Das Chamäleon Theater Berlin in den Hackeschen Höfen bei Nacht

Das Chamäleon Theater Berlin in den Hackeschen Höfen © Jean-Paul Raabe

Unser Chamäleon Theater Berlin ist 15 geworden

Was Du über das Chamäleon und die Berliner Kulturlandschaft wissen solltest. Der AusserGewöhnliche Berliner Hendrik Frobel, Geschäftsführer des Chamäleon Theaters.

Das Chamäleon Theater Berlin ist 15 Jahre alt geworden.

Seit 15 Jahren ist es ein Ort der Freude an einem der historischsten Orte in Berlin: In den Hackeschen Höfen.

„15 Jahre Chamäleon Theater Berlin bedeutet: 15 Jahre Neuer Zirkus, 46 Shows, über 5.500 Vorstellungen und über eine Millionen Besucher.“


Bei der Wiedereröffnung 2004 wurde das Programm neu ausgerichtet: Ab jetzt widmete es sich dem Genre „Neuer Zirkus“, das bis dahin weitestgehend unbekannt in Deutschland war.

Heute ist das Chamäleon Theater Berlin eines der wichtigsten Zentren für Neuen Zirkus in Deutschland.

Neuer Zirkus bedeutet nicht: Zaubershow, Hammerwerfen und Ponyreiten. Es ist eine Sonderform der darstellenden Kunst. Neuer Zirkus löst sich vom traditionellen Zirkus. Konventionen werden gebrochen und alle Emotionen bedient. Die Shows sind frei, divers und die Manage weicht der Theaterbühne.

Was das Chamäleon so treibt: Neben den vielen Shows arbeitet das Chamäleon Theater Berlin u.a. seit 2013 mit dem Zentrum für Bewegte Kunst (ZBK) zusammen und dessen Ensemble Circus Sonnenstich. Das ZBK bietet Menschen mit Down-Syndrom oder anderen Lernschwierigkeiten die Möglichkeit, auf der Bühne zu stehen. Bei verschiedenen Zirkusaufführungen. Außerdem hat das Chamäleon Theater die Erklärung DER VIELEN unterschrieben. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der sich für die Beförderung internationaler Gesinnung, Toleranz auf allen gebieten der Kultur und Völkerverständigungsgedankens und der Förderung der Volksbildung einsetzt.

Und wer noch mehr über das Chamäleon Theater Berlin erfahren möchte, sollte unser Interview mit Hendrik Frobel, Geschäftsführer des Chamäleon Theaters, lesen:

Hendrik Frobel im Interview über das Chamäleon Theater Berlin

In den Hackeschen Höfen ist das Chamäleon Theater ©AusserGewöhnlich Berlin

Warum Clowns von Berliner Bühnen gewichen sind und was das mit Kompanien zu tun hat, erklärt uns der aussergewöhnliche Berliner Hendrik Frobel, Geschäftsführer des Chamäleon Theater Berlin.

Ist Berlin als kreative, offene Weltstadt der beste Ort, um alternative Kunst zu präsentieren?

„Berlin steht für Freiheit – Sexualität, Herkunft und Religion spielen keine Rolle. Hier darf jeder so sein, wie er will. So ein Klima zieht natürlich Künstler und Kreative aus allen Bereichen magisch an. Aufbruch und Ausbruch sind in kaum einer anderen Stadt so omnipräsent spürbar wie hier.“


Was könnte in einer Zirkusshow noch überraschen, jeder kennt den Zirkus?

Zirkus kennt jeder, doch neuer Zirkus durchbricht die bisherigen Erwartungen.

Der Neue Zirkus löst sich von den Charakteristika des traditionellen Zirkus und entwickelt mit eigenen Merkmalen eine fließendere Zirkusidentität. Dieser Drang mit Konventionen zu brechen und eigenes zu entwickeln fällt in Berlin mit seinen zahlreichen Facetten auf fruchtbaren Boden und findet immer mehr Anerkennung.

Sie zeigen im Chamäleon Theater zeitgenössische Zirkusvorstellungen. Wie kommen Sie dazu und lohnt es sich bestimmte Nischen zu bedienen?

Der zeitgenössische Zirkus entstand aus neuen Impulsen heraus, die sich im Frankreich der 1970er Jahre ergaben. Seither erlebt die inzwischen jahrhundertalte Körperkunstform „Zirkus“ einen eleganten Wandel. Dieser mündet im Neuen Zirkus – einer Kunstform, die sich stetig weiterentwickelt.

Diese Nische zu bedienen, bedeutet nicht nur, etwas spannendes Neues zu entwickeln, sondern auch die liebevolle Erinnerung an traditionelle Kunstformen wach zu halten. Bislang zeigen wir als einziges Haus ausschließlich neue Zirkusproduktionen. Damit sind wir deutschlandweit Vorreiter.

Über 5.500 Vorstellungen seit 2004 im Chamäleon Theater Berlin

Neuer Zirkus im Chamäleon Theater Berlin © Andy Phillipson

Was ist denn ein Neuer Zirkus?

Neuer Zirkus darf als Reaktion auf neue Bedürfnisse verstanden werden. Grenzen werden überschritten, Konventionen gebrochen und aufblühenden Ideen wird Raum geschenkt.

In einer Zeit, wo alles neu, schnell und austauschbar ist, fühlt es sich gut an, zwischendurch trotzdem bereits bestehenden Fundamenten Aufmerksamkeit zu schenken.

„Neuer Zirkus spiegelt die komplette Bandbreite des menschlichen Schöpfergeistes wider.“


So mischen sich in nachdenkliche Stücke zuweilen Momente subtiler Komik und Amüsement erhält einen Hauch von Melancholie. Die bunte Palette der Emotionen zeigt bei aller Ernsthaftigkeit und genreübergreifenden Kunst, Momente der Komik, die uns an den Ursprung des Zirkus denken lassen. Es ist Zirkus – Neuer Zirkus – der die Manege durch die Theaterbühne ersetzt. Neuer Zirkus ist gefühlvoll und lässt die Mauer zwischen Zuschauer und Künstler einstürzen, indem er mit allen Sinnen spielt und jeden Einzelnen im Publikum auf ganz individuelle Weise berührt.

Der Zuschauer wird Teil einer internationalen Entwicklung, die von den Hochburgen des Neuen Zirkus, wie Frankreich, Kanada, Australien und Großbritannien, mit dem Einzug ins Chamäleon einen Weg nach Deutschland findet.

Out of Chaos im Chamäleon Theater Berlin

Neuer Zirkus im Chamäleontheater Berlin © Out of Chaos

Was ist das Besondere an Ihrem Programm?

Das Chamäleon Theater Berlin arbeitet mit internationalen Künstlern zusammen, Kompanien aus den verschiedensten Ecken der Welt.

Jede Kompanie bringt ihre eigene Dynamik und Würze mit. Die zeitgenössischen Inszenierungen lassen Theater, Musik, Technik, Videodesigns und Akrobatik miteinander verschmelzen.

Für jede neue Spielzeit lassen sich Künstler und Mitarbeiter aus allen Bereichen – Gastronomie, Büro, Verkauf, Technik, Produktion – auf eine neue Geschichte ein, die für sechs Monate den Geist des Hauses prägt. Jede Produktion markiert einen Neubeginn.

Und an der Location?

Im Chamäleon Theater Berlin trifft moderner Zeitgeist auf über 100 Jahre Geschichte. Die Mauern des aufwendig restaurierten Ballsaals erzählen von der stilvollen Klasse der 20er Jahre, während die Inszenierungen souverän mit den scheinbar grenzenlosen technischen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts spielen.

Internationale Kompagnien treten im Chamäleon Theater Berlin auf

Über 1 Millionen Besucher: Das Chamäleon Theater Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Gibt es etwas Historisches zu Ihrer Location zu erzählen?

„Die Hackeschen Höfe gehören zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Berlins – hier werden Geschichten erzählt. Es ist das größte geschlossene Hofareal Deutschlands, welches seit Anbeginn eine Stätte für Kunst, Kultur, Handel und Wohnraum ist.“


Die Höfe hatten jedoch aus zeitgeschichtlichen Gründen, immer wieder mit Höhen und Tiefen zu kämpfen. Die Baustruktur blieb, glücklicherweise, von Bombenanschlägen während des zweiten Weltkriegs nahezu verschont. Die Festlichkeiten im Ballsaal nahmen jedoch in dieser Zeit bereits ab.

Erst in den 70er Jahren fanden kreative Köpfe eine Verwendung für den Saal, indem sie diesen zu ihrem Probenraum umfunktionierten. Nach langjähriger Festsaaltradition, über eine Nutzung als Lagerraum und Kino, bis hin zu dem neuen Erwecken künstlerischer Tätigkeiten dürfen wir heute den Saal des heutigen Chamäleons nutzen.

Die liebevolle architektonische Umsetzung sollte auch während der Restaurierung im heutigen Theatersaal erhalten bleiben. Es war uns viel daran gelegen, den Bestand zu wahren und die Grundideen zu schützen, die vor 100 Jahren Einfluss nahmen, auf die Gestaltung der Höfe. So wurden für die Restaurierung der Wände die Farbfassungen nach Originalvorlage hergestellt, das alte Parkett konnte zu Teilen in alter Substanz erhalten bleiben.

Vom Knarren der Dielen über die zahlreichen Farbschichten der alten Flügeltür und die originalen Wandmalereien zeigen die feinen Details des Theaters die Geschichte.

Was wünschen Sie sich für Berlin und die Kunst im Allgemeinen?

Wenn wir an Kunst denken und uns über Kunst unterhalten möchten, lässt sich rasch feststellen, dass dieser Begriff nur schwer zu greifen ist. Und das soll er auch bleiben, denn mit dem Begriff Kunst verbinden wir Möglichkeiten, Flexibilität und einen Reichtum an Denkrichtungen.

In den Köpfen der Menschen manifestiert sich jedoch häufig eine Trennung zwischen ernster und unterhaltender Kunst und ihren jeweiligen Ausprägungen. Das finde ich schade, denn diese Trennung bietet für niemanden einen realen Mehrwert. Gerade in Berlin, der Stadt, die so hart gegen eine unnatürliche Trennung kämpfen musste, wäre es besonders schön auch die letzten Grenzen abzubauen, Kunst und Kultur stattdessen ganzheitlich und interdisziplinär zu erleben und damit dem Zeitgeist gerecht zu werden.

Vielen Dank für das Interview. Auf die nächsten 15 Jahre Chamäleon Theater Berlin. 

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