Die Berliner Verwaltung, das Rote Rathaus

Bauen in Berlin: Die Berliner Verwaltung - Das Rote Rathaus ©AusserGewöhnlich Berlin

Was wir im 19. Jahrhundert besser gemacht haben als heute – Bauen in Berlin

Der BEOS Chef und AusserGewöhnliche Berliner Dr. Stephan Bone-Winkel spricht über die Sabotage der Berliner Neubauten, die Enteignungspläne des Berliner Senats und Bauen in Berlin.

Wie sieht die Situation der Gewerbeimmobilien in Berlin aus?

Nicht nur Wohnungen sind knapp in Berlin, auch Gewerberäume. Seit Jahren wurde auch hier zu wenig neu gebaut und die Nachfrage vor allem nach Büro- und Gewerbeflächen von allen Akteuren deutlich unterschätzt.

So lange vor allem der TMT-Sektor (Technologie, Medien und Telekommunikation) in Berlin weiter so stark wächst, werden auch die Mieten weiter steigen. Das ist aber gefährlich für Berlin, denn Unternehmen könnten abwandern in günstigere Standorte.

Gewerbe in Berlin: Dr. Stephan Bone-Winkel über das Bauen in Berlin

Wie entwickeln sich die Gewerbeimmobilien in Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Wie könnten wir am einfachsten mehr Gewerberaum in Berlin schaffen?

Investoren und Entwickler sind überall auf der Welt willkommen, da sie investieren und Arbeitsplätze schaffen.

„Nur die Berliner Verwaltung denkt hier offenbar anders. Und in Sachen Klarheit, Effizienz und Prozessmanagement haben einige Bezirke und auch die Senatsverwaltung extremen Nachholbedarf.“


Ein neuer Bebauungsplan benötigt in Berlin im Durchschnitt unglaubliche 12 Jahre. So kann das nicht weitergehen.

Wir müssen dichter und höher bauen in Berlin, Nutzungen stapeln, besser durchmischen und Beschränkungen flexibilisieren.

BEOS am Kurfürstendamm

Das BEOS Büro am Kurfürstendamm in Berlin ©BEOS

Wie hat Berlin eigentlich das rasante Industriewachstum des 19. Jahrhunderts geschafft? Was war damals anders? Haben wir den Berliner Spirit verloren?

In der Zeit von 1870 bis 1912 haben private Terraingesellschaften die rasante Stadterweiterung Berlins vorangetrieben. Sie kauften große Areale vor den Toren der damaligen Stadt, machten die komplette Planung für Infrastruktur und Grundstücke, bauten die S-Bahn, Straßen und Schulen. So entstanden z.B. das Westend, Lichterfelde, Grunewald und Nikolassee. Die Ergebnisse können sich heute noch sehen lassen.

„Heute haben wir eine ganz andere Planungskultur. Die Verwaltung weiß vor allem wie es nicht geht, Neinsagen ist für Beamte risikolos, Mut und Entgegenkommen werden nicht belohnt.“


Und es finden sich immer Gegner von Vorhaben, die sich gut organisieren und Veränderung ablehnen. Aber es ist nicht nur die Verwaltung, auch die Bauten müssen flexibler, kostengünstiger und schneller errichtet werden.

Wir bauen in Berlin Häuser heute noch wie Kutschen im Mittelalter. Alles wird vor Ort einzeln und überwiegend in Handarbeit gefertigt. Die Immobilienwirtschaft muss ihre Prozesse digitalisieren und standardisieren bzw. modularisieren.

Die Transformation der Bauindustrie kommt spät, hat aber gewaltiges Potential. Um das zu heben müssen wir allerdings die mehr als 20.000 lokalen Bauvorschriften reduzieren und standardisieren.

Das Büro von BEOS, Deutschlands größter Vermieter von Unternehmensimmobilien

Inside ©BEOS: Das Büro am Kurfürstendamm in Berlin

Wie beurteilen Sie die Rekommunalisierungs- /Enteignungs-Pläne des Berliner Senats?

Das ist ordnungspolitisch ein Sündenfall und eine völlig irrationale Übertreibung.

„Hier sollen Milliarden ausgegeben werden, nur um einige wenige Tausend Mieter vor Mieterhöhungen zu schützen. Mich wundert, dass man damit offenbar ungestraft politisch Punkte sammeln kann.“


Wir haben 1,63 Millionen Mietwohnungen in Berlin, was soll das also bringen? So entsteht keine einzige neue Wohnung.

Wichtiger und viel effizienter wäre es, bedürftige Mieter direkt zu unterstützen und den Wohnungsbau richtig anzukurbeln. Wir müssen bauen in Berlin.

Aktuell wird der Neubau aber eher sabotiert, so dass sich seriöse Investoren, die hier als „Spekulanten“ bezeichnet werden, vom Berliner Markt zurückziehen. Und die enteigneten Wohnungen werden dann in 20 Jahren wahrscheinlich so aussehen wie heute die Berliner Schulen.

Haben wir in Deutschland schon eine Immobilienblase? Wenn ja, wann wird sie platzen?

Nein, auf keinen Fall. Blasen entstanden in der Vergangenheit, wenn zu viel gebaut wurde oder der Gesetzgeber zu stark eingegriffen hat, etwa durch Steuersubventionen. Was wir aber feststellen, ist eine Vermögenspreisinflation, erzeugt durch die Niedrigzinsentwicklung. Anleger flüchten in reale Güter und akzeptieren Preise, die effektiv zu einer Nullrendite führen, nur um ihr Geld aufzubewahren.

Vielen Dank für das Interview.

 

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