Gudrun fertig im Interview mit AusserGewöhnlich Berlin

Siegessäule-Chefin Gudrun Fertig

Berlins erfolgreichste Lesbe: Siegessäule-Chefin Gudrun Fertig

Siegessäule-Chefin Gudrun Fertig im Interview.

 

Gudrun Fertig
Gudrun FertDie Siegessäule ist an der Auflagenzahl gemessen das größte Stadtmagazin Berlins. Weshalb seid Ihr so erfolgreich? Oder sind die anderen Stadtmagazine einfach schlecht?

Gudrun Fertig: Also da muss ich den anderen ein bisschen zur Seite stehen, weil wir seit vielen Jahren kostenlos sind. Das ist natürlich ein qualitativer Unterschied, ob du nun ein Heft kaufen musst oder es in freier Auslage mitnimmst. Auf der anderen Seite ist die Siegessäule diesbezüglich ein Solitär. Wir sind zwar ein kostenloses Heft, werden aber wirklich gelesen. Die Siegessäule wird nicht nur einfach durchgeblättert oder liegt irgendwo hübsch dekorativ herum, sondern hat eine echte, treue Leserschaft. Wir sind ein Hybrid, der genau deswegen so einmalig ist. Weil wir eine feste Leserschaft haben und trotzdem überall kostenlos ausliegen. Gemeinsam mit meiner Geschäftspartnerin Manuela Kay und einem tollen Team haben wir es geschafft, dass wir berlinweit über 700 Auslagestellen haben und viele Leute erreichen und trotzdem kein blödes Promo-Blatt sind, das keinen interessiert. Das ist einfach ein Solitär in der Stadtmagazinlandschaft.

 

Seid Ihr ein Community-Medium?

Gudrun Fertig: Ja und Nein. Natürlich sind wir auch ein Community-Medium in dem Sinne, dass wir eine relativ klar definierte Zielgruppe haben. Die uns eine sehr hohe Glaubwürdigkeit und eine gewisse Einmaligkeit zugesteht. Das auf jeden Fall. Auf der anderen Seite sind wir dem im Jahr 2014 auch ein Stück entwachsen.

Ich sag mal so: coole Heten lesen uns auch, finden uns auch spannend.

Und coole Orte legen uns aus, weil sie auch wissen, dass diese Szene zu Berlin gehört. Eine Szene, die Berlin geprägt hat und den internationalen Ruf von Berlin mitbestimmt. Berlin ist von schwuler Sex-Hauptstadt der Welt bis hin zu einer der bevorzugten Destinationen für schwul/lesbische Besucher und Besucherinnen einfach die Top Stadt. Das verstehen auch andere, und diese Leute tragen das Magazin schon über die Community hinaus.

 

Wie hat die Siegessäule das so lange geschafft?

Gudrun Fertig: Uns gibt es seit 30 Jahren. Naja „uns“ ist in diesem Fall vermessen, die Gründerszene der Siegessäule, das war ja nicht ich. Ich bin jetzt seit 2003 dabei und auch nicht immer als Verlegerin. Das war damals eine andere Szene. Gestartet ist die Siegessäule als schwules Infoblatt für die schwule Szene und hat sich aus diversen Gründen mit verschiedenen Menschen weiterentwickelt. Aber was tatsächlich erhalten geblieben ist, ist das hohe Identifikationspotenzial.

Die Siegessäule wurde immer von Leuten gemacht, die mit sehr viel Herzblut und mit sehr viel Sachverstand dabei waren.

Wir haben uns nie verbogen, jedenfalls nicht so stark, dass wir unsere Identität verloren hätten. Das ist auch nicht immer einfach, ein Medium zu machen, das Anfragen erhält wie: „Was kostet denn bei euch eine Anzeige, inklusive Tagestipp und redaktionellem Artikel?“. Das gibt es bei uns einfach nicht. Das ist in dieser Medienlandschaft nicht immer einfach.

 

Du meinst, es lohnt sich, als Medium zu seinen Werten zu stehen und sich nicht korrumpieren zu lassen?

Gudrun Fertig: Ich glaube, das ist der einzige Weg. Da ist die Siegessäule – mal flapsig gesagt – ähnlich wie Nivea. Nivea darf seine Farbe nicht ändern und wir dürfen unsere Glaubwürdigkeit nicht verlieren, wollen wir auch gar nicht. Da muss man manchmal den kurzfristigen Erfolg ausblenden und sagen: ich lass das Geld an mir vorüberziehen. Das sind wir einfach nicht.

 

Also wenn du lange genug Outsider bist, bist du irgendwann In?

Gudrun Fertig: Ja, oder zumindest bleibst du in deiner Nische groß. Und das ist auch ok.

 

Berlin hat sich ein bisschen auf euch zu bewegt. Früher gab es die Schwul-Lesben-Nische und jetzt ist das eher Allgemein-Kultur. Sind die Berliner jetzt tolerant und offenherzig oder einfach nur gleichgültig?

Gudrun Fertig: Was ist denn Allgemein-Kultur? Ich weiß eigentlich gar nicht, ob es so sehr Nische war. Nach Berlin sind schon immer, oder zumindest in den letzten 40 Jahren, viele Lesben und Schwule und Trans gezogen. Auch in den 20er Jahren haben hier viele Schwule und Lesben gewohnt. Diese Kultur ist dann natürlich im Nationalsozialismus zerstört worden, keine Frage. Aber angelegt ist das in dieser Stadt schon sehr lange.

 

Ist es also eher eine Toleranz, die angelegt ist, oder eher Oberflächlichkeit?

Gudrun Fertig: Naja das eine ist erst mal die Großstadt, die einfach da ist. In einer großen Stadt kannst du grundsätzlich mehr machen und tun, was du willst. Da wirst du nicht so sehr vom Nachbarn über den Gartenzaun beobachtet. Und Toleranz ist etwas, was ich völlig ablehne, wenn überhaupt geht es um Akzeptanz. Toleranz hat immer noch diesen Duktus von „wir da oben“ und „herunter gucken“. Das hat sicherlich Berlin mit seiner Kultur schon mal verhältnismäßig ganz gut verstanden.

 

Was mich ja immer wundert: es gibt ganz viele schwule Männer im Geschäftsleben, in Führungspositionen ohne Ende. Aber wo sind eigentlich die lesbischen Chefinnen/Unternehmerinnen? Was ist mit denen, was habt ihr für ein Problem?

Gudrun Fertig: Also eine sitzt schon mal hier und meine Geschäftspartnerin wäre die zweite. Die gibt es schon auch, wir haben jetzt eine lesbische Staatssekretärin im Verteidigungsministerium und andere. Es gibt sie zunehmend. Aber erstens ist auch die homosexuelle Welt in Mann und Frau geteilt. Nur, weil ich lesbisch bin, bin ich nicht NICHT weiblich erzogen oder habe nicht mit weiblicher Diskriminierung zu tun.

Es gibt generell weniger weibliche Personen in Führungspositionen, das gilt dann auch für Lesben. Ich würde aber umgekehrt auch den Schluss ziehen, wenn es Frauen in Führungspositionen gibt, dann ist der Prozentsatz an Lesben sicherlich höher, als sonst in der Gesellschaft.

Weil sie genau diese Probleme nicht haben. Männer, Kinder, Familienprogramm und Rollenbilder, die ihnen sagen: „wenn du nur die Macherin bist, guckt dich kein Typ mehr an“. Diese vier Sachen sind schon mal keine lesbischen Probleme. Zumindest nicht in der Vergangenheit. Deshalb kann man immer sagen, da, wo es Frauen gibt, die Pionier- Funktionen in Männernischen ausführen, ist der Verdacht, dass sie lesbisch sind, immer gegeben. Und das meine ich nicht negativ. Das macht die Wahrscheinlichkeit, dass im Durchschnitt mehr Lesben daran beteiligt sind, hoch. Egal in welche Bereiche man schaut. Das Problem ist nur, sie vermarkten sich nicht und sie werden nie dafür gelobt werden, dass sie so viele Türen geöffnet haben.

 

Warum tun sie das nicht?

Gudrun Fertig: Das ist wiederum ihr weibliches Benehmen. Außerdem gilt noch immer: Lesbisch und cool sind in der Gesellschaft gegensätzliche Dinge. Schwul sein und cool sein matchen eher.

 

Ja ist wahr. Was auch auffällt ist, dass es schwule Netzwerke gibt, in denen sich Schwule unterstützen. Was wiederum bei Lesben nicht so ist. Da ist der Corpsgeist nicht ganz so stark.

Gudrun Fertig: Girls-networking ist im Gegensatz zu Boys-networking eben erst im Kommen.

 

Ist sexuelle Orientierung in einer Stadt wie Berlin, überhaupt noch ein Thema?

Gudrun Fertig: Der verwandte Satz ist immer „ist es nicht egal, mit wem du ins Bett gehst?“ darauf antworte ich immer, ich bin auch lesbisch, wenn ich nicht im Bett bin. Das ist mein Lieblingsargument. Das heißt, ich gehe anders durch die Welt. Ich gucke mir zum Beispiel einen Film an und finde die Hauptdarstellerin toll, der Hauptdarsteller hingegen ist mir nicht so präsent. Ich habe einen anderen Blick auf Geschlechterrollen. Einfach, weil ich die typische Frau-Mann-Konstellation nicht lebe, nicht kenne. Mein Blick auf weibliche Sexualität ist anders.

Ich laufe halt mit dieser lesbischen Brille durch die Welt. Das ist Teil meiner Identität.

Genauso hatte ich Diskriminierungserfahrungen. Ich habe Zeit meines Lebens immer wieder Coming-Outs. Mit einem einzigen im Leben ist es nicht getan. Ich versuche auch zu anderen Minderheiten Brücken zu bauen.

 

Warum hast du dir einen Job ausgesucht, der dich permanent mit dem Thema Homosexualität konfrontiert. Du hättest dir auch einen Job aussuchen können, in dem es nicht so relevant ist, welche sexuelle Präferenz du hast. Du bist quasi extra rein gesprungen.

Gudrun Fertig: Erstens ist es ein Job, den ich wirklich mit Herzblut mache. Und das ist eine wichtige Voraussetzung. Und zweitens bin ich nicht nur lesbisch im Job. Ich bin auch Verlegerin.

 

Was fasziniert dich an deinem Beruf als Verlegerin und an der Arbeit mit Medien?

Gudrun Fertig: Ich habe immer gerne dazu beigetragen, dieser Zielgruppe das Gefühl zu geben, dass sie mit einem riesigen Selbstbewusstsein durchs Leben gehen kann. Ich habe die Hoffnung immer noch nicht aufgegeben, dass es irgendwann cool sein wird, schwul oder lesbisch zu sein.

 

www.siegessaeule.de

 

Gudrun Fertig
Gudrun FertDie Siegessäule ist an der Auflagenzahl gemessen das größte Stadtmagazin Berlins. Weshalb seid Ihr so erfolgreich? Oder sind die anderen Stadtmagazine einfach schlecht?

Gudrun Fertig: Also da muss ich den anderen ein bisschen zur Seite stehen, weil wir seit vielen Jahren kostenlos sind. Das ist natürlich ein qualitativer Unterschied, ob du nun ein Heft kaufen musst oder es in freier Auslage mitnimmst. Auf der anderen Seite ist die Siegessäule diesbezüglich ein Solitär. Wir sind zwar ein kostenloses Heft, werden aber wirklich gelesen. Die Siegessäule wird nicht nur einfach durchgeblättert oder liegt irgendwo hübsch dekorativ herum, sondern hat eine echte, treue Leserschaft. Wir sind ein Hybrid, der genau deswegen so einmalig ist. Weil wir eine feste Leserschaft haben und trotzdem überall kostenlos ausliegen. Gemeinsam mit meiner Geschäftspartnerin Manuela Kay und einem tollen Team haben wir es geschafft, dass wir berlinweit über 700 Auslagestellen haben und viele Leute erreichen und trotzdem kein blödes Promo-Blatt sind, das keinen interessiert. Das ist einfach ein Solitär in der Stadtmagazinlandschaft.

 

Seid Ihr ein Community-Medium?

Gudrun Fertig: Ja und Nein. Natürlich sind wir auch ein Community-Medium in dem Sinne, dass wir eine relativ klar definierte Zielgruppe haben. Die uns eine sehr hohe Glaubwürdigkeit und eine gewisse Einmaligkeit zugesteht. Das auf jeden Fall. Auf der anderen Seite sind wir dem im Jahr 2014 auch ein Stück entwachsen.

Ich sag mal so: coole Heten lesen uns auch, finden uns auch spannend.

Und coole Orte legen uns aus, weil sie auch wissen, dass diese Szene zu Berlin gehört. Eine Szene, die Berlin geprägt hat und den internationalen Ruf von Berlin mitbestimmt. Berlin ist von schwuler Sex-Hauptstadt der Welt bis hin zu einer der bevorzugten Destinationen für schwul/lesbische Besucher und Besucherinnen einfach die Top Stadt. Das verstehen auch andere, und diese Leute tragen das Magazin schon über die Community hinaus.

 

Wie hat die Siegessäule das so lange geschafft?

Gudrun Fertig: Uns gibt es seit 30 Jahren. Naja „uns“ ist in diesem Fall vermessen, die Gründerszene der Siegessäule, das war ja nicht ich. Ich bin jetzt seit 2003 dabei und auch nicht immer als Verlegerin. Das war damals eine andere Szene. Gestartet ist die Siegessäule als schwules Infoblatt für die schwule Szene und hat sich aus diversen Gründen mit verschiedenen Menschen weiterentwickelt. Aber was tatsächlich erhalten geblieben ist, ist das hohe Identifikationspotenzial.

Die Siegessäule wurde immer von Leuten gemacht, die mit sehr viel Herzblut und mit sehr viel Sachverstand dabei waren.

Wir haben uns nie verbogen, jedenfalls nicht so stark, dass wir unsere Identität verloren hätten. Das ist auch nicht immer einfach, ein Medium zu machen, das Anfragen erhält wie: „Was kostet denn bei euch eine Anzeige, inklusive Tagestipp und redaktionellem Artikel?“. Das gibt es bei uns einfach nicht. Das ist in dieser Medienlandschaft nicht immer einfach.

 

Du meinst, es lohnt sich, als Medium zu seinen Werten zu stehen und sich nicht korrumpieren zu lassen?

Gudrun Fertig: Ich glaube, das ist der einzige Weg. Da ist die Siegessäule – mal flapsig gesagt – ähnlich wie Nivea. Nivea darf seine Farbe nicht ändern und wir dürfen unsere Glaubwürdigkeit nicht verlieren, wollen wir auch gar nicht. Da muss man manchmal den kurzfristigen Erfolg ausblenden und sagen: ich lass das Geld an mir vorüberziehen. Das sind wir einfach nicht.

 

Also wenn du lange genug Outsider bist, bist du irgendwann In?

Gudrun Fertig: Ja, oder zumindest bleibst du in deiner Nische groß. Und das ist auch ok.

 

Berlin hat sich ein bisschen auf euch zu bewegt. Früher gab es die Schwul-Lesben-Nische und jetzt ist das eher Allgemein-Kultur. Sind die Berliner jetzt tolerant und offenherzig oder einfach nur gleichgültig?

Gudrun Fertig: Was ist denn Allgemein-Kultur? Ich weiß eigentlich gar nicht, ob es so sehr Nische war. Nach Berlin sind schon immer, oder zumindest in den letzten 40 Jahren, viele Lesben und Schwule und Trans gezogen. Auch in den 20er Jahren haben hier viele Schwule und Lesben gewohnt. Diese Kultur ist dann natürlich im Nationalsozialismus zerstört worden, keine Frage. Aber angelegt ist das in dieser Stadt schon sehr lange.

 

Ist es also eher eine Toleranz, die angelegt ist, oder eher Oberflächlichkeit?

Gudrun Fertig: Naja das eine ist erst mal die Großstadt, die einfach da ist. In einer großen Stadt kannst du grundsätzlich mehr machen und tun, was du willst. Da wirst du nicht so sehr vom Nachbarn über den Gartenzaun beobachtet. Und Toleranz ist etwas, was ich völlig ablehne, wenn überhaupt geht es um Akzeptanz. Toleranz hat immer noch diesen Duktus von „wir da oben“ und „herunter gucken“. Das hat sicherlich Berlin mit seiner Kultur schon mal verhältnismäßig ganz gut verstanden.

 

Was mich ja immer wundert: es gibt ganz viele schwule Männer im Geschäftsleben, in Führungspositionen ohne Ende. Aber wo sind eigentlich die lesbischen Chefinnen/Unternehmerinnen? Was ist mit denen, was habt ihr für ein Problem?

Gudrun Fertig: Also eine sitzt schon mal hier und meine Geschäftspartnerin wäre die zweite. Die gibt es schon auch, wir haben jetzt eine lesbische Staatssekretärin im Verteidigungsministerium und andere. Es gibt sie zunehmend. Aber erstens ist auch die homosexuelle Welt in Mann und Frau geteilt. Nur, weil ich lesbisch bin, bin ich nicht NICHT weiblich erzogen oder habe nicht mit weiblicher Diskriminierung zu tun.

Es gibt generell weniger weibliche Personen in Führungspositionen, das gilt dann auch für Lesben. Ich würde aber umgekehrt auch den Schluss ziehen, wenn es Frauen in Führungspositionen gibt, dann ist der Prozentsatz an Lesben sicherlich höher, als sonst in der Gesellschaft.

Weil sie genau diese Probleme nicht haben. Männer, Kinder, Familienprogramm und Rollenbilder, die ihnen sagen: „wenn du nur die Macherin bist, guckt dich kein Typ mehr an“. Diese vier Sachen sind schon mal keine lesbischen Probleme. Zumindest nicht in der Vergangenheit. Deshalb kann man immer sagen, da, wo es Frauen gibt, die Pionier- Funktionen in Männernischen ausführen, ist der Verdacht, dass sie lesbisch sind, immer gegeben. Und das meine ich nicht negativ. Das macht die Wahrscheinlichkeit, dass im Durchschnitt mehr Lesben daran beteiligt sind, hoch. Egal in welche Bereiche man schaut. Das Problem ist nur, sie vermarkten sich nicht und sie werden nie dafür gelobt werden, dass sie so viele Türen geöffnet haben.

 

Warum tun sie das nicht?

Gudrun Fertig: Das ist wiederum ihr weibliches Benehmen. Außerdem gilt noch immer: Lesbisch und cool sind in der Gesellschaft gegensätzliche Dinge. Schwul sein und cool sein matchen eher.

 

Ja ist wahr. Was auch auffällt ist, dass es schwule Netzwerke gibt, in denen sich Schwule unterstützen. Was wiederum bei Lesben nicht so ist. Da ist der Corpsgeist nicht ganz so stark.

Gudrun Fertig: Girls-networking ist im Gegensatz zu Boys-networking eben erst im Kommen.

 

Ist sexuelle Orientierung in einer Stadt wie Berlin, überhaupt noch ein Thema?

Gudrun Fertig: Der verwandte Satz ist immer „ist es nicht egal, mit wem du ins Bett gehst?“ darauf antworte ich immer, ich bin auch lesbisch, wenn ich nicht im Bett bin. Das ist mein Lieblingsargument. Das heißt, ich gehe anders durch die Welt. Ich gucke mir zum Beispiel einen Film an und finde die Hauptdarstellerin toll, der Hauptdarsteller hingegen ist mir nicht so präsent. Ich habe einen anderen Blick auf Geschlechterrollen. Einfach, weil ich die typische Frau-Mann-Konstellation nicht lebe, nicht kenne. Mein Blick auf weibliche Sexualität ist anders.

Ich laufe halt mit dieser lesbischen Brille durch die Welt. Das ist Teil meiner Identität.

Genauso hatte ich Diskriminierungserfahrungen. Ich habe Zeit meines Lebens immer wieder Coming-Outs. Mit einem einzigen im Leben ist es nicht getan. Ich versuche auch zu anderen Minderheiten Brücken zu bauen.

 

Warum hast du dir einen Job ausgesucht, der dich permanent mit dem Thema Homosexualität konfrontiert. Du hättest dir auch einen Job aussuchen können, in dem es nicht so relevant ist, welche sexuelle Präferenz du hast. Du bist quasi extra rein gesprungen.

Gudrun Fertig: Erstens ist es ein Job, den ich wirklich mit Herzblut mache. Und das ist eine wichtige Voraussetzung. Und zweitens bin ich nicht nur lesbisch im Job. Ich bin auch Verlegerin.

 

Was fasziniert dich an deinem Beruf als Verlegerin und an der Arbeit mit Medien?

Gudrun Fertig: Ich habe immer gerne dazu beigetragen, dieser Zielgruppe das Gefühl zu geben, dass sie mit einem riesigen Selbstbewusstsein durchs Leben gehen kann. Ich habe die Hoffnung immer noch nicht aufgegeben, dass es irgendwann cool sein wird, schwul oder lesbisch zu sein.

 

www.siegessaeule.de

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