Jörg Simon und Alexander Wolf bei den Berliner Wasserbetrieben

Jörg Simon, Vorstandsvorsitzender der Berliner Wasserbetriebe und Alexander Wolf von ©AusserGewöhnlich Berlin

Berlin muss wachsen – Berliner Wasserbetriebe

Der Herr über das Berliner Wasser ist Jörg Simon, Vorstandsvorsitzender der Berliner Wasserbetriebe. Im Interview erklärt er, wie wir Berlin auf mehr Extreme vorbereiten können.

Wir Berliner zahlen weniger für Wasser als die meisten anderen in Deutschland. Warum ist das Wasser in Berlin so billig? Ist es so schlecht?

Das Berliner Wasser ist natürlich spitze – immerhin ist es das am häufigsten konsumierte Getränk der Berlinerinnen und Berliner. Dass es auch noch vergleichsweise preisgünstig zu haben ist, verdanken wir guten Grundwasservorkommen und der Tatsache, dass wir effizient wirtschaften und unsere Ressource schützen.

2013 haben wir die Wasserbetriebe wieder von privaten Unternehmen zurückgekauft, seitdem gehört Berlinwasser komplett den Berlinern. Die Rekommunalisierung ist ja ein bundesweiter Trend. Ist es sinnvoll, alles in öffentlicher Hand zu haben?

Das sind Entscheidungen, die jede Kommune für sich treffen muss.

Ich persönlich denke, dass die Schaltstellen im Bereich der Daseinsvorsorge, also bei Wasser, Energie, Abfall und Verkehr, in den Händen einer Kommune liegen sollte.


Das schließt Kooperationen mit privaten Unternehmen aber nicht per se aus.

Welches Fazit ziehen Sie: Sind die Berliner Wasserbetriebe besser dran in den Händen der Berliner?

Es ist gut, dass die Berliner Wasserbetriebe wieder zu 100 Prozent in der Hand der Berlinerinnen und Berliner sind.

Das hat die öffentliche Wahrnehmung unserer auch vorher sehr guten Arbeit im positiven Sinne verändert und ermöglicht uns, unsere Rolle als Mitgestalterin dieser Stadt noch einmal viel stärker wahrzunehmen.

Jörg Simon und Ramona Pop sprechen über das Thema des Tages beim Salon bei den Berliner Wasserbetrieben

Ramona Pop, Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe und Jörg Simon, Vorstandsvorsitzender der Berliner Wasserbetriebe ©AusserGewöhnlich Berlin

Was sind die größten Herausforderungen für die Berliner Wasserbetriebe?

Wir gewinnen unser Trinkwasser aus dem Grundwasser unter der Stadt. Das ist ein Schatz, den wir hüten und bewahren müssen. Hier liegt eine Herausforderung im Vorkommen von Spurenstoffen (z. B. Medikamentenrückstände), die in den Wasserkreislauf hineingetragen werden.

Eine weitere Herausforderung ist der demografische Wandel: Wir begegnen dem Fachkräftemangel, indem wir neue Wege der Rekrutierung beschreiten und uns als Arbeitgeber attraktiver aufstellen. Darüber hinaus stemmen wir derzeit ein großes Investitionsvolumen unter anderem zur Umsetzung neuer gesetzlicher Anforderungen.

Dieser Sommer machte Berlin zu einer süditalienischen Stadt. Ist das schon der Klimawandel? Was erwartet uns in den nächsten Jahren?

Im Moment ist es ja schon schwer vorherzusagen, wann es das nächste Mal regnen wird! Wir stellen durchaus fest, dass Wetterextreme zunehmen – sowohl in die eine als auch in die andere Richtung.

Das bedeutet, Berlin muss resilenter werden. Wir müssen die Stadt in die Lage versetzen, besser mit Extremen umzugehen.


Alexander Wolf spricht über das Thema des Tages bei den Berliner Wasserbetrieben

AusserGewöhnlich Berlin bei den Berliner Wasserbetrieben ©AusserGewöhnlich Berlin

Dabei helfen die Berliner Wasserbetriebe, etwa indem wir Regenwasser unterirdisch speichern, über die Regenwasseragentur, die die Themen Gründächer und Versickerungen weiter voranbringen und indem wir Trinkbrunnen bauen.

Wenn das Berliner Wasser so gut ist, warum gibt es dann nicht schon längst eine eigene Berliner Wasser-Marke im Supermarkt?

Gegenfrage: Warum sollten unsere Kunden im Supermarkt kaufen, was sie zu jeder Zeit frisch aus der Leitung bekommen können?

Sie sind der Chef des größten Wasserbetriebs Deutschlands. Sind Sie damit eine Art Vorreiter? Schauen andere darauf, was Berlin macht? Wenn ja: Was sind die Dinge, die sich andere Städte von uns abschauen könnten? Und Was können wir von anderen Städten lernen?

Die Berliner Wasserbetriebe sind in vielen Punkten Vorreiter in der Branche, zum Beispiel im Bereich Sicherheit kritischer Infrastrukturen, Digitalisierung oder Forschung und Entwicklung.

Aber wir gucken auch, wo wir von anderen lernen können. Deshalb haben wir Kooperationen zum Beispiel mit Paris und Amsterdam. Wir haben eine eigene Forschungsabteilung, von deren Erfahrungen unsere Partner profitieren können. Gleichzeitig können wir eine Menge etwa vom Umgang der Niederländer mit Hochwasser lernen.

Die Berliner Wasserbetriebe in der Nähe der Klosterstraße Berlin

Berliner Wasserbetriebe ©AusserGewöhnlich Berlin

Große Wasserversorger stehen überall vor den gleichen Herausforderungen, zum Beispiel Spurenstoffe wie z. B. Medikamentenrückstände im Trinkwasser, für deren Entfernung wir gerade unsere Klärwerke aufrüsten.


Oder die Behandlung von Klärschlamm, für den wir gerade eine Verwertungsanlage in Waßmannsdorf bauen. Deshalb tauschen wir uns aus – national und international.

Welche drei Dinge machen Berlin zu einer so besonderen Stadt?

An erster Stelle natürlich das Wasser: so viel Wasser zum Trinken, Baden und Erholen zu haben, ist für eine Metropole von dieser Größe sicher einzigartig.

An zweiter Stelle stehen für mich die Menschen, die meine Familie und ich hier kennengelernt haben seit wir 1999 in die Stadt gekommen sind und die Berlin mittlerweile zur Heimat machen.

Und last but not least, dass Berlin eine Stadt ist, in der vieles möglich ist. Es gibt mehr Freiheiten als in anderen europäischen Großstädten – in dem Sinne, dass vieles möglich ist, aber auch dass viele es mit den Regeln des Zusammenlebens nicht immer so genau nehmen.

Was können wir tun, dass die spezielle Berliner Atmosphäre, der Lebensstil, für den Berlin so beliebt ist, nicht durch das Wachstum zerstört wird?

Wachstum bringt natürlich Veränderung – und die ist nicht per se schlecht. Ich erlebe oft, dass erbittert für Partikularinteressen und das kleine Biotop vor der eigenen Haustür gestritten wird. Und so verständlich das im Einzelnen ist: Diese Einstellung wird die Stadt im Endeffekt nicht voranbringen.

Berlin braucht Impulse und Wachstum, von innen und außen. Letztlich ist es ja auch die stetige Veränderung, die die Atmosphäre Berlins ausmacht – ohne dass Herz und Schnauze bislang darunter gelitten hätten.


Die Berliner Wasserbetriebe in der Nähe des Nikolaiviertels

Die Berliner Wasserbetriebe sitzen in der Nähe der Haltestelle Klosterstraße ©AusserGewöhnlich Berlin

Vielen Dank für das Interview.

 

AusserGewöhnlich Berlin traf sich zum Salon bei den Berliner Wasserbetrieben.  Jörg Simon, Vorstandsvorsitzender der Berliner Wasserbetriebe und Ramona Pop, die Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe luden ein.

Hier geht es zu den Netzwerktreffen der AusserGewöhnlichen Berliner.

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