DramaQueen: Unterstützung für Autoren

Joachim Dollhopf: Entwickler der Autorensoftware DramaQueen ©DramaQueen

Hänsel und Gretel mal anders – Joachim Dollhopf

Joachim Dollhopf ist der Entwickler der Autorensoftware DramaQueen und spricht mit AusserGewöhnlich Berlin über Herzensprojekte und denkende Computer.

Im 15. Jahrhundert erfand Gutenberg den modernen Buchdruck. Doch schon in den Gräbern von Babylon fand man Inschriften auf Ziegelsteinen. Die Geschichte des Buches ist älter als Jesus und dennoch beißen sich Autoren jahrelang an einem Buch die Zähne aus.

Aus Berlin, der kreativsten Stadt Deutschlands, erwächst ein Projekt, das Autorenherzen höher schlagen lässt: Joachim Dollhopf ist der Entwickler der Autorensoftware DramaQueen und spricht mit AusserGewöhnlich Berlin über Herzensprojekte und denkende Computer.

Wie kam es zu der Idee von DramaQueen?

Wir dachten: Für alle Kreativen gibt es tolle, professionelle Software, z.B. für Musiker, Grafiker, Cutter, Sounddesigner…

Aber die allermeisten Autoren schreiben immer noch mit Word.

Tief im Inneren wollten wir einfach das bestmögliche Schreibprogramm für uns selbst entwickeln. Wir sind selbst Autoren und Filmemacher und hatten uns immer eine Software gewünscht, die uns mit einer wohligen, kreativen Schreibatmosphäre umgibt, die uns viele Sichtweisen und neue Erkenntnisse über unsere Geschichten eröffnet und der wir unsere Herzensprojekte anvertrauen möchten.

DramaQueen, Storylines
DramaQueen fördert neue Sichtweisen auf Geschichten ©DramaQueen

Wozu brauche ich eine App, wenn ich ein Buch schreiben will?

Der Prozess von der ersten Idee bis zum fertigen Buch dauert oft Jahre. Weder Word noch andere allgemeine Textverarbeitungsprogramme sind auf diese Anforderungen ausgerichtet,

weil sie mich als Roman- oder Drehbuchautor mit einer riesigen, kaum handhabbaren Textwand alleinlassen.

Unsere App erlaubt mir dagegen, meinen Text auf verschiedene Weisen zu gliedern, Textbausteine schnell und übersichtlich umzustellen, Steps und Erzählstränge zu definieren, mich auf einzelne Aspekte zu fokussieren, die Geschichte mit ihren Storylines, Akten/Szenen, Wendepunkten und sonstigen Besonderheiten grafisch wahrzunehmen und vieles mehr. Ich kenne kein (Dreh)Buch, das in der ersten Fassung verfilmt bzw. veröffentlicht wurde. Stattdessen sind oft viele Überarbeitungen, Grob- und Feinschliff nötig. Vor allem in dieser Phase hilft mir DramaQueen sehr.

Software für Autoren
Möglichkeiten von DramaQueen ©DramaQueen

Es gibt mittlerweile für fast alles eine App oder Software. Warum funktioniert das, warum wollen wir Menschen das überhaupt?

Weil Apps bzw. Software unsere Werkzeuge im Beruf und Privatleben geworden sind. Und weil gute, intuitive Apps Spaß machen und uns das Leben vereinfachen können. Oder sogar erst ermöglichen…

Irgendwie können wir mit Apps unserer Sehnsucht nach Ordnung, Perfektion und Anerkennung ein Stück näher kommen.

Nimmt die moderne Technologie uns irgendwann das Denken vollkommen ab?

Keine Ahnung, was wir Menschen uns noch alles einfallen lassen. DramaQueen nimmt mir als Autor jedenfalls nicht das Denken ab, sondern regt mich im Gegenteil zum Denken und kreativen Träumen an und inspiriert mich dadurch immer wieder zu neuen narrativen Einfällen.

Was sind die Vor- und Nachteile, den Computer oder das Handy für sich denken zu lassen?

Wie gesagt,

wir wollen nicht, dass der Computer denkt.

Was DramaQueen macht: die Erzählung gliedern und visualisieren, ihr einen unbestechlichen Spiegel vorhalten, auf Potentiale hinweisen, Überarbeitungen erleichtern und dem Autor Fragen zu seinen Figuren und seiner Geschichte stellen, die ihn auf seinem Weg, ein gutes Buch zu schreiben, voranbringen. Bei uns hat das übrigens auch in der Praxis funktioniert: Gerade startet unser erster Kinofilm “Auf Augenhöhe”.

Über Joachim Dollhopf:

Joachim Dollhopf ist Filmemacher und Entwickler der Autorensoftware DramaQueen. 2012 gründete er zusammen mit Evi Goldbrunner und Stephan Aßmus die DramaQueen GmbH, für die er als Geschäftsführer für Marketing und Vertrieb verantwortlich ist. Zuvor absolvierte er die Hochschule für Film und Fernsehen Babelsberg im Bereich Regie. Für seine Regie- und Drehbucharbeiten wurde er mit über 20 Preisen ausgezeichnet, darunter dem “Cinema for Peace Talent Award” (2007), dem “Friedrich Wilhelm Murnau Kurzfilmpreis” (2008) und dem wichtigsten Nachwuchspreis der deutschsprachigen Filmbranche, dem First Steps Award 2009. Am 15. September startet sein Debütfilm „Auf Augenhöhe“ im Kino, der auf dem Münchner Filmfest den Publikumspreis gewann. Gemeinsam mit Evi Goldbrunner schrieb er das Drehbuch und führte Regie.

 

Dieses Interview wurde erstmals im eMagazin von AusserGewöhnlich Berlin in der Ausgabe 12/2016 veröffentlicht.

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