Nineties Berlin in der Alten Münze

90er Party Berlin: An was denkst Du, wenn Du dich an das Berlin der 90er Jahre erinnerst? ©AusserGewöhnlich Berlin

90er Party Berlin: Wie war es damals im Berlin der 90er Jahre?

Die AusserGewöhnlichen Berliner erzählen zum Salon beim Bazaar Berlin von ihrer persönlichen 90er Party Berlin, ihrem Lebensgefühl in den 90ern.

Das Lebensgefühl der 90er Jahre: Wenn ihr Berlin und die 90er hört, woran denkt ihr?

Das haben wir die AusserGewöhnlichen Berliner auf dem Bazaar Berlin gefragt, wo einmal im Jahr die ganze Welt in unserer Stadt zusammen kommt.

Geschäftsführerin Barbara Mabrook hat uns eingeladen. Wir sind ihrem Ruf gefolgt. Inspiriert von den Kulturen um uns herum sprechen wir über die Berliner Kultur.

Die AusserGewöhnlichen Berliner erzählen von ihrer persönlichen 90er Party Berlin, also ihrem Lebensgefühl in den 90er Jahren.

Ninteties berlin alte Münze

Die 90er Jahre Ausstellung Nineties Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

90er Party Berlin: Das verbinden die AusserGewöhnlichen Berliner mit Berlin in den 90ern:

Heiße Öfen:

Ich denke an quietschende S-Bahnen wo man während der Fahrt die Türen öffnen konnte und auf Holzbänken gesessen hat.

Das verschenkte Staatsgeld:

Ende der 80er/ Anfang der 90er Jahre war die Auszahlung des Begrüßungsgeldes. Jeder aus der ehemaligen DDR oder aus Ost-Berlin bekam 100DM. Die Leute wurden mit Bussen zu den Banken gefahren. Wir haben am Schalter gesessen und das Geld ausgezahlt. Ich werde im Leben nicht vergessen, wie ich die 100 DM Scheine aus meiner Tasche gezogen habe. Dann gab es hinten dran im Ausweis auf der letzten Seite ein schwarzes Kreuz. Egal, ob du Ausweis oder Reisepass gezeigt hast. Das war spannend und genial. Es waren Massen an Menschen da. Alle waren nett und freundlich und haben gejubelt. Irgendwann ging herum, dass es eine schwarze Liste gibt. So viele Leute kamen und haben 100DM freiwillig zurückgegeben, weil sie das Geld doppelt und dreifach bekommen haben.

Party Party Party:

Ich denke an die Loveparade, Techno, den Tresor und die Partyszene. Du wusstest nicht wo was los war, bist durch Hinterhöfe gelaufen und irgendwo gelandet. Die Musikkultur ist bei mir wirklich hängen geblieben.

Ball-Roulette:

Berlin war das Zentrum des Frauentennis Anfang der 90er Jahre. Das war die absolute Mega-Szene und zu den Turnieren traf sich die Schickeria. Ich habe selbst Tennis gespielt. Wir Männer in der Regionalliga waren damals genauso gut wie die Weltklasse der Frauen. Wir haben im Grunewald mit den Frauen trainiert, weil sie Trainingspartner brauchten.

Noch mehr Party:

Ich denke an die Feier-Szene: Wer in den 90ern nicht von oben bis unten schwarz gekleidet war, gehörte nicht dazu. Und in den Clubs war der Plattenspieler die einzige Lichtquelle. Man hat also die schwarz gekleideten Menschen nicht gesehen und wurde vollgedröhnt mit Musik.

Schaut euch die Nineties Berlin Ausstellung in der alten Münze an

90er Party Berlin: Techno, Dunkelheit und laute Musik ©AusserGewöhnlich Berlin

Ein Ami in Berlin:

Mir kam sofort in den Sinn, dass ich in der BVG von jugendlichen Gangs bedroht wurde. Ich hatte eine neue Giants Jacke und die neusten Jordans. Ständig wurde ich gefragt, was meine Schuhgröße ist und im Bus musste man schauen, wo man sitzt, um nicht abgezogen zu werden. (lacht)

Das Baywatch revival:

In den 90ern war andauern David Hasselhoff im Fernsehen. Und ansonsten gab es fiese Raves in ganz Berlin. Die einzigen die nicht gefeiert haben, haben dann mit sprühen angefangen.

Mit dem Honecker-Zug nach Brandenburg:

Das Gefühl der 90er in Berlin war: alles ist möglich. Es gibt nichts Unmögliches. Damals hatten wir Kiss FM gegründet. 1993 haben wir eine Dampflock von der Deutschen Bahn gemietet und den alten Honecker-Salon-Zug, bestehend aus 6 oder 7 Salonwagen, leere Dinger, mit rotem Teppich. Wir haben in jeden Waggon einen DJ reingestellt, mit einem Generator und sind die gesamte Nacht bis morgens um 10 durch Brandenburg getuckert. In den kleinsten Käffern mussten wir anhalten, um Kohle nach zu laden. Wir waren ein beleuchteter Geisterzug, der durch die kleinen Käffer gefahren ist. Die Bevölkerung hat sich, morgens um 6 Uhr auf dem Weg zum Bäcker, gefragt: Was ist das denn? Und ich habe mir keine Gedanken um Genehmigungen, Brandschutz und alles gemacht. Das war Berlin.

Die Alles-ist-möglich:

Es war eine Zeit, Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre, da war alles in Ordnung. Alle sind zusammengerutscht, am Gendarmenmarkt ist eine Gastronomie nacheinander entstanden. Und in der Gastro waren vier bis fünfstellige Umsätze kein Problem, aber nicht pro Laden, sondern pro Tisch. Es gab viele internationale Gäste, keinen Weltschmerz und wir konnten uns nicht vorstellen, dass es aufhört. 2001 waren dann die sorglosen Zeiten vorbei.

90er Party Berlin: Was ist dir in den 90ern passiert?

Die 90er Jahre symbolisierten das unrschütterliche und freie Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Berlin war in den 90er Jahren also eine verrückte, wilde Stadt, in der alles möglich war. Reich an Techno und Freiheit. Voll mit kreativen Menschen, die sorglos taten, was sie tun wollten. Dieser Spirit ist noch immer in den Köpfen der Berliner verankert. Auch wenn heute alles ein bisschen anders ist.

Damit wir diesen Spirit erhalten und vielleicht sogar intensivieren, müssen wir für die Seele Berlins kämpfen: Jeder Berliner ist dazu verpflichtet, Berlin als einen Ort der Freiheit zu erhalten. Nehmt nicht alles hin, probiert mal etwas aus, das nicht gewöhnlich ist, sprecht über die Berliner Werte und setzt euch für unsere Freiheit ein.

Man kann zwar nicht mehr mit dem Honecker Salonzug durch Brandenburg fahren. Aber wir können den Berliner Alltag revolutionieren. so, wie in den 90ern – ganz Berlin eine Party.

 

Wir sehen uns beim Salon bei Nineties Berlin am 22. November 2018.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.