Für seinen Blog flosithiv.com hat Florian Winkler-Ohm den Medienpreis HIV 2019/2020 gewonnen.

Der AusserGewöhnliche Berliner Florian Winkler-Ohm ist Geschäftsführer des SchwuZ und Betreiber des Blogs flosithiv.com ©AusserGewöhnlich Berlin

5 Fakten über HIV, die Du garantiert noch nicht kennst – Florian Winkler Ohm

Der AusserGewöhnliche Berliner Florian Winkler Ohm ist der Gewinner des Medienpreis der Deutschen AIDS-Stiftung.

Die Deutsche AIDS-Stiftung verleiht den Medienpreis HIV/AIDS seit 1987. Und zwar an Menschen, die sachlich und kompetent über das Thema berichten. Wer den Medienpreis gewinnt, entscheidet eine unabhängige Jury aus Medizinern, Journalisten und AIDS-Experten.

Der AusserGewöhnliche Berliner Florian Winkler Ohm ist einer der Gewinner des Medienpreises 2019/2020.

Wir wollen mehr über sein Projekt erfahren und was ihn antreibt.

Du hast den Medienpreis HIV/AIDS der Deutschen AIDS-Stiftung gewonnen. Für deinen Blog flosithiv.com und dein Engagement im HIV Bereich. Was möchtest Du mit deinem Blog erreichen? Was ist dein Ziel?

Auf dem Blog schreibe ich über mein Leben mit HIV, berichte über medizinische Neuigkeiten von Kongressen und Konferenzen und ermögliche Aktivist_innen der HIV-Community über Ihr Engagement zu erzählen. Der Blog soll Menschen mit HIV mit Neuigkeiten versorgen und bietet Menschen ohne HIV die Möglichkeit, sich zum Thema zu informieren. Das Ziel ist, gegen die Diskriminierung und Stigmatisierung von HIV-Positiven zu kämpfen.

Wie unterscheidet sich „HIV heute“ von „HIV früher“? Ist HIV überhaupt noch ein so großes Thema?

Ich selbst habe mich noch in einer Zeit infiziert, in der um mich herum viele Freunde gestorben sind. Als junger Mensch war ich mehr auf Beerdigungen als auf Hochzeiten.

Das hat sich dank der modernen Therapien heute glücklicherweise geändert. Unter wirksamer Therapie haben Positive heute die gleiche Lebenserwartung wie Menschen ohne HIV. Die schrecklichen Bilder der 80er-Jahre verblassen allmählich.

Das sorgt aber auch dafür, dass junge Menschen immer seltener zum Test gehen. Die meisten Neuinfektionen in Deutschland passieren genau in diesem Bereich – daher: Auch heute noch sollten alle sexuell aktiven Menschen regelmäßig zum Test. Je früher die Diagnose steht, desto früher und damit erfolgreicher kann eine Behandlung beginnen.

Welche 5 Fakten über HIV kennen wir bestimmt noch nicht?

  • Knapp die Hälfte aller von HIV betroffenen Menschen weltweit haben immer noch keinen Zugang zu Medikamenten. Ein Skandal!
  • HIV-Positive unter Therapie können – auch ohne Kondom – keine Person mehr mit HIV anstecken.
  • Mit der PreP – einem Wirkstoff der HIV-Therapie – können sich mittels einer Tablette HIV-Negative prophylaktisch vor einer Infektion schützen.
  • Die HIV-Neuinfektionen explodieren gerade in osteuropäischen Ländern. Der Grund: die dortigen Regierungen verhindern durch ihr rückwärts gewandtes Weltbild die Präventionsarbeit.
  • Mit HIV kann man heute alles werden – sogar Geschäftsführer im SchwuZ. Spaß beiseite: Berufsverbote wie früher – beispielsweise für Pilot_innen – gibt es nicht mehr.

Warum ist das Thema HIV und Sex in der Gesellschaft noch ein Tabu Thema? Würdest Du sagen, dass das in Berlin anders ist? Wenn ja, warum?

Natürlich leben wir in Berlin in einer Blase. Irgendwas muss ja dran sein, dass wir alle hier hergezogen sind und die Stadt so lieben. Offen mit HIV in Berlin zu leben, ist damit natürlich unproblematischer als in Passau. Tabus kann man brechen in dem man offen darüber spricht. Und die Berliner sind sehr offen.

Da einer der Hauptübertragungswege des HI-Virus der Sex ist, geriet das Thema von Anfang an in die Tabuzone. Höchste Zeit das zu ändern, denn wer beim Thema Sex ein Tabu hat, verpasst wahrscheinlich die schönsten Momente dieses Lebens.

Du hast ein Preisgeld in Höhe von 5000 Euro gewonnen. Was machst Du mit dem Geld?

Als Blogger gibt es da immer ein paar dringende Anschaffungen – ein neuer PC zum Schneiden der Videos muss dringend her. Außerdem brauche ich Gelder, um überhaupt auf die HIV-Kongresse fahren zu können. Und ich unterstütze mit einem Teil des Geldes auch Vereine und engagierte HIV-Aktivist_innen aus der HIV-Community.

Vielen Dank für das Interview.

Wir sind stolz, Menschen wie Florian Winkler Ohm in unserem Netzwerk zu haben.

Vielen Dank für dein Engagement. Die Welt braucht mehr Menschen wie dich.

Florian Winkler Ohm mit dem Medienpreis HIV/AIDS

Der Medienpreis HIV/AIDS wird aller zwei Jahre von der Deutschen AIDS Stiftung gewählt

Zum Schluss noch die Laudatio der TV-Moderatorin und Schauspielerin Jessica Stockmann über Florian Winkler Ohm:

Einige von Ihnen, liebe Gäste, dürften unseren nächsten Preisträger bereits kennen.

Er ist das Gesicht einer Kampagne – ICH WEISS WAS ICH TU. Aber nicht nur: Man begegnet ihm auch auf Konferenzen wie dieser, bei Positiventreffen, und dort wo Menschen zusammenkommen, die sich über HIV austauschen.

Florian Winkler Ohm – Journalist und HIV- und Drogenaktivist – ist viel unterwegs. Auch um, so schreibt er in seiner Bewerbung, die Community und am Thema  interessierte Menschen, an den Infos von großen Konferenzen teilhaben zu lassen. Locker und in verständlicher Sprache.

Dazu betreibt Florian Winkler Ohm den Blog flosithiv.com

Die Jury zeichnet diesen Blog heute mit dem Medienpreis HIV/AIDS aus.

In der Begründung der Jury heißt es: Florian Winkler Ohm berichtet in seinem Blog flosithiv.com seit Jahren über alle relevanten Themen und über Veranstaltungen der HIV-Szene. Er reist zu den wichtigsten Kongressen, wie der Welt-Aids-Konferenz, dem DÖAK und den Positiven Begegnungen um darüber zu berichten.

Florian Winkler Ohm führt Infos vor der Kamera mit Fachleuten genauso wie Aktivsten und Aktivistinnen immer auf sehr neugierige Art. Er nimmt Podcasts auf und er schreibt vielfältig in der Aufbereitung und den Themen.

Dabei sind seine Beiträge lebendig und sie sind kurzweilig.

Florian Winkler Ohm zeigt aktuelle Fakten und was Menschen mit HIV und die von HIV am stärksten betroffenen Gruppen gerade bewegt. Damit wurde er zum Sprachrohr für viele Menschen mit HIV und für ihre Themen, wie Schutz durch Therapie, PreP, Chemsex oder Diskriminierung im Gesundheitswesen.

Sein Blog ist aktuell, kritisch und engagiert. Ohne zu verharmlosen, einseitig zu sein oder zu dramatisieren. Mit seinem Blog leistet Florian Winkler Ohm deshalb einen wichtigen Beitrag zur Entstigmatisierung von HIV und zum Abbau von Diskriminierung.

Lieber Florian Winkler Ohm: wir gratulieren Ihnen herzlich zum Medienpreis HIV/AIDS.

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