Tanja Schramm, CEO von MEET GERMANY

Tanja Schramm, CEO von MEET GERMANY

Live war gestern – MEET GERMANY und die Zukunft der menschlichen Interaktion

Events-sind tot - es leben Events! Die AußerGewöhnliche Berlinerin Tanja Schramm von MEET GERMANY über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Event-Branche

Treffen wir uns für Messen, Kongresse und Parties künftig nur noch digital? Hat Corona das Format Live-Event ausgelöscht? Die AußerGewöhnliche Berlinerin Tanja Schramm muss es wissen: Sie ist Geschäftsführerin der MEET GERMANY, dem größten Netzwerk der MICE Branche in Deutschland. MEET GERMANY hat den Versuch gewagt und innerhalb von kürzester Zeit sein erstes virtuelles Event auf die Beine gestellt. Am 26. und 27. Mai trafen sich 3.400 Fachbesucher in einem virtuellen Ausstellungsbereich und bildeten sich zu dem Thema „Future Communication“ weiter.

Wir haben mit MEET GERMANY CEO Tanja Schramm über das Event, die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Event-Branche sowie Chancen und Risiken von virtuellen Veranstaltungen gesprochen.

Tanja, worum genau ging es bei eurem Event?
Das Motto war „Future Communication“. Es bietet ein sehr breites Spektrum von hybriden Events, über Mobilität der Zukunft bis hin zu dem Thema gendergerechte Sprache & mentaler Vielfalt.
Alle Vorträge sind übrigens auch online auf unserer Community-Plattform. Wer Interesse hat, kann sich hier kostenfrei einloggen und unter der Rubrik Knowledge Center die Vorträge ansehen.

Über eine App chatteten die Fachbesucher untereinander und mit den Partnern. Gamification-Tools, Vorträge und Podiumsdiskussionen waren Part des Events. Ein besonderes Highlight war unser MEET GERMANY Song: „Together we are strong“. Meeting point berlin komponierten diesen extra für uns und sangen mit unseren Teilnehmern.

Das Event selber diente als Practice Case. Die Fachbesucher lernten unterschiedliche Tools kennen und probierten sie selber aus.

War das Thema auch vor Corona so geplant oder ist es mit Corona entstanden?

Das virtuelle Event ist tatsächlich als Ersatz für unsere Live-Events entstanden. Normalerweise hätten wir unsere Fachbesucher in München, in Hamburg, in Rhein-Main und Berlin persönlich empfangen. Alle diese Events mussten aufgrund von COVID-19 abgesagt werden.

Stattdessen trafen wir uns jetzt virtuell.

Mit welchen Schwierigkeiten habt ihr euch durch das neue Format konfrontiert gesehen?

Die größte Herausforderung für alle Beteiligten war, dass diese Form des Events für viele neu war. Keiner wusste so richtig, was auf einen zukommt.

Zum einen ist es unser Ziel möglichst viele Tools und Möglichkeiten darzustellen, damit die Fachbesucher selber testen können, was für sie relevant ist. So kombinierten wir Partner wie die Plattform Expo-IP, die Streaming- & Konferenztechnik von NIKKUS Veranstaltungstechnik, die App von EventMobi und das Gamification-Tool von Confgames. Die Koordination nahm viel Zeit in Anspruch.

Dann war die Resonanz viel höher als gedacht. Wir hatten 3 x so viele Aussteller und Referenten, wie anfänglich geplant. Und auch von diesen Partnern, nahmen viele das erste Mal an einem virtuellen Event teil. Somit war der Kommunikations- und Probeaufwand erheblich.

Und wie ist das Event in diesem Format angenommen worden?

Die Resonanz war überwältigend. Wir haben wirklich tolles Feedback erhalten. Es war genau die richtige Aktion zum richtigen Zeitpunkt. Es signalisierte, dass die Branche zusammenhält und es weitergeht. Trotz Krise.

Das hört sich super an. Wie viele haben denn überhaupt mitgemacht?

Wir hatten über 3.400 Fachbesucher, nahezu 90 Aussteller und 55 Referenten. Damit war es das größte virtuelle MICE- und Business Travel Event deutschlandweit, welches in dieser Form stattgefunden hat.

Gratulieren! Denkst du, dass solch ein Event-Format auch nach Corona bestehen bleibt? Sprich: Werden Events neue Wege gehen?

Grundsätzlich bin ich davon überzeugt, dass in Zukunft auch virtuelle Veranstaltungen ihre Berechtigung haben. Wir haben auch gute Erfahrung mit virtuellen MEETUPS (unseren Netzwerktreffen) gemacht. Diese werden wir teilweise auch so wiederholen.

Live-Formate werden aus meiner Wahrnehmung heraus auch zukünftig mit digitalen Elementen ergänzt.

„Virtuelle Events ersetzen aber nie Live-Events. Der persönliche Kontakt, der Austausch und das Netzwerken sowie das Thema Emotionalität ist live ganz anders vermittelbar.“


Ja, als ich viruell gehört habe, habe ich mich gleich gefragt: Fehlt nicht das Zwischenmenschliche?

Ja. Definitiv. Wir haben das Beste in dieser Hinsicht aus dem Format geholt. Ein Moderator hat die Teilnehmer den gesamten Tag über durch den Tag geführt. Viele der Fachbesucher sagten: „Ich wollte eigentlich nur mal kurz reinschauen und bin dann den gesamten Tag im Stream geblieben“.

An einigen Ständen hatten wir auch Video-Chat. Dadurch konnten sich die Teilnehmer sehen. Andere sind zu Zoom oder anderen Formaten gewechselt, um sich dort intensiver auszutauschen.

Was sind also die Vorteile, was die Nachteile?

Du hast eine viel größere Reichweite und kannst mehr Inhalte vermitteln. Die Teilnehmer können selber entscheiden, welchen Vorträgen sie folgen wollen.

Auf der anderen Seite, sind Live-Events verbindlicher. An den Messeständen hatten wir im Durchschnitt 320 Fachbesucher. Davon interagierten weniger als 10 % mit den Ausstellern.

Der Aufwand für beide Eventformen ist ähnlich, zeitlich wie auch monetär. Die letzten zwei Wochen hat mein gesamtes Team für das Event „gewirbelt“. Hätten wir dieses Event regulär bezahlt, wäre es eine 6-stellige Summe gewesen. Das wird von vielen unterschätzt.

Was denkst du, hat die Event Branche durch das Digitale eine bessere Chance Corona zu überleben?

Sicherlich entsteht hier gerade ein neuer Geschäftszweig. Technikfirmen und Eventagenturen bieten komplett neue Eventmodelle an und erschließen sich somit zusätzliche Einkommensquellen.

Viele Locations und Hotels, die ich kenne, bauen jetzt mit ihren Technikpartnern Studios auf, um hier der Eventbranche virtuelle und auch hybride Formate zu bieten.

Dennoch hoffe ich sehr, dass wir bald wieder Events im herkömmlichen Sinne durchführen können. Diese neuen Angebote sichern nur Teilen unserer Branche die Existenz.

Jetzt müssen die Vorgaben der Politik und die Marktwahrnehmung und -kommunikation Hand in Hand greifen. Das eine ist, jetzt sukzessive die Auflagen zu lockern. Das andere, die Veranstaltungsplaner wieder sicher zu machen. Auch das wird noch einmal Kraft und Zusammenhalt fordern.

Was waren für dich die interessantesten Finds des Metings?

Für mich war eines der größten Learnings, wie viele Protagonisten an so einem Event mitwirken. Auch oder genau dafür benötigst Du einen Regisseur, eine „Maske“, Catering für das Team & Referenten sowie Bestuhlung, damit auf allen Bühnen das gleiche Equipment genutzt wird.

Selbst der Stream muss gut gewählt sein. Wir haben einen für max. 2.000 Personen gebucht und kamen selbst hier bei 1 – 2 Vorträgen an unsere Grenze.

Und noch eine Erfahrung ist, dass Du für zwei Tage Event auch mindestens zwei komplette Tage für die Probe einplanen solltest.

Ich persönlich stand das erste Mal in einem Green Screen. Auch das war aufregend.

Wie können wir uns so ein virtuelles Meeting konkret vorstellen?

Die Besucher kamen bei uns in die Lobby:

Von dort aus konnten sie in den Vortrags- oder Ausstellungsbereich gehen.

Im Ausstellungsbereich erwarteten unsere Teilnehmer zwei Räumlichkeiten mit Ausstellern.

Sobald sie auf einen der Aussteller klickten, kamen sie an die Stände mit unterschiedlichsten Grafiken und Angeboten. Beim Großteil konnten die Teilnehmer mit den Ausstellern chatten und an einigen sogar Preise gewinnen.

In unserem Vortragsbereich befand sich unsere Bühne. Von dort aus, konnten die Teilnehmer in die unterschiedlichsten Vorträge switchen. Für diese haben sich die Fachbesucher auch im Vorfeld angemeldet und wurden dann per E-Mail noch einmal daran erinnert.

Abends dann luden wir die Gäste zum Live-Stream in das House of Rock’n’Roll ein. Am zweiten Tag spielte die Band Gorilla Funk (gegründet von den Sängern von Culcha Candela und gemanagt von Showbiz) extra für unsere Community.

Werdet ihr auch in Zukunft weitere vituelle Meetings organisieren?

Zunächst konzentrieren wir uns jetzt darauf, unsere Live-Events (Berlin & NRW) in diesem Jahr digital zu unterstützen und zu zeigen, wie hybrid funktioniert.

Inwieweit wir ein ähnliches Format wieder planen, entscheiden wir noch.

Eines ist sicher, so eine große Resonanz werden wir wohl in anderen Zeiten nicht wieder erleben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.