ms.litto beim Paste up Festival

ms.litto ©Paste-Up Festival

Wie wir den Populismus stoppen – Salon bei CORRECTIV

Die AusserGewöhnlichen Berliner beim Salon bei CORRECTIV, dem ersten gemeinnützigen Recherchezentrum Deutschlands.

Habt ihr von Cum-Ex, dem größten Steuerraub Europas gehört? Von den Initiativen „Wem gehört Berlin?“ und „Wem gehört Hamburg?“. Das alles sind Recherchen aus der Hand von CORRECTIV, dem ersten gemeinnützigen Recherchezentrum Deutschlands.

CORRECTIV besteht aus einem Team von fast 40 Mitarbeitern, die aus Büros in Essen und Berlin heraus, investigativen Journalismus betreiben, um Missstände in unserer Gesellschaft aufzudecken. Sie machten den größten Steuerraub Europas öffentlich – zeigten wie 55 Milliarden aus unseren Steuerkassen geklaut wurden. Und Sie finden heraus, wem die Häuser in der Hauptstadt eigentlich gehören. Die Journalisten von CORRECTIV sind die Kinder des Humanismus im Geiste der Aufklärung.

Wir haben uns zum Salon bei CORRECTIV getroffen. Simon Kretschmer, Geschäftsführer von CORRECTIV, hat uns eingeladen.

Simon Kretschmer beim Salon bei CORRECTIV – Dies sind Auszüge aus seiner Begrüßungsrede vor den Aussergewöhnlichen Berlinern.

Ich habe jeden Tag den Eindruck, dass irgendetwas in der Gesellschaft nicht mehr richtig funktioniert. Kennt ihr das Gefühl? Irgendwas steht auf dem Kopf. Wir haben seit über 70 Jahren Frieden, Europa bringt so viele Vorteile, wir haben Wohlstand geschaffen und doch.

Trump. Der Brexit. Fake News Kampagnen. Brasiliens neuer Präsident, Ungarn, Türkei oder China – eine Autokratie in Verbindung mit Hochtechnologie. Wie konnte das alles passieren?


In Deutschland haben wir das Thema auch und es wird immer lauter: Populismus und Desinformationen werden jeden Tag normaler und sind eine Gefahr für unsere Demokratie.

Diese Entwicklungen, diese Triebkräfte sind enorm geworden. Und das könnte in Kombination mit den technologischen Plattformen, eine Dimension mit sich bringen, die wir uns noch gar nicht vorstellen können.

Was wir dagegen tun können.

Aus unserer Perspektive gibt es eine klare Antwort darauf. Die Antwort liegt in der Zivilgesellschaft, in den Bürgern und in den entsprechenden Institutionen sowie starken und unabhängigen Medien. Die Bürger müssen im Mittelpunkt stehen, sie müssen etwas gegen dieses Entwicklungen tun. Aber sie müssen auch befähigt werden, das zu tun.

Und das ist unser Ansatz: Wir sind keine klassische Medienorganisation. Wir sind eine Bildungs- und journalistische Organisation, die nachhaltig positive Veränderungen für die Bürger bewirken möchte. Wir klären auf, wir beteiligen die Bürger und wir bilden sie weiter – Partizipation und Empowerment ist unser Gedanke.

Das Ziel.

Die Bürger sollen gestärkt werden und selbst erkennen, von wem sie wie und durch was beeinflusst werden. Der Bürger erkennt quasi selbst, was Fake News sind.


Unser Ansatz ist neu. Wir haben vor vier Jahren, den gemeinnützigen Journalismus in Deutschland entwickelt. Und neben dem privatwirtschaftlichen, werbegetriebenen Geschäft und dem öffentlich-rechtlichen, teilweise politisch beeinflussten Geschäft, eine dritte Säule aufgemacht. Wir arbeiten für die Gesellschaft. Wir stehen in der Mitte der Gesellschaft. Wir stehen für Maß und Mitte.

Denn eigentlich ist es die großartigste Zeit für den Journalismus. Man kann Menschen viel besser erreichen und man darf den Populisten das Feld nicht überlassen.

Die Umsetzung.

Das beste Beispiel ist die Reporterfabrik. Das ist eine Web-Akademie, um Journalisten und interessierte Bürger sowie Schüler auszubilden. Es gibt verschiedene Workshops, in denen man das journalistische Handwerk lernen kann, da dies inzwischen zur Allgemeinbildung gehört. Mit Dozenten wie Günther Jauch, Giovanni Di Lorenzo, etc. Es geht um Medienkompetenzvermittlung. Wie schreibe ich besser, wie hinterfrage ich, wie recherchiere ich? Jeder braucht heute die Kompetenz eines Journalisten, um gegen Populismus und Fake News gewappnet zu sein und um besser kommunizieren zu können.

Die Finanzierung.

Wir arbeiten unabhängig. Finanziert durch Spenden von Bürgern und Stiftungen.

Knapp 60 AusserGewöhnlichen waren beim Salon bei CORRECTIV.

Viele Themen bewegen die AusserGewöhnlichen Berliner. Deswegen war die Salonfragen bei CORRECTIV:

Welche Themen sollten unbedingt mal recherchiert werden?

Hier sind die 12 Antworten der AusserGewöhnlichen Berliner beim Salon bei CORRECTIV:

1.) Politik: Ich möchte die Politik näher beleuchten. Wohin fließt das Geld in der Politik? Und wer steckt eigentlich hinter den diversen Lobbies?

2.) K.O.-Tropfen: Mir geht es um den K.O.-Tropfen Skandal. K.O.-Tropfen gibt es teilweise frei verkäuflich als Industriereiniger. Keiner redet darüber. Und regelmäßig werden Männer und Frauen damit ausgeknockt und landen irgendwo ausgeraubt oder missbraucht mit einem Blackout. Mein Team soll
diese Sache näher beleuchten.

3.) Datenmissbrauch: Mein Thema ist die Veröffentlichung von Daten: Was wird an Daten nicht veröffentlicht, obwohl es allgemeingültige Daten sind? Welche Interessengruppen sorgen dafür, dass gewisse Informationen nicht veröffentlicht werden?

4.) Kakao-Skandal: Deutschland ist Marktführer im Kakaoimport und Schokoladenexport. Und daher der Hauptverbrecher, wenn es um Kinderarbeit, Ausbeutung etc. im Kakaohandel angeht. Ich möchte wissen, wo die Kakaobohne in der Schokolade herkommt. Der größte Hersteller Valrhona in Frankreich gibt darauf keine Antwort.

5.) AFD: Wie sind die europäischen Netzwerke der Rechten rund um die AFD aufgebaut?

6.) Russland: Schwerpunkt russische Fake News und Propaganda-Trolle. Beeinflusst das die europäischen Wahlen oder nicht? Wie können Gesellschaft und Medien gegen diese Aktionen vorgehen? Ich wünsche mir Empfehlungen für die Medien- und Nachrichtenkonsumenten.

7.) Krankenkasse: Was passiert exakt mit unseren Krankenkassenbeiträgen?

8.) Politik: Ich möchte Transparenz in der Politik. Da sollte mal ein Fact-Check gemacht werden: Wann hat welche Partei gesagt, für was sie sich einsetzen will? Und was davon hat sie wirklich wie umgesetzt?

9.) Pflege: Es gibt die 24 Stunden Betreuung. Osteuropäische Pflegekräfte leben in verschiedenen Rhythmen in einer deutschen Familie und kümmern sich um die Betroffenen. Das ist eine tolle Vorstellung. Es braucht keinen stationären Aufenthalt und die Betroffenen leben in den Familien. Aber was macht das mit den europäischen Hilfskräften, die ihre Kinder an die Großeltern abgeben müssen?

10.) Kulturelle Minderheiten: Ich wünsche mir eine Liste mit allen Minoritäten mit ihren jeweiligen Problemen, Länderzugehörigkeiten, Bedürfnissen und Konflikten.

11.) Menschenhandel: Ich würde den modernen Menschenhandel näher beleuchten. Das passiert in Wien und Berlin, z.B. am Tiergarten oder in der Kurfürstenstraße. Was steckt dahinter, wie kann das sein und wie kann man dagegen vorgehen?

12.) Verkehrswende: Die Verkehrswende und der Diesel beschäftigt viele Menschen. Alle Medien berichten unterschiedlich darüber. Ich hätte gerne mal alle Fakten auf einem Tisch.

Es gibt viele Themen, die unsere Gesellschaft bewegen. Das wird beim Salon bei CORRECTIV deutlich.

Vor allem geht es um eines: Es geht um eine faktenbasierte Wahrheit, ein Wert, der in Berlin unbedingt gefordert wird.

Es sollte viel mehr Menschen geben, die sich für Transparenz und Wahrheit einsetzen.

Wir sind stolz, CORRECTIV in unserem Netzwerk zu haben.

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