Djadda Hamid

Djadda Hamid

Die Avus-Tribüne, Ohde Marzipan und ein sehr Berliner Visionär

Very Berlin: Warum jemand die Avus-Tribüne kauft, gleichzeitig eine Marzipan-Fabrik in Neukölln aufbaut und dann eine Stiftung gründet. Hamid Djadda im Interview.

Guten Tag, Herr Djadda. Wir haben Sie beim Salon von AusserGewöhnlich Berlin im legendären House of Tales kennengelernt. Sie machen so viele verschiedene Sachen und sind dabei extrem erfolgreich. Sie sind ein Unternehmer der alten Schule. Erzählen Sie uns von Ihrem Werdegang!
Ich bin damals mit meinen Eltern aus dem Iran nach Hamburg gekommen. Da war ich 4 Jahre alt. Und bis zu meinem Abitur, dass ich mit Ach und Krach bestanden habe, bin ich in der Hansestadt geblieben.

Nach dem Abi bin ich in die große weite Welt: in die USA, um Business Economics zu studieren. Bleiben wollte ich dort nicht, also ging es zurück nach Deutschland und dort habe ich eine Kristallglasfabrik gegründet. 1988 habe ich diese dann nach Thailand ausgelagert.

Die letzten 22 Jahre durfte ich also in Thailand wohnen. Seit fünf Jahren bin ich wieder in Deutschland.

In Ihrer Brust schlagen also 3 Herzen? Je eins für Deutschland, den Iran und Thailand?
(lacht) Ja, so ungefähr. Obwohl ich zugeben muss, dass mich am meisten mit Deutschland und Thailand verbindet. Dort habe ich die meiste Lebenszeit verbracht.

Was sind Ihrer Meinung nach 3 jeweils besondere Merkmale dieser Kulturen und Menschen?
Was mir an Thailand gut gefällt, ist die Bescheidenheit. Es ist ein sehr armes Land, aber die Menschen sind zufrieden und fröhlich. Sie sind nicht neugierig oder eifersüchtig.

Nicht neugierig?
Damit meine ich, dass man dort nicht neugierig den Nachbarn beäugt, oder aus Neugier durchs Schlüsselloch linst. Man ist weniger neidisch dort.

Ist das in Deutschland anders?
In Deutschland ist das mittelmäßig. Ganz extrem ist es im Iran, da ist der soziale Neid doch sehr groß.

Was können Sie mir positives über den Iran oder die persische Kultur sagen?
Oh, da wäre die Liste lang. Die Iraner sind sehr warm. Das ist etwas, das mir in Deutschland manchmal fehlt. Aber ich habe ja das Glück, dass ich mir das jeweils positive aus den Kulturen ziehen kann (lacht). Und wissen Sie, es sind ja alles Verallgemeinerungen.

Sie nehmen sich das Beste aus den drei Kulturen mit, aber sicher nicht die thailändische Genügsamkeit oder Zufriedenheit. Sie machen immer mehr und immer weiter…
… (lacht), ja Ohde Marzipan wurde erst vor 6 Monaten gegründet.

 

Und die Avus-Tribüne haben Sie auch gerade gekauft.
Ja, genau. Und die Blechschild Manufaktur.

Avus Tribune

Avus Tribune

Dann möchten Sie noch ein Café machen?
Ja, auch das noch. Wissen Sie, es hat doch etwas mit der Zufriedenheit zu tun, die ich bei den Menschen in Thailand erlebt habe. Ich habe hier in Deutschland etwas geschafft und nun möchte ich etwas zurückgeben.

Ich will nicht immer nur mehr Geld verdienen, ich will damit auch etwas machen. Mit Ohde Marzipan verdiene ich kein Geld.

Nicht einen Cent. 51% der Gewinne gehen an eine Stiftung, die Ohde Stiftung. Und diese Stiftung soll dann eine Schule in Neukölln, dem Standort von Ohde Marzipan, unterstützen.

Wissen Sie schon welche Schule das sein wird?
Nein, das eruieren wir gerade. Zuerst einmal müssen wir mit den Schulen sprechen, ob die das überhaupt möchten.

Welche Projekte möchten Sie umsetzen?
Das ist etwas, dass wir mit der Schulleitung besprechen müssen. Die sind vor Ort und wissen, woran es mangelt und können bestimmen, was gebraucht wird. Zum jetzigen Punkt kann ich noch gar nichts genaues dazu sagen.

War Herr Muk ein Vorbild für Sie?
Ja, natürlich! Der ist mit im Boot und muss jetzt mitschwimmen lacht).

Aber um noch einmal auf das „Mehr und noch mehr“ zurückzukommen:

So ist das bei Ohde Marzipan eben nicht. Da geht es zum einen Teil um Profitmaximierung. Dann ist da die andere Seite.

Wir produzieren in Neukölln, da gibt es Probleme. Ich kann nicht zusehen und sagen, löst eure Probleme alleine. Daher kam die Idee.

Und die Idee ist so gut! Wir wollen eine Firma, die Gewinne erwirtschaftet. Die fließen in die Stiftung, die so regelmäßige Einnahmen hat. Wir müssen also nicht betteln gehen. Das ist auch ganz gut.

Warum machen Sie all das? Sie sind an einem Punkt in Ihrer Karriere, an dem Sie sich zurücklehnen könnten und, sagen wir, Zeit mit der Familie verbringen könnten.

Ja klar. Ich könnte auf Ibiza leben und in meinem Geld schwimmen (lacht). Aber ich will ja mehr als das.


OHDE Marzipan

Ich bin nicht der erste, der etwas in Richtung Stiftungsgründung macht. Ich folge dem Beispiel von anderen Leuten. Es ging mir immer darum, der Gesellschaft etwas zurück zu geben.

Haben Sie Vorbilder?
Wen ich sehr bewundere, ist Warren Buffet. Der hat einen Großteil seines Vermögens an eine Stiftung gegeben. An die Stiftung seines Freundes Bill Gates. Diese Stiftung macht im Großen, was ich hier in ganz kleinem Rahmen mache.

Sollten sich Unternehmen grundsätzlich mehr sozial engagieren oder ist das nicht Aufgabe des Staates?
Ja, auf jeden Fall sollten Unternehmen das tun.

Ich habe das Glück, mir das leisten zu können, was ich gerade mit Ohde Marzipan mache. Würde ich ständig ackern müssen und würden die anderen Firmen nicht gut laufen, könnte ich all das nicht tun.

Als Unternehmer muss man sich der Position bewusst sein, die man innehat. Man hat das Geld und die Macht. Die Probleme in der Gesellschaft häufen sich. Das sind Probleme, die seit Jahrzehnten nicht gelöst worden sind. Von der Politik nicht. Von der Gesellschaft nicht. Vom Unternehmertum nicht. Die Schere zwischen arm und reich wird immer größer. Die Reichen werden immer reicher, die Armen ärmer.

Wenn wir da nicht alle anfangen, mitzuhelfen, dann wird das immer so bleiben. Der Kreis muss durchbrochen werden. Es ist schon gut, wenn Leute sich engagieren. Und das muss ja nicht nur Geld sein. Man kann ja auch Zeit schenken. Wenn man kein Geld hat, dann kann man beispielsweise eine Stunde die Woche Zeit mit jemanden verbringen und Sprache unterrichten.

Die Reichen werden immer reicher, die Armen ärmer.


Die Schere geht immer weiter auseinander. Die Mittelschicht, die so unglaublich wichtig ist für eine Gesellschaft, hat die größten Probleme.

Haben nicht die armen Menschen in Deutschland die größten Probleme?
Meiner Meinung nach nicht. Sehen Sie, den Armen hier in Deutschland wird sehr geholfen. Die Wohnung wird gezahlt, sie müssen für Arztbesuche nichts bezahlen. Wenn man in die Welt schaut, geht es den Armen in Deutschland gut. Ich sage damit nicht, dass es erstrebenswert ist, arm zu sein. Aber arm sein bedeutet hier nicht, dass man obdachlos ist und an Unterversorgung stirbt.

Wer hier in Deutschland Probleme hat, sind die Menschen im Mittelfeld. Die Mieten steigen enorm und die Gehälter steigen eigentlich gar nicht. Zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben. Und somit gibt es ein Riesenproblem.

Diese Ungerechtigkeiten kann die Politik nicht lösen.

Es ist aber auch nicht damit geholfen, dass ich jetzt weniger verdienen will, damit es gerechter wird. Was ich machen kann, ist, etwas zurück zu geben.


Aber das ist eine persönliche Entscheidung. Das macht jeder Unternehmer mit sich selbst aus. Er muss das nicht tun.

Ja klar, aber man könnte in dem Kreis, in dem Sie sich bewegen, deutlich kommunizieren, dass das Ihre Haltung ist und Sie das gerne auch bei anderen sehen möchten.
Ja, das sehe ich auch so. Ich will da auch Vorbild für andere sein und zeigen, dass das geht.

Ohde Marzipan ist ja ein eher kleines Unternehmen. Es könnte ein Dominoeffekt sein.

Wenn es funktioniert und das andere Leute mitkriegen, sehen sie, dass es eine gute Idee ist. Die Ohde-Stiftung soll ein gutes Vorbild sein.

Sie haben Abitur in Hamburg gemacht, dann sind Sie nach Thailand gegangen, was haben Sie da gemacht?
Ich habe die Kristallglas-Fabrik von Deutschland nach Thailand verlagert. Vor 5 Jahren bin ich nach Deutschland zurückgekehrt und dann hat das mit den Immobilien angefangen. Die Avus-Tribüne habe ich seit knapp 2 Jahren und seit 5 Monaten gibt es Ohde Marzipan.

Das sind ja alles sehr unterschiedliche Bereiche, wie kommt das? Sind sie so ruhelos?
Ich mag es einfach, verschiedene Sachen zu machen. Eine einzige Sache zu machen würde mich langweilen. Das sind alles spannende Projekte. Die Avus ist eine Herausforderung. 20 Jahre lang wurde dort nichts gemacht und alles rottete vor sich hin. Die Avus ist ja kein typisches Projekt.

Ein normaler Immobilienkaufmann hätte das gar nicht gemacht. Da muss man ja erst mal eine Idee haben, was man mit dem Ding machen könnte.

Und, haben Sie eine Idee?
Ja, haben wir. Erst mal wollen wir die Räume unter der Tribüne nutzen. Jetzt sind wir mal gespannt, wer das mieten möchte. Davon hängt dann die nächste Entwicklung ab. Die Kanzel selber wird verglast und soll ein Eventraum werden.  (Mehr infos dazu hier)

Wie waren Sie in der Schule?
Stockfaul und schlecht. Ich bin immer geradeso am Sitzenbleiben vorbeigerutscht. Immerhin habe ich das Abitur geschafft. An der Uni war ich dann auf einmal einer der besten. Das hat mich dann interessiert. Ich habe Business Economics studiert.

Was sind Ihre Stärken, was ist das Besondere an Ihnen?
Ich bin kreativ, ich komme auf Ideen. Ich kann so Probleme lösen.

Probleme zu lösen ist meine Stärke, das habe ich schon immer gemacht. Dazu kommt, dass ich Dinge analytisch und ohne Emotion bewerten kann. Diese Kombi ist gut fürs Geschäft.


Wo bleibt denn da der Iraner?
(lacht) Den habe ich zum größten Teil zum Glück abgestellt.

Möchten Sie zum Schluss noch etwas sagen?
Zu Ohde Marzipan etwas: Ich möchte zeigen, wenn man sich mal zusammenrauft, dann kann man durchaus etwas bewegen.

Ich will Ohde erfolgreich machen und so einen Kreis durchbrechen und bei der Bildung anfangen.

OHDE

OHDE Marzipan

Wenn Sie mehr zu Ohde Marzipan und Hamid Djadda erfahren möchten, schauen Sie HIER.

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