Christoph Blaesius im INterview

Das Ballhaus Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Der Geist der zukünftigen 20er Jahre Berlins – Ballhaus Berlin

Christof Blaesius ist Inhaber des Ballhaus Berlin. Im Interview spricht er mit uns über das Alt Berlin, MAMPE, das Ballhaus, und warum es sich als Investor lohnt, alte Werte zu respektieren.

Vor drei Jahren schloss das Ballhaus Berlin. Jetzt ist es mit Macht wieder da. Das Gefühl der wilden 20er Jahre trifft aus Berlins neue Kreativszene und beschert uns heiße, durchzechte Berliner Nächte.

Christof Blaesius ist Inhaber des Ballhaus Berlin. Im Interview spricht er mit uns über das Alt Berlin, MAMPE, das Ballhaus, und warum es sich als Investor lohnt, alte Werte zu respektieren.

Was machst Du Kölner in Berlin?

In der mit Sicherheit spannendsten Stadt der Welt die Entwicklung miterleben und ein Teil davon sein.

Warum ist Berlin die spannendste Stadt der Welt?

Weil Berlin eine Stadt ist, die uns alle verbindet, die eine friedliche Revolution mitgemacht hat, die vermutlich kein zweites Mal auf der Welt zu finden ist und die ein Volk wieder zusammengeführt hat.

Und ich bin jemand, der versucht in allen Projekten Menschen zusammenzubringen und ihnen Freude zu bereiten. Diese Stadt symbolisiert das natürlich mit internationaler Strahlkraft.

Wow. Was sind gerade deine Hauptprojekte?

Jetzt im Augenblick sind meine Hauptprojekte selbstverständlich das Ballhaus Berlin, in Verbindung mit dem Alt Berlin und dem gerade in der Entstehung befindlichen Hostel Ballhaus Berlin.

Das Ballhaus Berlin, was ist das? Ist das eine Discothek? Ein Veranstaltungsraum? Wie kann man das benennen?

Das Ballhaus Berlin ist erst mal das älteste Ballhaus der Stadt, von denen es nahezu fast 500 in den 20er Jahren gab.

Das Ballhaus ist nicht nur das älteste, sondern eins von fünf oder sechs, die überhaupt übrig geblieben sind und heute noch in Betrieb sind.

Wir versuchen ein wenig des Geistes, den man in den Golden Twenties hatte, in die zukünftigen 20er Jahre zu transportieren.

Ballhaus Berlin, 20er Jahre, Zukunft Berlins
Die neuen 20er Jahre ©AusserGewöhnlich Berlin

Kann man auch Absinth bei euch trinken?

Absinth gibt es selbstverständlich auch zu verschiedenen Veranstaltungen, wie beispielsweise Bohéme Sauvage.

Dann habt ihr auch Veranstaltungen die als Vorbild die 20er Jahre hatten?

Absolut. Wir haben eine ganze Menge Veranstaltungen in der Richtung. Dazu gehört zum Beispiel das Kabarett der Namenlosen, Bohéme Sauvage, Berliner Luft, ein Claire Waldoff Programm mit der bekanntesten Claire Waldoff Darstellerin Deutschlands, Sigrid Grajek, und viele mehr.

Und gibt es auch etwas Modernes im Programm?

Selbstverständlich gibt es auch Modernes.

Wir haben eine Menge Record Release Partys und wir haben immer wieder Experimente mit HipHop und Kunst in Verbindung und mit Rock und Kunst in Verbindung.

Das einzige auf was wir gerne verzichten, ist harte elektronische Musik wie Techno. Zum einen können das andere besser und zum anderen ist das Haus einfach zu alt, als das es für Techno geeignet wäre.

Das bedeutet euer Publikum ist total gemischt?

Unser Publikum ist absolut gemischt. Soll heißen wir erfreuen uns der Gäste zwischen 20 und 80 Jahren und das macht es eben auch für alle interessant.

Jung und alt kommen gleichermaßen zusammen. Zugegeben, bei manchen Veranstaltungen gibt es mehr junge Gäste und bei anderen auch überwiegend ältere Gäste, aber es gibt eine ganze Menge Veranstaltungen, die einen absoluten Mix der Generationen haben.

Haben Sie das Ballhaus Berlin wieder eröffnet oder war es bereits offen, als Sie es übernahmen?

Es war 30 Jahre in Betreiberschaft von Herbert Gottschlich und seiner Frau. Die beiden haben es dieses Jahr vor ziemlich genau 3 Jahren aus altersbedingten Gründen aufgegeben. Wir haben es übernommen und erst mal 5 Monate dicht gemacht, um alles zu renovieren, was zu renovieren war. Wir haben das Ballhaus beispielsweise komplett mit neuer Technik ausgestattet und farblich etwas anders abgestimmt.

Und das nicht nur mit viel Geld, sondern auch mit viel Detail und viel Leidenschaft.

Ballhaus Berlin, Eröffnung
Durchzechte Nächte im Ballhaus Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Und was hast du vorher gemacht? Bist du Gastronom aus Leidenschaft?

Ich bin alles andere als Gastronom. Selbstverständlich ist man in der Rolle des Gastgebers, aber eigentlich bin ich selbst ganz klassisch groß geworden: Nach der Schulzeit Abitur, Touristik und BWL Studium mit Schwerpunkt Marketing, parallel dazu eine Ausbildung als Fernsehproducer bei RTL und Frank Elstner in Luxemburg. So bin ich erst mal ins Fernsehgeschäft gekommen, in dem ich 20 Jahre tätig war. Als selbstständiger Produzent wurde die Luft irgendwann enger, als die Fernsehanstalten eigene Profitenter gründeten.

Dann habe ich überlegt, was man tun kann, um mit der Entwicklung schrittzuhalten und ich dachte mir, was mit Kamera geht, geht auch ohne.

So bin ich ins Veranstaltungsgeschäft gekommen und führe heute neben dem Ballhaus seit vielen Jahren eine Eventagentur.

Was fast niemand weiß: Du hast „Alt Berlin“ gerettet.

Das war zugegebener Maßen meine Stammkneipe in der Münzstraße. Ich wohnte um die Ecke in der Alten Schönhauser Straße.

Eigentlich war das ein Laden an dem man vorbei läuft, weil er von außen schrabbelig und alt aussah.

Durch meinen damaligen Nachbarn Ben Becker bin ich dann aber mal dort rein gegangen und wie in einem zweiten Wohnzimmer hängen geblieben. Es war ein Treffpunkt der Mitte-Szene. Dort waren viele Schauspieler, Musiker und andere interessante Menschen, die sich ungezwungen getroffen haben. Leider musste das Altberlin dann vor drei Jahren zwecks Haussanierung schließen und weichen.

Da diese Kneipe aber von so vielen leidenschaftlichen Menschen besucht wurde, haben Stammgäste das komplette Interieur ausgebaut und akkurat archiviert.

Alles wurde eingelagert, in der Hoffnung, dass der Investor des Hauses einen Alternativstandort in der Nähe anbietet.

Das ist leider nicht passiert. Als ich dann ebenfalls vor drei Jahren auf das Gelände des Ballhauses kam, gab es vor dem Haupteingang zwei Lageräume für Getränke. Ich dachte eigentlich passt das inhaltlich wunderbar zum Altberlin. 2016 haben wir dann 111 Jahre Ballhaus Berlin gefeiert.

Als Überraschung habe ich das Interieur vom Altberlin gekauft. Und dann haben wir das Alt Berlin in das alte Getränkelager rein gezimmert.

Altberlin, Ballhaus Berlin
Das neue Altberlin im ehemaligen Getränkelager des Ballhauses ©AusserGewöhnlich Berlin

Das Alt Berlin ist natürlich auch von der Zeit her ein passendes Ideal zum Ballhaus. Die Kneipe stammt von 1893. Die Legende sagt, dass bereits Berthold Brecht seinen eigenen Stuhl aus der Volksbühne dort platzierte und häufig im Alt Berlin verkehrte.

In den 10 Jahren vor der Schließung trafen sich dort auch Leute wie Brad Pitt, Quentin Tarantino, Max Raabe und viele andere, wenn sie hier in Berlin waren.

Hier konnten sie sich austauschen und unbelästigt ein Bier und MAMPE trinken.

Kann man bei dir jetzt wieder MAMPE trinken?

Ja! Wenn man ein solch altes Haus betreibt, hat man auch eine gewisse Sensibilität für alles, was damit zusammenhängt, sprich was aus dieser Zeit kommt.

MAMPE war der Haustrunk im Alt Berlin. Ich kenne kein anderes Haus, wo MAMPE so zelebriert wurde wie im Alt Berlin.

Wie es der Zufall will, habe ich tatsächlich bei einem kleinen Ausflug vor 6 Wochen einen Scheunenfund gemacht und 120 Flaschen alten Jahrgangsmampe gefunden und gekauft. Jetzt wird er natürlich im Alt Berlin ausgeschenkt.

 

Würdest du einem Investor erzählen, dass es sich lohnt, die Tradition und die Geschichte Berlins zu respektieren, so wie du es mit dem Alt Berlin gemacht hast?

Unbedingt.

Ich bin Unternehmer. Bei aller Liebe zur Kunst und zur Bewahrung traditioneller Werte, bin ich darauf angewiesen mit meiner Profession und meiner Unternehmung Geld zu verdienen. Sonst geht es nicht lange gut. Ich bin der Meinung, dass es Entwicklungen gibt, die unbedingt unterstützt werden müssen. Es gibt auch viele moderne Bauten, die ich architektonisch toll finde und ich habe auch einen Faible für Design. Ich sage nicht, dass nur alles gut ist, was alt ist.

Aber ich kann verbindlich sagen, dass es sich lohnt, traditionelle Werte und traditionelle Kultur aufrecht zu erhalten.

Der Zuspruch unserer Besucher, sowohl was das Haus selbst angeht, als auch unsere Programme, zeigt, dass man damit auch Geld verdienen und überleben kann.

Und kommt auch die ältere Generation ins Alt Berlin?

Es ist oft ein großes Risiko, wenn man etwas verpflanzt und häufig geht das auch daneben. Hier war das Risiko überschaubar und ich muss gestehen, ich habe sehr daran gezweifelt, dass man die alte Stammkundschaft verpflanzen kann.

Der Berliner ist bequem und bleibt gerne in unmittelbarer Nähe seines zu Hauses.

Überraschender Weise hatten wir bei der Eröffnung des Alt Berlin, ohne es zu promoten, völlig erschlagen 1500 Gäste im Durchlauf. Wir hatten das komplette Ballhaus geöffnet, was ursprünglich gar nicht geplant war. Alle, wirklich alle früheren Stammgäste kamen und haben sich gefreut, dass es das Alt Berlin wieder gibt.

Inzwischen gibt es viele frühere Stammgäste. Es haben sich auch neue aus der Nachbarschaft hinzu gefunden und ab und zu finden sich auch ein paar Touristen ein.

Im Großen und Ganzen ist es für alle interessant. Es ist ein angenehmes und gemischtes Publikum und alle freuen sich.

Ich brauche drei Superlative für das Ballhaus.

Wir sind außergewöhnlich, einzigartig und mit Herz geführt.

Die Stimmung in der Stadt verändert sich.  Wir hatten einen Anschlag in Berlin. Ändern die sonst so entspannten Berliner ihre Grundeinstellung?

Unsere aktuelle politische Situation wird bedingt durch die weltweiten Kriege und die Problematiken unter den verschiedenen Kulturen und Regionen, die aus meiner Sicht im Moment zu den problematischsten Situationen gehören, die ich im Leben bis jetzt erlebt habe. Ich glaube trotzdem nicht, dass sich etwas ändert.Ich glaube, dass wir alle, unabhängig des tragischen Anschlages und den weltweiten Ereignissen, längst sensibilisiert durch die Welt gehen.

Ich denke, das der Anschlag dazu führt, dass viele Menschen ihre Umwelt wesentlich aufmerksamer betrachten.

Wenn wir unsere Freiheit erhalten wollen, ist  der einzige Weg, dass wir uns alle bildhaft an die Hand nehmen, die Augen auf halten und selbst innerhalb unseres kleinen Mikrokosmos alles tun, um dieser gesamten Entwicklung entgegen zu wirken.

Eine absolute Sicherheit gibt es nicht. Egal, ob das eine Sehenswürdigkeit, ein viel frequentierter Punkt, oder ein Weihnachtsmarkt ist, wenn es nicht da passiert, dann in jeder beliebigen Nebenstraße, wie in Paris.

Das einzige, um dem Ganzen entgegenzuwirken ist, dass wir alle gemeinsam aufmerksam sind und uns nicht einschüchtern lassen.

Wir können nur hoffen, dass dieses gesamte Problem von der Gesellschaft und der Politik in den Griff bekommen wird.

 

Dieses Interview erschien erstmals im eMagazin von AusserGewöhnlich Berlin in der Ausgabe 02/2017.

Wenn Sie etwas über Mampe lesen wollen, klicken Sie HIER.

Vor drei Jahren schloss das Ballhaus Berlin. Jetzt ist es mit Macht wieder da. Das Gefühl der wilden 20er Jahre trifft aus Berlins neue Kreativszene und beschert uns heiße, durchzechte Berliner Nächte.

Christof Blaesius ist Inhaber des Ballhaus Berlin. Im Interview spricht er mit uns über das Alt Berlin, MAMPE, das Ballhaus, und warum es sich als Investor lohnt, alte Werte zu respektieren.

Was machst Du Kölner in Berlin?

In der mit Sicherheit spannendsten Stadt der Welt die Entwicklung miterleben und ein Teil davon sein.

Warum ist Berlin die spannendste Stadt der Welt?

Weil Berlin eine Stadt ist, die uns alle verbindet, die eine friedliche Revolution mitgemacht hat, die vermutlich kein zweites Mal auf der Welt zu finden ist und die ein Volk wieder zusammengeführt hat.

Und ich bin jemand, der versucht in allen Projekten Menschen zusammenzubringen und ihnen Freude zu bereiten. Diese Stadt symbolisiert das natürlich mit internationaler Strahlkraft.

Wow. Was sind gerade deine Hauptprojekte?

Jetzt im Augenblick sind meine Hauptprojekte selbstverständlich das Ballhaus Berlin, in Verbindung mit dem Alt Berlin und dem gerade in der Entstehung befindlichen Hostel Ballhaus Berlin.

Das Ballhaus Berlin, was ist das? Ist das eine Discothek? Ein Veranstaltungsraum? Wie kann man das benennen?

Das Ballhaus Berlin ist erst mal das älteste Ballhaus der Stadt, von denen es nahezu fast 500 in den 20er Jahren gab.

Das Ballhaus ist nicht nur das älteste, sondern eins von fünf oder sechs, die überhaupt übrig geblieben sind und heute noch in Betrieb sind.

Wir versuchen ein wenig des Geistes, den man in den Golden Twenties hatte, in die zukünftigen 20er Jahre zu transportieren.

Ballhaus Berlin, 20er Jahre, Zukunft Berlins
Die neuen 20er Jahre ©AusserGewöhnlich Berlin

Kann man auch Absinth bei euch trinken?

Absinth gibt es selbstverständlich auch zu verschiedenen Veranstaltungen, wie beispielsweise Bohéme Sauvage.

Dann habt ihr auch Veranstaltungen die als Vorbild die 20er Jahre hatten?

Absolut. Wir haben eine ganze Menge Veranstaltungen in der Richtung. Dazu gehört zum Beispiel das Kabarett der Namenlosen, Bohéme Sauvage, Berliner Luft, ein Claire Waldoff Programm mit der bekanntesten Claire Waldoff Darstellerin Deutschlands, Sigrid Grajek, und viele mehr.

Und gibt es auch etwas Modernes im Programm?

Selbstverständlich gibt es auch Modernes.

Wir haben eine Menge Record Release Partys und wir haben immer wieder Experimente mit HipHop und Kunst in Verbindung und mit Rock und Kunst in Verbindung.

Das einzige auf was wir gerne verzichten, ist harte elektronische Musik wie Techno. Zum einen können das andere besser und zum anderen ist das Haus einfach zu alt, als das es für Techno geeignet wäre.

Das bedeutet euer Publikum ist total gemischt?

Unser Publikum ist absolut gemischt. Soll heißen wir erfreuen uns der Gäste zwischen 20 und 80 Jahren und das macht es eben auch für alle interessant.

Jung und alt kommen gleichermaßen zusammen. Zugegeben, bei manchen Veranstaltungen gibt es mehr junge Gäste und bei anderen auch überwiegend ältere Gäste, aber es gibt eine ganze Menge Veranstaltungen, die einen absoluten Mix der Generationen haben.

Haben Sie das Ballhaus Berlin wieder eröffnet oder war es bereits offen, als Sie es übernahmen?

Es war 30 Jahre in Betreiberschaft von Herbert Gottschlich und seiner Frau. Die beiden haben es dieses Jahr vor ziemlich genau 3 Jahren aus altersbedingten Gründen aufgegeben. Wir haben es übernommen und erst mal 5 Monate dicht gemacht, um alles zu renovieren, was zu renovieren war. Wir haben das Ballhaus beispielsweise komplett mit neuer Technik ausgestattet und farblich etwas anders abgestimmt.

Und das nicht nur mit viel Geld, sondern auch mit viel Detail und viel Leidenschaft.

Ballhaus Berlin, Eröffnung
Durchzechte Nächte im Ballhaus Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Und was hast du vorher gemacht? Bist du Gastronom aus Leidenschaft?

Ich bin alles andere als Gastronom. Selbstverständlich ist man in der Rolle des Gastgebers, aber eigentlich bin ich selbst ganz klassisch groß geworden: Nach der Schulzeit Abitur, Touristik und BWL Studium mit Schwerpunkt Marketing, parallel dazu eine Ausbildung als Fernsehproducer bei RTL und Frank Elstner in Luxemburg. So bin ich erst mal ins Fernsehgeschäft gekommen, in dem ich 20 Jahre tätig war. Als selbstständiger Produzent wurde die Luft irgendwann enger, als die Fernsehanstalten eigene Profitenter gründeten.

Dann habe ich überlegt, was man tun kann, um mit der Entwicklung schrittzuhalten und ich dachte mir, was mit Kamera geht, geht auch ohne.

So bin ich ins Veranstaltungsgeschäft gekommen und führe heute neben dem Ballhaus seit vielen Jahren eine Eventagentur.

Was fast niemand weiß: Du hast „Alt Berlin“ gerettet.

Das war zugegebener Maßen meine Stammkneipe in der Münzstraße. Ich wohnte um die Ecke in der Alten Schönhauser Straße.

Eigentlich war das ein Laden an dem man vorbei läuft, weil er von außen schrabbelig und alt aussah.

Durch meinen damaligen Nachbarn Ben Becker bin ich dann aber mal dort rein gegangen und wie in einem zweiten Wohnzimmer hängen geblieben. Es war ein Treffpunkt der Mitte-Szene. Dort waren viele Schauspieler, Musiker und andere interessante Menschen, die sich ungezwungen getroffen haben. Leider musste das Altberlin dann vor drei Jahren zwecks Haussanierung schließen und weichen.

Da diese Kneipe aber von so vielen leidenschaftlichen Menschen besucht wurde, haben Stammgäste das komplette Interieur ausgebaut und akkurat archiviert.

Alles wurde eingelagert, in der Hoffnung, dass der Investor des Hauses einen Alternativstandort in der Nähe anbietet.

Das ist leider nicht passiert. Als ich dann ebenfalls vor drei Jahren auf das Gelände des Ballhauses kam, gab es vor dem Haupteingang zwei Lageräume für Getränke. Ich dachte eigentlich passt das inhaltlich wunderbar zum Altberlin. 2016 haben wir dann 111 Jahre Ballhaus Berlin gefeiert.

Als Überraschung habe ich das Interieur vom Altberlin gekauft. Und dann haben wir das Alt Berlin in das alte Getränkelager rein gezimmert.

Altberlin, Ballhaus Berlin
Das neue Altberlin im ehemaligen Getränkelager des Ballhauses ©AusserGewöhnlich Berlin

Das Alt Berlin ist natürlich auch von der Zeit her ein passendes Ideal zum Ballhaus. Die Kneipe stammt von 1893. Die Legende sagt, dass bereits Berthold Brecht seinen eigenen Stuhl aus der Volksbühne dort platzierte und häufig im Alt Berlin verkehrte.

In den 10 Jahren vor der Schließung trafen sich dort auch Leute wie Brad Pitt, Quentin Tarantino, Max Raabe und viele andere, wenn sie hier in Berlin waren.

Hier konnten sie sich austauschen und unbelästigt ein Bier und MAMPE trinken.

Kann man bei dir jetzt wieder MAMPE trinken?

Ja! Wenn man ein solch altes Haus betreibt, hat man auch eine gewisse Sensibilität für alles, was damit zusammenhängt, sprich was aus dieser Zeit kommt.

MAMPE war der Haustrunk im Alt Berlin. Ich kenne kein anderes Haus, wo MAMPE so zelebriert wurde wie im Alt Berlin.

Wie es der Zufall will, habe ich tatsächlich bei einem kleinen Ausflug vor 6 Wochen einen Scheunenfund gemacht und 120 Flaschen alten Jahrgangsmampe gefunden und gekauft. Jetzt wird er natürlich im Alt Berlin ausgeschenkt.

 

Würdest du einem Investor erzählen, dass es sich lohnt, die Tradition und die Geschichte Berlins zu respektieren, so wie du es mit dem Alt Berlin gemacht hast?

Unbedingt.

Ich bin Unternehmer. Bei aller Liebe zur Kunst und zur Bewahrung traditioneller Werte, bin ich darauf angewiesen mit meiner Profession und meiner Unternehmung Geld zu verdienen. Sonst geht es nicht lange gut. Ich bin der Meinung, dass es Entwicklungen gibt, die unbedingt unterstützt werden müssen. Es gibt auch viele moderne Bauten, die ich architektonisch toll finde und ich habe auch einen Faible für Design. Ich sage nicht, dass nur alles gut ist, was alt ist.

Aber ich kann verbindlich sagen, dass es sich lohnt, traditionelle Werte und traditionelle Kultur aufrecht zu erhalten.

Der Zuspruch unserer Besucher, sowohl was das Haus selbst angeht, als auch unsere Programme, zeigt, dass man damit auch Geld verdienen und überleben kann.

Und kommt auch die ältere Generation ins Alt Berlin?

Es ist oft ein großes Risiko, wenn man etwas verpflanzt und häufig geht das auch daneben. Hier war das Risiko überschaubar und ich muss gestehen, ich habe sehr daran gezweifelt, dass man die alte Stammkundschaft verpflanzen kann.

Der Berliner ist bequem und bleibt gerne in unmittelbarer Nähe seines zu Hauses.

Überraschender Weise hatten wir bei der Eröffnung des Alt Berlin, ohne es zu promoten, völlig erschlagen 1500 Gäste im Durchlauf. Wir hatten das komplette Ballhaus geöffnet, was ursprünglich gar nicht geplant war. Alle, wirklich alle früheren Stammgäste kamen und haben sich gefreut, dass es das Alt Berlin wieder gibt.

Inzwischen gibt es viele frühere Stammgäste. Es haben sich auch neue aus der Nachbarschaft hinzu gefunden und ab und zu finden sich auch ein paar Touristen ein.

Im Großen und Ganzen ist es für alle interessant. Es ist ein angenehmes und gemischtes Publikum und alle freuen sich.

Ich brauche drei Superlative für das Ballhaus.

Wir sind außergewöhnlich, einzigartig und mit Herz geführt.

Die Stimmung in der Stadt verändert sich.  Wir hatten einen Anschlag in Berlin. Ändern die sonst so entspannten Berliner ihre Grundeinstellung?

Unsere aktuelle politische Situation wird bedingt durch die weltweiten Kriege und die Problematiken unter den verschiedenen Kulturen und Regionen, die aus meiner Sicht im Moment zu den problematischsten Situationen gehören, die ich im Leben bis jetzt erlebt habe. Ich glaube trotzdem nicht, dass sich etwas ändert.Ich glaube, dass wir alle, unabhängig des tragischen Anschlages und den weltweiten Ereignissen, längst sensibilisiert durch die Welt gehen.

Ich denke, das der Anschlag dazu führt, dass viele Menschen ihre Umwelt wesentlich aufmerksamer betrachten.

Wenn wir unsere Freiheit erhalten wollen, ist  der einzige Weg, dass wir uns alle bildhaft an die Hand nehmen, die Augen auf halten und selbst innerhalb unseres kleinen Mikrokosmos alles tun, um dieser gesamten Entwicklung entgegen zu wirken.

Eine absolute Sicherheit gibt es nicht. Egal, ob das eine Sehenswürdigkeit, ein viel frequentierter Punkt, oder ein Weihnachtsmarkt ist, wenn es nicht da passiert, dann in jeder beliebigen Nebenstraße, wie in Paris.

Das einzige, um dem Ganzen entgegenzuwirken ist, dass wir alle gemeinsam aufmerksam sind und uns nicht einschüchtern lassen.

Wir können nur hoffen, dass dieses gesamte Problem von der Gesellschaft und der Politik in den Griff bekommen wird.

 

Dieses Interview erschien erstmals im eMagazin von AusserGewöhnlich Berlin in der Ausgabe 02/2017.

Wenn Sie etwas über Mampe lesen wollen, klicken Sie HIER.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.