Suman Rewari, Chef des Rewaro Hotels, im Interview

Das Rewari Hotel Berlin in Kreuzberg

Wegen Corona machen die Berliner jetzt in Berlin Urlaub – Rewari Hotel Berlin

Der AusserGewöhnliche Berliner Suman Rewari, Geschäftsführer vom Rewari Hotel Berlin über die Entwicklung des Berlin-Tourismus in den letzten Jahren.

Laut Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop sollen wir uns nicht zu sehr vor dem Coronavirus fürchten. Wir sehen zwar, dass weniger Touristen nach Berlin kommen, aber „Das ist aber eine gute Gelegenheit für Berlinerinnen und Berliner Restaurants zu besuchen, die sonst über Monate ausgebucht sind“, sagte Ramona Pop. (Tagesspiegel)

Wir finden, das ist die beste Gelegenheit um nicht nur Restaurants zu besuchen, sondern auch ganz Berlin neu kennenzulernen. Ohne die vielen Touri-Schwärme.

Warum nicht mal eine Nacht in einem Berliner Hotel schlafen?
Wir sprechen mit dem AusserGewöhnlichen Berliner Suman Rewari, Geschäftsführer vom Rewari Hotel, über unsere Idee.

Meistens werden Hotels von Touristen gebucht. Warum sollten Berliner mal in einem Hotel in ihrer eigenen Stadt übernachten?

  1. Sie sollten Berlin mal aus einer anderen Perspektive erleben
  2. … um sich mal verwöhnen zu lassen
  3. Jedem tun ein paar Tage Tapetenwechsel gut
  4. Berliner können guten Gewissens ihren Gästen ein Hotel empfehlen

Das Rewari Hotel ist in Kreuzberg. Welche Kreuzberger Geheimtipps würden Sie einem Nicht-Berliner empfehlen, der keinen Bock auf Touristenführer hat und das echte Berlin kennenlernen will?

Fußläufig von uns aus ist der Bergmann-Kiez mit seinen vielseitigen Cafés, Bars, Restaurants und Läden erreichbar. Dort kann man rund um die Uhr was erleben. Größter Anziehungspunkt ist Curry36 und Mustafas Döner. Die Warteschlangen sollte man schon mal gesehen haben!

Weitere Highlights sind der Park am Gleisdreieck oder das Tempelhofer Feld. Hier ist zu jeder Jahreszeit was los und man kommt ganz schnell und einfach unter die Berliner.

Sie führen das Rewari Hotel seit über 35 Jahren. Wie hat sich der Berlin-Tourismus in den letzten Jahren entwickelt?

Die Veränderungen des Berlin-Tourismus durch die Jahrzehnte

1980er Jahre: Faszination durch die Mauer-Abschottung

Für Touristen war Berlin immer ein Magnet: In den 1980er Jahren waren die Menschen von dem „Insel-dasein“ durch die Mauer fasziniert. Unser Hotel ist wenige 100 Meter von dort, wo die Mauer verlief, und vom Checkpoint-Charlie entfernt. Berlins Geschichte war damals ebenso spannend für Touristen wie sie heute noch ist. Aber auch Schulgruppen aus „Westdeutschland“ gehörten zu unseren Besuchern, die eine Bildungsreise nach Berlin machten.

1990er Jahre: Berlins Charme und Unkonventionalität führt zum Touri-Boom

In den 1990er Jahren und mit dem Fall der Mauer ging der Tourismus-Boom richtig los. Berlins Facetten und unkonventionelle Strukturen ließ viele junge Leute nach Berlin kommen. Ein besonderes Highlight war damals die Love Parade, zu der wir Gäste aus aller Welt bei uns hatten.

2000er Jahre: Business-Freaks erobern Berlin

In den 2000er Jahren wurde Berlin zunehmend auch für Geschäftsreisende wichtiger und interessanter. Dazu trugen Messen, Events und Kongresse, aber insbesondere auch viele Firmen und Unternehmen, die in Berlin ansässig wurden, bei.
Das war die Zeit, in der ich viel in das Hotel investierte und anfing, ganze Etagen zu Hotelzimmern umzuwandeln.

Seit 2010: Berlin als mit beliebtestes Ziel auf Buckets-Lists

Der Tourismus in Berlin boomt. Alle wollen Berlin und seine Stimmung erleben und kennen lernen. Und noch immer sind die meisten fasziniert von der Zeit, als die Mauer existierte. Berlins Geschichte gepaart mit der aktuellen Szene macht die Stadt so außergewöhnlich und zu einer der beliebtesten Ziele auf vielen Bucket Lists.

Der Alltag und der Tourismus sind digitaler geworden. Berlin Besucher informieren sich und buchen ihr Hotel über das Internet.

Früher hieß das Rewari Hotel „Hotel am Anhalter Bahnhof“. Warum haben Sie es umbenannt?

Der Anhalter Bahnhof war früher ein sehr bedeutender Kopfbahnhof in Berlin. Im Zweiten Weltkrieg wurde er komplett zerstört. Heute erinnern nur noch das Eingangsportal und der S-Bahnhof „Anhalter Bahnhof“ an ihn. Für viele unserer internationalen Gäste ist der Bahnhof kein Begriff mehr. Und den Hotelnamen fließend auszusprechen, fiel auch vielen von ihnen sehr schwer. Dies waren unter anderem Gründe, warum ich das Hotel umbenennen wollte. Gleichzeitig war mir wichtig, das Persönliche und Individuelle, was unser Hotel charakterisiert, im Namen darzustellen. Ich entschied mich dafür, das Hotel „Rewari Hotel Berlin“ zu nennen.

Sicherlich haben Sie schon einige skurrile Berlin-Geschichten in Kreuzberg erlebt. Erzählen Sie uns eine!

Vor etwa 20 Jahren erhielt ich einen Anruf meiner Empfangsdame am Wochenende, dass die Polizei im Hotel ist und sich nach einem Paar in einem unserer Zimmer erkundigte. Sie müsse dringend mit dem Paar sprechen. Sie gingen zum Zimmer, klopften an und traten hinein. Das Paar schlief noch. Die Polizisten sagten, dass sie nachts von Anwohnern gesehen worden sind, wie sie Steine einer Mauer auf der Stresemannstraße herausbrachen und diese mitnahmen. Das Paar sprach nur sehr wenig Englisch und noch weniger Deutsch. Als sie aber mit Händen und Füßen erklärt bekamen, was vorgefallen war, zeigte das Paar den Polizisten die Steine. Es waren ganz normale Klinkersteine. Das Paar beabsichtigte, Steine der Berliner Mauer als Souvenir mitzunehmen. Es nahm an, dass die Mauer, die sich auf dem Mittelstreifen der Stresemannstraße befindet, sei die damalige Berliner Mauer gewesen. Die Polizisten erklärten, dass dies keine Mauersteine sind, steckten die Klinkersteine ein und verließen schmunzelnd das Hotel.

Das Rewari Hotel ist eine ur-alte Berlinerin – eine typische Mietskaserne aus dem Jahr 1868, mit Berlins Ur-Werten

Welche 5 Berliner Werte beschreiben das Rewari Hotel am besten?

Standhaftigkeit – Berliner Wurzeln mit Geschichte:

Die Gemäuer haben Berliner Geschichte seit über 150 Jahren miterlebt.
Das einstige Wohnhaus ist mit der Zeit mitgegangen z.B. mit gemusterten Eingangsfliesen im 19. Jahrhundert oder dem Abklopfen der prunkvollen Fassade in den Nachkriegsjahren des Wiederaufbaus.

Offenheit:
Das Hotel beschränkt sich nicht auf bestimmte Zielgruppen. Die Gäste sind buntgemischt und kommen aus allen Teilen der Welt.

Ehrlichkeit:

Im Rewari Hotel ist nicht alles perfekt. Uns ist Ehrlichkeit wichtig. Wir sind so ehrlich und direkt wie Berlin es ist.

Individualität:
Das Rewari Hotel Berlin ist ein von mir seit mehr als 35 Jahren privat geführtes Hotel und gehört keiner Kette an.

Ohne viel Chichi
Kein Zimmer gleicht genau dem anderen. Irgendetwas ist immer ein bisschen anders – typisch Berlin halt.

Vielen Dank an Suman Rewari vom Rewari Hotel für das Interview!

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