Anonymous weiß alles: Spionage im Internet

Das Internet-Kollektiv Anonymous ©AusserGewöhnlich Berlin

Berliner Spionage: Warum der Staat weiß, wo Du Mittag isst.

Spionage in Berlin: In welchem Moment hast du gedacht, dass Du beobachtet wirst? Die 15 besten Antworten.

Wir haben uns zum Salon im Spionagemuseum getroffen.

Der AusserGewöhnliche Berliner Robert Rückel ist der Direktor des Spionagemuseum. Er hat uns zum Salon eingeladen.

Ist Spionage überhaupt noch ein aktuelles Thema?

Spionage Geräte im Spionagemuseum Berlin

Spionagegeräte im Deutschen Spionagemuseum ©AusserGewöhnlich Berlin

Robert Rückel ist davon überzeugt. Durch Google, Facebook, Alexa etc. hat jeder die Möglichkeit, ganz einfach an unsere privaten Daten heranzukommen und uns auszuspionieren.

„Das Spionagemuseum zeigt unter anderem auch Spionagegeräte wie Lippenstifte, versteckte Kameras etc. Das braucht heute kein Mensch mehr, weil wir für die Wanzen in unserer Wohnung selbst bezahlen.

Wir nutzen Alexa und Google Assistant. Es gibt smartes Spielzeug für Kinder. Und auch für Erwachsene.

Jedes dieser Geräte sammelt persönliche Daten. Mit den Daten können Außenstehende sehr viel anfangen:

Der Einzelhandelskonzern Walmart zum Beispiel, analysiert das Einkaufsverhalten seiner Kunden. Dabei konnte Walmart anhand der gekauften Produkte herausfinden, wenn Frauen schwanger sind. Eine Frau erhielt Baby-Werbung, noch bevor sie selbst wusste, dass sie schwanger war.

Und Unis erforschen Miniroboter, die in die Vene gesetzt werden und Krebszellen erkennen. Das sind teilweise spannende Dinge, die unser Leben verlängern, aber auch Datenschutz zu einem anderen Thema machen. Denn was passiert, wenn Die Krankenversicherung schon vor mir weiß, dass ich krank bin?“ (Robert Rückel)

Die Überwachung ist inzwischen in allen Bereichen möglich. Selbst, wenn Du nicht bei Facebook, WhatsApp usw. aktiv bist, kann man herausfinden, was Du tust, weil deine Freunde deinen Namen in den Kalender eintragen und dir eine Mail schicken. Das nennt man Schattenprofil.

Das Thema Spionage aktueller denn je.

Deswegen lag die Frage beim AusserGewöhnlich Berlin-Salon im Spionagemuseum auf der Hand:

In welchem Moment habt ihr bemerkt, dass ihr beobachtet werdet?

Spionage in Berlin

Kamera-Aufzeichnungen ©AusserGewöhnlich Berlin

Die AusserGewöhnlichen Berliner haben geantwortet. Hier kommen die 15 besten Antworten zum Thema Spionage:

Kein Schritt ohne Schatten:

Ich war mal beruflich in Singapur und wartete dort auf den Bus. Ich hatte ein kleines Papierchen in der Hand und es gab keinen Mülleimer. Ich warf das Papier also auf den Boden und noch in der Sekunde trat sowohl eine Sicherheitsperson aus der Mall hinter mich als auch ein Polizist. Beide hatten das auf ihren Kameras gesehen und sofort freundlich aber direkt unterbunden.

Wenn die Ausnahme zur Regel wird:

Wenn ich mit dem Flugzeug fliege, werde ich in 80 Prozent der Fälle zu einer Sonderüberprüfung gerufen. Ich habe keine Ahnung, warum mir das ständig passiert.

Das zufällig verschwundene Foto:

Die chinesische Botschaft in Berlin hat Kameras auf die Fassaden umliegender Gebäude gerichtet. Ich habe die Kameras fotografiert. Das Foto finde ich heute nicht mehr auf meinem Handy.

Trump is watching you:

Im letzten Jahr habe ich viel über Donald Trump getwittert. Bei meiner nächsten Einreise in die USA wurde ich gleich vom Immigration Service rausgezogen und befragt. Die hatten meinen Twitter-Account, sowie einige andere Accounts, ohne dass ich dazu irgendwelche Angaben gemacht hätte.

Du hast einen mithören:

Letztens habe ich telefoniert. Und auf einmal wurde das, was ich vor 5 Minuten gesagt hatte, wiederholt. Die ganzen ersten 5 Minuten des Gesprächs wurden wieder abgespielt. Währenddessen wurde bei mir die Leitung unterbrochen. Erst danach konnten wir wieder telefonieren. Das war ein seltsames Erlebnis.

Spionage im Spionagemuseum

Kannst Du mich hören? Spionagegerät aus dem Spionagemuseum ©AusserGewöhnlich Berlin

Der heimliche Gesichtsscann:

Nach meinem Skiurlaub hatte ich von meinem Skipass noch zwei Tage übrig. Diese zwei Tage wollte ich auf dem Parkplatz vor der Seilbahn für wenig Geld verkaufen. Dann wurde mir plötzlich über den Parkplatz-Lautsprecher mitgeteilt, dass das zwecklos sei, weil das Gesicht vom Passbesitzer gescannt wird, wenn er das erste Mal mit dem Skipass durch das Drehkreuz an der Seilbahn geht.

Die Facebook Single-Börse:

Ich habe mal ein Facebook-Foto von einer Freundin gesehen, die wiederum mit einer Freundin unterwegs war. Ich fand ihre Freundin hübsch und habe bei WhatsApp nach ihrem Namen gesucht. Und dann wurde sie mir auf Facebook als Freundesvorschlag angezeigt.

Der penetrante Schuh:

Ich finde, dass Retargeting auch eine Form von Spionage ist. Sobald ich mir einen Schuh bei Zalando angeschaut habe, werde ich ständig mit diesem Schuh penetriert. Überall wird dann dieses Produkt angezeigt.

Die BVG weiß Bescheid:

Ich war mit etwa 15 Jahren mit der S-Bahn unterwegs. Dann wurde ich, natürlich kein Ticket, kontrolliert. Ich gab einen falschen Namen an, und sagte, dass ich keinen Personalausweis dabei hätte. Vier Wochen später kam trotzdem ein Brief per Post zu mir nach Hause. Woher wussten die meine Adresse?

Berliner Spionage: Berlin ist de Hauptstadt der Video Überwachung

Kamera im Spionagemuseum Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Russland lässt grüßen:

Heute kennt man personalisierte YouTube-Werbung. Damals, als das aufkam, haben sich alle gefragt, woher das kommt. Ich sagte zu meinem Freund: „Das waren bestimmt die Russen“. Eine Stunde später gehe ich auf YouTube und bekomme eine russische Werbeanzeige auf Russisch, obwohl ich mit Russland nichts zu tun habe.

Von wegen Bankgeheimnis:

Ich habe mal eine Kreditanfrage bei meiner Bank gestellt. Ein paar Tage später bekam ich von einer anderen Bank, mit der ich bis dahin nichts zu tun hatte, in der genau der gleichen Höhe, in der ich einen Kreditantrag gestellt hatte, ein Angebot für einen Kredit.

Die Polizei, dein Freund und Helfer:

Wir sind auf der Autobahn von Rostock nach Berlin und es kommt uns ein Falschfahrer entgegen. Ich rief die Polizei an und informierte sie. Als wir  zuhause angekommen waren, rief die Polizei nochmal an: „Sie sind ja jetzt gut zuhause angekommen. Wir wollten uns bedanken und Bescheid geben, dass wir den Falschfahrer gefunden haben.“ Woher wussten die, dass ich zu Hause bin?

Schlaue Einbrecher:

Ich habe eine Zeit lang mit fünf weiteren Personen unter einem Dach gelebt. Es war immer jemand zuhause. Und dennoch wurde eingebrochen. In den vier Jahren, wo wir dort zusammengelebt haben, gab es lediglich zwei halbe Tage, an denen niemand da war. Und genau in dieser Zeit wurde eingebrochen.

Das ominöse Geschenk:

Vor ca. 2 Jahren habe ich zu meinem Handytarif ein Aufladegerät für das Auto bekommen, vermittelt durch meine Versicherung. Dort war ein Chip drin, der meine Fahrgewohnheiten aufgezeichnet hat. Und bei einer positiven Fahrweise, also nicht zu schnell etc., hätte ich eine Rückzahlung von der Versicherung bekommen.

Das Bundeskriminalamt ist informiert:

In der Mittagspause gehe ich immer essen und vertrete mir die Beine. Da komme ich öfter an der israelischen Botschaft vorbei. Ich habe mir dabei nichts Besonderes gedacht, bis ich mal mit einem Freund von mir gesprochen habe, der beim Bundeskriminalamt ist. Ich habe ihm erzählt, dass ich gerade Essen gewesen war.  Er meinte: „Ja, ich weiß. Und deine Kollegen auch“.

Salon im Deutschen Spionagemuseum

Berlin gilt als die Hauptstadt der Spione ©AusserGewöhnlich Berlin

Na, Gänsehaut?

Die AusserGewöhnlichen Berliner sind sich einig: Spionage gibt es überall.

Und in einigen Fällen ist das mehr als gruselig.

Denn technisch ist alles möglich. Und wir können uns nur bedingt vor Datenkraken schützen.

Aber: Eigentlich kommt es nur darauf an, wie unsere Gemeinschaft mit den Daten umgeht.

Was uns fehlt, ist ein regulierendes System. Unsere Polizisten haben Waffen, dürfen aber nur im äußersten Notfall schießen. Solche Regeln braucht es auch in Zeiten der Digitalisierung für diejenigen, die unsere Daten sehen.

Wir stehen nackt im Netz. Denn Unternehmen, Einzelpersonen und Institutionen kommen an unsere persönlichen Daten heran. Sie wissen alles von uns. Heißt das, dass sie diese automatisch verwenden dürfen? Nein.

Wir brauchen bessere Kontrollinstanzen. Europa kann hier eine weltweit führende Rolle einnehmen. Und Berlin ist der Ort, an dem wir mit besseren Regeln zur Datensicherheit beginnen müssen.

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