Der Geschäftsführer vom Chamäleon-Theater kommentiert die Diskussion über das “bedingungslose Grundgehalt”.

“Ich bin der festen Überzeugung, dass z.B. unsere Künstler und viele andere Mitarbeiter im Theater Ihren Job genauso gut machen würden, auch wenn Ihnen eine gesicherte Grundversorgung ohne Leistung in Aussicht gestellt würde. Viele von uns wollen etwas erreichen und bewegen, um sich selber zu verwirklichen  – und das gelingt auf der Couch vor dem Fernseher auf Dauer nicht besonders gut. Das Geld ist nicht ausschlaggebend.”

Hendrik Frobel – Chamäleon Theater, (c) Tanja Schnitzler

Was treibt uns eigentlich an? Was motiviert uns, morgens aufzustehen und das Beste aus dem Tag zu machen? Ist es nur des Geldes wegen, das wir am Ende des Monats erhalten? Oder ist da noch mehr?

Ich durfte in meiner bisherigen beruflichen Laufbahn immer mit Menschen zusammen arbeiten, für die ihre Tätigkeit weniger ein Job war als vielmehr Beruf und Berufung. Schon hier sind in meinen Augen große Unterschiede sichtbar. In vielen Branchen trifft man auf Menschen, die über ihre Grenzen hinausgehen und weitaus mehr leisten als „Dienst nach Vorschrift“.

Blicke ich auf unseren Theaterbetrieb, so sehe ich unglaublich viele Menschen, die jeden Tag vollen Einsatz bringen…nicht weil sie müssen, sondern weil sie es wollen. Das ist etwas, was sich mit keinem Geld der Welt erkaufen lässt. Entweder, jemand ist beruflich an der richtigen Stelle im Leben angekommen oder nicht. Ich halte es  für wichtig, die einzelnen Individuen zu sehen und jeden bei seiner eigenen Entwicklung zu unterstützen.  Jeder ist anders. Wir verwenden im Unternehmen viel Zeit für Gespräche zwischen den Mitarbeitern aber auch zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten. Ich versuche mein Team mit meiner Leidenschaft und Begeisterung anzustecken und erlebbar zu machen, wie schön es ist, erfolgreich zu sein. 

Oft wurde ich gefragt, wie ich tagtäglich aufs Neue hochmotiviert und mit guter Laune durch den Tag gehen kann? Meine Antwort ist seit Jahren die gleiche: Ich höre jeden Morgen auf mein Herz. Höre, wofür es schlägt. Und wenn es an einem Tag nicht mehr dafür schlägt, was für mehr als acht Stunden am Tag vor mir liegt, dann ist die Aufgabe nicht mehr die richtige für mich. Sich hierfür die Zeit zu nehmen, ist in meinen Augen viel wichtiger, als seine tägliche Arbeit ausschließlich über den Lohn zu definieren.

Macht ein bedingungsloses Grundgehalt die Menschen glücklich? Oder werden auf einmal alle faul?

Die Frage ist, glaube ich, eine andere:

Ein solidarisches und soziales System soll die Schwachen unterstützen. Aber es wird immer so sein, dass es auch Menschen gibt, die das System bewusst ausnutzen und sich nicht motivieren wollen/können.

Es gibt unterschiedliche Menschentypen. Die Einen definieren sich (auch) über das was sie täglich erreichen und leisten. Den Anderen fällt es nicht schwer, auch auf Kosten der Solidargemeinschaft ohne Eigenleistung zu leben. Beides wird es immer geben. Ob wir nun über 800€ oder 1000€ “Grundgehalt” im Monat reden, mag bei der Einzelfallbetrachtung wichtig sein und in Summe auch einen großen finanziellen Unterschied machen…das Grundproblem wird jedoch nicht angepackt.

Hendrik Frobel – Chamäleon Theater, (c) Tanja Schnitzler

Das Grundproblem:

1.            Wie sehr verstehen wir (das Volk) uns als Staat? Oft wird leichtfertig gesagt, dass diese und jene Kosten der Staat übernimmt. Viele versuchen sich so viele Steuervorteile wie möglich zu sichern. Auf welche Kosten? Auf unser aller Kosten! Wir sind der Staat! Wir nehmen uns das Geld selber weg. Das vergessen wir zu oft.

2.            Es sollte mehr Einfluss vom Volk auf die Art und Weise genommen werden, wie das Geld von unseren politisch Verantwortlichen ausgegeben wird. Da sehe ich die DeutschlandGroup Hendrik Frobelz.B. als wichtige Organisation, die immer stärker wird. Mit den richtigen Köpfen, einheitlichen Gedanken und dem entsprechenden Druck lässt sich etwas verändern und auch in der Politik bewegen. Nehmen wir hin, dass Gelder verschleudert werden oder sollen sie lieber so effektiv wie möglich eingesetzt werden?

3.            Sollte man beim Thema Grundversorgung vielmehr die Frage stellen, was das eigentliche Hauptziel ist. Sollen möglichst wenig Arbeitssuchende in einer Statistik auftauchen oder nachhaltig in der Arbeitswelt untergebracht werden? Ob man das mit einem System schafft, welches viel mit Vermittlungs- und Betreuungsquoten arbeitet, halte ich für fraglich.

Ich bin der festen Überzeugung, dass z.B. unsere Künstler und viele andere Mitarbeiter im Theater und anderen Firmen Ihren Job genauso gut machen würden, auch wenn Ihnen eine gesicherte Grundversorgung ohne Leistung in Aussicht gestellt wird. Viele von uns wollen etwas erreichen und bewegen, um sich selber zu verwirklichen  – und das gelingt auf der Couch vor dem Fernseher auf Dauer nicht besonders gut.

Hendrik Frobel

Fotos: Tanja Schnitzler

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