Ania Pilipenko vom Holzmarkt

Ania Pilipenko (rechts) und Dominik (links) ©AusserGewöhnlich Berlin

Platz für Freiheit und Chaos – Holzmarkt

Ania Pilipenko ist Vorstand der Genossenschaft für urbane Kreativität. Im Interview spricht sie über das Erwachsen werden, Kulturpolitik und das größte Dorf Berlins.

Was ist der Holzmarkt?

Der Holzmarkt ist eine organisierte Genossenschaft, die vor einigen Jahren auf die Idee kam, ein Kreativ-Dorf an der Spree zu bauen.

Holzmarkt Netzwerktreffen

Aussergewöhnlich Berlin trifft sich im Holzmarkt ©AusserGewöhnlich Berlin

Ein Platz in Berlin für Querdenker mit verrückten Ideen, die sich trauen das zu machen, was sie lieben und worauf sie Bock haben. Eigentlich war der Ort für das Media Spree Projekt vorgesehen.

Die Media Spree ist ein Immobilienprojekt für große Investoren. Um das zu verhindern, haben wir dafür gekämpft, einen Ort zu schaffen, der auch vor Spekulation und Gentrifizierung schützen soll.

Vor ein Paar Jahren war Berlin „arm, aber sexy“ und wir haben uns damit wohlgefühlt. Können wir jetzt auch „reich und sexy sein“? Damit seid ihr ja bereits ein ganz gutes Vorbild.

Willst du damit sagen, dass wir reich und sexy sind? (lacht) Die oberste Prämisse vom Holzmarkt ist: Es darf nicht die Frage sein: Will ich Profit machen, sondern: wie wird der Profit verwendet?
Quantitativ Profit aus einem Projekt zu quetschen, war nie das Ziel des Holzmarkts. Wir achten darauf, dass unsere Gewinne in ´qualitativ profitable´ Projekte zurückinvestiert werden. Das ist der Weg.

Zusammen mit einer Stiftung ist es uns gelungen, für die nächsten 75 Jahre einen Platz zu sichern, der Kunst und Kreativität in der Mitte von Berlin fördern soll.


Eröffnung vom Holzmarkt

Der Holzmarkt wurde im Mai 2017 eröffnet ©AusserGewöhnlich Berlin

Gefühlt haben wir seit 10 Jahren am Holzmarkt gebaut. Das Gebäude verkörpert, was wir ausleben und was wir lieben, aber das ist nicht immer leicht zu finanzieren.


Wir haben es uns zum Ziel gemacht, dieses Haus hier, in dem wir gerade sprechen, zu einem Kulturhaus auszubauen:

Das Kulturhaus hat eine Kapazität von 700 Personen. Wir können mit der Bestuhlung 250 Menschen zusammenbringen. In die unteren Räume passen bis zu 120 Leute rein. Um das Kulturhaus finanzieren zu können, veranstalten wir Corporate Events mit Firmen wie z.B. Arte oder Universal Music, die dieses Haus dann damit subventionieren. Wir führen aber auch selbst Veranstaltungen durch: Konzerte, Kunstausstellungen u.a. Die Events, die wir in dem Kulturhaus veranstalten, bringen dem Holzmarkt Beziehungen, die normalerweise gar nicht hierherkommen würden.

Holzmarkt an der Spree

Von der Baustelle zum Kreativ-Dorf in Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Was war die ursprüngliche Nutzung vom Holzmarkt?

Bevor eine angemeldete Versammlungsstelle daraus wurde, war dieses Grundstück eine Baustelle, auf der mehr oder weniger illegale Veranstaltungen stattgefunden haben.

Das Media Spree Projekt ist für euch böse, aber Arte und Universal sind das nicht?

In meinen Augen sind Arte und Universal Music ein positives Beispiel, dass die Mischung aus Kultur und Wirtschaft in Kulturprojekten wunderbar in Berlin funktionieren kann.

Das Gelände des Holzmarktes

Auf dem Gelände des Holzmarkts gibt es über 20 Geschäfte, von der Kita bis zum Club ©AusserGewöhnlich Berlin

Kommt ihr mit der Kulturpolitik vom Senat aus? Was ist eure Meinung dazu?

Hier wird Kultur gemacht, die keine Politik beinhaltet. Tatsächlich hat es der Verein geschafft, dass wir ohne in Berlin öffentlich diskutiert zu werden, dieses Projekt auf die Beine gestellt haben. Deshalb sind wir autark.

Mit dem Senat sind wir im Dialog und mit Tim Renner, dem damaligen Geschäftsführer von Universal Music, hatten wir einige Dialogveranstaltungen durchgeführt. Kulturorte sind die Schwerpunkte von Tim Renner gewesen, daher fand er den Holzmarkt auch so interessant. Wir wollen gerne Dr. Klaus Lederer bei einem unserer nächsten Events dabeihaben, aber er hat leider noch nicht zugesagt.

Holzmarkt: der bunte Fleck im noch bunteren Berlin

Der Holzmarkt ist so bunt wie Berlin selbst ©AusserGewöhnlich Berlin

Wie weit seid ihr denn mit den Bauarbeiten? Sind diese einzelnen Häuschen schon fertig oder laufen die Bauarbeiten immer noch?

Laut Bautstandsbericht, das ist der Bericht, den wir monatlich unserem Kreditinstitut zusenden, sind wir schon zu 90% fertig. Generell kann man aber sagen, dass der Holzmarkt und alle seine Mitstreiter noch nicht fertig sind. Die Location ist schon gestaltet und bunt, aber wir wollen hier vieles noch schöner machen:

Oben wollen wir zwei Etagen raufbauen. Diese sollen dann unsere Wellnessetagen werden, wo dann ein Yogastudio oder ein Chiropraktiker reinkommen können. Man sieht noch, dass das alles hier sehr frisch ist, obwohl es seine eigene Note hat.

Holzmarkt Berlin an der Spree

Ania Pilipenko beim Salon von Aussergewöhnlich Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Von sehr unstrukturiert zu einem halben Kultur-Konzern seid ihr einen sehr langen Weg gegangen. Seid ihr denn jetzt erwachsen geworden?

Gefühlt sind wir immer noch genauso unstrukturiert wie früher. Nur, dass wir jetzt Unterstützung im Background haben, die für eine Struktur sorgt und uns unterstützt. Die Struktur schützt uns nicht nur vor Fehlentscheidungen, sondern bietet den Chaoten hier genug Platz für Freiheit und Chaos.

Holzmarkt in der Nähe vom Ostbahnhof

Domizil für Freigeister in der Nähe vom Ostbahnhof ©AusserGewöhnlich Berlin

Wie hat sich das Projekt dann finanziert?

Wir haben ein alternatives Finanzierungsmodell aufgebaut. Natürlich haben wir uns Gedanken gemacht: „Wie kann so ein Dorf aufgebaut werden, ohne selber das Geld zu haben?“
In der Schweiz haben wir eine Partner Stiftung gefunden, die uns das Grundstück finanziert hat.

Die Genossenschaft, die wir gegründet haben, hat Anteile verkauft und Kapital für die Finanzierung von Gebäuden akquiriert. Mit diesem Kapital hat uns die Umweltbank einen Kredit gegeben, weil sie das Projekt so toll fand. Seit kurzem ist die Bank auch Mitglied in unserer Genossenschaft.

S-Bahnstation Jannowitzbrücke

Zum Holzmarkt: U und S-Bahnstation Jannowitzbrücke ©AusserGewöhnlich Berlin

Kann man bei eurer Genossenschaft noch Mitglied werden?

Erst einmal muss man mit mir reden (lacht). Wir sind immer auf der Suche nach neuen Mitgliedern. Wir sind guter Dinge, dass die Mischung aus Kultur und Wirtschaft hier in Berlin funktionieren kann. Wir haben auch weitere Pläne mit der Ausgestaltung des Holzmarktes: Demnächst möchten wir noch ein Gasthaus bauen, das wir dann auch wieder mit einem alternativen Modell finanzieren wollen.

Kater Blau

Auch das Kater Blau gehört zum Holzmarkt ©AusserGewöhnlich Berlin

Geschäfte auf dem Holzmarkt

Kater Holzig auf dem Holzmarkt ©AusserGewöhnlich Berlin

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