Das Infrastruktur Projekt InfraLab auf dem Euref-Campus Berlin

InfraLab Berlin auf dem Euref-Campus ©AusserGewöhnlich Berlin

Wenn der Bus fühlt, dass der Gully voll ist – Dr. Henning Heppner

Der Euref-Campus ist das Stadtquartier in Berlin Schöneberg, auf dem das intelligente Berlin von morgen entsteht. Einer der aktivsten Visionäre des Campus ist der AusserGewöhnliche Berliner Henning Heppner. Im Interview mit uns spricht er über InfraLab, ein Projekt, das sechs der größten Infrastruktur-Unternehmen Berlins vereint.

Henning, was ist InfraLab?

InfraLab ist ein Ort, an dem sich die Berliner Infrastruktur-Unternehmen treffen, um gemeinsame Smart City Projekte zu machen.

Dazu zählen die Berliner Wasserbetriebe, die Berliner Stadtreinigung, die Berliner Verkehrsbetriebe, die Gasag, Vattenfall und Veolia.

Smart City bedeutet Digitalisierung, Elektromobilität, Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft. Das sind die Themen, die diese Berliner Betriebe gleichermaßen interessieren.

Kannst du ein oder zwei Projekte nennen, die die sechs großen Berliner Infrastruktur-Betriebe gemeinsam machen?

In einem Projekt geht es um das Thema Sensoren.

Zum Beispiel hat man ja festgestellt, dass die Gullis in der Stadt mehr oder weniger oft verstopft sind, wenn da Laub drin ist oder anderer Dreck. Und dann müssen diese gereinigt werden. Es gibt aber in Berlin 200.000 Gullis und für die Berliner Stadtreinigung und die Berliner Wasserbetriebe ist es sehr schwer, das zu kontrollieren und zu warten.

Jetzt haben wir festgestellt, dass die Busse der BVG sowieso immer an diesen Gullis vorbeifahren.

Wenn man Sensoren in die Busse einbaut, kann man die Gullis identifizieren, die verstopft sind und dann die Reinigung gezielt vornehmen. Das ist so ein typisches Projekt.


Sensoren in Gullideckeln, BVG, BWB

Gullideckel auf dem Euref-Campus ©AusserGewöhnlich Berlin

Wahnsinn. Du hast mehrere Firmen. Mit welcher Firma bist du auf dem Euref-Campus?

Die Firma, die wir gegründet haben, um InfraLab zu begleiten, heißt Greenbox Global.

Mit dieser Firma sind wir der Betreiber der ganzen Location. Betreiber bedeutet in dem Fall, dass wir die Infrastruktur sicherstellen, wie beispielsweise IT, Konnektivität, Reinigung usw. Wir sorgen dafür, dass man sich hier wohl fühlt und wir unterstützen die Projekte der Betriebe.

Das, was wir mit InfraLab machen, ist eine tolle Ergänzung zu dem Thema, was ich als Startup-Unternehmer mit meinem Startup Ebee mache.

Was macht Ebee?

Ebee hat eine Technologie entwickelt, um Ladeinfrastruktur zur Verfügung zu stellen. Das heißt, wenn man sein Elektroauto im öffentlichen Raum laden möchte, muss man dafür einen eigenen Zugang haben. Sonst könnte sich ja jeder Strom klauen und das will man nicht. Für den Zugang gibt es eine Technologie, den sogenannten Ladekontroller. Der Ladekontroller steuert sozusagen das Laden und diese Technologie ist von Ebee.

Ladestation auf dem Euref-Campus Berlin, Elektroauto

Ladestation für Elektroautos auf dem Euref-Campus Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Um es ganz besonders intelligent zu machen, haben wir uns überlegt, die Technologie zu integrieren. Zum Beispiel in Straßenlaternen, denn die Straßenlaternen haben schon Strom.

Wir nutzen den Strom der Straßenlaternen, um Autos damit aufzuladen.


Daraus entstehen dann noch viele andere Ideen wie intelligente Beleuchtung. Wenn du zum Beispiel in der Nacht zur Ladestation kommst, ist es stockdunkel. Du hast Angst, dass dich einer überfällt, wenn du gerade bezahlst. In dem Fall erkennt die Laterne, dass du da bist, macht das Licht ganz hell und schützt dich sozusagen mit dieser hellen Beleuchtung.

Ebee und Straßenlaternen auf dem Euref-Campus

Gibt es intelligente Straßenlaternen in der Zukunft? ©AusserGewöhnlich Berlin

Ein Sensor kann auch erkennen, ob der Parkplatz frei ist und so kann man dann die Verknüpfung zum Thema Parkplatzmanagement machen.

Das sind Ideen, die sich total gut anbieten.

Ich habe vor der Tür einen kleinen Bus ohne Fahrer gesehen. Was ist das?

Dieser Bus fährt autonom über den Campus. Das heißt, er hat keinen Fahrer. Man kann da einfach einsteigen und mitfahren. Der fährt im Testbetrieb Runden über den Campus, um festzustellen, wie das Fahren ohne Fahrer funktioniert.

Auto ohne Fahrer, Euref-Campus

Selbstfahrender Bus auf dem Euref-Campus ©AusserGewöhnlich Berlin

Wem gehört das Teil?

Das ist ein Projekt von der Deutschen Bahn. Die Bahn will in Zukunft ihren öffentlichen Verkehr flexibler gestalten: Als Fahrgast kann man über eine App einen kleinen Bus bestellen. Wenn der Bus kommt, kann man eintippen, wo man hinmöchte. Das funktioniert fast wie Uber, nur ohne Fahrer.

Man muss eventuell einen Umweg in Kauf nehmen, weil mehrere Leute mitfahren, aber es ist eine Innovation.

Das Spannende von InfraLab ist, dass an Projekten, wie dem selbstfahrenden Auto, verschiedene Infrastruktur-Unternehmen beteiligt sind.

Wie die BSR. Die haben den Bus gesehen und fanden die Idee cool, ein Fahrzeug ohne Fahrer fahren zu lassen. Man muss ja nicht unbedingt Passagiere transportieren, man könnte auch Bürsten drunter machen, die sich drehen und die Straße reinigen. Also ein autonomes Straßenreinigungsgerät.

Spezialisiert sich der Euref Campus auf das Thema Mobilität?

Euref ist ein Standort für die Energiewende und das bedeutet, man will weg von zentralen großen Kraftwerken, hin zur lokalen Energieerzeugung wie zum Beispiel Solarzellen oder Windkraft.

InfraLab: Die Gasag gehört auch zu dem Infrastruktur Projekt InfraLab

Windkraftrad der Gasag auf dem Euref-Campus Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Hier am Standort kann man Strom erzeugen.

Wenn aber weder Sonne noch Wind da ist, hat man den Bedarf nach externen Quellen.

Das nennt sich dann Micro Smart Grid. Dieser Micro Smart Grid verknüpft verschiedene Energiequellen und Verbraucher. Er regelt, ob man gerade Energie braucht oder Energie übrig hat.

Um da noch Speicher und Reservekapazitäten reinzubekommen, kann man Batterien von Elektroautos nutzen. Wenn Elektroautos geladen werden, ist die Batterie am Stromnetz. Wenn die Batterie voll ist, fungiert sie wie ein externer Speicher: Falls jemand Strom, z.B. für die Heizung braucht, wird die Batterieleistung des angeschlossenen Autos genommen, um Energie herauszuholen. So regelt sich dieser Standort selbst und das nennt man Micro Smart Grid. Überall dort, wo Energie ist, steht sie allen zur Verfügung.

Und deswegen ist es ein Verbund aus Themen von intelligenten Gebäuden, Energieversorgung und Elektromobilität.


Euref-Campus als Smart City

Seit 2007 wird der Euref-Campus erweitert und zu einer Smart City entwickelt ©AusserGewöhnlich Berlin

Das bedeutet, dass die Firmen, die hier sind, alle zusammenarbeiten müssen?

Können und sollten und eigentlich müssten. Aber, wenn man die Chance nicht erkennen will, muss man das natürlich auch nicht machen.

Wer koordiniert hier alles? Gibt es ein Netzwerk?

Eigentlich nicht. Die Unternehmen, die hier sind, sind so intelligent, dass sie das selbst organisieren. Und wir helfen dann natürlich mit unserem Netzwerk.

 

Vielen Dank für das Interview, Henning!

Wer mehr über InfraLab erfahren möchte, schaut hier.

Weitere Informationen zu Henning Heppner und Ebee gibt es hier.

Die AusserGewöhnlichen Berliner treffen sich im Februar 2018 zu einem Salon bei InfraLab.

Henning Heppner, Ebee, Umwelttechnik

Dr. Henning Heppner im Interview mit AusserGewöhnlich Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

InfraLab Berlin Ryotaro Bordini Chikushi

Ryotaro Bordini Chikushi und ist General Lead InfraLab Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

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