ISBF: Institut für Sozialmedizinische Begutachtung und Fortbildung

Dr. Sabine Schulze, Geschäftsführerin vom Institut für Sozialmedizinische Begutachtung und Fortbildung (ISBF) ©AusserGewöhnlich Berlin

Warum es gut ist, vom Weg abzukommen

Eine Ärztin, die gleichzeitig ein Unternehmen führt und was ein Hase damit zu tun hat: Dr. Sabine Schulze, Gründerin vom Institut für Sozialmedizinische Begutachtung und Fortbildung (ISBF) im Interview.

Ein Hase ist schuld an deinem lebensverändernden Unfall. Was ist passiert?

Ich wollte an einem Skatemarathon teilnehmen. Beim Training kam mir ein Hase in die Quere, der mich wirklich umgehauen hat. Bei dem Unfall habe ich mir eine Wirbelsäulenverletzung zugezogen.

 Hasst Du diesen Hasen?

Im Rahmen meiner Erkrankung habe ich unter anderem Schmerztherapie gemacht, dazu gehört auch Psychotherapie.

Mein Psychotherapeut hat immer gesagt, mir würde es erst dann besser gehen, wenn ich den Hasen, der diesen Unfall verursacht hat, lieben würde. Aber ich konnte dieses Vieh nie lieben.


Heute liebe ich diesen Hasen, weil er mein Leben so positiv verändert hat.

 Was machst Du jetzt?

Ich leite das Institut für Sozialmedizinische Begutachtung und Fortbildung. Das Institut wurde von mir und einem Kollegen 2009 gegründet.

Wir erstellen für verschiedene Auftraggeber sozialmedizinische Gutachten. Häufig geht es um die Erwerbstätigkeit.

Unsere Auftraggeber sind Rentenversicherungen, Arbeitsämter, Jobcenter, Versicherungen, private Versicherungen, Sozialgerichte und Familiengerichte.

Dr. Sabine Schulze vom ISBF spricht über einen Hasen und was das mit Unternehmertum zu tun hat

Dr. Sabine Schulze vom ISBF, Ärztin und Unternehmerin ©AusserGewöhnlich Berlin

Aber was genau macht ihr dann?

Ein kleines Beispiel: Du bist arbeitslos und warst früher Maurer. Jetzt sagst du deinem Arbeitsvermittler, du hast etwas mit dem Rücken und kannst nicht mehr als Maurer arbeiten. Dann wird vom Vermittler ein Auftrag an den ärztlichen Dienst der Bundesagentur gestellt. Wir sind Vertragsärzte für die Bundesagentur. In solchen Gutachten wird dann auch eine Anamnese erstellt und es erfolgt eine umfängliche Untersuchung. In Verbindung mit den eingeholten medizinischen Unterlagen wird dann ein Gutachten erstellt, wo die Leistungsfähigkeit beurteilt wird.

Wenn die festgestellte Leistungsfähigkeit für die Tätigkeit als Maurer nicht mehr ausreichend ist, wird dieses im Gutachten mitgeteilt und es können mögliche Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben folgen.

Ein weiteres Beispiel: Du stellst einen Rentenantrag, weil du nicht mehr arbeiten kannst. Die Rentenversicherung schickt uns das zur Überprüfung. Wir machen eine Anamnese und führen eine umfängliche Untersuchung durch. In manchen Fällen ist auch eine Laboruntersuchung oder eine apparative Untersuchung wie z.B. ein Ultraschall des Bauches oder des Herzens o.ä. erforderlich. Mit diesen Ergebnissen und den vorliegenden medizinischen Befunden erfolgt dann die Beurteilung der Leistungsfähigkeit.

 Ist es schon mal vorgekommen, dass ihr neue Krankheiten entdeckt habt?

Ja, häufig.

Wir haben schon oft Krankheiten bei unseren Untersuchungen entdeckt, die vorher nicht bekannt waren. Ich habe zum Beispiel einmal eine palpaple Resistenz im Bauchraum entdeckt, von dem ich denke, dass es ein Tumor war.


Ich habe die Person zum Hausarzt geschickt. Was es am Ende wirklich war, weiß ich leider nicht.

Du machst also auch Untersuchungen? Bist du Unternehmerin oder Ärztin?

Ich bin beides. Ich habe damals nach der Schule als Krankenschwester an der Charité gearbeitet und nebenbei mein Abitur gemacht. Als ich damit fertig war, habe ich Medizin studiert und meinen Facharzt in Allgemeinmedizin gemacht. Zu meiner Zeit gab es eine Vielzahl von Ärzten, weshalb man nur kurzzeitige Verträge bekommen hat und oft die Kliniken wechseln musste. Für mich war das aber von Vorteil, weil man dadurch eine weitumfassende Ausbildung bekommen hat. Am Ende habe ich im Herzzentrum in Brandenburg gearbeitet.

Dann kam der Unfall. Ich konnte nicht mehr körperlich arbeiten und war anderthalb Jahre arbeitsunfähig. Aber ich hielt es Zuhause einfach nicht mehr aus und wollte arbeiten.


Durch Zufall bin ich in den ärztlichen Dienst der Bundesagentur gekommen. Am Anfang fand ich die Arbeit relativ unüberschaubar, weil alles neu war. Nachdem ich mich eingelebt hatte, fand ich Gefallen an der Arbeit mit der Tätigkeit. Bei der Bundesagentur hatte ich nur einen Vertrag für 1,5 Jahre. Als der auslief, habe ich bei der Deutschen Rentenversicherung angefangen. Hier habe ich keine Begutachtungen durchgeführt sondern diese ausgewertet. Es war eine sehr interessante Tätigkeit, mir fehlte aber der Kontakt zum Menschen.

Da kam ich auf die Idee, so ein Institut zu gründen.

 Gab es schon ähnliche Institute?

Es gibt in Berlin ein ähnliches Institut. Dieses Institut erstellt soviel ich weiß die gleichen Gutachten. Es gibt unter uns beiden aber kein Konkurrenzdenken, es besteht ein freundschaftliches Verhältnis. Es gibt auch Bundesweit Gutachteninstitute. Mit einem Institut aus Frankfurt am Main arbeiten wir gelegentlich zusammen.

 Wie lange dauert so ein Gutachten?

Es ist unterschiedlich. Je nachdem was für eine Fragestellung beurteilt werden soll.

Allgemein dauern die Gutachten von ca. 45 Minuten bis 2 Stunden.

Es gibt aber auch Gutachten, da arbeite ich 1 Tag oder länger daran. Dies sind Zusammenhangsgutachten für Gerichte.

 Wie viele Mitarbeiter hast du?

Insgesamt sind es 40 Mitarbeiter. Wir haben in Berlin unseren Hauptsitz und in Leipzig seit 2014 eine Außenstelle.

 Hast du vor weiter zu expandieren oder ist das genug?

Seitdem mein Sohn mit dem Studium fertig ist, arbeitet er mit in der Firma. Eigentlich wollte ich mich jetzt ein bisschen zur Ruhe setzen, aber ich glaube, er hat vor zu expandieren. Auf alle Fälle wollen wir Leipzig erweitern.

Wie ist es, mit der Familie zu arbeiten?

Sehr gut. Mein Sohn und ich hatten schon immer ein sehr gutes Verhältnis. Ehrlich gesagt wollte ich, dass er erstmal woanders arbeitet. Er wollte das aber nicht. Er hat viel Herzblut mit reingesteckt und geholfen alles aufzubauen. Und er macht seine Sache sehr gut. Jeder hat seine eigenen Aufgabengebiete und das läuft gut.

 Wie sieht dein Arbeitsalltag heute aus?

Eigentlich habe ich jetzt ein ganz normales Leben. Ich arbeite nicht mehr als 8 bis 10 Stunden am Tag und das Wochenende ist frei. Das war nicht immer so.

Am Anfang war ich bestimmt von 7.00 Uhr bis 21.00 Uhr in der Firma und habe kaum geschlafen.


Aber es ist alles normalisiert. Und das habe ich meinem richtig guten Team zu verdanken.

Warum haben wir so einen Ärztemangel, studieren heute weniger Menschen Medizin?

Nein, das glaube ich nicht. Aber ich denke, man hat vielleicht den Altersknick nicht bedacht. Es wurde früher sehr viel Personal eingespart. Das Personal im Krankenhaus hat schon immer sehr viel gearbeitet. Teilweise waren ich und meine Kollegen mit Bereitschaftsdiensten und Wochenenddiensten 80 bis 100 Stunden in der Woche in der Klinik. Wer möchte denn gern so arbeiten. Ich nicht mehr. Wir müssen aus meiner Sicht die Berufe im stationären Bereich, egal ob Pflegekräfte oder Ärzte einfach „familientauglich“ gestalten. Nur geht es sicher nicht so schnell und es kostet auch deutlich mehr Geld.

Du hast schon so viele verschiedene Sachen gemacht, bist du stolz auf dich?

Ich finde es eigentlich normal.

Welche Werte müssen eure Mitarbeiter vertreten?

Schwer zu sagen. Es muss einfach passen. In der Regel stellen wir uns im Bewerbungsgespräch kurz vor und dann der Bewerber. Daraus ergeben sich meistens Fragen und wir merken sehr oft gleich, ob jemand hierher passt oder nicht. Das funktioniert meistens sehr gut. Zusätzlich lassen wir jeden Bewerber einen Tag bei uns hospitieren.

Du hast viel erlebt und gemacht. Was würdest du einem jungen Menschen sagen, der überhaupt nicht weiß, was er machen soll?

Ich denke, heutzutage ist es besonders wichtig, gute Ideen zu haben. Und ich würde jedem empfehlen, Sprachen zu lernen.


Ist Networking ein Thema für euch?

Also durch Networking bekommen wir nicht mehr Aufträge, aber für andere Bereiche finde ich es sehr interessant. Ich habe bei meinem ersten Besuch bei Außergewöhnlich Berlin den Inhaber von Gedankentanken kennengelernt. Er war da auch als Gast da. Jetzt macht mein Sohn bei ihm ein Führungskräfteseminar.

Ich möchte mich im Rahmen des Interviews auch bei euch rechtherzlich für eure Arbeit bedanken. Ihr hattet eine super Idee mit Außergewöhnlich Berlin und ihr leistet für Berlin und somit für uns eine wirklich tolle Arbeit. Vielen lieben Dank.

 

Vielen Dank für das Interview!

Hier etwas über Networking lesen.

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