Lars-Gunnar Ziel im Interview

Der Berliner Dom am Eingang der Museumsinsel ©AusserGewöhnlich Berlin

Die Kirche, in der Judas eine Hauptrolle spielt – Berliner Dom

Der AusserGewöhnliche Berliner Lars-Gunnar Ziel, Geschäftsführer des Berliner Doms, spricht mit uns über Berührungsängste und eine Location mit 2000 Jahren Firmengeschichte.

Der Berliner Dom ist die größte Kirche Deutschlands. Seine Geschichte reicht zurück bis in das Mittelalter. Hunderttausende Besucher strömen jedes Jahr in das besondere Bauwerk, dessen Ereignisse so bunt sind, wie Berlin.

Der AusserGewöhnliche Berliner Lars-Gunnar Ziel, Geschäftsführer des Berliner Doms, spricht mit uns über Berührungsängste und eine Location mit 2000 Jahren Firmengeschichte.

Was ist das Besondere an unserem Dom?

Der Berliner Dom ist die flächenmäßig größte evangelische Kirche Deutschlands und damit eine der Hauptattraktionen Berlins.

Er liegt prominent am Eingang der Museumsinsel, in direkter Nachbarschaft zum Humboldtforum. Die Hohenzollerngruft des Domes gehört zu den bedeutendsten Grablegen Europas. Hier liegen Königinnen und Könige der Familie Hohenzollern bestattet.
Was hat eine Kirche, was andere Veranstaltungs-Locations nicht haben?
Welche ‚Location‘ kann schon von sich behaupten, dass ihre ‚Firmengeschichte‘ über 2000 Jahre zurück reicht?

Der Dom hat schon viele Kurfürsten, Könige, Kaiser und Staatsräte gesehen. Die Geschichte des Doms in ganz kurz?

Berliner Dom, Fassade
Der Berliner Dom zieht jährlich hunderttausende Besucher nach Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Die Geschichte des Berliner Domes reicht 500 Jahre in die Vergangenheit. Das eigentliche Gebäude wurde im Auftrag von Kaiser Wilhelm II.

errichtet und 1905 fertig gestellt. Im Zweiten Weltkrieg traf eine Bombe die Kuppel des Domes, die daraufhin zwei Tage brannte und anschließend in die Tiefe stürzte. Dabei wurde das Innere des Domes teilweise zerstört, ebenso Teile der Hohenzollerngruft. Noch zu DDR Zeiten begann der Wiederaufbau. 1993 wurde der Berliner Dom wieder eingeweiht.

Kann man bei Euch Räume buchen? Wenn ja, was für Räume und wie viele Personen passen in die Räumlichkeiten?
Das Haus verfügt über mehrere Möglichkeiten, Räume zu mieten. Im Obergeschoss des Domes liegen der Sophie-Charlotte-Saal und der Luise-Henriette-Saal, die einen weiten Blick auf die Museumsinsel haben.

Diese Säle fassen gemeinsam je nach Nutzungsart um die 100 Personen.

Sie verfügen über einen separaten Zugang, Toiletten und eine kleine Küche und sind deshalb hervorragend für private und betriebliche Feste, Vorträge, Diskussionsveranstaltungen geeignet, um nur einige Beispiele zu nennen.

Berliner Dom, Veranstaltungen
Zentrum für zahlreiche Veranstaltungen ©AusserGewöhnlich Berlin

Im Berliner Dom besteht zudem die Möglichkeit größere musikalische Veranstaltungen durchzuführen.

Hierfür kann die Predigtkirche mit ca. 1300 Plätzen mit den angrenzenden Räumlichkeiten für Empfänge gemietet werden. Auch private Orgelkonzerte mit Führungen gehörten zum ständigen Angebot.

Wie kann ich Euch erleben?
Den Berliner Dom kann man auf ausgesprochen vielfältiger Weise erleben. So finden beispielsweise täglich mehrere Gottesdienste oder Andachten statt. Jeden Sonntag um 10 Uhr wird ein großer Gottesdienst gefeiert, in dem die berühmte Sauerorgel erklingt. Regelmäßig bereichern die musikalischen Ensembles des Domes (Berliner Domkantorei, Staats- und Domchor, Berliner Dombläser) diese Gottesdienste.

Über 100 Konzerte und Veranstaltungen stehen auf dem Programm des Berliner Domes,

darunter berühmte Orchester und Chöre wie beispielsweise das Rundfunksinfonie Orchester Berliner oder der Tölzer Knabenchor.
Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Welt können den Berliner Dom besichtigen. Im Eintrittspreis enthalten ist eine 20 minütige Standortführung, das Dommuseum zur Baugeschichte, der Kuppelumgang mit einem 360 Grad Blick auf die historische Mitte Berlins und die Hohenzollerngruft mit 94 Särgen aus 500 Jahren Geschichte.

Der Dom wird auch oft für nicht kirchliche Veranstaltungen geöffnet. Gibt es eine Berliner Tradition, wenig Berührungsängste zu offiziellen, kirchlichen oder historischen Gebäuden zu haben?
Na, eher das Gegenteil ist doch der Fall. Die Stadt war über zweieinhalb Jahrzehnte lang geteilt und es gab und gibt Unterschiede in der Religionsausübung zwischen Ost und West.

Viele Menschen waren noch nie in einer Kirche und haben auch manchmal eine regelrechte Scheu davor.

Wer aber einmal im Berliner Dom drin ist, merkt schnell, dass das Haus nichts zum Fürchten ist, sondern ein tolles Gebäude mit noch tolleren Angeboten. Wir erleben das zum Glück auch immer wieder, wenn wir z.B. Veranstaltungen machen, die man nicht so bei uns erwartet, wie zum Beispiel bei den Inszenierungen von Christoph Hagel.

Berliner Dom, Veranstaltungsort
Der Berliner Dom ist nicht nur für Kirchgänger interessant ©AusserGewöhnlich Berlin

Dann besuchen uns auf einmal Berlinerinnen und Berliner, die noch nie hier waren, aber hinterher ganz begeistert sind.

Die zwei außergewöhnlichsten Veranstaltungen, die im Berliner Dom stattgefunden haben?
Der Dirigent und Opernregisseur Christoph Hagel hat bei uns nicht nur 2014 das erwähnte Weihnachtsoratorium mit dem Fernsehballett inszeniert, sondern auch 2011 ‚Die Schöpfung‘ von Josef Haydn und später noch die Johannespassion von Bach. Alle Aufführungen waren mit Tanz, tollen Kostümen, Licht und viel Musik und haben das Publikum und mich vollkommen begeistert.

Aber auch der Staatsakt für den Verstorbenen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, der bei uns im Februar 2015 mit der gesamten Bundesprominenz hier stattfand, war ein beeindruckender Moment in meiner Karriere.

Drei Tage lang haben wir den Dom geschlossen, das ganze Haus wurde von oben bis unten vom BKA mit Spürhunden durchsucht, das ZDF hat zahlreiche Scheinwerfer und Kameras für die Liveübertragung aufgebaut…. das war schon wirklich eindrucksvoll.

Wie würden Sie den Berliner Dom einem Touristen beschreiben?
Im Herzen der Hauptstadt, am Eingang zur Museumsinsel, liegt die größte evangelische Kirche Deutschlands – der prächtige Berliner Dom, eines der Wahrzeichen der Stadt. Auf seiner über 90 Meter hohen Kuppel strahlt weithin sichtbar das goldene Kreuz. Das Innere des Gotteshauses ist lichtdurchflutet, farbig und reich geschmückt. Mit seiner Hohenzollerngruft und dem spektakulären Kuppelblick auf die historische Mitte der Stadt darf der Berliner Dom bei keinem Berlinbesuch fehlen.

Im März findet im Dom Das Werk „Ich, Judas“ mit Ben Becker statt. Wieso wurde der Dom als Location gewählt?
Ben Becker und der Berliner Dom – die beiden haben sich wirklich gesucht und gefunden. Wir wollten den Text von Walter Jens ‚Die Verteidigungsrede des Judas Ischariot‘ schon lange irgendwie in den Dom kriegen und haben nach einem geeigneten Schauspieler gesucht. Zur gleichen Zeit hat Ben Becker eine CD mit dem Text eingesprochen und auch darüber nachgedacht, wie er dieses starke Werk irgendwie inszenieren kann.

So kamen die beiden Schwergewichte Dom und Becker zusammen – zwei die gleichzeitig polarisieren und begeistern.

Und dann noch die Rolle des Judas, eine der umstrittensten Figuren der Bibel. Becker schlüpft hier im Dom ja in diese Rolle und trägt als Judas eine völlig neue Überlegung zu seiner Rolle vor. Er steht dabei ganz alleine im Altarraum, fast ohne Requisiten. Die Zuschauer sind dennoch vollkommen gefesselt, alleine durch die Kraft seiner Darstellung, seiner Worte und natürlich durch das, was sie sehen, den riesigen Innenraum der Predigtkirche.

Wenn das kein Highlight ist, dann weiß ich es nicht.

 

Dieses Interview wurde erstmals im eMagazin von AusserGewöhnlich Berlin in der Ausgabe 02/2017 veröffentlicht.

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