Ich habe gelernt, dass andere Branchen (hier die Kunstszene) ganz anders arbeiten als wir als Projektentwickler, Kaufleute und Architekten. Viel spontaner, aus meiner Perspektive chaotischer, wilder. Aber sie sind dabei produktiv, schnell und agil. Sie arbeiten sehr viel besser über Netzwerke und über neue Medien, wo wir in unserer Branche noch in den Kinderschuhen stecken.

Ich habe aber auch gelernt, dass es eine große Herausforderung ist, die Immobilienwirtschaft und die Kreativwirtschaft zusammenzubringen und eine gemeinsame Schnittmenge zu finden.

Es ist aber wichtig, dieses Abenteuer einzugehen, weil am Ende etwas unglaublich Gutes entstanden ist.


Es ist eine Win-Win-Win-Win Situation. Die Stadt hat gewonnen, die Berlin-Besucher, die Künstler (weil sie jetzt mehr Aufträge haben) und wir (weil wir den Standort besser vermarkten können) und weil wir als Entwickler bewiesen haben, dass man eben nicht nur gentrifiziert, verdrängt und Luxuswohnungen baut, sondern auch etwas zurückgeben kann.

Pandions neue Grundstücke in der Prinzenstraße Berlin

Pandion plant ein lebendiges Quartier auf dem ehemaligen Robben & Wientjes Gelände ©AusserGewöhnlich Berlin

Warum gab es vorher nicht solche Projekte?

In Berlin hängt dieser Tacheles-Effekt nach. Wenn man Künstlern Gebäudeflächen überlässt, dann schwebt immer das Risiko mit, dass sie sich so wohl fühlen, dass sie nicht mehr gehen. Die Immobilien-Wirtschaft hatte bisher nicht den Mut auf diese Szene zuzugehen und sich auf das Abenteuer einzulassen. Das hat The Haus jetzt angestoßen.

Berlin hat wahnsinnig viele Flächen, die abgerissen werden oder darauf warten umgenutzt zu werden. Dieses Zeitfenster sollte man nutzen, weil die Flächen in der Innenstadt immer weniger werden und die Stadt immer voller wird.

Ihr habt mit The Haus den Immobilien-Marketing-Award 2017 gewonnen. Was ist das?

Die Aktion mit The Haus, die Symbiose aus Kunst und Kommerz oder Kunst und Projektentwicklung, hat dazu geführt, dass wir darauf unser gesamtes Marketingkonzept aufgebaut haben.

Am Anfang als Alexander Wolf und ich angefangen haben, uns The Haus auszudenken, gab es sehr viele Skeptiker und viele die gesagt haben, dass dies keine gute Idee sei. Wie soll das werden? Wie soll das gehen? Daraus hat sich ein Projekt, dessen Erfolg sich niemand erträumt hat, entwickelt.

Diese Öffentlichkeitswirksamkeit, diese Verbreitung in den Medien und über Google ist unbezahlbar.

Mein Fazit daraus ist:

Wenn man manchmal ein bisschen mehr Mut mitbringt und einfach die Dinge mal laufen lässt, können daraus Dinge entstehen, die zwei, drei Quantensprünge überspringen und einen auf ein völlig neues Level bringen.


Das wäre für mich der Beweis dafür, dass das tatsächlich honoriert und akzeptiert wird. Es ist eine hohe Anerkennung für dieses Abenteuer.

Was wünschst Du dir für Berlin? Was muss Berlin tun, um im Herzen trotz Entwicklung Berlin zu bleiben?

Ich wünsche mir, dass die Neu-Berliner auch den Raum finden, das zu tun, was die letzten 150 Jahre schon passiert ist. Berlin als Motor für Innovation, für Kreativität, für Kultur, für (digitale) Industrie zu erleben und zu nutzen.

Das konnte nicht mal der Mauerbau verhindern oder komplett ausbremsen. Nach dem Mauerfall ist die Stadt explodiert, was Kreativität und Entwicklergeist angeht. Und zurzeit ist die Stimmung in der Stadt so wahnsinnig gut, dass nicht einmal die politischen Umstände es ausbremsen können.

AusserGewöhnlich Berlin schaut hinter die Kulissen: Pandion spricht über das neue Projekt auf dem Gelände von Robben & Wientjes

Hier entstehen die Gewerbehöfe 2.0 bei ehemals Robben & Wientjes ©AusserGewöhnlich Berlin

Du bist ja nun Teil dieser explosionsartigen Entwicklung. Und du baust einen eigenen Kiez in Kreuzberg. Wen wünschst Du Dir denn als Partner, also als Mieter?

Wir entwickeln mit THE SHELF die Gewerbehöfe 2.0 auf dem ehemaligen Gelände von Robben & Wientjes.

Gewerbehöfe zeichnen sich dadurch aus, dass an einem Ort nicht nur Büro stattfindet, sondern auch Gastronomie, Kultur und vielleicht sogar Kleingewerbe, Manufaktur. Der Bereich Büro wird hier der überwiegende Anteil sein. Es sollen sich hier Unternehmen ansiedeln, die auch zu Kreuzberg und zu dieser Lage passen. Wir können uns hier schwer vorstellen eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft oder Wirtschaftskanzlei zu haben. Wir suchen nach Unternehmen, die für Kreuzberg stehen. Und das ist ein schwieriger Spagat.

Denn die Unternehmen, die oft in Kreuzberg wachsen, sind Unternehmen die man Startup Szene zuordnen kann. Sie existieren aber erst seit ein bis drei Jahren. Die sind als Mieter schwierig, weil sie noch in der Entwicklungsphase sind. Keiner weiß, ob es sie in 2 Jahren noch gibt.

Dazwischen den richtigen Mieter für unser Quartier THE SHELF zu finden, der in das Quartier passt, es belebt und wo auch die Leute arbeiten, die so ein Quartier schätzen, das ist die Herausforderung.

Pandion in der Prinzenstraße, Ecke Ritterstraße

Zu Pandion gehören die Grundstücke Prinzenstraße 89/90 sowie Prinzenstraße 32-34, Ecke Ritterstraße ©AusserGewöhnlich Berlin

Kann man sich bewerben?

Ja klar, gerne. Wir haben noch viel Platz in den Büros. Was Kunst, Kultur, Kleingewerbe und Gastronomie angeht, reden wir sehr offen mit den Leuten, die schon da sind. In einem gewissen Umfang werden wir preissubventionierte Flächen zur Verfügung stellen, damit wir auch kleinen Unternehmen die Möglichkeit gebeben, sich hier anzusiedeln.

Wir haben die Agentur GLUT beauftragt, nach spannenden Konzepten für die temporäre Zwischennutzung bis Herbst 2018 zu suchen.

Michel Gehring von Glut führt AusserGewöhnlich Berlin durch die Hallen von Pandion in der Prinzenstraße 32-33

Michel Gehring, Managing Director von der Agentur GLUT Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

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