Die Schöne Party in der Kalkscheune

Die Schöne Party: feiern in Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Schön tanzen in Berlin – Die Schöne Party

Der AusserGewöhnliche Berliner Jürgen Roth ist Geschäftsführer der Schönen Party und erklärt uns im Interview, wie man 17 Jahre lang feiern kann.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Die Schöne Party zu machen?

Die Idee hatten Robert Skuppin, Volker Wieprecht und Björn Krüger. Damals waren sie Moderatoren bei Radio Eins. Irgendwann kamen sie auf die Idee, eine Party zu machen, die wie eine Privatparty sein sollte, aber öffentlich. Björn organisierte sowieso schon eine Partyreihe. Robert und Volker wurden dann sozusagen die, die dafür gestanden und bei Radio Eins dafür geworben haben. So ist es vor 17 Jahren entstanden.

Was ist das Besondere an dem Club Die Schönen Party?

Das Besondere ist, dass sich dort viele Leute treffen, aber man trotzdem nicht das Gefühl hat, in einer riesigen Disko zu sein.


Durch die Aufteilung in vier Floors und einen Innenhof verläuft es sich und so ist alles dann doch ein bisschen privater. Dazu gibt es kaum Partys in Berlin die überhaupt vier verschiedene Dance-Floors haben und verschiedene Musikrichtungen anbieten, sodass jeder das findet, was er will. Und dann bieten wir dazu noch eine kulturelle Geschichte an, wie Lesungen oder verschiedene Bands. Wir sind also nicht wie eine laufende Diskothek organisiert, sondern wie ein besonderes Event. Es ist eben eine schöne Party und deswegen gibt es das nur alle zwei Wochen.

Die Schöne Party soll den Leuten richtig Spaß machen.

Wir versuchen alle 14 Tage ein neues Thema zu kreieren. Auch die DJs wechseln ziemlich häufig. Wir haben einen Pool aus 50 DJs. Die meisten legen ein bis zwei Mal im Jahr auf und haben ganz spezielle Richtungen. Das geht von den 80ern über Rock und Pop bis hin zu spezielleren Sachen wie Swing, Country oder Trash.

Was für Leute kommen auf Die Schöne Party?

Wir haben ein sehr breites Publikum zwischen 20 und 60 Jahren. In erster Linie sind das arbeitstätige Menschen aus den Randbezirken Berlins, wie Spandau, Pankow, Treptow, Zehlendorf oder Köpenick. Der Altersdurchschnitt liegt bei 40. Wir versuchen aber trotzdem alle Menschen anzusprechen und nicht eine spezielle Zielgruppe, denn in manchen Clubs trifft man immer nur die gleichen Leute zwischen 20 und 30 Jahren mit einer ganz speziellen Ausrichtung und das ist schade. Außerdem haben wir eine Frauenquote von fast 60%. Oft kommen Frauengruppen zu uns, die einfach den ganzen Abend tanzen.

Es geht also nicht um Lifestyle und Status, sondern um Spaß?

Ganz genau. Deswegen gibt es auch keine Security, die Menschen aussortiert. Die Einzigen, die bei uns nicht reinkommen, sind Leute, die deutlich alkoholisiert sind, oder Leute, die merkwürdig auffallen. Das betrifft dann manchmal 5er oder 6er Gruppen mit Männern, die komische Witze machen. Da sind wir dann streng. Aber ansonsten ist bei uns wirklich jeder willkommen.

Das hat ja auch ein bisschen was mit dem Spirit Berlins zu tun oder? Hier kann sich jeder wohl fühlen, jeder ist aufgehoben, Berlin ist offen für alle?

Prinzipiell ja, aber in der Feierkultur ist das eben nicht immer so. In den angesagten Clubs in Berlin wird sehr genau geschaut, wer reinkommt und wer nicht und so sind dann dort immer dieselben Leute. In Dörfern und Kleinstädten ist der Austausch größer, weil es da nur den einen Club gibt. Aber in Berlin ist die Durchmischung schon fast wieder untypisch. Der Spirit von Berlin mag sein, dass alle so sein können wie sie wollen, aber man mischt sich nicht unbedingt. Man bleibt unter sich, weil Berlin so viele spezielle Nischen bietet.

Und die Schöne Party gibt die Möglichkeit neue Menschen kennenzulernen?

Das klappt recht gut.

Diverse Menschen besuchen die Schöne Party nur noch ab und zu, weil sie sich hier gefunden haben und jetzt verheiratet sind.

Und dann gibt es natürlich Leute, die mit Mitte 40 wieder vorbeikommen und nach einer Scheidung erneut auf der Suche nach einem Partner sind. Ich kenne Viele aus meinem Fußballclub, die geschieden sind. Das kann man sehen wie man will aber meiner Meinung nach ist das typisch Berlin.

Warum sind Trennungen typisch für Berlin?

Das ist einfach so in den Großstädten. Hier ist die Trennungsrate statistisch gesehen deutlich höher als auf dem Land. Das könnte daran liegen, dass die Leute in den Städten vielen verschiedenen Einflüssen ausgesetzt sind. In einer Stadt sind die sozialen Bindungskräfte ein bisschen geringer als auf dem Dorf, wo jeder jeden kennt. So bleiben im Dorf auch Leute zusammen, die nicht mehr so glücklich sind. In Berlin können die Leute eher sagen: „Lieber Schlussstrich ziehen und was Anderes“.

Berlin ist eine Feierstadt. Hier öffnen und schließen fast täglich neue Clubs in Berlin. Die einen sagen, Party bedeutet Glück, Energie und Freude, während die anderen sagen, dass feiern nur Geldverschwendung ist. Was denken sie? Wie ist das und warum ist es so?

Ich glaube, wenn man unkompliziert feiern kann, dann überwiegt das Glück auf jeden Fall. Bei uns muss man sich weder vorher anmelden, noch einen bestimmten Dresscode einhalten. Es geht einfach nur um Tanzen und Spaß haben und dann bedeutet Feiern ganz klar Freude und Glück.

Was meinen sie, macht es glücklich, wenn man ab und zu ein bisschen die Sau rauslässt?

Auf jeden Fall. Das merkt jeder, der mal ein paar Stunden durchgetanzt hat. Selbst wenn man keine Leute kennenlernen will und einfach Spaß an der Musik hat. Der Körper schüttet Endorphine aus und dann ist man glücklich und unbeschwert. Dieses Glücksgefühl nimmt man mit in den Berliner Alltag.

Sie sind seit 17 Jahren im Nachtleben-Business. Das Nachtleben hat sich in den letzten Jahren verändert. Berlin hat heute mehr Geld als früher. Merkt man bestimmte Veränderungen?

Ich denke schon, dass es einen Unterschied gibt. Es ist mehr Geld im Nachtleben unterwegs und das ist gut, weil man damit natürlich mehr machen kann. Früher war es oft sehr schwierig, überhaupt Geld dafür zu kriegen. Viele Partyveranstalter sind schnell pleite gegangen. Es ist wirklich schön, dass Leute jetzt wieder mehr bereit sind, Geld dafür auszugeben. Aber ich habe das Gefühl, dass die Partys nicht mehr so lange gehen wir früher. Wir sind älter geworden und so werden die Partys anders. Dadurch, dass es uns schon seit 17 Jahren gibt, sind wir nicht die Speerspitze des Nachtlebens. In vielen Berliner Clubs wird darauf geachtet, dass sie neu und hip sind. Da funktioniert der Markt anders. Alle 2-3 Jahre wird ein neuer Club durch die Szene getragen, der dann ganz besonders ist. Die sind aber auch nach 5-6 Jahren wieder weg vom Fenster.

Woran liegt das?  

Das liegt daran, dass das besonders hippe Publikum Wert auf einen Club legt, der ebenso ist. Macht dann ein neuer Club auf, zieht es diese Leute weg und dann wird das schwer zu kompensieren. Das trifft nicht auf alle Clubs in Berlin zu. Den Tresor und das Berghain gibt es mittlerweile sehr lange.

Die Clubs, die lange überleben, haben meist eine klare Positionierung, ein klares Wertesystem. Das Berghain z.B. ist exklusiv, da kommen nur die Ausgewählten rein. Sind es Werte, die Clubs in Berlin am Leben halten?

Ja, auf jeden Fall. Der Club, der in Berlin bestehen will, muss sich absetzen und muss etwas haben.


Irgendwas Besonderes, irgendwas was ihn auszeichnet. Wenn es nur das Besondere ist, dass er jetzt angesagt ist, dann reicht das nicht, um langfristig zu überleben.

Wie sieht eine typische Schöne Partynacht aus?

Bei uns geht eine Partynacht relativ früh los. Schon damals, mit Anfang 30 hat uns das genervt, wenn manche Clubs in Berlin erst ab 1 Uhr Leute reingelassen hat. Deshalb haben wir bewusst gesagt, dass wir schon 21.00 Uhr anfangen und dann wird auch spätestens ab 22 Uhr richtig getanzt.

Die meisten Gäste nutzen das Angebot und gehen einmal durch die Floors. Dann entscheiden sie sich beispielsweise zwischen Funk, Rock, Swing und den 80ern und dann geht es los. Die Floors sind um einen Innenhof herum angeordnet und so kann man alle gut erreichen, wie in einem Rundgang. Man ist mittendrin und sobald man den Hof verlässt, steht man in einem Tanzfloor. Wobei die meisten Tanzenden auf dem sogenannten Die Schöne Partymix-Floor landen. Das ist ein Mischmasch von allem, über alle Jahreszeiten und alle Stile hinweg. Dieser Floor ist eher ein bisschen Mainstream, während die kleineren Floors spezieller sind.

Viele fühlen sich hier von den Räumlichkeiten angezogen. Die Kalkscheune ist ein wirklicher alter Hof und um den Innenhof herum ist alles konzipiert. Ich nenne es jetzt mal Kontakthof, weil man da zwischendrin eine rauchen, etwas essen und sich unterhalten kann. Besonders im Sommer ist der Hof proppe voll. Das ist dann ein wahnsinniges Stimmengewirr.

Die Schöne Party, tanzen in Berlin

Jürgen Roth, Geschäftsführer die Schöne Party

Wer mehr über Die Schöne Party erfahren möchte, klickt HIER.

Hier finden Sie noch einen Artikel zum Thema Clubs in Berlin.

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