Interview mit Andreas Rochholl über das Tanzen

Tango ist Leidenschaft © Erik Jan Ouwerkerk

Berlin ist ein Tanz im Hier und Jetzt

AusserGewöhnlich Berlin sprach mit Andreas Rochholl, der vor 7 Jahren das erste Festival im Hauptbahnhof gründete, über die Magie von Tanz in Berlin.

Wenn Berlin ein Tanz wäre, welcher wäre es und warum?

Es wäre ein Tanz, der sich kontinuierlich neu erfindet, inspiriert durch die Impulse vieler Kreativer aus aller Welt, die sich magnetisch angezogen fühlen von diesem Schmelztiegel Berlin. Es wäre ein Tanz, der durch die Einflüsse des zeitgenössischen Tanzes, durch die Nähe zu einem überbordenden hiesigen Angebot an anderen Bewegungs-Skills (Yoga/Pilates/Contact Improvisation etc.) und natürlich durch eine internationale Musikerszene immer wieder neugierig Bewegung erforscht, neu inszeniert, neu umspielt. Berlin ist zwar auch eine Stadt, in der Traditionen gepflegt werden, aber das Neue hat hier einen starken Nährboden, weil Berlin mehr Nischen anzubieten hat als vergleichbare Städte.

Es wäre ein Tanz, der sich zwischen den Kulturen, zwischen den Künsten entwickelt und in diesen Zwischenräumen seine heterogene Community fände.
Es wäre ein Tanz, der im Hier und Jetzt wurzelt.

Es wäre heute vielleicht das Tanztheater, morgen der Contemporary Tango, übermorgen StreetDance oder ein Tanz, der nächste Woche erst erfunden wird, z.B. im Mix verschiedener Einwandererkulturen.

Tango tanzen im Hauptbahnhof ist schon besonders. Woran liegt es, dass so etwas in Berlin funktioniert?

Ich habe vor 7 Jahren das Festival „Ankunft: Neue Musik“ zum ersten Mal im Hauptbahnhof veranstaltet. Das Bahnhofsmanagement mit dem weltoffenen Thomas Hesse an der Spitze und die Werbegemeinschaft des Hbf waren begeistert und durch diese erste Zusammenarbeit ist Vertrauen gewachsen. Nach 7 Jahren wollten wir unser Konzept neu beleben und so wurde die Idee geboren, ein großes internationales Tango-Festival anzubieten: Das Contemporary Tango Festival.

Durch die gewachsene gegenseitige Erfahrung mit über 300 unterschiedlichsten Aufführungen in den letzten Jahren können wir mittlerweile das Potential dieses einzigartigen Ortes gut einschätzen.

Der Berliner Hbf ist Europas größter Kreuzungsbahnhof und das spürt man auch an den Reisenden, die meist mit offenem Herzen und Neugier unsere musikalischen Angebote angenommen haben. Ausschlaggebend ist aber, dass Berlin eine sehr große Tango-Community besitzt.

Und diese tanzt gerne an ungewöhnlichen Orten. Der Fußboden im Hbf ist zum Tanzen sehr gut geeignet und die Contemporary Tango Nights in unseren letzten Festival-Jahren zeigten, dass der Ort einen ganz besonderen Charme zum Tangotanzen besitzt. Mit dieser Erfahrung im Rücken laden wir nun die Welt ein, in Berlin eine Woche lang mitten im Bahnhof zu tanzen.

Tango im Berliner Hauptbahnhof (c) Erik Jan Ouwerkerk
Tango mitten im Berliner Hauptbahnhof (c) Erik Jan Ouwerkerk

Tanzen als Tradition findet sich in jeder Kultur, tags wie nachts. Was ist der besondere Zauber von Tango?

Darüber sind schon viele Bücher geschrieben worden!
Der Tango Argentino basiert als sozialer Paartanz auf Improvisation und auf wache und achtsame Kommunikation mit dem Gegenüber, dadurch entsteht diese besondere Nähe und Authentizität, musikalisch ist der Tango eine Mischkultur, geboren in der Einwandererszene von Buenos Aires am Ende des 19. Jahrhunderts rund um den Rio de la Plata. Da mischten sich u.a. starke europäische und afrikanische Einflüsse hinein, der Tango Nuevo hat sich dann mit dem Jazz befreundet, der Elektrotango mit den Möglichkeiten der elektronischen Musik, es gibt russischen, finnischen, türkischen Tango und ständig wird das Material erweitert und neu kombiniert.

Mit der Tanzsprache des Tango Argentino, die sich natürlich auch immer wieder weiterentwickelte, kann man auch auf ganz andere Musik tanzen: auf klassische Musik, auf Chansons, Trip Hop und vieles mehr. Wir haben im Vorfeld des Contemporary Tango Festivals letztens eine Veranstaltung durchgeführt, bei der wir fantastisch Tango getanzt haben zu Musik von Keith Jarrett!

Wo kann man in Berlin Tango tanzen?

Es gibt in Berlin zahlreiche Tangoschulen und jeden Abend mehrere Milongas, (so nennt man die Tango-Tanzveranstaltungen).

Im Rahmen vom Contemporary Tango Festival werden wir auch täglich kostenfrei Tangounterricht für Einsteiger anbieten mit täglich wechselnden Lehrern, da kann man sich schon mal einen ersten Einblick verschaffen.

Alle Infos dazu findet man tagesaktuell auf:  www.facebook.com/contemporarytangofestival oder auf www.ohrenstrand.de

Über Andreas Rochholl

Andreas Rochholl ist Regisseur und Produzent für Musiktheater und -film. Er ist künstlerischer Leiter der Zeitgenössischen Oper Berlin und Geschäftsführer von KADMOS Produktion, interkultureller Coach an der Uni Potsdam.
Er gründete 2009 das erste Festival im Berliner Hauptbahnhof. 7 Jahre lang fand es unter dem Namen „Ankunft: Neue Musik“ jeweils Ende August statt. 2016 widmet es sich als Contemporary Tango Festival zum ersten Mal besagtem Schwerpunkt.

Wenn Berlin ein Tanz wäre, welcher wäre es und warum?

Es wäre ein Tanz, der sich kontinuierlich neu erfindet, inspiriert durch die Impulse vieler Kreativer aus aller Welt, die sich magnetisch angezogen fühlen von diesem Schmelztiegel Berlin. Es wäre ein Tanz, der durch die Einflüsse des zeitgenössischen Tanzes, durch die Nähe zu einem überbordenden hiesigen Angebot an anderen Bewegungs-Skills (Yoga/Pilates/Contact Improvisation etc.) und natürlich durch eine internationale Musikerszene immer wieder neugierig Bewegung erforscht, neu inszeniert, neu umspielt. Berlin ist zwar auch eine Stadt, in der Traditionen gepflegt werden, aber das Neue hat hier einen starken Nährboden, weil Berlin mehr Nischen anzubieten hat als vergleichbare Städte.

Es wäre ein Tanz, der sich zwischen den Kulturen, zwischen den Künsten entwickelt und in diesen Zwischenräumen seine heterogene Community fände.
Es wäre ein Tanz, der im Hier und Jetzt wurzelt.

Es wäre heute vielleicht das Tanztheater, morgen der Contemporary Tango, übermorgen StreetDance oder ein Tanz, der nächste Woche erst erfunden wird, z.B. im Mix verschiedener Einwandererkulturen.

Tango tanzen im Hauptbahnhof ist schon besonders. Woran liegt es, dass so etwas in Berlin funktioniert?

Ich habe vor 7 Jahren das Festival „Ankunft: Neue Musik“ zum ersten Mal im Hauptbahnhof veranstaltet. Das Bahnhofsmanagement mit dem weltoffenen Thomas Hesse an der Spitze und die Werbegemeinschaft des Hbf waren begeistert und durch diese erste Zusammenarbeit ist Vertrauen gewachsen. Nach 7 Jahren wollten wir unser Konzept neu beleben und so wurde die Idee geboren, ein großes internationales Tango-Festival anzubieten: Das Contemporary Tango Festival.

Durch die gewachsene gegenseitige Erfahrung mit über 300 unterschiedlichsten Aufführungen in den letzten Jahren können wir mittlerweile das Potential dieses einzigartigen Ortes gut einschätzen.

Der Berliner Hbf ist Europas größter Kreuzungsbahnhof und das spürt man auch an den Reisenden, die meist mit offenem Herzen und Neugier unsere musikalischen Angebote angenommen haben. Ausschlaggebend ist aber, dass Berlin eine sehr große Tango-Community besitzt.

Und diese tanzt gerne an ungewöhnlichen Orten. Der Fußboden im Hbf ist zum Tanzen sehr gut geeignet und die Contemporary Tango Nights in unseren letzten Festival-Jahren zeigten, dass der Ort einen ganz besonderen Charme zum Tangotanzen besitzt. Mit dieser Erfahrung im Rücken laden wir nun die Welt ein, in Berlin eine Woche lang mitten im Bahnhof zu tanzen.

Tango im Berliner Hauptbahnhof (c) Erik Jan Ouwerkerk
Tango mitten im Berliner Hauptbahnhof (c) Erik Jan Ouwerkerk

Tanzen als Tradition findet sich in jeder Kultur, tags wie nachts. Was ist der besondere Zauber von Tango?

Darüber sind schon viele Bücher geschrieben worden!
Der Tango Argentino basiert als sozialer Paartanz auf Improvisation und auf wache und achtsame Kommunikation mit dem Gegenüber, dadurch entsteht diese besondere Nähe und Authentizität, musikalisch ist der Tango eine Mischkultur, geboren in der Einwandererszene von Buenos Aires am Ende des 19. Jahrhunderts rund um den Rio de la Plata. Da mischten sich u.a. starke europäische und afrikanische Einflüsse hinein, der Tango Nuevo hat sich dann mit dem Jazz befreundet, der Elektrotango mit den Möglichkeiten der elektronischen Musik, es gibt russischen, finnischen, türkischen Tango und ständig wird das Material erweitert und neu kombiniert.

Mit der Tanzsprache des Tango Argentino, die sich natürlich auch immer wieder weiterentwickelte, kann man auch auf ganz andere Musik tanzen: auf klassische Musik, auf Chansons, Trip Hop und vieles mehr. Wir haben im Vorfeld des Contemporary Tango Festivals letztens eine Veranstaltung durchgeführt, bei der wir fantastisch Tango getanzt haben zu Musik von Keith Jarrett!

Wo kann man in Berlin Tango tanzen?

Es gibt in Berlin zahlreiche Tangoschulen und jeden Abend mehrere Milongas, (so nennt man die Tango-Tanzveranstaltungen).

Im Rahmen vom Contemporary Tango Festival werden wir auch täglich kostenfrei Tangounterricht für Einsteiger anbieten mit täglich wechselnden Lehrern, da kann man sich schon mal einen ersten Einblick verschaffen.

Alle Infos dazu findet man tagesaktuell auf:  www.facebook.com/contemporarytangofestival oder auf www.ohrenstrand.de

Über Andreas Rochholl

Andreas Rochholl ist Regisseur und Produzent für Musiktheater und -film. Er ist künstlerischer Leiter der Zeitgenössischen Oper Berlin und Geschäftsführer von KADMOS Produktion, interkultureller Coach an der Uni Potsdam.
Er gründete 2009 das erste Festival im Berliner Hauptbahnhof. 7 Jahre lang fand es unter dem Namen „Ankunft: Neue Musik“ jeweils Ende August statt. 2016 widmet es sich als Contemporary Tango Festival zum ersten Mal besagtem Schwerpunkt.

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