Senioren helfen den Künstlern und machen Street Art in der Bülowstraße 94

Die Senioren aus dem Seniorenwohnheim in der Bülowstraße 94 helfen bei der Umgestaltung des Wohneims ©AusserGewöhnlich Berlin

Künstler besetzen Berliner Seniorenwohnheim mit Street Art

Street Art gegen Drogenhandel und Prostitution. Ein Kunstprojekt in der Bülowstraße 94 sorgt dafür, dass die Bewohner des Wohnheims Huzur keine Angst mehr vor ihrem eigenen Keller haben. Ein Projekt der Gewobag und der Stiftung Berliner Leben.

Im Foyer der Bülowstraße 94 entsteht ein Street Art Projekt, das einen vergessenen dunklen Ort in ein glänzendes Berliner Schmuckstück verwandelt.

„Die Umgebung, die Nutten, alles ist Street Art.“

Die Künstler Slava Ostap und Felix Rodewaldt sitzen im Hinterhof des Wohnheims in der Bülowstraße 94, wo viele Senioren mit und ohne Migrationshintergrund sehr günstige Wohnungen mieten können. Das Wohnheim gehört der Gewobag, eine der beiden größten Wohnungsbaugesellschaften Berlins. Die Gewobag verwandelt die Bülowstraße, gemeinsam mit der Stiftung Berliner Leben, in eine Kunstmeile: Als erstes kam das Urban Nation Museum für Urban Contemporary Art in der Bülowstraße 7.

Mit dem größten Street Art Museum Deutschlands hat die Gewobag erstmals Werke aller wichtigen Street Art Künstler in einem Raum versammelt.

Aber nicht nur: Das Museum macht jetzt den kompletten Bülowkiez zum international beachteten Zentrum für Street Art. Bunte Graffitis auf dem Gehweg, riesige Murals an Häuserfassaden, überall urbane Kunst, die ganze Bülowstraße entlang.

Street Art entlang der Bülowstraße

Die Bülowstraße ist mit Street Art die perfekte Kulisse für Foto Shooting ©AusserGewöhnlich Berlin

Die neue Kunst-Meile belebt die traurige Gegend um die Bülowstraße in Schöneberg und zeigt, was Street Art leisten und wie sie einen Kiez verschönern kann.

Seit den 20er Jahren ist das Quartier um die Bülowstraße bekannt für den Straßenstrich. Prostituierte und Junkies in den Nebenstraßen.

Prsotitution in Berlin Schöneberg

Prostituierte in der Bülowstraße Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Viele Frauen, die kein eigenes Arbeitszimmer besitzen, ziehen sich in dunkle Ecken oder in Autos mit ihren Freiern zurück.

So wurden auch das dunkle Foyer und der Keller des Seniorenwohnheims eine beliebte Anlaufstelle für Prostituierte und Junkies.

Foyer zu Beginnt der Street Art Arbeiten in der Bülowstraße 94

Ohne Street Art ist es dunkel im Foyer des Seniorenwohnheims in er Bülowstraße 94 ©AusserGewöhnlich Berlin

Alle Versuche, die Situation besser zu kontrollieren und die nicht eingeladenen Besucher draußen zu halten, sind bisher gescheitert: Denn irgendjemand von den oft einsamen Bewohnern macht immer die Eingangstür auf, wenn jemand klingelt. Deshalb ist die Bülowstraße 94 bisher ein Rückzugsort für Drogeneinnahme und kommerziellen Sex. Viele Bewohner des Wohnheims haben Angst, ihr eigenes Haus zu betreten. Bis jetzt.

„Wir frischen alles auf.“ Der groß gewachsene, bärtige Slava Ostap von der Seltfmadecrew spricht über das neue Kunstprojekt in der Bülow 94. Kippe in der einen, Feuerzeug in der anderen Hand.

Gemeinsam mit dem Künstler Felix Rodewaldt verschönert er das Foyer des Wohnheims mit Street Art.

Felix Rodewaldt im Seniorenheim in der Bülowstraße 94

Der Street Art Künstler Felix Rodewaldt ©AusserGewöhnlich Berlin

Übergroße Tape-Portraits von Bewohnern an den Fenstern, geometrische helle Formen, frische Farben an den Wänden: Die beiden machen aus der dunklen Schmutzecke mit Street Art eine Berliner Attraktion. Bald wird sich hier niemand mehr unbeachtet in die Ecken verziehen können. Wo die Berliner bisher wegsahen, wird nun die Welt hinsehen:

Street Art ist wie die Sonne, die auf einen dunklen Fleck im Bülowkiez scheint. Die Menschen werden aufmerksam, öffnen ihre Augen und fühlen die Liebe zu diesem Ort, die Slava und Felix hier entdeckt haben.

Die haben das Seniorenwohnheim in der Bülowstraße 94 ins Herz geschlossen. Slava sagt:
„Ich selbst bin schwerhörig und habe drei Jahre lang eine Schule für benachteiligte Menschen besucht. Das habe ich verinnerlicht. Und das hier ist meine Art, mich zu bedanken.“
Die dunklen Augen des großen, bärtigen Mannes werden weich. Mit diesem Projekt will er ein Zeichen setzen. Ein Zeichen für Berlin.

Die Bülowstraße 94 soll stellvertretend für den kompletten Bülowkiez stehen, dem sich die Stiftung Berliner Leben, von der Gewobag gegründet,  annimmt. Kunst, unterschiedliche Menschen an einem Fleck und ein schönes Miteinander. Es geht um Ausgleich drohender Gentrifizierung und Vermeidung von Ghettoisierung.

Wenn Street Art dazu beiträgt, dass Berlin unser Berlin bleibt, dann bitte mehr davon.

Slava und seine Street Art Crew

Martin (links), Slava Ostap und Dennis von der Selfmade Crew ©AusserGewöhnlich Berlin

Wie wir die Welt im Kleinen verändern und warum Berlin wie die Arche Noah ist – Slava „Ostap“ im Interview.

Was macht ihr im Wohnheim in der Bülowstraße 94?

Felix Rodewaldt und ich machen Street Art, im wahrsten Sinne des Wortes, und verschönern das Wohnheim.

Die Bülowstraße ist eine Streetart-Meile, mit Streetart-Museum und temporärer Urban Art. Das Wohnheim gehört zur Meile dazu, das heißt, es ist eigentlich schon automatisch Street Art, ohne dass wir etwas machen müssten.

Die Bewohner des Wohnheims sind praktisch auch zu Street Art geworden.

Es ist Schicksal, dass das Heim in der Bülowstraße 94 fast gegenüber dem Museum steht.
Die Menschen haben es verdient, dass die Aufmerksamkeit des Museums auch auf sie abfärbt und sie davon profitieren.

Wie bekommt ihr die Aufmerksamkeit? Was kommt in das Wohnheim rein?

Klebeband Portraits im Seniorenwohnheim

Street Art: Das ist alles nur Klebeband! ©AusserGewöhnlich Berlin

Wir dachten, wir machen hier krasse Kunst rein und helfen den Menschen. Gerade machen wir Portraits von den Bewohnern an die Fenster und Wände. Jeder der Lust hatte, konnte sich melden. Felix hat die Leute dann fotografiert und interviewt. Jetzt geht es los: Wir machen aus braunem Paketband übergroße Portraits, die strahlen werden.

Und Felix schleift in die dunklen Holzwände Riesen-Formen. Das Foyer bekommt ein richtig abgefahrenes Design. Das wird krass aussehen.

Umgestaltung des Foyers in der Bülowstraße 94

Hier kommt Street Art rein: Felix Rodewaldt zu Beginn der Arbeit in der Bülowstraße 94©AusserGewöhnlich Berlin

Die Menschen haben sich gewünscht, dass das Foyer heller wird. Hier war alles Dunkelbraun und stockdunkel. Also machen wir es heller und verbinden das Wohnheim nicht nur mit Kunst, sondern mit Berlin. Denn Besucher und Touristen werden kommen, fotografieren und Fragen stellen.

Kommen Eure Ideen denn bei den Bewohner an?

Die Bewohner machen richtig mit. Die streichen, kleben, reißen ab und chillen hier permanent mit uns. Das ist sehr cool.


Die Bewohner des Seniorenwohnheims in der Bülowstraße 94 helfen mit und machen Street Art

Gülsen Aktas, Leiterin des Seniorenwohnheims in der Bülowstraße 94 und ein Mitarbeiter der Urban Nation ©AusserGewöhnlich Berlin

Warum macht ihr das?

Slava: Na, wir wurden gefragt, ob wir Lust hätten, bisschen was zu machen und haben sofort zugesagt. Ich mache gerne soziale Projekte und habe etliche Workshops für Kinder in Vereinen und Schulen gemacht. Man muss nicht immer nur Dinge tun, die mit Geld verdienen zu tun haben.

Ich war ja selbst ein Sozialfall, bevor ich Künstler geworden bin. (lacht)


Ich bin schwerhörig und habe 3 Jahre lang eine Schule für benachteiligte Menschen besucht. Die haben sich gut um mich gekümmert. Da muss man was zurück geben. Außerdem ist es gut für´s Karma. (lacht)

Das Projekt in der Bülowstraße 94 wurde von der Gewobag und der Stiftung Berliner Leben initiiert. Wie ist es als Künstler mit Leuten aus der Wirtschaft zusammenzuarbeiten?

Bis jetzt sehr gut! Die haben alle krassen Ideen, die mir einfallen, mit Begeisterung genommen.

Die Wirtschaft ist also doch nicht so engstirnig. Liegt das an Berlin?

Ich kann nicht über andere Städte urteilen. Es wäre aber mein Wunsch, dass es in anderen Städten auch so läuft. Ich hoffe, dass wir einen Trend setzen. Damit, die Leute, die die Macht haben, sehen, wie es laufen kann. The Haus war da eine ähnliche Geschichte. Da war ich auch dabei.

 

Slava und Alexander Wolf in The Haus

Slava Ostap mit Alexander Wolf in The Haus ©AusserGewöhnlich Berlin

Es ist toll, dass das in Berlin so funktioniert. Deswegen bin ich damals nach Berlin gezogen. Ich habe die Stadt besucht und mich sofort verliebt. Ich konnte unterbewusst spüren, dass Berlin anders ist.

Was heißt Berlin für dich?

Berlin ist für mich die Arche Noah. Ein Spot, wo alle Freaks und Träumer einen Platz finden und überleben können.


Und man hatte hier bisher wirklich die Chance, seinen Platz zu finden.

In den letzten 5 bis 10 Jahren ging der Trend allerdings rückwärts. Das Berlin aus den 90er-Jahren war plötzlich weg und alle haben sich beschwert.

Jetzt merke ich, dass es das Berlin von früher noch gibt. Es kommt zurück.

Seit wann lebst du in Berlin?

Seit 2003.

Ich habe zuerst im Prenzlauer Berg, Kastanienallee, gewohnt. In einer Sozialwohnung:
55 Quadratmeter für 260 Euro. Das war Berlin im Jahr 2005.

Das ist mal ein Mietpreis! Heute ist es schwer, in Berlin überhaupt eine Wohnung zu finden.

Ja, auf jeden Fall. Aber die Stimmung ist entscheidend. Du findest irgendwie eine Wohnung und trotzdem ist es anders, als das Berlin von früher. Das liegt aber nicht unbedingt an Berlin, sondern generell am Weltklima.

Vielleicht können wir zumindest Berlin verändern.

Ja, jeder ein bisschen. Wir beginnen bei Huzur, in der Bülowstraße 94, setzen einen Trend und dann kommt es wieder: Das alte, gute, saubere, dreckige, gemütliche Berlin.


Slava lacht lauthals und lehnt sich dabei zurück. Ein lautes, eindringliches Lachen. Mit einem Klicken zündet er sich eine Zigarette an. Rauch verteilt sich in der kalten Luft. Slava nickt Felix zu, beide grinsen zufrieden.

Projekte wie das bei Huzur in der Bülowstraße 94 sind nur möglich, wenn sich Einzelpersonen und Unternehmen für etwas gemeinsam engagieren. Dafür gründete die Gewobag die Stiftung Berliner Leben, die mittlerweile schon etliche soziale Projekte unterstützt hat.

Die Stiftung Berliner Leben verändert Berlin im Kleinen.

Zum Beispiel unterstützt sie den Boxclub Isigym in der Potsdamer Straße, gleich um die Ecke der Bülowstraße 94. Durch die ganzheitliche Betreuung im Boxclub treiben mehrere hundert Jugendliche regelmäßig Sport. Die Jugendlichen lernen etwas über Werte, Disziplin und Zuverlässigkeit. Dadurch verbessern sich sogar die Schulnoten der Kinder.

Außerdem gibt es ein Projekt der Stiftung Berliner Leben, das „Kiez Meets Museum“ heißt.  Kinder, die sonst kaum ein Museum von innen sehen würden, in den Museumsalltag eingeführt. Die Kinder lernen den Ablauf und die Inhalte eines Museums kennen und werden so für Kultur interessiert.

Die Stiftung Berliner Leben möchte Kindern und Jugendlichen zeigen, was man in Berlin machen kann und warum es sich lohnt, sich für die Gemeinschaft zu engagieren.

Damit Berliner weiter in der Innenstadt leben können

Die Gewobag hat zum jetzigen Zeitpunkt knapp 70.000 Wohnungen in Berlin und ungefähr 1.500 Gewerbeobjekte. Die Wohnungsbaugesellschaft wird in den nächsten Jahren ungefähr 10.000 Wohnungen bauen. Damit Berliner sich noch Wohnungen in der Innenstadt leisten können, trotz des jährlichen Zuzugs mehrerer Tausend Menschen.

Am 17.11.2017 haben die Künstler die Street Art im Seniorenwohnheim Huzur eingeweiht. Natürlich gab es eine fette Party like Berlin. Hier die Fotos:

Feldschlösschen und Fritz hinter der Bar

Das Seniorenwohnheim feiert die Neugestaltung des Foyers mit Bier und guter Musik ©AusserGewöhnlich Berlin

Aussergewöhnlich Berlin fotografiert die Selfmadecrew, Street Art, Stimmung

Fotos, Fotos, Fotos im Seniorenwohheim Bülowstraße ©AusserGewöhnlich Berlin

Fotoapparate und Videokameras in der Bülowstraße

Berliner fotografieren Street Art im Seniorenheim in der Bülowstraße ©AusserGewöhnlich Berlin

Partypeople im Seniorenwohnheim: Street Art Beschau

Jung und alt, spiessig und cool im Seniorenwohnheim ©AusserGewöhnlich Berlin

Senioren tanzen und feiern in der Bülowstraße

One to the left and one to the right: Stimmung in der Bülowstraße ©AusserGewöhnlich Berlin

Christian Rothenhagen ist neugierig auf die Street Art in der Bülowstraße

Der Künstler Christian Rothenhagen feiert kräftig mit ©AusserGewöhnlich Berlin

Gülsen Aktas ist überglücklich über die Street Art im Seniorenwohnheim

Gülsen Aktas, Leiterin des Seniorenwohnheims und Slava von der Selfmadecrew ©AusserGewöhnlich Berlin

Street Art macht fresh: Felix packt die Kamera aus

Bier in der einen Hand und eine Kamera in der anderen : Felix Rodewaldt packt die Kamera aus ©AusserGewöhnlich Berlin

Clubstimmung in Berlin: Party im Seniorenwohnheim

Clubstimmung im Seniorenwohnheim ©AusserGewöhnlich Berlin

Berlin Street Art in der Bülowstraße

Fotosession: Street Art heizt an ©AusserGewöhnlich Berlin

Hinterm Tresen wird auch gefeiert in der Bülowstraße 94

Gefeiert wird mit Berliner Luft, Warsteiner und Fritz Limo ©AusserGewöhnlich Berlin

Street Art, Musik und Getränke: das ist Berlin

Laute Musik und reichlich Stoff an der Bar ©AusserGewöhnlich Berlin

Felix Rodewaldt beim feiern

Feiern im Seniorenwohnheim ©AusserGewöhnlich Berlin

Senor Schnu feiert mit im Seniorenwohnheim Bülowstraße

Martin von der Selfmadecrew und Senor Schnu ©AusserGewöhnlich Berlin

Klaus Seniorenwohnheim Bülowstraße feiert mit

Klaus genehmigt sich ein Bier an der Bar ©AusserGewöhnlich Berlin

Berlin Baby, Street Art bringt Leute zusammen Valeryia Losikava Tape Art

Tape Art Künstlerin Valeryia Losikava feiert mit ©AusserGewöhnlich Berlin

Selfmadecrew Berlin, Gesichter im Neonlicht

Portraits, die man nur unter Neonlicht sieht ©AusserGewöhnlich Berlin

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Und mehr von der Gewobag gibt es HIER

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Die neue Bülowstraße, Street Art, Urban Art – Urban Nation Museum, Das Museum, das zum Tempel der Urban Art in Berlin wurde

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