Dr. Ralf Kleinhenz spricht über die Zukunft der Messe Berlin

Dr. Ralf Kleinhenz von der Messe Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

280 Millionen Umsatz durch Chaos – Charakter

Dr. Ralf Kleinhenz von der Messe Berlin erzählt weshalb Messen und Kongresse in Zukunft anders sein werden und warum die Unfertigkeit Berlins so schön ist.

Herr Kleinhenz, wie steht Berlin im internationalen Messegeschäft da?

Ziemlich gut!

Im Jahr 2017 hat die Messe Berlin über 280 Millionen Euro Umsatz gemacht,

davon sind 70 Millionen auf das Gastgeschäft, also externe Veranstaltungen, zurückzuführen.

Damit sind wir eine der 10 größten Messegesellschaften weltweit und blicken auf über 10 Jahre Wachstum zurück. Wir haben hier über 100 Messen und Kongresse pro Jahr.

Die Messe Berlin befindet sich in der Nähe vom ZOB Berlin

Die Messe Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Besteht denn die Gefahr, dass Berlin an Attraktivität als Messe und Kongressstandort verliert?

Das glaube ich nicht. Berlin hatte bisher eine sehr lange Aufwärtsphase. Und ich sehe in den nächsten Jahren keine Umkehrung dieses Trends. Berlin hat einfach einen hervorragenden Ruf. Wenn die Berliner Innenschau betreiben, werden ja immer sehr gerne Sachen nach vorn gestellt, die nicht optimal sind. Wenn Sie aber von außen auf die Stadt schauen, dann ist Berlin nach wie vor extrem attraktiv. Je weiter Sie weg sind, desto besser wird der Ruf unserer Stadt.

In Berlin ist immer noch sehr vieles möglich, was es woanders nicht gibt. Das haben wir zum Beispiel letztes Jahr wieder mal mit dem Kunstprojekt „The Haus“ gezeigt.

Berlin ist unfertig – Berlin ist anders als der Rest Deutschlands, und das ist schön.


Der CityCube der Messe Berlin

Der CityCube gehört auch zur Messe Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Was tut denn die Messe Berlin dafür, dass Berlin weiter in der Championsleague im Messe und Kongressbereich mitspielt?

Wir tun alles dafür die starke Position des Messestandorts Berlins zu halten und weiter auszubauen – damit wir auch in Zukunft für Berlin Gastgeber von Top-Kongressen und Spitzenveranstaltungen bleiben.

Der CityCube ist eine der Messehallen der Messe Berlin

Der CityCube und die Halle 7 ©AusserGewöhnlich Berlin

Wir müssen dafür auf sich verändernde Rahmenbedingungen vorbereitet zu sein.

Zukünftig werden die Anforderungen an Flexibilität, technische Innovation, Service sowie Infrastruktur weiter steigen.

Wir als Messe Berlin müssen Trends antizipieren und der Entwicklung einen Schritt voraus sein.

In der Messehalle der Messe Berlin

Die Messe Berlin wird weiterentwickelt ©AusserGewöhnlich Berlin

Es geht um neue Messen und Kongresse für Zukunftsthemen, moderne Formate, innovative Geschäftsmodelle, digitale Angebote, internationale Präsenz und erneuerte Infrastruktur am Standort in Berlin.


Wir haben in diesen Bereichen bereits viel getan und wollen noch mehr tun, um Berlin weiterhin in der obersten Liga zu vertreten.

Was passiert denn schon konkret?

Ganz konkret bauen wir aus eigenen Mitteln mit dem hub27 derzeit eine neue, multifunktionale Veranstaltungshalle. Schon ab 2019 können wir erstens Dank der so entstehenden zusätzlichen Fläche bestehende Hallen im laufenden Betrieb modernisieren und so schrittweise das gesamte Gelände aufwerten. Gleichzeitig wird der hub27 unsere Leitmessen bereichern sowie zusätzliche hochkarätige Kongresse und Firmenevents beherbergen.

Messegelände Messe Berlin

Das Messegelände der Messe Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Übrigens gehen wir auch hier gleich neue, digitale Wege: Für unser Kunden wird der hub27 bald komplett virtuell begehbar sein. So können Interessenten vorab bereits sehr genau sehen, wie verschiedene Veranstaltungsszenarien in der Halle aussehen würden.

Die Messe versucht ja, noch strukturierter, noch professioneller und noch internationaler zu werden. Ist das nicht das Gegenteil von dem, was Berlin bisher so attraktiv gemacht hat? Arbeiten Sie nicht gerade an der Zerstörung dessen, was Berlin ausmacht?

Nein! Wenn man abends durch Berlin tingelt, erlebt man ja immer noch nicht die „Fertigkeit“, die andere Metropolen erleben.

Die Messe Berlin ist auch nicht fertig, so, wie Berlin.

Wir haben aber einen hohen Standard, wenn es um den Service geht. In diesem Spannungsverhältnis bewegen wir uns. Und das lässt sich auf Berlin übertragen:

Ein guter Gastgeber auf der einen Seite und auf der anderen der halbfertige Club, der nur drei Monate geöffnet ist. In Berlin erlebt man eben viele Widersprüche, die sich vordergründig ausschließen.


Dr. Ralf Kleinhenz spricht über unperfekte Gastgeber

Die Messe Berlin als perfekt unperfekter Gastgeber ©AusserGewöhnlich Berlin

Aber wenn man dahinter sieht, gehört das alles zu einem wunderbaren Gesamtensemble, das weltweit einen außergewöhnlichen Ruf genießt. Unsere Mission ist es, für unsere Kunden in dieser herrlich „unperfekten“ Stadt ein möglichst perfekter Gastgeber zu sein.

Sie sind einer der bestvernetzten, KnowHow-Träger dieser Stadt, wenn es um Kontakte zur internationalen Wirtschaft geht. Wie schaffen wir es, einerseits die Stadt zu entwickeln und andererseits die Unfertigkeit Berlins zu erhalten?

Die Unfertigkeit, die sukzessive weniger zu werden scheint, wird noch lange, mindestens bis in das nächste Jahrzehnt reichen. Die Atmosphäre der Unfertigkeit wird sich verändern, ja, aber dieser spezielle Berlin-Charakter, der auch was mit dem Zusammenwirken unterschiedlicher Kulturen zu tun hat, wird erhalten bleiben.

Welche sind eigentlich unsere größten Messen in Berlin?

Unsere großen Flaggschiffe sind IFA, ITB, Grüne Woche und Fruit Logistica. Alle zwei Jahre findet zudem die InnoTrans statt. Aber ein nicht unerheblicher Teil unserer Messen und Kongresse sind Gastveranstaltungen. Es ist uns übrigens besonders wichtig, dass sie als „Gastgeschäft“ und nicht als „Fremdgeschäft“, wie bei einigen anderen Messegesellschaften, bezeichnet werden.

Die Messe Berlin veranstalten mehr als 100 Messen und Kongresse im Jahr, Zugangspässe

Zugangspässe zu Veranstaltungen/ Messen der Messe Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Würden Sie sagen, dass sich die Messe Berlin mehr auf das Kongressgeschäft konzentriert als andere Messegesellschaften?

Alle haben jetzt erkannt, dass das Gastgeschäft ein sehr wichtiger Bestandteil des Messegeschäfts ist. Es gibt Messegesellschaften, wie das ExCeL in London oder das Pariser Messegelände am Porte des Versailles, die sich fast ausschließlich auf Gastveranstaltungen konzentrieren.

Wollen Sie noch etwas sagen?

Nochmal zum Thema Gastgeber: Wir sind sehr gerne Gastgeber für Veranstalter aus aller Welt hier auf dem Messegelände. Wir sind uns gleichzeitig bewusst, dass für die Besucher der Messe Berlin viele Berlinerinnen und Berliner – in den Hotels, Touristenattraktionen, Geschäften, Restaurants, Bars und Taxis – Gastgeber für unsere Gäste sind.

An dieser Stelle deshalb ein Dankeschön an alle, die gemeinsam mit uns Berlin zu einem attraktiven Gastgeber für Messen, Kongresse und andere Events machen.

Dr. Ralf Kleinhenz in einer der Messehallen der Messe Berlin

Dr. Ralf Kleinhenz im Interview mit AusserGewöhnlich Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Friedericke Helmchen und Alexander Wolf

Friedericke Helmchen (Messe Berlin) und Alexander Wolf (AusserGewöhnlich Berlin) im Gespräch ©AusserGewöhnlich Berlin

Friedericke Helmchen von der Messe Berlin ermöglichte das Interview

Das Interview wurde ermöglicht von Friedericke Helmchen von der Messe Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

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