Alexander S. Wolf über das Netzwerken

Alexander S. Wolf, Dictyonom Gründer und Leiter des Netzwerks AusserGewöhnlich Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Der Dictyonom – Alexander Wolf

Alexander Wolf ist eine der wenigen Koryphäen rund um systematischen Netzwerk-Aufbau und -Pflege und erklärt uns die wichtigsten Punkte erfolgreicher Dictyonomie.

Wer sich intensiv mit dem Wesen des Networking beschäftigt, der stellt fest, dass es eine europäische Kunst ist.

Deshalb hat Alexander Wolf für gutes, wertebasiertes Netzwerken den Begriff „Dictyonomie“ geprägt: als Anlehnung an die europäischen Traditionen (Dictyo = Das Netz in altgriechisch).

Alexander Wolf ist eine der wenigen Koryphäen rund um systematischen Netzwerk-Aufbau und -Pflege und erklärt uns die wichtigsten Punkte erfolgreicher Dictyonomie.

 

Bikini Berlin, Zoologischer Garten
Netzwerken im Herzen Berlins ©AusserGewöhnlich Berlin

Warum sind Netzwerke so wichtig Alexander Wolf?

Weil über Netzwerke alle Dinge schneller laufen. Informationen werden schneller übertragen, Ideen gelangen an die Menschen, die diese Ideen realisieren. Da, wo ein Netzwerk ist, ist das wie bestehende Telefonleitungen. Oder bestehender Handelswege. Ein Netzwerk ist nicht anderes, als wenn in einem Land ganz viele Autobahnen sind. Der Verkehr läuft schneller, Geschäfte laufen schneller, aber auch die Krankenwagen können schneller fahren. Menschen gelangen schneller zueinander.

Die Ressourcen werden besser dorthin verteilt, wo sie nötig sind.

Netzwerke sind virtuelle Autobahnen. Wenn in einer Stadt viele gute Netzwerke sind, läuft die ganze Stadt besser. Das kann man sich wieder gut am Beispiel eines Dorfs vergegenwärtigen: Wenn ein Dorf gut vernetzt ist und es an einer Ecke brennt, weiß sehr schnell das ganze Dorf Bescheid, die Feuerwehr wird organisiert und der Brand schnell gelöscht. In einem Dorf, wo die Leute sich gar nicht kennen oder nicht mögen, besteht die Gefahr, dass sich der Brand ausbreitet und das ganze Dorf abfackelt.

Online vs. offline? Was sind die Unterschiede?

Offline: Beziehung aufbauen. Online: Beziehung pflegen. Der Grund ist, dass man online sehr schwer vertrauen aufbauen kann, bei Beziehungen geht es aber ganz stark um Vertrauen. Es ist extrem schwierig, eine neue Beziehung aufzubauen, wenn man den persönlichen Live-Kontakt nicht hat. Der Mensch kennt online halt erst seit 10 Jahren, aber 250.000 Jahre offline. Am Ende sind wir offline-Tiere. Intuitiv wissen wir – wenn der Strom ausfällt, ist eine Beziehung nur etwas wert, wenn sie auch offline funktioniert.

Bikini Berlin
Alexander Wolf über Dictyonomie ©AusserGewöhnlich Berlin

Müssen Netzwerke also immer online und offline kombinieren? Kann ein reines Online-Netzwerk glücklich machen?

Heterogenität ist in einer Krise immer stärker als Homogenität.

Monokulturen sind anfälliger für alles Mögliche. Wenn man also ein heterogenes Netzwerk hat, das sowohl online als auch offline besteht, hat man das Beste für alle Lebenslagen. Ein reines offline-Netzwerk funktioniert besser als ein reines online-Netzwerk, aber ein offline-Netzwerk, bei dem auch online ein Austausch stattfindet, ist noch stärker, einfach weil Informationen viel schneller ausgetauscht werden können.

Liegt es in der Natur des Menschen, Netzwerke zu bauen oder wurde uns das antrainiert?

Es liegt in der Natur des Menschen. Wir sind Herdentiere, wir sind Gruppentiere. Das ist wissenschaftlich bewiesen. Man kann sich Primaten aller Art angucken. Auch Affen bilden Netzwerke. Das Lausen des Fells entspricht bei Affen unserem Smalltalk.

Muss man extrovertiert sein, um ein guter Netzwerker zu sein, Alexander Wolf?

Natürlich ist es von Vorteil, wenn man nicht extrem schüchtern ist. Aber um ein Netzwerk von belastbaren Beziehungen aufzubauen, ist es völlig egal, ob man schüchtern oder extrovertiert ist, denn ein Netzwerk baut man durch ein System auf. Durch langfristige, systematische Pflege von Beziehungen. Das können introvertierte Menschen wahrscheinlich sogar besser, weil sie sich besser auf Andere konzentrieren, gut zuhören können und von Natur aus mehr denken.

 

Buch von Alexander Wolf
Die Essenz des Networking ©AusserGewöhnlich Berlin

Warum wird Networking in der Gesellschaft oft als etwas Negatives angesehen?

Weil Netzwerke tatsächlich funktionieren und man über Kontakte an Dinge herankommt, an die man sonst nicht kommen würde. Ab und zu übertreiben das einige Leute. Dann nimmt die Öffentlichkeit wieder entsetzt wahr, dass es irgendwelche Seilschaften gibt, die sich größere Stücke vom Kuchen rausgeschnitten haben als eigentlich erlaubt ist. Obwohl diese gesamte Gesellschaft aus Netzwerken besteht, haben diese Beispiele von übertriebenen, egozentrischen Seilschaften das gesamte Image von Netzwerken zerstört.
Nur die Negativbeispiele fallen auf.

Auch dein Freundeskreis ist ein Netzwerk, die Nachbarschaft und das Technische Hilfswerk sind Netzwerke. Die existieren und jeder sieht, dass das gute Sachen sind. Aber selbstverständlich ist es nicht gut, wenn irgendwelche Politiker mit irgendwelchen Wirtschaftsbossen irgendwelche Gelder beiseiteschieben, um sich davon Yachten zu kaufen. Aber von der Funktion her ist das alles das gleiche.

Netzwerke sind nichts Schlechtes, wenn die Menschen nicht schlecht sind, die diese Netzwerke bauen.

Bücher zum Thema Networking von Alexander Wolf
Networking als Basis des persönlichen Erfolgs ©AusserGewöhnlich Berlin

 

Wer sich für das Thema Netzwerken interessiert, gelangt hier zu weiteren Büchern von Alexander Wolf.

Dieser Artikel erschien erstmals im eMagazin von AusserGewöhnlich Berlin in der Ausgabe 11/2016.

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