Kultur in Berlin – Geliebt aber nicht gefördert?

In der Welt schmückt sich Berlin gern mit seiner Kultur. Doch Geld investiert man nur mit Zähneknirschen. So scheint es zumindest. Zeit für eine Paartherapie: Wirtschaft gegen Kultur. Können wir uns nicht mal bitte alle vertragen?

Karneval der Kulturen
Berlin ohne den jährlichen Karneval der Kulturen? Kaum vorstellbar.
(Foto: (CC BY-SA 2.0) Alexander Whillas)

Seit 18 Jahren lockt zum Beispiel der Karneval der Kulturen jeden Sommer Hunderttausende Berliner und Touris auf die Straße. Eigentlich ist das Event ein etabliertes Muss im Festivalsommer. Doch jedes Jahr aufs Neue müssen die Veranstalter um den Zuspruch der Stadt betteln. 2015 mit Erfolg, doch für 2016 ist noch alles offen.) Natürlich zucken Politiker gern mit den Achseln „Wir können ja nicht anders“. Aber die Frage politischer Machbarkeit heißt eigentlich „Ja, wollt Ihr denn anders?“

Es ist kein neuer Konflikt in der Hauptstadt. Die Kultur in Berlin befindet sich ständig im Kampf um Wertschätzung ihrer Leistungen und um die Sicherung ihrer Arbeitsgrundlagen in den Haushaltplanungen. Etwas unverständlich für eine Stadt, die sich weltweit als Kultur-Hotspot anpreist.

Christoff Bleidt leitet das Theaterhaus Berlin Mitte; seit Jahren eine der verbliebenen Oasen für Kultur in Berlin. „Es gibt derzeit noch keinen Stadt-Kultur-Entwicklungsplan“ kritisiert er. Und das ist ein Problem. „Es gab viele Jahre das Verscherbeln von öffentlichem Raum. Darüber wird jetzt intensiv diskutiert.“ Für Bleidt reicht die Diskussion nicht. Er fragt daher:

Wollen wir Paris, oder wollen wir Berlin?

Es ist eine Grundsatzfrage, der sich nicht nur der neue Kultursenator widmen muss.

„Wir sind froh, dass der Senat uns unterstützt,“ gesteht der Theaterhaus-Leiter und ergänzt: „Übrigens haushaltsneutral.“ Das Angebot für relativ wenig Geld? In London oder Paris findet man das nicht mehr.

Aber das Geld bleibt knapp oder?

„Der Mindestlohn ist ein wichtiges Thema nicht nur für freischaffende Künstler,“ weiß auch der Leiter. „Künstler neigen immer zur Selbstausbeutung.“ Aber dann als Argument zu bringen „Dafür können sie ja ihre Kunst machen“ ist auch mehr als zynisch. An Ende ist es nicht nur das Geld, sondern auch die Wertschätzung der Künstler, welche das Lebensgefühl ausmacht. „Wenn eine Stadt sagt, dass sie Kultur will, dann muss sie auch dafür sorgen, dass es die entsprechenden Fördermittel gibt und bewusst Strukturen schaffen, mitgestalten,“ so das Fazit von Bleidt.

‚Wenn wir nicht wollen, dass das kulturelle Leben zu einer Datenbank wird, dann müssen wir bereit sein, in Menschen zu investieren.’

Sitzend auf dem Koffer in Berlin
Künstler, was nun? (Foto: (CC BY-ND 2.0) York Berlin)

Tipps für die Kreativen?

Kunstschaffende können sich nicht nur auf die Kunst konzentrieren, sondern sie müssen auch das große Ganze im Blick behalten. „Man muss lernen, sinnvoll mit Ressourcen umzugehen, wie in einer normalen Firma,“ erklärt der Leiter des Theaterhauses Berlin Mitte.

Dennoch muss „Kultur weiterhin etwas sein, das eine Gesellschaft sich leisten muss, oder eben nicht.” Denn seien wir mal ehrlich, am Ende wird sie niemals ein Faktor sein, der sich wirtschaftlich 1:1 rentiert. Die Kultur in Berlin ist Teil der Identität der Stadt.

Eine richtige Sicherheit haben die Akteure dabei auch nicht wirklich. Aber man entscheidet sich ja letztendlich nicht wegen des Geldes für ein Leben in der Kreativbranche, wie uns auch schon Thomas Riemer vom Cube:Moabeat neulich erzählte. Fragt euch dennoch einmal selbst: Warum sind viele von euch eigentlich bereit, inzwischen 15 Euro für eine Kinokarte zu zahlen, aber nicht für eine Theateraufführung?

Wir gemeinsam sollten uns deshalb fragen, was wir alle dazu beitragen können, um den Kulturstandort Berlin auf diesem Niveau zu halten.

Wir alle sollten mithelfen und vor allem mit darüber nachdenken, wie Kreativarbeit in der Hauptstadt aussehen kann und muss.

Zeit, unsere Gehirnzellen gemeinsam für Berlin anzustrengen!

Street Artist Berlin
Ruhige Momente können sich die Kreativen in Berlin kaum leisten.
(Foto: (CC BY-NC-SA 2.0) Dan)

 

In der Welt schmückt sich Berlin gern mit seiner Kultur. Doch Geld investiert man nur mit Zähneknirschen. So scheint es zumindest. Zeit für eine Paartherapie: Wirtschaft gegen Kultur. Können wir uns nicht mal bitte alle vertragen?

Karneval der Kulturen
Berlin ohne den jährlichen Karneval der Kulturen? Kaum vorstellbar.
(Foto: (CC BY-SA 2.0) Alexander Whillas)

Seit 18 Jahren lockt zum Beispiel der Karneval der Kulturen jeden Sommer Hunderttausende Berliner und Touris auf die Straße. Eigentlich ist das Event ein etabliertes Muss im Festivalsommer. Doch jedes Jahr aufs Neue müssen die Veranstalter um den Zuspruch der Stadt betteln. 2015 mit Erfolg, doch für 2016 ist noch alles offen.) Natürlich zucken Politiker gern mit den Achseln „Wir können ja nicht anders“. Aber die Frage politischer Machbarkeit heißt eigentlich „Ja, wollt Ihr denn anders?“

Es ist kein neuer Konflikt in der Hauptstadt. Die Kultur in Berlin befindet sich ständig im Kampf um Wertschätzung ihrer Leistungen und um die Sicherung ihrer Arbeitsgrundlagen in den Haushaltplanungen. Etwas unverständlich für eine Stadt, die sich weltweit als Kultur-Hotspot anpreist.

Christoff Bleidt leitet das Theaterhaus Berlin Mitte; seit Jahren eine der verbliebenen Oasen für Kultur in Berlin. „Es gibt derzeit noch keinen Stadt-Kultur-Entwicklungsplan“ kritisiert er. Und das ist ein Problem. „Es gab viele Jahre das Verscherbeln von öffentlichem Raum. Darüber wird jetzt intensiv diskutiert.“ Für Bleidt reicht die Diskussion nicht. Er fragt daher:

Wollen wir Paris, oder wollen wir Berlin?

Es ist eine Grundsatzfrage, der sich nicht nur der neue Kultursenator widmen muss.

„Wir sind froh, dass der Senat uns unterstützt,“ gesteht der Theaterhaus-Leiter und ergänzt: „Übrigens haushaltsneutral.“ Das Angebot für relativ wenig Geld? In London oder Paris findet man das nicht mehr.

Aber das Geld bleibt knapp oder?

„Der Mindestlohn ist ein wichtiges Thema nicht nur für freischaffende Künstler,“ weiß auch der Leiter. „Künstler neigen immer zur Selbstausbeutung.“ Aber dann als Argument zu bringen „Dafür können sie ja ihre Kunst machen“ ist auch mehr als zynisch. An Ende ist es nicht nur das Geld, sondern auch die Wertschätzung der Künstler, welche das Lebensgefühl ausmacht. „Wenn eine Stadt sagt, dass sie Kultur will, dann muss sie auch dafür sorgen, dass es die entsprechenden Fördermittel gibt und bewusst Strukturen schaffen, mitgestalten,“ so das Fazit von Bleidt.

‚Wenn wir nicht wollen, dass das kulturelle Leben zu einer Datenbank wird, dann müssen wir bereit sein, in Menschen zu investieren.’

Sitzend auf dem Koffer in Berlin
Künstler, was nun? (Foto: (CC BY-ND 2.0) York Berlin)

Tipps für die Kreativen?

Kunstschaffende können sich nicht nur auf die Kunst konzentrieren, sondern sie müssen auch das große Ganze im Blick behalten. „Man muss lernen, sinnvoll mit Ressourcen umzugehen, wie in einer normalen Firma,“ erklärt der Leiter des Theaterhauses Berlin Mitte.

Dennoch muss „Kultur weiterhin etwas sein, das eine Gesellschaft sich leisten muss, oder eben nicht.” Denn seien wir mal ehrlich, am Ende wird sie niemals ein Faktor sein, der sich wirtschaftlich 1:1 rentiert. Die Kultur in Berlin ist Teil der Identität der Stadt.

Eine richtige Sicherheit haben die Akteure dabei auch nicht wirklich. Aber man entscheidet sich ja letztendlich nicht wegen des Geldes für ein Leben in der Kreativbranche, wie uns auch schon Thomas Riemer vom Cube:Moabeat neulich erzählte. Fragt euch dennoch einmal selbst: Warum sind viele von euch eigentlich bereit, inzwischen 15 Euro für eine Kinokarte zu zahlen, aber nicht für eine Theateraufführung?

Wir gemeinsam sollten uns deshalb fragen, was wir alle dazu beitragen können, um den Kulturstandort Berlin auf diesem Niveau zu halten.

Wir alle sollten mithelfen und vor allem mit darüber nachdenken, wie Kreativarbeit in der Hauptstadt aussehen kann und muss.

Zeit, unsere Gehirnzellen gemeinsam für Berlin anzustrengen!

Street Artist Berlin
Ruhige Momente können sich die Kreativen in Berlin kaum leisten.
(Foto: (CC BY-NC-SA 2.0) Dan)

 

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