Medien im Raum bei M Box

Martin Retschitzegger, Geschäftsführer von M Box ©AusserGewöhnlich Berlin

Berlins Technokultur machte Multimedia erst möglich

Martin Retschitzegger bringt mit seiner Firma M Box, Wirtschaftsgiganten wie Audi, Telekom und Mercedes an die Decke. Oder besser gesagt in den Raum.

  • Ich habe erst überlegt zu studieren und habe dann beschlossen: Ich kaufe mir einen Computer und bring’s mir selber bei. Drei Jahre später habe ich dann selbst unterrichtet, weil es niemanden gab, der sich besser auskannte.
  •  Räumliche mediale Inszenierungen haben durchaus auch seine Roots im Techno: Was hier in den neunziger Jahren in der Berliner Clubkultur durch audiovisuelle Bespielung entstanden ist, war wegbereitend.

Wie lange gibt es M Box schon? Du machst das doch sicher schon lange?

M Box gibt es seit 2000. Ich selbst arbeite im Bereich Multimedia seit etwa 25 Jahren.

Und wofür bucht man euch?

Im Prinzip kann man sagen:

Wir machen alles, was mit Medien im Raum zu tun hat.


Sagen wir mal, jemand möchte etwas visuell attraktiv präsentieren, zum Beispiel ein Produkt oder eine Firma. Dann machen wir die Umsetzung mit medialen Inszenierungen und interaktiven Installationen. Oft macht es auch Sinn, dass wir einen ganzen medialen Raum entwerfen.

Wenn eine Firma eine beeindruckende Produktpräsentation plant seid also Ihr gefragt?

Ja. Aber auch Agenturen kommen zu uns, wenn sie Ideen haben, aber bei der Umsetzung unsere Unterstützung brauchen.

Was ist denn überhaupt ein „medialer Raum“?

Ein medialer Raum ist ein Raum, der primär durch Medien definiert und in Szene gesetzt wird. Dazu ist meistens viel Technik nötig, wie Displays, LEDs, Sound und Projektionen.

Also zum Beispiel, wenn Informationen von einem Projektor auf eine Wand geworfen werden?

Ja, man kann sagen: Von Kunst bis Information ist alles dabei. Aber im Grunde ist alles räumliche Inszenierung. Wir arbeiten viel mit projection mapping. Audi hat auf einer Automesse für zwei Wochen einen Club gebaut. Über 30 Projektoren hatten wir um eine alte Kuppeldecke mit visuellen Effekten zu bespielen. Das ähnelt im Grunde den Lichteffekten in der Clubszene.

Woher kommt Multimedia überhaupt?

Als ich angefangen habe, konnte man das, was ich wollte, noch nicht auf der Kunsthochschule lernen. Ich wollte mit Computergraphik und bewegten Bildern arbeiten. Das war damals unmöglich. Die ganze Multimedia-Szene ist überhaupt erst in den 90’ern entstanden.

Und du hast dir alles selbst beigebracht?

Im Prinzip schon. Ich war Kellner. Ich habe mich gegen ein Studium entschieden und mir gesagt:

Ich kaufe mir einen Computer und bringe es mir lieber selber bei.


Ein Freund von mir war Professor an der Kunsthochschule in Linz und dort suchte man nach jemandem für multimediale Gestaltung. So wurde ich drei Jahre später selbst Professor. Parallel dazu habe ich mit Musik angefangen.

Was für Musik hast du gemacht?

Ich habe, nicht ganz allein, einen der ersten Techno-Clubs in Wien aufgezogen, angefangen aufzulegen und mehre Techno-Label und Acts gegründet: The Memory Foundation.

Und ihr produziert immer noch?

Wir haben in den 90’ern um die 40-45 Platten rausgebracht. Das lief noch bis vor vier, fünf Jahren parallel zu M Box.

Was ist dann jetzt deine große Leidenschaft? Musik oder…?

Beides. Das ist ja gerade das Schöne. Ich musste mich nie für eins entscheiden. Und das, was wir jetzt bei M Box machen ist eine Kombination aus Beidem. Wir machen hier ja auch sehr oft den Sound und die Bilder. Bei Inszenierungen ist beides gleich wichtig. Und man kann sagen: Das Ganze hat durchaus auch seine Roots im Techno. Und gerade im Techno von Berlin. Das, was hier in der Klubkultur vom Berlin der Neunziger Jahre entstanden ist: audiovisuelle Bespielung.

Es waren Berliner Klubs, die als erstes mit Projektoren auf der Tanzfläche experimentiert haben.


Wo zum Beispiel?

Das war vor allem im Planet. Also dem Vorgänger vom E-Werk. Der erste Klub, wo sie angefangen haben viel damit zu experimentieren. Und es sind viele Ideen, die diese Szene mitentwickelt hat. Deswegen treffe ich auch immer wieder Leute aus der Kreativbranche, die eine Verbindung zur Technoszene haben.

Und wie lange bist du jetzt schon in Berlin?

Seit 1994 ungefähr. Das allererste Mal war ich zur Loveparade 1992 hier.

Und das ganze Visuelle, dieses Multimediading aus der Technoszene: Das ist typisch Berlin?

Auf jeden Fall: Ja!

Gibt es andere Städte, die vergleichbar sind in dem Bereich? Ist Berlin Pionier in Sachen Techno?

Berlin ist absoluter Pionier. Auf jeden Fall! Es hat zwar in allen Städten angefangen, aber…

Technoklubs hatten in Berlin allerdings von Anfang an einen besonderen Stellenwert.


Das waren keine Diskotheken mehr, die einen einzelnen Technoabend hatten. In Berlin hat man sich getraut, sich zu spezialisieren. Klubbetreiber zu sein fand hier genauso viel Akzeptanz, wie DJ oder Producer zu sein. In Berlin gab und gibt es mehr Respekt dafür. In allen anderen Städten war das nicht so. Hier konnten kreative Leute Plätze belegen und wirklich komplett so gestalten, wie sie es sich vorstellen.

Das Berghain ist auch noch ein ganz typischer Technoklub mit dieser Tradition. Man hat Ideen von Planet und E-Werk übernommen und noch weitergeführt.

Das bedeutet: Das Berghain ist nur eine Kopie?

Nein! Es ist niemals eine Kopie. Viel eher ist es eine ganz klare Weiterführung der Technoclubtradition, die hier in Berlin schon sehr früh entstanden ist.

Früher war die Stadt arm und man hatte aus eigener Motivation Lust darauf, etwas zu kreieren. Jetzt ist die Stadt reich geworden. Heute ist Berlin reich. Glaubst du, dass ist positiv oder negativ für Die Kreativität?

Man kann jetzt nicht sagen, dass es negativ ist. Aber Berlin ist definitiv nicht so fruchtbar wir früher. Vor Allem für freie und neue Ideen. Die Kreativszene wird professioneller und vielfältiger. Die Möglichkeiten, die Zeit und auch der Freiraum sind nicht mehr so da, um Neues des Spaßes wegen auszuprobieren.

Verglichen mit den Neunzigern ist die Konkurrenz heute sehr viel größer. Berlin ist als Kreativstandort viel attraktiver geworden.


Denn wir haben hier viele kreative Ressourcen, die mehr und mehr angezapft werden. Da wird es für alle schwieriger.

Und heute? In welche Richtung geht das Visuelle? Sagen wir Mal: Ich habe viel Geld und will „Das Neuste“ und „Das Geilste“. Was wäre das?

Letztlich ist alles eine Frage der Skalierung. Die maximale Skalierung sieht man bei so Sachen, wie der Eröffnung der Olympiaspiele. Das ist das Maximum. Die Inszenierungen werden immer größer. Also im Grunde gibt es nicht „Das eine“ Gestaltungselement, was für sich der „heiße Scheiß“ ist. Die wahre Challenge ist der Mix der verschiedenen Elemente. Und so die beste Gesamtwirkung als Ergebnis hinzubekommen.

Sehr interessant. Vielen Dank für das Gespräch.

Hier geht es zu M Box.

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