Energiewende in der Stadt der freien Energie

Der AusserGewöhnliche Berliner Jörg Buntenbach von Greenpeace Energy über irritierend nette BVG-Busfahrer, Berliner Werte und das nachhaltige Berlin.

  • Berlin gehört zu den Vorreitern in der Energiewende.
  • Das Wertvolle an Berlin: keine festen Strukturen, wie in anderen Städten: Alles wird ständig in Frage gestellt.
  • „Es darf nicht darum gehen, möglichst viel zu verdienen, sondern es muss darum gehen, die Identität der Stadt zu bewahren und entspannt durchs Leben zu gehen.“

Warum sind noch nicht alle Anbieter auf regenerative Energien umgestiegen?

Das hat ganz unterschiedliche Gründe. Es gibt beispielsweise Anbieter, die konventionelle Kraftwerke betreiben und ihr eigenes Geschäftsmodell nicht in Frage stellen wollen oder können, solange sie mit diesen Kraftwerken Geld verdienen.

Andere kaufen ihren Strom günstig an der Börse ein. Der Kostenfaktor spielt also eine große Rolle.

„Die Messgröße ist oft das Geld, nicht eine Überzeugung,…“


…wie sie bei uns (Greenpeace Energy) zu finden ist.

Wir als 100prozentiger Energieversorger sind der Energiewende verpflichtet, nicht renditegetriebenen Anteilseignern.

Was ist euch an Berlin wertvoll?

Wertvoll sind Berliner Werte: Man muss sich aufeinander verlassen können. Man hilft sich. Man ist direkt.

Das Wertvolle an Berlin ist, dass es in dem Sinne keine festen Strukturen gibt, wie in anderen Städten.

„Alles verändert sich ständig. Alles wird immer in Frage gestellt. Das führt zu einer positiven gesellschaftlichen Weiterentwicklung. Besitzstandswahrung ist vielen Berlinern zuwider. Das ist mir sympathisch.“


Auf welchem Stand ist Berlin bei der Energiewende im Vergleich zu anderen deutschen Städten?

Berlin gehört sicher zu den Vorreitern. Es gibt sehr viele nachhaltig ausgerichtete Unternehmen. In der Stadt wird viel getan, um die Klimaschutzziele zu erreichen.

Dazu gehört nicht nur, Ökostrom zu beziehen, sondern auch die Themen E-Mobilität und Mieterstrom anzupacken und konkrete Projekte umzusetzen.

Stirbt die Berliner Schnauze aus?

In vielen Bereichen leider ja!

„Ein Beispiel: Bei der BVG gibt es inzwischen sehr viele freundliche Busfahrer. Das finde ich oft irritierend und langweilig.“


Vieles muss politisch korrekt ablaufen. Das führt zu Gleichförmigkeit. Wichtiger finde ich, auch mal mit schnoddrigen Leuten umzugehen und im Gespräch festzustellen, dass das Herz an der richtigen Stelle sitzt. Eine freundliche Fassade allein ist im ersten Moment vielleicht angenehm, aber das nützt nichts, wenn sich dahinter keine Ehrlichkeit verbirgt.

Was hat es mit den Stadtwerken auf sich? Was bringt die Kommunalisierung der Infrastruktur? Ist das gut oder schlecht?

Grundsätzlich finden wir eine Rekommunalisierung gut.

Die Stadtwerke sind ein weiterer Player im Markt. Wenn es am Ende dazu führt, dass die Energiewende insgesamt schnell und konsequent umgesetzt wird, ist das im wahrsten Sinne des Wortes eine saubere Sache.

Was können wir tun, damit die Berliner keine Angst vor der Zukunft, sondern Lust auf Neues haben?

Der „Rendite-Gen“ muss verbannt werden!

„Es darf nicht darum gehen, möglichst viel zu verdienen, sondern es muss darum gehen, die Identität der Stadt zu bewahren und entspannt durchs Leben zu gehen.“


Konkret bedeutet dass, den Berlinern das Heft des Handelns zu überlassen – und nicht internationalen Investoren.

Auch hier nur ein Beispiel: Der Immobilienmarkt muss mehr und mehr genossenschaftlich ausgerichtet sein. Es muss um bezahlbares Wohnen gehen, nicht darum, den größtmöglichen Gewinn zu erzielen.

Ist Nachhaltigkeit in einer schnelllebigen Stadt wie Berlin überhaupt umsetzbar? Ist Berlin nicht eine sehr typische Wegwerf-Gesellschaft? Wenn nein, was ist sie denn dann?

„Es gibt keine andere Stadt, in der das Thema Nachhaltigkeit so gelebt wird, wie hier! Trotz aller Schnelllebigkeit.“


Keine andere Region weist eine so hohe Dichte an Biomärkten und Neulandfleischereien auf.

Im Bereich „Mode“ gilt Berlin als Vorreiter in Sachen „Green Fashion/Ökomode“.

Aber trotzdem gibt es noch Luft nach oben: Jeder von uns verhält sich im Alltag nicht immer nachhaltig, was wir vom Verstand her auch wissen. Es fällt uns oft schwer, Triebverzicht zu üben und beispielsweise zum Bäcker nicht mit dem Auto zu fahren, sondern zu Fuß zu gehen.

Was kann das Land Berlin tun, um Neuankömmlinge zu integrieren oder was können wir Berliner im Einzelnen tun?

Grundsätzlich jeden willkommen heißen und es allen Neuankömmlingen ermöglichen, nach seiner „Facon selig zu werden“.

Dazu gehört Das Recht auf Arbeit (unbürokratische Hilfe bei der Erteilung von Arbeitserlaubnissen), das Recht auf Wohnen (Mietpreisbremse endlich mit Leben füllen und die Quadratmetermiete konsequent auf maximal 6 Euro festsetzen) sowie den öffentlichen Personennahverkehr attraktiver zu machen.

„Jeder von uns kann Neuankömmlinge willkommen heißen und die vielzitierte Berliner Entspanntheit und Toleranz vorleben.“


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