Launch Pornceptual Magazin in der Humboldt-Box

Launch des Pornceptual Magazins Nr. 3 ©Giada Armani

Freiheit und Rebellion – Friedrich der Große hätte Pornceptual geliebt

Das Berliner Kunstprojekt Pornceptual ist mit einer internationalen Partyreihe und einem eigenen Magazin eine Erinnerung an die Werte, die Berlin weltweit zum Sehnsuchtsort gemacht haben: Freiheit, Grenzenlosigkeit und ein rebellischer Geist. Wir zeigen exklusive Bilder vom Magazin-Launch in der ehrwürdigen Humboldt-Box Unter den Linden.

Das heutige Berlin wurde in den 90ern geboren: Aus Partys in leeren Fabrikhallen, temporären Clubs und wilden Kunstprojekten erwuchs eine kreative Weltstadt, die Hunderttausende junge Menschen aus der ganzen Welt magisch anzog: Modedesigner, Musiker, Veranstalter, Künstler – Verrückte, Visionäre und Querdenker kamen nach Berlin und ließen hier ihre Ideen Wirklichkeit werden.
Aus diesem kreativen Chaos spross eine neue Wirtschaft, die das neue Berlin inzwischen ausmacht: die Creative Industries.

Erotic Art: Pornceptual Berlin

Porncepual Magazine Launch in der Humboldt-Box Berlin ©Giada Armani

Heute ist Berlin Europas neue Boomtown.
Die Start Up-Szene expandiert, die Immobilienbranche investiert, das Wirtschaftswachstum explodiert.

Es gibt immer mehr internationale Unternehmen, immer mehr gute Restaurants, immer mehr gut bezahlte Jobs.

Aber immer weniger Partys in leeren Fabriken:

Latex auf der Bühne: Pornceptual

Das bunte wild Berlin: Pornceptual ©Giada Armani

Wo früher illegale Bars wie das „Sabor da Favela“ im Keller eines kriegsbeschädigten Hauses oder Clubs wie das WMF (auch im Keller, mit Schrottautos dekoriert und improvisierten Unisex-Steh-Toiletten) waren, stehen jetzt Bürogebäude und das Kommunikationsmuseum.
Wo im besetzten Abrisshaus „Im Eimer“ Berlins Freiheit gefeiert wurde, kann man heute schick asiatisch essen gehen.

Ein neuer Konservatismus greift um sich. Unsere Stadt, in der Freiheit immer schon der tragende Grundwert war, wird im Geiste immer enger: Mit der internationalen Start-Up Szene und dem neuen globalen Geld zieht auch die Intoleranz in unsere Stadt.
Das aussergewöhnliche Berlin wird jeden Tag ein wenig gewöhnlicher.
Was würde der Urvater der Berliner Toleranz-Kultur dazu sagen?
Friedrich der Große meinte am 22. Juni 1740 über sein Berlin: „Hier muss ein jeder nach seiner Façon selich werden“. Er lehnte Engstirnigkeit und Intoleranz vehement ab. Und er war keiner guten Party abgeneigt, vor allem, wenn junge, schöne Männer dabei waren.

Deshalb hätte ihm wohl auch Pornceptual gefallen.
Dieses Gesamtkunstwerk kämpft dafür, den Berliner Geist immer noch lebendig zu halten.

Pornceptual ist nichts für zarte Seelen

Nackte Haut, Luftballons und eine Bühne: Pornceptual Berlin ©Giada Armani

Die Pornceptual Partys sind die Renaissance der 90er Jahre, als das neue Berlin noch jung und wild war.

Und das Pornceptual Magazine ist die Kampfansage an das konservative Boomtown-Berlin.

Das Künstler-Kollektiv um Raquel Fedato und Chris Phillips zeigen, dass Berlin noch da ist. Die Pornceptual Partys sind die Rückeroberung von Berlins Mitte durch die bunte, wilde Berlin-Bohème – die inzwischen internationaler ist (Fedato und Phillips kommen aus Brasilien) und professioneller als ihre Gründungsväter und -Mütter aus den 90ern. Die Partys finden konsequenterweise nicht nur in Berlin statt, sondern auch in New York, Stockholm oder Sao Paulo.

Aber diese neue Bohème ist auch radikaler: die Pornceptual Nächte sind nichts für Anfänger und zarte Seelen. Und klaustrophobisch sollte man auch nicht sein.

Queer und Erotisch: Pornceptual

Berliner Seelen zum Magazin Launch von Pornceptual ©Giada Armani

Wer wissen will, wie sich die neue Berliner Revolution anfühlt, sollte sich dem Universum von Raquel, Chris und ihren Freunden deshalb über das Magazin annähern.

Das Pornceptual-Magazin ist der Mittelfinger aus Berlin gegen die Mainstream-Kunst der Instagram-Epoche.

Mit Fotostrecken und Interviews feuert das Werk Kunst ohne Grenzen und Ängste in Richtung der No Nipple-Kultur einer verschüchterten Zensur-Generation.
Und wer bisher zweifelte, der weiß, nachdem er die letzte Seite des Pornceptual-Magazins umgeblättert hat, dass Porno doch die Lösung sein kann.
Denn Kunst muss provozieren, vor allem, wenn sie Gesellschaft verändern will.

Und Kunst ist es definitiv, was dieses internationale Berlin-Kollektiv da präsentiert. Kunst mit Welt-Niveau. Pornceptual ist einer der Gründe, weshalb unsere Stadt bis heute den Vergleich mit anderen Kultur-Weltstädten nicht scheuen muss. Wir sind ärmer als andere, aber auch mutiger.

Latex, Pornceptual

Latex Performance zur Pornceptual ©Giada Armani

Der beste Beweis war der Launch des letzten Pornceptual Magazins direkt im Auge des Sturms: In der Humboldt-Box Unter den Linden – dem Showroom des Humboldtforums, dem neuen alten Schloss. Fast hätte dieses temporäre Gebäude, wenn es in einem Jahr abgerissen wird, keine relevanten Spuren hinterlassen. Es kam, war da und verschwand wieder, ohne einen wirklichen Beitrag zu Berlins Geschichte und Kultur beigetragen zu haben.

Durch Pornceptual kann die Humboldt-Box nun stolz sein, in einer Reihe mit Legenden wie dem WMF, dem Sabor da Favela oder dem Eimer genannt zu werden. Denn hier wurde einen Abend lang die Freiheit Berlins zelebriert: Hier wurde das Pornceptual Magazin Nr.3 mit zahlreichen Performances veröffentlicht. Performances, die so viele Grenzen überschritten, dass unser Friedrich, der Große, stolz darauf gewesen wäre.

Berlins Mitte ist noch nicht verloren. Dank an einige mutige junge Menschen, die nicht den gewöhnlichen Weg wählen.

Wer ein Exemplar dieses historischen Druckwerks sein eigen nennen möchte, kann das Pornceptual Magazin hier bestellen.

Wer noch mehr zum Thema lesen möchte, schaut hier: Happy Porn, Berlin!

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