best-of-gerald
„Ich weiß nicht, wie ich den Tod in meinem voll gepackten Terminkalender unterbringen soll“, sage ich. Ich bin eine junge Frau, trage ein rotes Kostüm, eng anliegend, so dass alle meine weiblichen Formen die männliche Welt um mich herum aufgeilen.

Ich habe mein Lächeln aufgemalt. Ich studiere und fresse aus allen Bereichen Wissen in mich hinein, um in allen Einzelheiten zu verstehen, wie die Macht, das Leben, die Physik, Chemie und die Liebe funktionieren. Ich wollte Teil des Systems werden, im Glauben, es nach meinen Vorstellungen bedienen oder verändern zu können.

Welch ein Irrglauben! Und was kümmert mich die Nachwelt, hat sich denn die Nachwelt je um mich gekümmert?

Das Leben ist doch so: Wenn die anderen sagen, ich sei gut, dann fühle ich mich gut. Sagen die anderen, ich sei ein Versager, dann fühle ich mich auch als ein solcher. Das Klima der Konkurrenz und die Angst vor Zurückweisung sind wohl die wichtigsten Gründe für ein glatt gebügeltes Ich. Mein Vater überlegt sich mit seinen 58 Jahren gerade, was er eigentlich einmal werden möchte. Das ist seine Lebenslogik. Aber die Alltageslogik ist ein ganz anderer Kosmos. Zum Beispiel sind die meisten Ehen Hinrichtungen, die über Jahre vollstreckt werden. Ich führe zum Glück keine Ehe und so bin ich weiter ein sehr positiv gestimmte junge Frau.

Für mich gibt es kaum hoffnungslose Situationen, solange man sie nicht als solche akzeptiert. Wenn ich meine Gedanken im Schatten der Sonne baumeln lasse, habe ich eine ganz gute Gehirnzeit mit mir. Im Gehirn ist es wie im Leben: Erfolg hat, wer die besten Verbindungen knüpft! Geistig ungezügelte Völlerei unseres Denkorgans mit zu vielen, falschen und unwichtigen Informationen lasse ich heute nicht mehr bei mir zu, denn das Gehirn muss wie jedes andere Organ die Dinge verdauen und braucht seine Regeneration.

Bevor ich wieder Businesspläne mache, denke ich im Kaffeehaus über unser Blut bei einem Glas Rotwein nach. Im Blut liegt die Wahrheit, im Blut liegt das Geschäft: ist es ein Junge oder Mädchen? Gesund oder krank? Für die Dechiffriermaschinen in den Genlabors ist das Erbmaterial zu einer leichten Lektüre geworden. Die Zeiten sind zu Ende, in denen gesunder Nachwuchs eine Gnade und ein behindertes Kind ein hinzunehmendes Schicksal war. Endlich ist das Erbmaterial zu einer leichten Lektüre geworden. Wir werden noch viel Geld damit verdienen.

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