Harald Dittmar von der sys-pro GmbH bei einem Salon von AusserGewöhnlich Berlin

Harald Dittmar, Geschäftsführer der sys-pro GmbH, über NFC ©AusserGewöhnlich Berlin

Warum der moderne Ladendieb mit dem Smartphone bezahlt

Der AusserGewöhnliche Berliner Harald Dittmar, Geschäftsführer von sys-pro GmbH im Interview.

  • Der Dieb muss ganz genau wissen, wo Du deine Karte hast. Dort müsste er das Gerät davorhalten und das muss dann auch kurz an der Stelle bleiben. Mit einer Sekunde ist es nicht getan.
  • Was man machen kann, wenn man wirklich unsicher ist, dann packt man die Karte in Alufolie oder ein Täschchen wo Alufolie drin ist. Das schirmt ab.
  • Mit der Self-Checkout App muss ich im Laden nicht mehr an den Kassentresen gehen, um zu bezahlen. Ich kann so rausgehen. Der Laden weiß, dass das Produkt gekauft ist und die Rechnung wird mir aufs Handy … geschickt.

Neulich habe ich im Geschäft bezahlt, indem ich einfach die Kredit-Karte an das Lesegerät gehalten habe. Was ist dieses NFC eigentlich? 

NFC heißt Near Field Communication, auf Deutsch Nahfeldkommunikation und gehört zur RFID-Technologie (radio-frequency identification). Eigentlich ist das eine Datenübertragung über Funkwellen.

Beispielsweise wird NFC beim kontaktlosen Bezahlen genutzt.

Das heißt, Du hältst dein Smartphone an ein Gerät und das Geld wird über die Luft übertragen. Kein Bargeld, keine Karte durchziehen und trotzdem sehr sicher.

Quasi wie Morse nur in viel mehr Daten?

Genau. Fast jeder kennt Bluetooth, wo Daten zwischen Handys übertragen werden. Oder beispielsweise zwischen Smartphones und Lautsprechern. Das ist eine andere Technologie, aber so kann man sich zumindest vorstellen, wie die Daten übertragen werden.


Bei Bluetooth kann ich in den nächsten Raum gehen und es funktioniert noch. Bei NFC ist das Wort Near dran. Was heißt das?

Bei RFID gibt es ganz verschiedene Technologien, die Daten über unterschiedliche Entfernungen übertragen.

NFC ist die Kommunikation, die im RFID Umfeld am wenigstens Entfernung verträgt. Das ist ganz bewusst so. Bei dieser Frequenz dürfen die Geräte maximal einen Zentimeter voneinander entfernt sein.

Und wo sind da die Anwendungen? Eigentlich, will ich doch generell möglichst viel Entfernung, oder?

Nicht unbedingt. Wenn ich zum Beispiel an der Kasse bezahlen will, dann ist es wichtig, dass nur die Karte gelesen wird, von der Geld abgehoben werden soll. Und nicht auch noch die, von demjenigen, der davor oder dahinter steht.

Das ist das eine. NFC wird auch angewendet, wenn es um spezifische Informationen geht. Zum Beispiel, wenn man Daten direkt von A nach B übertragen will.

Oder wenn ich mir mit meinem Handy Informationen zu einem bestimmten Objekt abrufen will. Da wird noch viel kommen.

Zum Beispiel?

RFID im Allgemeinen wird seit 1970 für Tieridentifikation und seit 1989 für Zeiterfassungen und Zugangskontrollen genutzt. Außerdem für Wegfahrsperren in Autos und Reisepässe.

In der Zukunft dann wahrscheinlich für das Maut- und Parkraummanagement.

Dann muss man nie wieder Geld in den Parkautomaten werfen. Und bestimmt können wir unsere Produkte nachverfolgen. Dann können wir ganz genau sagen, wo unser T-Shirt oder die Salami herkommt.


Und wozu dann NFC?

Es werden immer mehr Objekte prophylaktisch mit sowas ausgerüstet. Besonders im Bereich Smart Home. Ich glaube mein Geschirrspüler hat sogar NFC und W-Lan. Ich kann damit Informationen speichern, abrufen und woanders hingeben.

Die Informationen werden mit einer sicheren Datenübertragung an den Punkt gebracht, wo sie gebraucht werden, damit ich dort Auswertungen machen und aus Daten Informationen generieren kann.

Das NFC ist also quasi die künstliche Verknappung, um nochmal Kontrolle und Sicherheit über meine Daten zu bekommen?

Genau. NFC wird genutzt, um Kontrolle und Sicherheit zu bekommen. Es geht darum, nur den zu kontaktieren, den ich kontaktieren will.


Das heißt, man wird in Zukunft alle wichtigen Dinge, wo private Informationen drauf sind, mit NFC ausstatten? Wie Geldkarten, Gesundheitskarten, Visitenkarten etc.?

Solche Visitenkarten kann man sogar schon bestellen. Die neuen Reisepässe oder Personalausweise haben das inzwischen auch schon.

Verdrängt NFC den QR Code?

Wahrscheinlich ja.

Aber der QR Code wird sicherlich immer noch auf den Produkten sein.

Es gab mal die Diskussion „Löst RFID den Barcode ab?“. Tut es nicht. Denn als Mensch kann ich so einen Chip ganz schwer auslesen. Ich könnte aber über einen Barcodescanner den Barcode auslesen. Bei NFC und dem QR Code wird das ähnlich sein.

Ein bisschen beängstigend ist das ja schon. Ich halte mein Handy oder die Karte in die Nähe von so einem Gerät und das Geld wird von meinem Konto abgehoben. Kann dann nicht ganz einfach mein Konto leergeräumt werden?

Normalerweise ist es so, dass Du ein Limit in deinem Konto festlegen kannst, wie viel Geld am Tag abgehoben werden darf.

Und ich muss bei der Übertragung keinen Geheimcode mehr eingeben?

Ja, das ist richtig. Hier gibt es aktuell Obergrenzen, die bei 25€ bis 50€ liegen. Das ist zusätzliche Sicherheit

Das heißt, wenn mich auf der Straße jemand anrempelt, kann er theoretisch mein Konto leeren, weil er kurz Kontakt hat und meine Karte auslesen kann?

Wie gesagt: Ein Zentimeter Abstand.

Der Dieb muss ganz genau wissen, wo Du deine Karte hast. Dort müsste er das Gerät davorhalten und das muss dann auch kurz an der Stelle bleiben. Mit einer Sekunde ist es nicht getan.


Ich kann nicht ausschließen, dass nicht doch jemand so einen Trick draufhat, aber diese Technologie ist durch kryptische Verfahren so sicher, dass man, nach heutigem Stand der Technik, nicht einfach vorbeigehen und das Konto abräumen kann. Es ist so verschlüsselt, dass es eine sehr sichere Verbindung ist. Da ist ein Magnetstreifen oder ein Chip auf einer Kreditkarte, viel unsicherer.

Wenn einen jemand auf der Straße einfach umarmt und nicht loslässt dann müsste man sich wahrscheinlich Gedanken machen.

(Lacht) Genau, sowas in der Richtung.

Wie kann man sich gegen Missbrauch schützen?

Was man machen kann, wenn man wirklich unsicher ist, dann packt man die Karte in Alufolie oder ein Täschchen wo Alufolie drin ist. Das schirmt ab.

Ansonsten muss man die Karte wie jede andere Bankkarte behandeln, nicht aus der Hand geben, nicht jedem seinen Pin erzählen usw.

Was denken Sie, wird NFC zum Alltag?

Ja. Vor einem Jahr konnten sich nur 53 % der Nutzer vorstellen, damit zu bezahlen. Ich denke inzwischen ist die Durchsetzungsrate besser. Das ist eine Frage der Gewöhnung. Am Anfang sind die Menschen vorsichtig und unsicher.


Vor 15 Jahren konnte sich auch noch keiner vorstellen, dass heute jeder einen kleinen Computer in der Tasche hat, der alles Mögliche mit einem machen kann und man mit ihm.

Deshalb denke ich, dass es zum Alltag wird. Kreditkarten wird es irgendwann nicht mehr geben und dann wird man das alles mit dem Handy machen.

Gibt es in Berlin RFID / NFC – Kompetenzen im Vergleich zu anderen Städten in Deutschland?

Ich glaube, dass sich die deutschen Städte nicht allzu viel nehmen.

Die einzelnen Städte tun sich an der Stelle ein bisschen schwer, weil es die kommunalen Strukturen sind, die das Thema einführen müssen. Was man eher sieht ist, dass sich Konzerne dafür einsetzen.

Tankstellen, Supermärkte oder Baumärkte machen durch RFID und NFC Einsparungen in der Technologie.

Es ist einfacher und die Geräte sind nicht mehr so anfällig, weil ich nichts mehr durchziehen muss. Da gehen keine Magnetstreifen und keine Goldplättchen kaputt.

Und wo sitzen die kompetentesten oder die aktivsten Firmen auf dem Gebiet? Wo ist das Silicon Valley der RFID?

Das ist über Deutschland ganz gut verteilt.

Wenn Du Lösungspartner meinst, dann sind wir sicherlich einer der aktivsten, hier in Deutschland. Zusammen mit unseren Partnern. Das NFC Thema machen wir mit verschiedenen Partnern, die dann zum Beispiel eine Self-Checkout-App bauen. Damit muss ich im Laden nicht mehr an den Kassentresen gehen, um zu bezahlen. Ich kann so rausgehen. Der Laden weiß, dass das Produkt gekauft ist und die Rechnung wird mir per PDF aufs Handy oder auf eine Mailadresse geschickt.

Ahja, das ist super. Schlange stehen ist die Hölle.

An der Stelle gibt es tatsächlich Untersuchungen.

40 Prozent mehr Menschen würden kaufen, wenn sie gleich an Ort und Stelle einen Haken dran machen könnten und nicht Schlange stehen müssen.


Leider gibt es noch nicht so viele Läden, die das so machen. Das ist noch in den Anfängen, aber ich denke, in 5 Jahren ist das normal.

Der moderne Ladendieb zahlt einfach mit seinem Handy.

HIER geht es zur sys-pro GmbH.

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