Die AusserGewöhnlichen Berliner beim Salon im SchwuZ

Unsere Mission: Rettet das Schwuz. Als Netzwerk wissen wir: Wir schaffen das! ©AusserGewöhnlich Berlin

Rettet Berlin

Das SchwuZ ist in Gefahr. Wenn wir jetzt nicht aufpassen, dann geht das Schwuz unter. Und Berlin mit ihm.

Es gibt Clubs. Und es gibt Institutionen. Das Schwuz ist beides.
Durch das Schwuz ist Berlin das geworden, was es heute ist. Eine weltoffene, freie Metropole. Eine Stadt, in der Menschen Hand in Hand durch die Straßen gehen können, die in anderen Ländern dafür umgebracht werden würden.
Durch Institutionen wie das SchwuZ hat Deutschland heute den Ruf eines toleranten, offenen Landes. Das war nicht München oder Stuttgart. Das war Berlin, das war unter anderem das SchwuZ.

Doch unser SchwuZ ist in Gefahr. Die Corona-Krise und die einhergehenden Maßnahmen der Regierung bedrohen seine Existenz.

Wenn wir jetzt nicht aufpassen, dann gehen Institutionen wie das SchwuZ unter und Berlin mit ihnen. Dann wird Berlin eine langweilige, gesichtslose Stadt.

Denn wenn die Institutionen, die Berlin groß gemacht haben, untergehen, verliert Berlin seine Seele. Wir haben bei einem unserer Salons mit dem AußerGewöhnlichen Berlin Florian Winkler-Ohm, dem Geschäftsführer des SchwuZ gesprochen. Hier ein Mitschnitt des Interviews mit Alexander S. Wolf:

Der Wolf: Ist die Lage wirklich so schlimm?

Winkler-Ohm: Wir sind hier im Regelfall über 100 Mitarbeiter. Wir haben sonst 260 Veranstaltungen im Jahr. Und jetzt plötzlich nothing. Wir sind der älteste und größte Queerclub in Deutschland und haben 43 Jahre Geschichte auf dem Buckel.

„Ich sag immer so schön: Wir haben die HIV-Krise überstanden, dann schaffen wir auch Corona.“


Aber natürlich kämpfen wir jetzt ums blanke Überleben. Viele unserer Mitarbeiter sind sozialversicherungspflichtig und damit jetzt in Kurzarbeit. Und auch die Minijobber haben wir weiterbezahlt, damit sie nicht plötzlich auf der Straße stehen. Wir haben es nicht gemacht, wie viele andere. Und wir haben diese riesen Räume, die kosten viel Geld. Wir wissen – Stand von heute – noch nicht, wann wir wieder aufmachen können und ob das überhaupt in diesem Jahr ist. Ich denke eher nicht.

Auf den Tanzflächen des SchwuZ ist für jeden was dabei.

Spannende Persönlichkeiten treffen sich auf der Tanzfläche. Und auf der Bühne ©AusserGewöhnlich Berlin

Der Wolf: Nur damit wir wissen wie groß die Wunde ist. Wie viel Geld braucht ihr so im Monat?

Winkler-Ohm: Also wir brauchen allein jetzt um bis zum Jahresende zum Überleben 300.000 Euro.

Der Wolf: Aber es gibt doch diese Förderung? Es gibt doch Töpfe ohne Ende — Milliarden… Was jammerst du da rum?

Winkler-Ohm: Noch keine dieser Förderungen – und das liegt nicht an unserer Untätigkeit – ist bis heute, bei uns eingegangen. Wir haben weder eine vom Senat bekommen, noch ist die Kulturmilliarde so spruchreif, das wir damit planen können. Und wir sind jetzt schon in Monat Vier. Also so langsam wird es dringend.

Mottoparty Plastic: Salon im SchwuZ

2:00 Uhr morgens im SchwuZ ©AusserGewöhnlich Berlin

Der Wolf: Das heißt, ihr könnt euch auf die offiziellen Institutionen nicht verlassen. Können wir euch als Netzwerk helfen?

Ja, ihr könnt uns helfen. Was ihr vielleicht noch nicht wusstet: Wir machen nicht nur Partys und Bildungsshows – wir machen auch anständige Sachen (lacht). Wenn ihr einen Raum braucht, wenn ihr eure Weihnachtsfeier plant, wenn ihr einen Kongress habt, bitte denkt auch ans SchwuZ.

Wir machen euch einen geilen Tag, wir machen alles hier, wie ihr es braucht. Wir dürfen im SchwuZ mittlerweile bis zu 140 Personen im Raum abfrühstücken. Das reicht noch nicht, um einen Club aufzumachen oder eine Bar zu betreiben, das ist nicht lukrativ. Aber vielleicht kommen wir so ins Geschäft.

Der Wolf: Ihr steht bestimmt im Austausch mit anderen Clubs in Berlin. Ist die Existenzangst, die ihr gerade durchmacht, ein geteiltes Schicksal?

Winkler-Ohm: Ja, wir sind auch in Kontakt mit vielen anderen Clubs. Es ist jetzt absehbar, dass viele Clubs dicht machen werden. Wir werden als Vergnügungsstätten kategorisiert – so wie Bordelle beispielsweise auch. Das ist ein großer Fehler, denn wir sind Kulturstätten.

Wir bieten eine Bühne für Künstler, die hier ihre Grundsteine legen. Wie Rosenstolz zum Beispiel. Und das bricht weg, nicht nur bei uns. Vor allem auch ganze Szenen, mit denen sich die Stadt schmückt. Wo gehen diese Szenen hin? Sie gehen am Abend in die Clubs. Und, wenn wir als Stadt nicht darauf aufpassen, dann werden wir auch enorme wirtschaftliche Folgen spüren. Berlin lebt von diese Kultur- und Clubszene.

Unsere Mission als starkes Netzwerk: Das SchwuZ retten

Der Wolf: Die Grundidee von AußerGewöhnlich Berlin vor 10 Jahren war: Aus jeder Branche die coolen Leute zusammen  zu bekommen. Coole Leute heißt für uns: Leute, die noch zu ihrem Wort stehen. Leute, die begeisterungsfähig sind, die Werte haben. Leute, die unkorrumpierbar sind und die bereit sind, anderen zu helfen, auch wenn sie direkt nichts davon haben. Menschen, die bereit sind in Beziehungen zu investieren. Das hat sehr schön geklappt bisher und auch durch die Krise sind wir gut gekommen.

Aber am SchwuZ wird es sich jetzt festmachen.

Unsere Mission als starkes Netzwerk: Das SchwuZ retten
Ihr fragt Euch wie? 1, 2 oder 3.

1.: Als AußerGewöhnliche Berliner können wir hier Events stattfinden lassen. Das heißt, jeder von uns kann endlich mal Clubbesitzer für einen Tag sein.

2.: Indem wir Sponsorings durchführen.

3.: Wir kooperieren mit dem SchwuZ. Lasst Euch Kooperationen einfallen, die beiden Seiten Vorteile bringen. AußerGewöhnliche Berliner sind kreativ – seid kreativ! Macht Euch Gedanken, wie Ihr das Schwuz weiterbringen könnt, Euch und Berlin.

Thema des Tages beim Salon im SchwuZ: Wenn Du ein Gesetz in Berlin erlassen dürftest, welches wäre das?

Die Salonfrage des Abends im SchwuZ ist... ©AusserGewöhnlich Berlin

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