Susanna Kraus Imago

Susanna Kraus von Imago ©AusserGewöhnlich Berlin

Hier kannst Du nicht Lügen: Imago, die größte Kamera der Welt

Susanna Kraus erzählt im Interview mit AusserGewöhnlich Berlin von ihrer begehbaren Kamera Imago und der Lust am Analogen.

Man geht hinein in den großen Kasten, und dann wird man fotografiert?

Nein, man wird nicht fotografiert, man fotografiert sich selber.

Imago ist ein interaktives Kunstwerk, das du dir zu eigen machst. Du kannst dich mit deinem Porträt selbst darstellen.

Die Idee stammt noch aus dem analogen Zeitalter, aus den 70ern, der Happening- und Fluxuszeit. Da ging es weniger um das Kunstwerk selbst als um die schöpferische Idee. Man ging aus der reinen Rolle des Betrachters raus und wurde Teil des Gesamtkunstwerks. Genauso ist das hier. Mit Imago erschaffst du dir dein eigenes Kunstwerk. Was du hier geschenkt bekommst, ist eine künstlerische Sicht auf dich selber.

Das Wesentliche ist deine Idee. Und die heißt nicht: „Ich muss jetzt kreativ sein!“ Du traust dich, ein Statement in Lebensgröße, eins zu eins, von dir selber zu machen – das ist der Punkt.


Imago, größte Kamera der Welt

Die begehbare Kamera macht lebensgroße Porträtfotos ©AusserGewöhnlich Berlin

Ist das das einzige Exemplar der Imago, oder gibt es mehrere davon?

Es war das Einzige. Ich habe jetzt ein zweites zusammen mit meinem Sohn gebaut. Wir waren damit in Shanghai und in Rotterdam.

Jetzt soll die Imago nach New York und nach Los Angeles gehen.

Den Chinesen in Shanghai hat die Kamera so gut gefallen, dass wir jetzt noch eine dritte bauen lassen wollen. Außerdem haben wir eine mobile Variante entwickelt: die Imago Photour. Wir expandieren!

Imago: riesiges, schwarzes Ungetüm

Imago: Die Kamera ist ein schwarzes Ungetüm, 1,5 Tonnen schwer ©AusserGewöhnlich Berlin

Und warum Berlin?

Berlin ist einzigartig! Ich habe schon vorher in Berlin gelebt, am Schillertheater und dann an der Schaubühne gearbeitet.

Aber ich glaube auch, dass Berlin genau die richtige Stadt für die Imago ist.

Jeder kommt irgendwann hierher. Nick Cave, Wim Wenders oder Jonathan Meese – so viele haben sich hier schon fotografiert. Irgendwann steht jeder mal hier und fragt: „Oh, was ist das denn?“ Wenn du in München oder in Stuttgart bist, geht das nicht so einfach.

Sind hier die Menschen anders?

Nein, aber jeder will nach Berlin!

Was zieht die Leute nach Berlin?

Die Leute ziehen her, weil alles noch preiswert ist, vor allem Künstler. Du hast hier aber auch eine ganz große Freiheit! Du kannst so viel sehen und erleben, vor und in den Clubs! Darum kommen so viele Leute nach Berlin. Es gibt nirgendwo eine so erschwingliche Clubszene! Du kannst ganze Tage dort verbringen.

Das ist etwas Sensationelles, und das gibt es nur in Berlin. Und dann die Kunstszene! Du hast viele Möglichkeiten, selber was zu machen.


Imago Fotos Familie

Bei Imago kann sich jeder fotgrafieren lassen ©AusserGewöhnlich Berlin

Was sind Orte in Berlin, die wirklich inspirierend sind?

Da fallen mir der Hamburger Bahnhof ein oder der Martin-Gropius-Bau. Und natürlich die Berlinale jedes Jahr! Oder auch die Fashion Week, die ist zwar nicht so bekannt wie in Paris, aber trotzdem für Deutschland mittlerweile beachtlich. Nicht zu vergessen die Artweek Szene wie die Biennale oder die Gallery Weekend. Du stolperst in Berlin eigentlich von Festival zu Festival!

Ihr macht Events und Ausstellungen?

Ja. Meistens unsere eigenen Sachen oder Themenausstellungen. Ich habe im Aufbau-Haus aber auch ein Studio, wo ich arbeiten kann. Und jeder kann kommen und sein Porträt Foto machen. Wir müssen ja unsere Miete zahlen.

Imago ist, so sehe ich das, ein interaktives Kunstwerk für Menschen, die sich selbst entdecken wollen. Und die dann sagen: „Da mach ich was damit!“

Jeder kann kommen, und das finde ich sehr spannend. Natürlich kostet es was, sonst könnte ich das nicht machen.

Fotos von Imago, aufgehangen, Porträt Fotos

Vorbereitungen für eine Ausstellung von Imago ©AusserGewöhnlich Berlin

Wenn du umsonst arbeiten möchtest, gibt es genug soziale Projekte. (lacht)

Allerdings. Eine sehr interessante Philosophie sagt, dass Kreativkultur eigentlich umsonst sein sollte. Ich habe das in der aktuellen „Brand eins“ gelesen. Unglaublich spannend.

Und warum sollte Kunst umsonst sein?

Nein, sollte sie nicht. Warum denn?

Wer sein Licht immer unter den Scheffel stellt, ist selbst schuld. Wer immer nur sagt: „Hauptsache, ich werde überhaupt gesehen!“, der bleibt in einer bestimmten Schublade stecken.


Es geht aber auch anders. Aber nicht bei jungen Künstlern, von denen bekommst du immer alles geschenkt. Heutzutage denken die Leute, dass man alles geschenkt bekommt.

Was kostet ein Imago-Porträt?

Eine normale Porträt-Session kostet 370 Euro. Dafür bekommst du ein gut zwei Meter großes Schwarz-Weiß-Foto, das noch dazu ein Unikat ist.

Imago Porträt Fotos

Werner Kraus und Erhard Hößle sind die Erfinder der größten Kamera der Welt ©AusserGewöhnlich Berlin

Ist Imago perfekt unsere Selfie-Generation?

Dass IMAGO und die Möglichkeit, einen künstlerischen Blick auf sich selbst zu werfen, so sehr den Nerv unserer Zeit trifft, das wusste ich nicht, als ich angefangen habe.

Ich war einfach nur fasziniert. Und jetzt lebe ich mitten in einer Zeit, die sich genau mit dieser Selbstdarstellung auseinandersetzt. Ich sage bewusst nicht Selfie, denn es ist kein Selfie. Ein Porträt Foto ist etwas ganz anderes. Trotzdem ist da diese große Lust, etwas über sich selber zu erfahren. Das war beim Selfie in den Anfängen ja auch so, obwohl es sehr viele Unterschiede gibt.

Ich finde das ein wirklich tolles Projekt. Heutzutage sind so viele darauf bedacht, sich selbst zu inszenieren. Hier kannst du nicht lügen.

Genau, hier kannst du nicht lügen. Es ist ein Statement!


Neben Imago, hat Modulor seinen Sitz im Aufbau Haus. HIER können Sie einen Artikel zu Modulor lesen.

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