Christopher Jahns über den klima-neutralen Bürger: Interview mit AusserGewöhnlich Berlin

Prof. Dr. Christopher Jahns ©privat

Der klima-neutrale Bürger – Join the Revolution!

Prof. Dr. Christopher Jahns: Wie man etwas zum Klimaschutz beitragen kann, ohne sich zu verbiegen.

  • Über das Klima debattieren fast alle, indem sie hauptsächlich mit dem Finger auf andere zeigen.
  • Aber wie können wir das Klima wirklich retten?
  • „Das wäre der Knaller. Das wäre sehr effizient. Das wäre die Revolution, eine, die helfen kann, das Klima retten könnte.“
  • Der AusserGewöhnliche Berliner Prof. Dr. Christopher Jahns, der Gründer der XU Exponential Game Changers und Initiator der XU Exponential University, spricht über den klima-neutralen Bürger.

Wir leben in interessanten Zeiten. Schüler gehen auf die Straße, um uns, den Erwachsenen zu sagen: Ihr verspielt unsere Zukunft mit euren nutzlosen Debatten, anstatt die wichtigen Dinge richtig anzupacken!

Was mir an dieser so nötigen wie überfälligen Debatte stinkt: Fast alle debattieren, indem sie hauptsächlich mit dem Finger auf andere zeigen. Die Industrie wirft der Politik mangelnde oder falsche Vorgaben vor. Die Politik wirft der Industrie mangelnde bis fehlende Selbstverpflichtung vor. Die Verbände wettern gegen beide. Immer sind die andern schuld.

Schuld am Klimawandel sind immer nur die andern

Anstatt dass mal jemand bei sich selber anfängt und mit gutem Beispiel vorangeht. Und damit meine ich nicht, dass wir den Müll trennen oder grünen Strom beziehen, was ohnehin und dankenswerterweise schon eine Menge Menschen machen. Ich meine damit vielmehr, dass jene Menschen, die es sich leisten können – und das sind Millionen! – sich eine klima-neutrale Familie leisten. Wie das?

Die klima-neutrale Familie

Es gibt viele Unternehmen, die einem dabei helfen. Die Helfer unserer Wahl sind die Experten von ClimatePartner. Sie helfen Unternehmen und jetzt auch Privatleuten dabei, den eigenen Carbon Footprint zu ermitteln und zu neutralisieren. Die XU Exponential University ist übrigens eine der ersten klima-neutralen Hochschulen. Ja, man kann auch eine ganze Hochschule klima-neutral machen. Die XU wird die Footprint-Neutralisierung im B2C-Bereich künftig zusammen mit ClimatePartner vorantreiben. Weil es nötig ist. Aber zurück zum eigenen Leben.

Mein ökologischer Fußabdruck

Mit der dafür zur Verfügung gestellten Tabelle habe ich ausgerechnet, dass ich mit meiner Familie im Jahr sagenhafte 157 Tonnen CO2 in die Atmosphäre blase. Weil ich geschäftlich sehr viel reise. Ich kann mich nicht in mein Büro einschließen – dann wäre ich zwar fast klima-neutral, aber auch ohne Einkommen, da nicht mehr produktiv. Außerdem wollen wir in den Urlaub fahren und gelegentlich auch etwas essen, was ja ebenfalls den Carbon Footprint mit Giftgas aufbläst. Strom brauchen wir auch. Und trotzdem können wir klima-neutral leben und tun es auch.

Wie wir neutralisieren

Also gut – oder weniger gut: Ich verursache 157 Tonnen CO2 im Jahr. Okay, sagen die Leute von ClimatePartner: Hier ist eine Liste mit CO2-Reduktionsprojekten – such dir was Passendes aus! Habe ich. Ich habe mir ein Regenwaldprojekt ausgesucht, das massiv CO2 neutralisiert und zwar in messbaren Quantitäten. Damit die Leute vom Projekt das weiter treiben und weiter Kohlendioxid aus der Atmosphäre in Atemluft verwandeln, brauchen sie Geld, das ich im Ausmaß meiner Umwelt-Sauerei dazugebe: Wir als Familie verstinken mit 157 Tonnen die Luft? Dann komme ich auch für die Kosten auf, die dafür nötig sind, um diese Tonnen wieder aus der Luft zu filtern oder zu photosynthetisieren. Für mich sind das cs. 2.500 Euro im Jahr.

Der Preis für die Rettung der Welt

Wenn ich das erzähle, reißen einige die Augen auf und meinen: „Ich hätte eher mit 25.000 gerechnet!“ Nein, ein klima-neutraler Bürger zu sein, ist günstiger zu haben, als die meisten fürchten. Außerdem bin ich ein ganz schlimmes Beispiel. Bekannte und Freunde, die ebenfalls seit kurzem neutralisieren, wenig reisen und kaum Auto fahren, sprechen von tabellarisch errechneten 10 bis 20 Tonnen und von Beträgen zwischen 100 und 200 Euro Neutralisationsbeitrag im Jahr. Und alle sagen: „Das ist mir atembare Luft und das Schicksal meiner Kinder schon wert – wenn nicht mehr.“ Natürlich. Aber natürlich stört das einige.

Getrollt wird immer

Ganz gleich, wie gut eine Sache ist, es gibt immer einen, der meckern muss. Trolle unken: „Da kaufen sich die reichen Umweltsünder frei!“ Bei 100 Euro im Jahr? Das ist nicht reich. Außerdem: Dann macht’s doch besser! Natürlich kann man aufs Auto verzichten, wo es nur geht, und statt viermal in Urlaub fernreisen dann eben nur einmal – aber sich einzuschränken bringt einen nicht zur kompletten Neutralität. Ab einem bestimmten, nicht weiter zu steigernden Grad der eigenen Einschränkung muss man einfach kompensieren, um zu neutralisieren. Also kompensiert man zum Beispiel im Regenwald oder mit anderen Neutralisationsprojekten. Es gibt inzwischen genügend davon, die saubere Luft aus dreckiger machen. Wir sollten sie unterstützen. Sie warten auf uns. Warum komme ich darauf?

Unter Freunden

Ich hatte jüngst das Glück, in eine hochkarätige Runde von Entscheidern aus Politik und Wirtschaft eingeladen zu werden. Es wurde wie selten sonst offen geredet. Die Unternehmer am Tisch sagten: „Wenn es um Klima-Neutralität geht, muss einfach mehr von der Politik kommen!“ Und die Spitzenpolitiker am Tisch sagten: „Fangt ruhig mal selber damit an und reduziert den Ausstoß von Klima-Gasen!“ Ich saß dazwischen, hörte eine Weile zu und machte dann den Vorschlag: „Warum macht ihr es nicht so wie meine Familie und ich und unterstützt ein Neutralisationsprojekt?“ Einige in der Runde sagten spontan: „Sowas gibt’s? Und so zugänglich? Mache ich mit!“ Warum sollten das nicht mehr von uns sagen?

Mündig? Klima-Neutral!

Warum immer auf die anderen warten? Wir haben den mündigen Bürger, jetzt brauchen wir den klima-neutralen Bürger. Wer jeden Cent dreimal umdrehen muss, für den sind natürlich selbst 100 Euro im Jahr schwer zumutbar. Aber was wäre, wenn alle ab einem Jahreseinkommen von, sagen wir, sechzig- oder siebzigtausend ihren Kohlendioxid-Fußabdruck neutralisieren würden? Das wäre der Knaller. Das wäre sehr effizient. Das wäre die Revolution, eine, die helfen kann, das Klima retten könnte. Join the Revolution! Nicht nur unser Kinder wegen!

 

Prof. Dr. Christopher Jahns.

Ein Kommentar zu “Der klima-neutrale Bürger – Join the Revolution!

  1. Sehr geehrter Professor Jahns,

    ich bin Ofenbaumeister und Baubiologie,
    rede mir mein Maul franzig dass WLAN nicht gesund ist vor allem für ganz junge
    Menschen,
    Schreibe diesbezüglich an die McDonalds
    Zentrale und mache Vorschläge was zu tun wäre ohne den Kids was wegzunehmen —
    Und ???
    Sie werden es nicht glauben – es interessiert niemanden !!
    Ich entwickle ein Heizungskonzept, das bei konsequenter Anwendung alle Öl – und Gasheizungen unnötig machen würde – Revolution weltweit !!
    Ohne zusätzliche Energie. !!??!!??
    Noch nie hat jemand von sowas auch nur geträumt. —
    Und ??
    Sie werden es nicht glauben – es interessiert niemanden !!
    Nur dank einer ausgeprägt positiven Grundeinstellung bin ich noch am Leben. !!
    Ihnen weiterhin alles Gute,
    Werner Müller
    Ofenbaumeister 21258 Heidenau
    http://www.kaminofenanschluss.de

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