Robert Rückel und Alexander Wolf im Spionagemuseum

Robert Rückel, Direktor Spionagemuseum Berlin (links) und Alexander Wolf von AusserGewöhnlich Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Jeder dritte unter den Linden ist ein Spion

Der Aussergewöhnliche Robert Rückel, Direktor des Deutschen Spionagemuseums, spricht mit uns über Geheimdienste und Spionage in Berlin, der Hauptstadt der Spione.

Ist Berlin noch eine Agentenstadt? Männer, die wild um sich schießen und durch Großstädte jetten – dieses ganze Spionageklischee ist doch überholt, oder?

Das stimmt so nicht. Wir alle wissen, der Bundesnachrichtendienst baut gerade seine neue Zentrale in Berlin-Mitte.
Ein gigantischer Bau, der Spionage quasi sichtbar in der Stadt macht. In Berlin laufen sehr viele Fäden zusammen, hier agieren Geheimdienste von Ländern, bei denen man nicht einmal weiß, dass sie einen Geheimdienst haben.

Neulich war der Ex-BND-Chef zu Gast bei uns  im Spionagemuseum und sagte: Ich darf Ihnen natürlich nicht sagen, mit welchen Geheimdiensten wir alles zusammenarbeiten, aber Sie würden sich wundern!

Unser Verfassungsschutzpräsident sagt, dass Berlin immer noch die „Hauptstadt der Spione“ ist. Alle, die sich mit Spionage auskennen, sind derselben Meinung.

Das bemerkt man natürlich nur, wenn mal ab und zu eine Geschichte die Öffentlichkeit erreicht : 2013 wurde z.B. bekannt, dass Merkels Handy abgehört wurde. Oder in diesem Jahr, als der vietnamesische Geheimdienst jemanden mitten aus Berlin entführt hatte.

Der Chef des Berliner Verfassungsschutzes sagte, dass die Dichte der Spione in Berlin so groß ist, wie nirgends sonst auf der Welt.

Wenn er unter den Linden spazieren gehe, könne er jeden dritten, den er trifft, als Kollege bezeichnen.

Wir sitzen also an der Schnittstelle für Spionage in Europa.


Die Berliner Mauer, Spionage in Berlin in Zeiten der Teilung

In Zeiten der Teilung war Spionage ein heißes Eisen in Berlin. ©AusserGewöhnlich Berlin

Robert, das Spionagemuseum zeigt derzeit die Sonderausstellung „Der Doppelagent Heinz Felfe entdeckt Amerika“. Wer ist Heinz Felfe?

„Der Doppelagent Heinz Felfe entdeckt Amerika“ ist eine Fotoausstellung.

Die Gründung der Vorgänger-Organisation des BND, die „Organisation Gehlen“ war eine Initiative der US Army und der CIA, hauptsächlich, um die  westliche Spionage in den  sowjetisch besetzten Gebieten Osteuropas zu stärken.
Bis 1956 unterstand der Geheimdienst sogar amerikanischer Oberhoheit.

Die USA wollten die Deutschen Geheimdienstmitarbeiter an sich binden. Ein Kulturaustausch mit vielen Bildungsreisen wurde angeboten. Die Deutschen wurden erster Klasse in die USA eingeflogen und durften dort vier Wochen durch das Land reisen. Sie haben Hintergrundgespräche mit der CIA geführt, Sehenswürdigkeiten gesehen, Nationalparks besichtigt, Löwenbräu am Strand von Los Angeles getrunken – und das alles auf Kosten der Amis.
Ein schön buntes Reiseprogramm für  Geheimdienstmitarbeiter.

Bei einer der Reisen im Jahr 1956 ist Hans Felfe mitgefahren: Ein Doppelagent.
Das war etwas Besonderes, da er sowohl Leiter der Spionageabwehr des BND als auch Agent des KGB, also des sowjetischen Geheimdienstes war.

Ein KGB-Agent, der beim BND war, wurde von der CIA in die USA eingeladen und ist auf Kosten der amerikanische Regierung rumgereist.


Diese Reise wurde ihm später zum Verhängnis: Ein KGB-Überläufer erzählte den Amerikanern, dass es wohl einen Doppelagenten im BND gebe. Er wisse nicht wer. Aber er habe gehört, dass dieser eine Dienst-Reise durch die USA gemacht hätte. Im Deutschen Spionagemuseum kann man originale Reisedokumente der verhängnisvollen Felfe-Reise sehen.

Spionage in Berlin: Der BND

Der Bundesnachrichtendienst in Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Zeigt ihr im Spionagemuseum auch aktuelle Themen?

Natürlich. Spionage verändert sich im Laufe der Zeit, deshalb haben wir einen Bereich zur Gegenwart der Spionage.

Da erweitern wir den Blickwinkel von Spionage auf Datenschutz im Allgemeinen.
Wenn wir darüber reden, dass die Geheimdienste an unsere Daten wollen, müssen wir auch darüber diskutieren, wem wir freiwillig unsere Daten geben.

Ihr habt Großes mit dem Spionagemuseum vor. Verrätst Du etwas darüber?

In den letzten Monaten haben wir Besucherfeedback ausgewertet und wollen jetzt ein paar Dinge verändern.

Robert Rückel, Leiter des Spionagemuseums, spricht über Doppelagenten und die CIA

Das Deutsche Spionagemuseum in Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Wir zeigen demnächst im Spionagemuseum Objekte, die bisher geheim waren.

Emotionen und Spiele, das ist es, was wir nun mehr in der Ausstellung bieten wollen.

Im Spionagemuseum gibt es derzeit über 200 Monitore, unglaublich viele Projektoren, VR-Brillen und Touch Screens.

Wir sind sehr technisch. Das ist toll, aber für ein Museum ist etwas zum Anfassen auch wichtig. Deshalb wollen wir ganz kleine Aufgaben installieren, die man händisch lösen muss.
Spiegelschrift zum Beispiel.

Wie viele Leute besuchen das Spionagemuseum?

Bevor ich Direktor des Spionagemuseums war, habe ich das DDR Museum geleitet. Dort hatten wir über 500.000 Besucher. Bei dieser Nummer sind wir hier noch nicht. Bis wir im Spionagemuseum so viele haben, dauert es vielleicht noch zwei Jahre, aber das schaffen wir.

Robert, bitte nenne uns 3 Spionagefilme, die in Berlin spielen.

  • Berlin Station, eine der erfolgreichsten Netflixserien
  • Atomic Blonde
  • Homeland

Das hört sich doch spannend an. Danke Robert und wir wünschen dem Deutschen Spionagemuseum viel Erfolg und kommen euch natürlich fleißig besuchen.

Wer mehr über das Spionagemuseum erfahren will, klickt HIER.

Alexander S. Wolf sprach mit Robert Rückel, Geschäftsführer des Spionagemueums, während eines Salons von AusserGewöhnlich Berlin im Spionagemuseum.

Seit 2016 ist Tobias Assies einer der Mitinhaber des Spionagemuseums.
Hier zwei andere Projekte von Tobias Assies:

Das Schloss in der Box, WeltstadtWerbung

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