Das Anne Frank Zentrum am Hackeschen Markt

Das Anne Frank Zentrum am Hackeschen Markt ist die Partnerorganisation des Anne Frank Haus in Amsterdam ©AusserGewöhnlich Berlin

Versteckt am Hackeschen Markt – Das Anne Frank Zentrum

Der AusserGewöhnliche Berliner Patrick Siegele ist Direktor des Anne Frank Zentrum in Berlin. Im Interview mit uns spricht er über Engagement, Respekt und den Umbau der Anne Frank Ausstellung.

Was, glaubst Du, würde die junge Anne Frank über das Berlin von heute sagen?

Sehr schwer zu sagen. Vielleicht, dass es so viele Buchhandlungen in der Stadt gibt und so viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller hier leben. Das war ja immer ihr großer Traum – eine anerkannte Schriftstellerin und Autorin zu werden. Wahrscheinlich würde ihr die große kulturelle Vielfalt in Berlin gefallen.

Das Anne Frank Zentrum ist eine echte Berliner Pflanze. Wie ist es entstanden und wer steckt dahinter?

Angefangen hat alles mit einer Bürgerinitiative und deren Wanderausstellung »Die Welt der Anne Frank. 1929 – 1945«.

Zum 50. Jahrestag des Kriegsendes wurde diese 1995 in fünf Bezirken in Ost- und West-Berlin gezeigt, um über die antisemitische Verfolgung im Nationalsozialismus aufzuklären. Daraus entstanden ein Förderverein und eine offizielle Partnerschaft mit dem Anne Frank Haus in Amsterdam.

Mit der Unterstützung aus den Niederlanden konnte 1998 das Anne Frank Zentrum in seinen heutigen Räumlichkeiten eröffnen. Das Anne Frank Zentrum ist also durch die Anstrengungen vieler Engagierter entstanden. Heute arbeiten hier rund 30 festangestellte Personen.

Stolpersteine in Berlin

Die Stolpersteine von Gunter Demnig in Berlin Mitte erinnern an die Verfolgung durch die Nationalsozialisten zwischen 1933 und 1945 ©AusserGewöhnlich Berlin

Was sind drei wichtige Eigenschaften von Anne Frank?

Wir kennen Anne Frank vor allem aus ihrem Tagebuch und durch das, was ihr Vater Otto und Freundinnen und Freunde nach dem Holocaust von ihr berichteten. Für mich ergibt sich daraus folgendes Bild:

Sie war vielfach talentiert und sehr beobachtungsstark, sie hatte ein gutes Auge für die Eigenheiten und Verhaltensweisen der Personen in ihrer Umgebung.


Sie liebte es, zu schreiben und zu lesen. Manchmal war sie auch frech – sie war eben ein normales Mädchen mit einer komplexen Persönlichkeit.

Bild in den Hackenschen Höfen

Anne Frank hatte ein gutes Auge für die Eigenheiten von Personen ©AusserGewöhnlich Berlin

Ich habe das Tagebuch der Anne Frank in der zweiten Klasse gelesen und es hat mein Leben nachhaltig beeinflusst. Sollte Anne Franks Tagebuch nicht schulische Pflichtlektüre sein?

Pflicht und Lernen sind oft Gegensätze.

Jedenfalls dann, wenn es um die persönliche Auseinandersetzung mit einem Thema geht. Das Tagebuch von Anne Frank kann junge Menschen an die Verfolgung von Jüdinnen und Juden im Zweiten Weltkrieg heranführen.

Wichtig ist bei dieser Lektüre, dass die Heranwachsenden nicht nur allein historische Fakten begreifen. Sie sollen auch über den Menschen Anne Frank nachdenken und ihren Gefühlen beim Lesen nachgehen. Dafür braucht es Lehrkräfte, die Schülerinnen und Schüler für dieses Buch begeistern und Anreize für eine intensive Auseinandersetzung geben.

Patrick Siegele vom Anne Frank Zentrum

Patrick Siegele, Direktor des Anne Frank Zentrums Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Wann bist Du besonders stolz Direktor des Anne Frank Zentrums zu sein?

Wenn wir vom Anne Frank Zentrum dazu beitragen, dass sich junge Menschen für Demokratie und Menschenrechte einsetzen.

Wenn Jugendliche durch unsere Arbeit erkennen, dass sie sich in unsere Gesellschaft einbringen und sie auch verändern können. Das macht mich stolz. Und toll ist es natürlich auch zu sehen, wenn Menschen, die als Jugendliche bei uns ihre ersten Schritte im Engagement getan haben, als Erwachsene und Berufstätige weiter aktiv für ein demokratisches Miteinander eintreten.

Deine drei ganz persönlichen Grundwerte?

Authentizität, Fairness, Transparenz.

Eine Einrichtung wie das Anne Frank Zentrum lebt auch von ihren Beziehungen. Was ist für Dich Networking?

Für mich bedeutet Networking, mit Menschen zusammenzukommen, die in ganz verschiedenen Feldern aktiv sein können. Und in diesem Zusammenkommen und sich Kennenlernen kann dann etwas Neues entstehen: neue Ideen, neue Projekte und neue Partnerschaften.

Die Welt hat so viele Möglichkeiten und von den meisten erfahren wir nur im persönlichen Gespräch.


Networking heißt für mich in diesem Sinne: ein Nehmen und Geben und ein gemeinsames Wachsen.

Was erwartet das Anne Frank Zentrum in der Zukunft?

Wir machen uns am Anne Frank Zentrum Sorgen um die Zunahme von Antisemitismus und Rassismus.

Das gesellschaftliche Klima wird rauer. Mit unserer Arbeit machen wir Jugendliche und Kinder stark gegen menschenfeindliche Positionen. Wir unterstützen sie, damit sie sich in ihrem Alltag und darüber hinaus mit Projekten für eine demokratische Gesellschaft einsetzen.

Das Anne Frank Zentrum unterstützt Kinder und Jugendliche beim Aufbau einer demokratischen Gesellschaft

Freiheit, Gleichheit, Demokratie: Das Anne Frank Zentrum setzt sich für Menschenrechte ein ©AusserGewöhnlich Berlin

Diese Engagement-Förderung bei den Jugendlichen betreiben wir auch durch verschiedene neue Maßnahmen. Um nur ein paar Projekte zu nennen:

Mit dem Anne Frank Tag am 12. Juni organisieren wir jährlich einen bundesweiten Schulaktionstag.

Anfang September kommen Jugendliche aus aller Welt zum internationalen Jugendcamp.

Und dann natürlich unsere neue ständige Ausstellung – ein einzigartiger Lernort mit deutschlandweiter Strahlkraft.

Was erwartet das Anne Frank Zentrum also in der Zukunft?

Noch mehr Anstrengung für eine menschliche Gesellschaft.


Die ständige Ausstellung Anne Frank im Anne Frank Zentrum Berlin

Die ständige Ausstellung Anne Frank in Berlin ©AusserGewöhnlich Berlin

Wie können Unternehmerinnen und Unternehmer das Anne Frank Zentrum unterstützen? Was braucht das Zentrum gerade besonders dringend?

Aktuell arbeiten wir unter Hochdruck an unserer neuen ständigen Ausstellung zu Anne Frank. Für die Eröffnungsveranstaltung am 19. November 2018 haben wir verschiedene ungedeckte Kosten. Derzeit sind wir noch auf der Suche nach einem Catering, einem Film-Team für die Dokumentation des Abends, die technische Ausstattung wie einem Sound- und Lichtsystem.
Wir planen außerdem die Restaurierung des Wandbildes im Hof sowie auch eine Werbekampagne mit verschiedenen Prominenten, für die wir auf die Unterstützung eines Fotografen oder einer Fotografin hoffen.

Darüber hinaus sind wir als Anne Frank Zentrum auch ganz generell an Partnerschaften interessiert.

Wer unsere Jugendarbeit gegen Antisemitismus und Rassismus unterstützt, investiert ganz direkt in eine demokratische Gesellschaft.


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