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Am 13. Februar war Ramona Pop (Bündnis 90/DIE GRÜNE) bei unserem  60:15:1 Salon im Maritim unser Ehrengast.

Folgendes konnten wir ihr entlocken:

Wir kennen dich als jemanden, der öfters dazwischen grätscht, aber dich als Person kennen wir noch nicht so richtig. Wieso geht jemand, der halbwegs vernünftig ist, in die Politik?

Ich bin seit 15 Jahren bei Bündnis 90/Die Grünen Mitglied. Es gab kein Erweckungserlebnis.  Ich kam nach dem Abitur dazu.  Ich habe mich gefragt: ‚was mache ich jetzt’? Da habe ich gedacht: Du musst irgendetwas tun, was einen Sinn ergibt. Das hat mich zu den Grünen gebracht. Das war  die einzige Partei, die in Frage kam. Allein wegen meiner Biografie. Ich komme aus Rumänien und bin in Münster gelandet. Ich konnte eigentlich gut Deutsch. Das sollte da eigentlich gut ankommen. Fand ich zumindest. Doch irgendwie war ich eine Mischung aus Ausländer und Streber und das war in der Grundschule die schlimmste Mischung, die man sein konnte. Mit anderen Worten: Bei den Konservativen fand ich nicht so richtig mein zu Hause. Und bei den Grünen fand ich es schon.

Du bist die einzige Person, die den Flughafen von Anfang an mit betreut hat und sagt: So wird das nicht funktionieren. Hast Du das öfter, dass du denkst: ‚Ich habs euch doch gesagt?’

Nee, das ist ein Wesenszug, der mir tatsächlich fremd ist. Und eins muss man zum Flughafen sagen: Die Grünen wollten den Flughafen in Schönefeld schon immer. Ein zentraler Flughafen ist genau das Richtige. Auch mit dem Gedanken, dass wir die innerstädtischen Flughäfen schließen. Aber dann war es tatsächlich erstaunlich, wie alle es geschafft haben – und daran waren die Grünen wahrlich nicht beteiligt – diesen Flughafen zu Schrott zu fahren.  Ich finde es wirklich erschreckend, welches Ausmaß an Missmanagement, Inkompetenz und Tunnelblick da zu Tage befördert wird. Wenn  jetzt bekannt wird, dass sie nicht mal wissen, ob der Flughafen in ein oder zwei Jahren eröffnet werden kann, frage ich mich, was da im Juni 2012 überhaupt eröffnet werden sollte. Jetzt gibt es endlich Mängellisten – aber bei der letzten Verschiebung war den Verantwortlichen selbst unklar, was eigentlich das Problem ist. Sie wussten nur, dass es irgendwo in den Wänden und in den Decken liegt. Wertvolle Zeit ist jedoch seit Mai 2012 vertan worden.

Was läuft in Berlin allgemein schief?

Wir sind ja alle Berliner. Und mir tut es mittlerweile weh, zu hören: ‚Berlin kann es nicht.’ BER-Witze haben republikweit Konjunktur. Das finde ich wirklich schmerzhaft. Es ist eben genau dieses Bild, das Berlin damals geprägt hat: Lebt auf Kosten anderer, misswirtschaftet und versenkt wie bei der Bankgesellschaft. Und dann hoffte man auf einen Mentalitätswechsel, mit dem Wowereit ja antrat, und nun endet seine Karriere genau da, wo sie angefangen hat: im Bausumpf.

Man merkt, dass sich die Berliner Politik zu wenig weiter bewegt hat. Die Stadt ist ja schon viel weiter, aber ihre Regierung hängt ihr immer hinterher.

Sich da hinzubewegen, zu einer anderen Art von Politik, muss das Ziel sein. Und eben nicht in dem zu versinken, von dem alle sagen ‚typisch Berlin’, sondern zu zeigen, dass Berlin anders ist und Berlin auch anders mit seinem Potenzial umgehen kann. Das ist die eigentliche Frage, um das Morgen zu gestalten.

Ich habe das Gefühl, die Regierung passt nicht mehr zur Stadt. Ich glaube an eine andere Art von Politik, die auf Kommunikation und auf Dialog setzt, die eben nicht mauert und sagt: Wir machen das schon, wir wissen schon, wie das geht. Und bitte redet uns nicht rein, ihr hier alle die ihr hier sitzt. Das Wichtigste ist, Potenziale zu nutzen und gemeinsam etwas nach vorne zu bringen. Hier bei AusserGewöhnlich Berlin gibt es Leute von der Club Comission bis zur Industrie. Die Politik muss das  auf- und mitnehmen und dankbar sein, dass so viele mitmachen wollen.

Was würdest du machen, wenn du regierende Bürgermeisterin wärst?

Ich würde mich gar nicht so sehr als Chefin vom ‚Janzen’ begreifen, sondern erst in die Stadt hinein gehen und sehen, was machen wir jetzt miteinander? Politik kann sich nicht mehr begreifen als: „Wir sitzen im Roten Rathaus, wir machen für euch die Politik und ihr seid die Dankbaren, ihr müsst das bitte annehmen.“ Sondern ich möchte mit der Stadt zusammen etwas gestalten.

Ganz persönlich möchte ich etwas in der Bildungspolitik verändern. Wir haben eine riesige Chance: In den nächsten fünf bis sechs  Jahren gehen jeweils über 1000 Berliner Lehrerinnen und Lehrer in den Ruhestand. Jetzt haben wir die Möglichkeit, ganz viele junge, engagierte Lehrer in die Berliner Schulen zu bekommen. Bei allen Struktur-Diskussionen kommt es doch letztlich immer auf die Menschen in den Institutionen an. Wenn wir diesen Übergang richtig hinbekommen, wäre das viel Wert.

Was hält dich in Berlin? In diesem Sumpf?

Berlin ist ja so viel anderes. Und ich glaube, wir sind gerade in einer sehr wichtigen Phase. Ich zitiere das Magazin Zitty: ‚Berlin wird erwachsen’. Das ist interessant, spannend. In Berlin verändert sich etwas. Die Veränderung muss zum Guten gestaltet werden. Aus der Kultur findet z.B. gerade ein großer Exodus, ein Ausfluten statt – man denke an die internationale Tanzszene.

Es ist verpasst worden, diese Änderung zu gestalten oder besser gesagt: Sie ist vom Senat zum Schaden der Stadt beeinflusst worden. Man darf die Grundfesten der Stadt, wie es die Kultur eine ist, nicht erschüttern. Jetzt können wir den anderen zeigen: Wir können viel mehr, wir können das Ansehen der Stadt wiederherstellen.

Was ist deine Meinung zum Länderfinanzausgleich?

Die Klage von Bayern und Hessen wird keinen Erfolg haben. 2019 läuft der Länderfinanzausgleich, wie er in heutiger Form besteht, aus. Berlin ist Hauptnutznießer,  bekommt glaube ich drei bis vier Milliarden Euro. Es wird folgendes passieren: Nach der Bundestagswahl wird es eine Föderalismusreformkommission III geben.

Ich würde mir wünschen, dass in dieser Kommission für Berlin nicht jemand sitzt, der so vorbelastet ist wie Klaus Wowereit. Ich bin mir nicht sicher, dass er die Interessen Berlins in dieser Diskussion gut vertreten kann. Und parallel wünsche ich mir, dass wir unseren Haushalt in den Griff bekommen und zeigen, dass wir das können.

Schafft es die Koalition die Legislaturperiode zu überleben?

Da wage ich nicht wirklich eine Prognose. Als die Große Koalition gewählt wurde, dachte ich: Das wird langweilig. Es wurde alles andere als langweilig. Und nachdem mehrere Senatorinnen und Senatoren abhanden gekommen waren, hab ich nur gedacht: Hätte sich das eine Regierung mit Grüner Spitze erlaubt, hätten die uns aus dem Amt gejagt als unfähige Dilettanten. Ich sag jetzt mal ein bisschen spitz: Wir werden zeigen, dass wir es anders machen.

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